Deufel, Kaspar Konrad 

Geburtsdatum/-ort: 08.02.1890;  Hartheim
Sterbedatum/-ort: 10.03.1961;  Konstanz
Beruf/Funktion:
  • Landgerichtspräsident, Mitglied des Landtags – Zentrum
Kurzbiografie: 1896-1903 Volksschule Hartheim
1903-1911 Suso-Gymnasium Konstanz bis Abitur
1911-1914 Studium der Rechtswissenschaft
1914-1915 Kriegsdienst
1916-1917 Fortsetzung des Studiums
1916-1918 I. juristisches Staatsexamen
1920 II. juristisches Staatsexamen
1920-1923 Gerichtsassessor in Konstanz
1923 Staatsanwalt in Konstanz
1927 Amtsgerichtsrat in Stockach
1929-1933 Mitglied des badischen Landtags
1933 Amtsgerichtsrat in Lörrach
1944 Verhaftung durch die Gestapo
1945 Landgerichtspräsident in Konstanz
1955 Ruhestand
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Auszeichnungen: Verwundetenabzeichen (1915); Großes Bundesverdienstkreuz (1955); Komturkreuz des päpstlichen Gregoriusordens (1956)
Verheiratet: 1. 1921 Hermine, geb. Augenstein (1896-1938), rk., Tochter des Hoteliers Julius Augenstein und der Frieda, geb. Hemmerich, beide in Konstanz
2. 1945 Anna, geb. Deufel (geb. 1917), rk., Tochter des Bürgermeisters Sebastian und der Franziska, geb. Gomeringer, beide in Heinstetten
Eltern: Vater: Gregor (1864-1918), Landwirt
Mutter: Franziska, geb. Maier (1866-1911)
Geschwister: 4 Brüder
Kinder: 2:
Konrad (1925-1944 gefallen)
Konrad Gregor (geb. 1947), Oberstadtdirektor in Hildesheim
GND-ID: GND/1012786900

Biografie: Reiner Haehling von Lanzenauer (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 4, 47-49

Aus einem Bauernhof droben auf dem Heuberg herkommend hat Deufel zielbewusst auf eine juristische Laufbahn hingearbeitet. Nach dem im Juli 1911 bestandenen Abitur studierte er bis 1914 in München und Heidelberg, dann musste er mit dem Freiburger Infanterie-Regiment 113 ins Feld ziehen. An der Front verwundet, zudem infolge von Krankheit verwendungsunfähig, wurde er 1915 entlassen. So konnte Deufel zwei Jahre später in Heidelberg sein Studium abschließen. Den Vorbereitungsdienst leistete der junge Rechtspraktikant in Konstanz, Lörrach und Offenburg. Nach dem II. Examen war er beim Amtsgericht und bei der Staatsanwaltschaft in Konstanz als Assessor eingesetzt. Dort wurde er im Jahre 1923 planmäßiger Staatsanwalt. Im Juli 1927 kam er als Amtsgerichtsrat nach Stockach. Schon früh hatte sich Deufel in der Politik engagiert. Im Jahre 1920 war er in die Zentrumspartei eingetreten, 1924 deren Ortsvorsitzender in Konstanz geworden. Von 1922 an gehörte er 5 Jahre lang dem Konstanzer Bürgerausschuss an, zuletzt als Vorsitzender der Zentrumsfraktion. Im Wahlkreis 1 (Meßkirch, Pfullendorf, Stockach und Überlingen) wurde Deufel 1929 in den bad. Landtag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Deufel hat in vielen Veranstaltungen immer wieder offen vor der NS-Bedrohung gewarnt. Mit der braunen Machtübernahme verlor er sein Parlamentsmandat. Obendrein verlangte die NS-Kreisleitung mit Schreiben vom 16. März 1933 vom Karlsruher Justizministerium, den wegen seiner Zugehörigkeit zur Zentrumspartei politisch nicht genehmen Amtsgerichtsrat „...so rasch als möglich vom hiesigen Amtsgericht zu entfernen.“ So sah sich Deufel schon Mitte April seiner demokratischen Haltung wegen strafversetzt nach Lörrach. Während des „Dritten Reiches“ bekannte er sich freimütig zur katholischen Kirche, lehnte den Eintritt in die NSDAP ab. Soweit er 1934 einigen fast nur auf Beitragszahlung ausgerichteten Gliederungen beitrat, dürfte dies zur Abwehr von parteipolitischen Angriffen, die auch Familienangehörige nicht verschonten, geschehen sein. Doch Deufels regimekritische Haltung war offenkundig, weshalb ihm trotz vorzüglicher Dienstzeugnisse jegliche Beförderung oder beantragte Versetzung versagt blieb. Nach dem missglückten Attentat gegen Hitler wurde Deufel im August 1944 durch die Gestapo verhaftet und ins Gefängnis seines eigenen Dienstortes eingeliefert, von da ins Untersuchungsgefängnis II in Karlsruhe überstellt. Mitte September wieder freigelassen durfte er in Lörrach nicht mehr beruflich wirken. Er wurde daher Anfang Oktober 1944 in der Funktion eines Dienstverwesers an das Amtsgericht in Freiburg und danach Anfang März 1945 an das Amtsgericht in Donaueschingen abgeordnet. Kurz vor dem Zusammenbruch begab er sich zu seiner Familie nach Konstanz.
Bereits wenige Tage nach Kriegsende, am 25. Mai 1945, teilte der spätere Chef der deutschen Justizverwaltung in der französischen Besatzungszone, Dr. Zürcher, der Militärregierung in Freiburg über Deufel mit: „Er ist einer jener 4 oder 5 badischen Richter, die nie Mitglied der NSDAP waren und der wegen seiner nazifeindlichen Einstellung dauernd zurückgesetzt und verfolgt wurde.“ Die Franzosen beauftragten Deufel Anfang August 1945 mit der Reorganisation der Justiz im Konstanzer und im Waldshuter Bezirk. Am 17. Oktober 1945 nahmen die Gerichte in Konstanz ihre Tätigkeit wieder auf, zeitgleich erfolgte die Ernennung Deufels zum Landgerichtspräsidenten. Er hatte sich von Anbeginn für den Aufbau einer neuen demokratischen Ordnung zur Verfügung gestellt.
Unmittelbar nach der Besetzung hatte die Besatzungsmacht zur Unterstützung des Oberbürgermeisters einen fünfköpfigen Beschließenden Ausschuss berufen, der bis zur Wahl des Gemeinderats amtieren sollte. Diesem Gremium gehörte Deufel an. Auf Landesebene wirkte er an der Gründung der CDU mit. Anschließend hat er 2 Jahre lang und sodann neuerlich von 1959 bis zu seinem Tode seine Partei im Gemeinderat vertreten. In der Südweststaatfrage trat Deufel überzeugt für den Erhalt des Landes Baden ein. Ehrenamtlich wirkte er ab 1930 in der katholischen Kirchensteuervertretung des Erzbistums Freiburg, seit 1953 als deren Vorsitzender. Nach dem Kriege übernahm er das Amt eines Vizepräsidenten des Badischen Roten Kreuzes in Südbaden, zugleich war er örtlicher Vorsitzender des Konstanzer Kreisvereins. Eine zusätzliche berufliche Aufgabe hatte Deufel über Jahre wahrzunehmen beim Badischen Oberlandesgericht Freiburg als stellvertretender Beisitzer im Dienststrafsenat für Richter. Zu Ende des Jahres 1955 trat er in den Ruhestand. Fünf Jahre später erlag Deufel einem Herzleiden.
Quellen: JustizMin. B-W, Personalakte Nr. 2217; GLA Karlsruhe 231/10956, 240/Zug. 1997 – 38/1108, 234/4053 u. AS 28; StAF A 96/1 Nr. 2492, D 180/2 Nr. 361, D 75/1-70 u. AS 37; Auskunft des EAF vom 29.5.2001 – 2001/398.
Werke: Staatsform u. kath. Kirche, Dt. Bodensee-Ztg vom 26. 1. 1926.
Nachweis: Bildnachweise: StadtA Konstanz u. Strätz, 1988 (vgl. Lit.).

Literatur: Karl Groß, Handb. für den Bad. Landtag, IV. Landtagsperiode, 1929-1933, o. J., 148; Karl Becker (Hg.), Geboren um sterbend zu leben. Konrad Deufel zum Gedächtnis (1925-1944), 1953; Die CDU in B-W u. ihre Geschichte, hg. von Paul-Ludwig Weinacht, 1978, 90; Ders./Tilman Mayer, Ursprung u. Entfaltung christl. Demokratie in Südbaden, 1982, 50-54, 336; Hans-Wolfgang Strätz, 175 Jahre Hof- u. Landgericht Konstanz, 1988, 99; Josef Weik, Der Landtag von B-W u. seine Abgeordneten von 1952-1988, 1988 4. Aufl., 294; Reinhard Grohnert, Die Entnazifizierung in Baden 1945-1949, 1991, 39; Lothar Burchardt, Geschichte d. Stadt Konstanz Bd. 6, 1996, 23, 69, 120, 378; Michael Kißener, Zwischen Diktatur u. Demokratie, 2003, 121, 155, 179, 283 u. 300. – Zeitungen: Bodensee-Rundschau vom 21. 5. 1930, 24. 2. u. 10. 3. 1933; Dt. Bodensee-Ztg. vom 26. 1. u. 12. 11. 1926, 21. 5. u. 29. 2 .1929, 27. 5. u. 9. 9. 1930, 25. 2., 23. 6. u. 5. 12. 1931, 28. 2. u. 19. 4. 1933; Südkurier vom 17. 10. 1945, 8. 2. 1955, 2. 1. 1956 u. 11. 3. 1961; St. Konradsblatt Freiburg 1956, Nr. 9, 188.
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