Berberich, August Josef 

Geburtsdatum/-ort: 18.03.1912;  Gottersdorf (heute Stadtteil von Walldürn)
Sterbedatum/-ort: 12.12.1982;  Walldürn
Beruf/Funktion:
  • Landwirt, Ratschreiber, MdL, MdB-CDU, Vizepräsident des Landesbauernverbandes, Präsident des Badischen Genossenschaftsverbandes
Kurzbiografie:

1936 Übernahme des elterlichen Bauernhofs

1945 – 1953 nach kurzer amerikanischer Kriegsgefangenschaft Ratsschreiber der Gemeinde Gottersdorf

1946 – 1979 Kreisrat im Landkreis Buchen, ab 1973 im Neckar- Odenwald-Kreis, 25 Jahre CDU-Fraktionsvorsitzender

1950 – 1952 MdL von Württemberg-Baden

1952 – 1956 Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung und des ersten Landtags von Baden-Württemberg

1953 – 1982 Vorstandsvorsitzender der Milcherzeugergenossenschaft Mannheim-Heidelberg

1957 – 1972 MdB

1964 – 1973 Kreisvorsitzender des CDU-Kreisverbandes Buchen

ab 1964 Vizepräsident des Bauernverbandes Württemberg-Baden

1968 – 1971 Präsident des Badischen Genossenschaftsverbandes (Raiffeisen)

1969 – 1982 Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisen Zentralgenossenschaft Karlsruhe

1972 – 1982 Vorstandsvorsitzender der Milchzentrale Nordbaden in Mannheim, Aufsichtsratsvorsitzender der Spar- und Kreditbank Walldürn

Weitere Angaben zur Person: Religion: römisch-katholisch
Auszeichnungen: Ehrungen: Adolf-Münzinger-Preis, gestiftet vom Landwirtschaftsministerium Württemberg-Baden für vorbildliche Betriebsführung (1950er Jahre); Großes Verdienstkreuz der BRD (1972); Ehrenbürgerrecht der Stadt Walldürn (1977); Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg; Verleihung der Andreas-Hermes-Medaille des Deutschen Bauernverbandes (1980); Träger der Ehrennadel in Gold des Deutschen Raiffeisen- und Genossenschaftsverbandes; Träger der Goldenen Ähre mit Ring und Brillanten des Deutschen Bauernverbandes; Benennung einer Straße in Walldürn nach Berberich.
Verheiratet:

1950 Anna, geb. Schieser (1920 – 1990)


Eltern:

Vater: Wilhelm Josef (1877 – 1954), Landwirt

Mutter: Maria Josepha (1887 – 1933)


Geschwister:

zwei Brüder


Kinder:

keine

GND-ID: GND/1012764745

Biografie: Karl Heinz Neser (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 8 (2022), 24-26

Berberich wuchs in dem kleinen Ort Gottersdorf, heute ein Stadtteil von Walldürn, auf; er stammte aus einer alteingesessenen Landwirtsfamilie. Nach dem Besuch der Volks- und Landwirtschaftsschule übernahm er 1936 den elterlichen Hof mit damals 15 Hektar, den er nach dem Krieg zu einem Musterunternehmen ausbaute. Dafür wurde der Hof in den 1950er Jahren mit dem Adolf-Münzinger- Preis für vorbildliche Betriebsführung ausgezeichnet.

Nach Kriegseinsatz und kurzer amerikanischer Gefangenschaft wurde ihm im August 1945 das Amt des Ratsschreibers (bis 1953) in seiner Heimatgemeinde übertragen. Berberich gehörte zu den Männern der ersten Stunde, die sich dem demokratischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes von Anfang an zur Verfügung gestellt haben. Bereits 1946 wurde er für die CDU in den Kreistag des Landkreises Buchen gewählt. Dieses kommunale Mandat übte er bis 1979, also 33 Jahre aus, 25 Jahre davon als Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion. In dieser Zeit fielen wichtige Entscheidungen für den Landkreis Buchen, so z. B. der Ausbau der Berufsschulen, der Bau des Kreiskrankenhauses Buchen, die Ansiedlung von Bundeswehrgarnisonen, der Ausbau von Kreis-, Landes- und Bundesstraßen. Als Abgeordneter war Berberich unmittelbar damit befasst. Von 1964 bis 1973 amtierte er als CDU-Kreisvorsitzender.

Ende 1950 wurde Berberich im Wahlkreis Buchen-Tauberbischofsheim in den württemberg-badischen Landtag gewählt. 1952 zog er in die Verfassunggebende Landesversammlung des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg ein und gehörte bis 1956 dessen erstem Landtag an. In diesen Funktionen setzte er sich für die Förderung des Ländlichen Raumes ein. Mittelbar beteiligt war Berberich auch am Strukturplan für die ländlichen Regionen im Nordosten des Bundeslandes. Diese galten nach dem Zweiten Weltkrieg in Folge des starken Zustroms von Flüchtlingen und Vertriebenen als Notstandsgebiete. 1951 wurden für die vier nordbadischen Förderbezirke erstmals Mittel in den Landeshaushalt eingestellt, 1953 stellte der Ministerrat von Baden-Württemberg auf Grund eines Antrags der örtlichen Abgeordneten ein langfristiges Sanierungsprogramm auf, das sogenannte Odenwaldprogramm.

In der Frage der Neugliederung der drei südwestdeutschen Bundesländer hatte sich Berberich für die Bildung eines Südweststaates stark gemacht. Dies war nicht ohne Anfeindungen geblieben, wurde diese Frage doch auch im Landkreis Buchen sehr emotional diskutiert, gerade innerhalb der CDU. Die Spannungen aus dieser Zeit wirkten noch lange nach, was sich wohl auch auf Berberichs politische Karriere auswirkte. Als nach der Wahlkreisreform 1956, die beiden Wahlkreise Buchen und Mosbach zu einem gemeinsamen Landtagswahlkreis zusammengefasst wurden, kam es zwischen den beiden bisherigen CDU-Wahlkreisabgeordneten zur Kampfabstimmung um die Nominierung durch die Partei: Der Mosbacher Dekan Josef Krämer, seit 1952 im Landtag, gewann mit einer Stimme Vorsprung. Berberich vermutete, dass sein Einsatz für den Südweststaat ihm Stimmen und damit die Nominierung gekostet habe.

Doch diese Abstimmungsniederlage bedeutete nicht das Ende von Berberichs politischer Karriere. Bei der Bundestagswahl 1957 wurde er von der CDU als Kandidat im Wahlkreis Buchen-Tauberbischofsheim aufgestellt. Er gewann den Wahlkreis zu dem 1965 auch der Landkreis Mosbach kam, insgesamt dreimal mit Mehrheiten von weit über 60 Prozent. Im Bundestag gehörte Berberich den Ausschüssen für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie für Arbeit und Sozialordnung an. Als agrarsozialpolitischer Sprecher seiner Fraktion machte er sich einen Namen, indem er sich erfolgreich für die soziale Absicherung der Landwirte und ihrer Familienangehörigen bei Krankheit, Alter und Unfall einsetzte. Die gesetzliche Verankerung der landwirtschaftlichen Sozial- und Unfallversicherung war für die im Strukturwandel befindliche Landwirtschaft wichtig. Berberich gilt als Schöpfer der bäuerlichen Sozialpolitik und Vater der ländlichen Sozialversicherung.

Das Ende seiner politischen Karriere begann sich 1969 abzuzeichnen: Bei der Wahlkreisnominierung der CDU für die damals anstehende Bundestagswahl wurde er das Opfer einer Art Palastrevolution der Jungen Union. Dr. Karl Miltner, Erster Landesbeamter beim Landratsamt Tauberbischofsheim, setzte sich mit Unterstützung der tauberländer CDU und der Jungen Union knapp durch. Berberich wurde aber auf einem vorderen Listenplatz der CDU nominiert, da er als Mann der Landwirtschaft als unverzichtbar galt. Letztlich zog er über die Landesliste wieder in den Bundestag ein; 1972 kandidierte er jedoch nicht mehr.

Berberich engagierte sich über den politischen Bereich hinaus stark für seinen Berufsstand: Er war Vizepräsident des Bauernverbandes Württemberg-Baden und Vorsitzender des sozialpolitischen Ausschusses des Deutschen Bauernverbandes. Darüber hinaus beeinflusste er maßgeblich die Entwicklung landwirtschaftlicher Genossenschaften in Baden: Von 1968 bis 1971 war er Präsident des Badischen Raiffeisenverbandes; daneben wirkte er in führenden Positionen bei der Raiffeisen-Zentralgenossenschaft, bei der Südwestdeutschen Genossenschaftszentralbank, bei der Molkereizentrale Südwest, der Südwestdeutschen Zuckerrübenverarbeitung, der Südvieh-Südfleisch, der Milcherzeugergemeinschaft Heidelberg-Mannheim und der Volksbank Walldürn.

Quellen:

Fränkische Nachrichten Ausgabe Buchen-Walldürn vom 18. 3. und 16. 12. 1982; RNZ Nordbadische Nachrichten vom 26. 3. 1977, vom 18. 3. und 16. 12. 1982; Landwirtschaftliches Wochenblatt (LWW) vom 22. 4. 1982; Sprechregister und Protokolle des Landtages von Baden-Württemberg und des Bundestags.

Nachweis: Bildnachweise: StAF W 134 Nr. 078426 (Fotograf W. Pragher, Berberich in Bad Krozingen 1966); weitere Abbildungen: Kandidatenfoto August Berberich. MdB aus den 1960er Jahren, Repro: CDU-Kreisverband Neckar-Odenwald-Kreis

Literatur:

K. H. Neser, Vor 40 Jahren Baden-Abstimmung, in: Unser Land 1992, 173 – 177; ders., Der Neckar-Odenwald-Kreis als ehemaliges Notstandsgebiet, in: Unser Land 1994, 85 – 89; ders., Der Politiker A. B., in: Erinnerungen an August Berberich: eine große Persönlichkeit aus unserer Heimat, einer von uns, aus dem badischen Frankenland, hg. von der Volksbank Franken eG in Zusammenarbeit mit dem CDU-Kreisverband Neckar-Odenwald, Buchen/Walldürn, 2000, 8 – 16; K. Noell, August Berberich – ein Kämpfer für die soziale Sicherung der Landwirte, in: ebd., 19 – 26; K. H. Neser, Politisches Leben im Neckar-Odenwald-Kreis – gestern und heute, 2005, 17 f., 83, 93, 96 – 98. (Neuauflage in Vorbereitung).

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