Dill, Gottlob 

Geburtsdatum/-ort: 30.08.1885;  Niederstetten/Oberamt Gerabronn
Sterbedatum/-ort: 31.01.1968;  Stuttgart
Beruf/Funktion:
  • Jurist, Ministerialdirektor im Innenministerium
Kurzbiografie: Volks- und Realschule in Niederstetten
1900-1901 Oberschule in Schwäbisch Hall
1901-1903 Dillmann-Realgymnasium in Stuttgart
1903 Einjährig-Freiwilliger beim Feldartillerieregiment 49 in Ulm, Leutnant der Reserve
1904-1909 Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Tübingen und Leipzig
1909 I. Höhere Justizdienstprüfung, danach Gerichtsreferendar in Mergentheim und Stuttgart
1912 II. Höhere Justizdienstprüfung, danach bis 1913 Gerichtsassessor in Ulm
1913 Rechtsanwalt in Calw
1914-1918 Kriegsdienst im 1. Weltkrieg, fast ausschließlich an der Westfront, 1915 Oberleutnant, 1918 Hauptmann der Reserve, zuletzt als Gruppenkommandeur; Eisernes Kreuz II. Klasse, Eisernes Kreuz I. Klasse, Ritterkreuz des Württembergischen Militärverdienstordens
1919 VI Als Vorstand der Kriminalabteilung dem Württembergischen Landespolizeiamt zugeteilt (bis Juni 1920)
1920 III.20. Staatsanwalt in Stuttgart (Mai Promotion zum Dr. jur.)
1921 IV.29. Vorstand des Amtsgerichts-Gefängnisses Stuttgart-Stadt (Amtsbezeichnung Regierungsrat)
1923 IV Landrichter
1927 X Landgerichtsrat in Stuttgart
1933 III.08. Stellvertreter des Reichskommissars für das Polizeiwesen in Württemberg. (17./18. März) Stellvertreter des Polizeikommissars für Württemberg. (1. Mai) Beitritt zur NSDAP (Nr. 3 226 470, später verringert auf 921 743). (12. Mai) Ministerialrat im Innenministerium (Amtsbezeichnung Ministerialdirektor). (seit Juli) Mitglied des Evangelischen Landeskirchentages und -ausschusses (Deutsche Christen). (9. Dezember) Ernennung zum Ministerialdirektor im Innenministerium
1939 IV-VIII Amtsleiter des Reichsstatthalters für Österreich in Wien (20. April), Mitglied der SS (Mitgliedsnummer 327 310), zugleich SS-Standartenführer, wenig später Oberführer, (August bis Oktober) Leiter der Zivilverwaltung in Polen
1945-1947 Interniert in Stuttgart, Kornwestheim, Darmstadt und Ossweil bei Ludwigsburg
1948 VII.07. Entscheid der Spruchkammer 11 Stuttgart: Belasteter
1949 IX.07. Entscheid der Zentralspruchkammer Nord-Württemberg: Minderbelasteter
1950 Erhalt von Versorgungsbezügen (seit 1957 Bezüge eines Ministerialrats)
Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch, April 1944 „gottgläubig“
Verheiratet: 1913 Stuttgart, Else, geb. Wiedersheim (1889-1961)
Eltern: Gottlob (1845-1909), Apotheker, Kaufmann, Privatier
Cordula Regina Charlotte, geb. Bauer (1846-1899)
Geschwister: 2, beide + 1877 an Diphterie
Kinder: Dr. jur. Gerhard (* 1914, 1944 an der Ostfront vermißt)
Hans Joachim (* 1917)
Lotte, verh. Schöbel (* 1918)
GND-ID: GND/1012576167

Biografie: In: Baden-Württembergische Biographien 3, 35-39
Quellen: Nachlaß im Stadtarchiv Stuttgart, Bestand 2087 (darin „Lebenserinnerungen“ Dills und umfangreiches Material zur Entnazifizierung); Partei- und SS-Zugehörigkeit betreffende Unterlagen im Berlin Document Center, jetzt BA-BZ; Nachkriegs-Personalakten HStAS, EA 2/150, Bü 229 und ebd., E 151/01, Bü 792; Korrespondenz zur NSDAP-Mitgliedschaft und -nummer im HStAS, E 140, Bü 85; Akten zum Studium und zur Dissertation im UA Tübingen; dessen schriftliche Mitteilung vom 16. September 1997
Nachweis: Bildnachweise: in Familienbesitz (Stuttgart)

Literatur: Das Deutsche Führerlexikon 1934/35, 1934, 97; Wer ist’s? 10 (1935), 300; Gerhard Gessler, in: Bixier-Nachrichten Nr. 26 (1968), 9; Gerhard Schäfer (Hg.), Dokumentation zum Kirchenkampf. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg und der Nationalsozialismus, Bde. 1 (1971) bis 6 (1986); Paul Sauer, Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus, 1975, bes. 74ff.; Kurt Leipner (Hg.), Chronik der Stadt Stuttgart 1933-1945 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart 30), 1982; Thomas Schnabel, Württemberg zwischen Weimar und Bonn 1928-1945/46 (SpLBW 13), 1986, 341, 405, 434, 451ff., 566; Karl Philipp, Burschenschaft Germania Tübingen. Gesamtverzeichnis der Mitglieder seit der Gründung am 12. Dezember 1816, 1989, 127; Friedrich Wilhelm, Die württembergische Polizei im Dritten Reich, Phil. Diss., 1989, bes. 240ff.; Michael Ruck, Korpsgeist und Staatsbewußtsein. Beamte im deutschen Südwesten 1928 bis 1972 (Nationalsozialismus und Nachkriegszeit in Südwestdeutschland 4), 1996, bes. 110ff.; Frank Raberg, Gottlob Dill (1885-1968), in: Rainer Lächele/Jörg Thierfelder (Hgg.), Wir konnten uns nicht entziehen. Dreißig Biographien zu Kirche und Nationalsozialismus in Württemberg, 1998, 189-205
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