Hoiningen, Ernst Freiherr von Wilhelm Karl Maria 

Andere Namensformen:
  • genannt Huene
Geburtsdatum/-ort: 23.09.1849; Unkel am Rhein
Sterbedatum/-ort: 11.03.1924; Darmstadt
Beruf/Funktion:
  • General der Infanterie
Kurzbiografie: Bis 1868 Gymnasium in Unkel/Rhein
1868 Einjährig Freiwilliger beim Rheinischen Pionierbataillon 8 in Koblenz; 1869 Fähnrich; 1870 Leutnant; 1876 Oberleutnant
1881 Ingenieuroffizier und kommandiert zum Großen Generalstab
1882 Hauptmann im Großen Generalstab und stellvertretender Militärattaché in London
1883 im Generalstab III. Armeekorps in Berlin
1885 Mai Militärattaché bei der Kaiserlichen Botschaft in London; 1886 Okt. desgleichen bei der Kaiserlichen Botschaft in Paris
1887 Charakterisierter Major und aggregiert zum Großen Generalstab (Patent 15.10.1886)
1888 Diensttuender Flügeladjudant des Kaisers und Königs
1891 Großer Generalstab und Stab 29. Infanteriedivision/Freiburg i. Br.
1893 Okt. Oberstleutnant und Kommandeur III./1. Elsässisches Infanterieregiment 132 in Straßburg
1894 Aug. Chef des Generalstabes des XIV. Armeekorps in Karlsruhe
1897 Mär. Oberst, ab September Kommandeur des Leibgardeinfanterieregiments (1. Großherzoglich-Hessisches) 115 in Darmstadt
1900 Feb. Generalmajor und Kommandeur 53. Infanteriebrigade
1903 Apr. Generalleutnant und Kommandeur 30. Infanteriedivision in Straßburg
1907 General der Infanterie, ab Oktober Kommandierender General des XIV Armeekorps in Karlsruhe
1913 Mär. à la Suite Grenadierregiment 109 gestellt
1914 Aug. zu den Offizieren von der Armee versetzt, im Oktober reaktiviert und zum Gouverneur von Antwerpen ernannt
1917 Jan. zu den Offizieren von der Armee versetzt, im März verabschiedet
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: 1895 (Eisenberg in der Pfalz) Ilma Maria Hermine, geb. Freiin von Gienanth (1874-1946), Tochter des Eugen Wilhelm von Gienanth (1846-1893), Eisenhüttenwerks- und Gutsbesitzer, verheiratet 1872 mit Elise Gabriele Sidonie Engehorn
Eltern: Vater: Anselm August von Hoiningen (1817-1882), Königlich-Preußischer Bergrat
Mutter: Maria, geb. Longard (1828-1882)
Geschwister: Hans Theodor Karl Maria (1856-1918), Dr. Jur., Geheimer Justizrat, Königlich-Preußischer Landgerichtsdirektor
Kinder: Keine
GND-ID: GND/1012561739

Biografie: Manfred Kehrig (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 4, 142-143

Der einem um die Wende 18./19. Jahrhundert aus Kurland nach Preußen eingewanderten und u. a. am Rhein bei Unkel ansässig gewordenen Adelsgeschlecht entstammende Hoiningen wuchs in einem weltoffenen, dem modern betriebenen Bergbau beruflich verpflichteten, liberalen Elternhaus auf. Nach dem Abitur trat er als Einjährig Freiwilliger beim Rheinischen Pionierbataillon 8 in Koblenz ein, um anschließend zu studieren. Doch entschloß er sich schon kurze Zeit später, aktiver Offizier zu werden. Der begabte junge Mann avancierte schnell, wurde schon nach knapp zwei Jahren Leutnant und zeichnete sich durch seine gut ausgebildete technische Begabung aus. Mit glänzendem Ergebnis absolvierte er die zweijährige Ausbildung zum Generalstabsoffizier und sammelte als Gehilfe des Marineattachés für Angelegenheiten des Britischen Heeres bei der Kaiserlichen Botschaft in London erste militärdiplomatische Berufserfahrung. Nach verschiedenen Verwendungen im Truppengeneralstab wurde er Ende Oktober 1886 Militärattaché bei der Kaiserlichen Botschaft in Paris. Hier geriet er nicht nur unverschuldet in den Verdacht, Spionage betrieben zu haben, sondern vor allem in den Konflikt zwischen dem Reichskanzler von Bismarck und General von Waldersee, dem Stellvertreter Moltkes des Älteren, über Stellung und Berichterstattung der Militärattachés im Rahmen des diplomatischen Dienstes. Die Auseinandersetzung entstand, da Waldersee bestrebt war, durch Etablierung eines von diplomatischem Dienst unabhängigen Berichtwesens der Militärattachés eigene Nachrichtenquellen zur Verfügung zu haben. Diese Zielsetzung Waldersees, lebhaft unterstützt von Kaiser Wilhelm II., fand die vorwiegend von seinem soldatischen Selbstverständnis gespeiste ungeteilte Zustimmung Hoiningens – ebenso wie die anderer Militärattachés –, der mit dem Generalstabschef bis zu dessen – und seiner – Ablösung 1891 eine lebhafte privatdienstliche Korrespondenz unterhielt. So auch in das Blickfeld Wilhelms II. gerückt, erfreute er sich dessen uneingeschränkter Gunst. Nach verschiedenen Verwendungen als Bataillons-, Regiments-, Brigade- und Divisionskommandeur im südwestdeutschen Raum wurde er 1907 für sieben Jahre mit voller Zustimmung Großherzog Friedrichs II. von Baden Kommandierender General des in Karlsruhe gelegenen XIV. Armeekorps, welches das Badische Heereskontingent mit 2 Divisionen und zahlreichen Korpstruppen umfaßte. Das Wohlwollen des badischen Monarchen war die Folge der tadellosen Pflichterfüllung Hoiningens als Chef des Stabes der 29. Infanteriedivision in Freiburg i. Br. sowie als Chef des Generalstabes des XIV. Armeekorps 1894-1897; volle Anerkennung durch den badischen Monarchen fand auch Hoiningens Tätigkeit als Kommandeur der 30. Infanteriedivision in Straßburg im Elsaß. Das Wohlwollen des Herrschers zeigte sich auch später noch, als Hoiningen à la Suite des Grenadierregiments 109 in Karlsruhe gestellt wurde. Im ersten Kriegsmonat 1914 wurde Hoiningen wegen Erreichens der Altersgrenze zur Disposition gestellt, dann aber noch einmal für zwei Jahre zum Gouverneur von Antwerpen ernannt, bis er l917 in den Ruhestand verabschiedet wurde, den er in Darmstadt verlebte, wo er 1924 starb. Hoiningen war der Typ des weitgebildeten, mit hohem Intellekt ausgestatteten, ausgesprochen selbstbewußten Generalstabsoffiziers, der nach seinem soldatischen Selbstverständnis zuerst dazu berufen war, die politischen Auffassungen des Kaisers und Königs ohne Einschränkung zu unterstützen und die Stellung des Militärs als wichtigster Stütze des monarchischen Systems und des Staates überhaupt zu verteidigen. Als liebenswürdig im Umgang, nobel in der Gesinnung und kameradschaftlich-fürsorglich im dienstlichen Verkehr wird er von seinen Kameraden und Freunden beschrieben.
Nachweis: Bildnachweise: BA-MA, Bildnissammlung; Pensionsakt d. Witwe im StAF (Signatur 73/34 P 45).

Literatur: Frhr. v. Hoiningen: Aus d. Berichten d. Pariser Militärattachés Frhr. v. Hoiningen an den Grafen Waldersee, hg. v. H. O. Meisner, Berliner Monatshefte, 15. Jg. (November 1937), 95 ff.; H. O. Meisner, Militärattachés u. Militärbevollmächtigte in Preußen u. im Dt. Reich, Berlin 1957; Gerhard Ritter, Die Dt. Militärattachés u. d. Auswärtige Amt, Heidelberg 1959; A. Vagts, The Military Attaché, Princeton 1969; Militärwochenblatt Nr. 20, 1924, 483.
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