Wacker, Otto 

Geburtsdatum/-ort: 06.08.1899;  Offenburg
Sterbedatum/-ort: 14.02.1940;  Karlsruhe
Beruf/Funktion:
  • NS-Politiker, Badischer Kultusminister
Kurzbiografie: 1907-1917 Volksschule und Gymnasium Offenburg, Gymnasium Donaueschingen; Kriegs-Reifeprüfung
1917-1918 Militärdienst, Teilnahme an Kämpfen in Flandern
1919-1921 Architekturstudium an der Technischen Hochschule Karlsruhe, Diplom-Vorprüfung
1921-1926 Studium der Kunstgeschichte, germanistische Philologie, Literaturgeschichte in Freiburg
1927 Promotion zum Dr. phil. bei Prof. Witkop
1924 Gründung der NSDAP-Ortsgruppe Offenburg (Mitgliedsnummer: 22948)
1928-1933 Hauptschriftleiter des NSDAP-Organs „Der Führer“ (Karlsruhe)
1931-1933 Leiter der Pressestelle der NSDAP, Gau Baden
1933 Staatskommissar für das Badische Ministerium des Kultus und Unterrichts (11.3.1933), Staatskommissar für das Badische Ministerium der Justiz (25.4.1933)
1933-1940 Badischer Minister des Kultus und Unterrichts (1933/34 zugleich Minister der Justiz), stellvertretender Ministerpräsident
1933 Mitglied des Reichstags, Wahlkreis Baden, Eintritt in die SS
1933-1934 Mitglied des Reichsrats
1937 SS-Oberführer beim Stabe RFSS
1937-1939 Unter Beibehaltung des Amtes des Badischen Ministers des Kultus und Unterrichts Chef des Amtes Wissenschaft im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin
1937-1940 Erster Vizepräsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, zugleich Stellvertreter des Präsidenten des Reichsforschungsrats
1938 Vorsitzender der Badischen Historischen Kommission
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk./„gottgläubig“
Verheiratet: 1931 Offenburg, Mercedes Frida Carlota, geb. Heinrich, ev.
Eltern: Vater: Karl Josef Wacker (1855-1918), Architekt und Stadtbaumeister
Mutter: Anna, geb. Fehr (1857-1929)
Kinder: 3 (1 Tochter, 2 Söhne)
GND-ID: GND/101778848

Biografie: Hans-Georg Merz (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 4, 300-305

Zeitgenossen urteilten nach 1945 durchaus wohlwollend über den ersten NS-Kultusminister Badens: Nach frühen Jahren politischer Radikalität habe er als Regierungsmitglied „sofort die Haltung der Mäßigung“ angenommen und sich außerdem als einer der wenigen in seiner „Bewegung“ ausgezeichnet, „die geschichtlich zu denken und zu werten wußten“ (Willy Hellpach); offensichtlich seine persönliche Integrität bewirkte, daß er „auch in seinem Ministerium einige anständige Fachleute ertrug“ (Otto Feger); schließlich soll er als „ein mehr kontemplativer Mensch“ sehr „unter den ständigen Aufmärschen und Eingriffen der Politiker in sein Ressort“ gelitten haben (Walter Ungerer). Die meisten dieser Behauptungen halten trotz einzelner richtiger Beobachtungen einer Prüfung anhand der historischen Tatsachen nicht stand. Auch wenn über einzelne politische Aktionen Wackers genauere Informationen fehlen sowie Hintergrund und Intensität der persönlichen Beziehungen zu höchsten Repräsentanten des NS-Staates nicht genügend erhellt sind, bestätigen die verfügbaren Quellen eindeutig die – in der Schlußfolgerung freilich völlig abwegige – Würdigung des Gauleiters und Reichsstatthalters Wagner vom Februar 1940: Wacker habe „mit einem fanatischen Eifer“ seiner Aufgabe gedient und in einflußreichen Positionen des Bildungswesens mitgeholfen, dem deutschen Volk „zum letzten großen Entscheidungskampf ... die siegreichen Waffen zu schmieden.“ Die der Kriegsgeneration eigentümliche Deutung des sogenannten Fronterlebnisses, die Besetzung Offenburgs durch Frankreich (1923), Sympathien mit der „Bewegung Adolf Hitlers“ sowie Ungewisse Beschäftigungsaussichten ließen schon den Studenten die niemals angezweifelte Entscheidung für eine Parteikarriere treffen. In der von Professor Philipp Witkop betreuten Freiburger Dissertation behandelte Wacker den Straßburger Schriftsteller Johann Fischart, der im 16. Jahrhundert als „Moralsatiriker“ hauptsächlich das Papsttum und den Jesuitenorden bekämpfte. Die Wahl dieser Thematik mochte zwei wesentliche persönliche Prägungen nicht begründet, wohl aber verstärkt haben: das Bewußtsein von der geschichtlichen und kulturellen Einheit des Oberrheingebietes, die es im Sinne des „Reichsgedankens“ politisch zu vollenden galt, sowie eine ausgesprochen antikirchliche Einstellung, die vor allem, unbeeinflußt von der Verwandtschaft mit dem langjährigen Vorsitzenden des Badischen Zentrums Theodor Wacker, der späteren Ministertätigkeit einen radikalen Zug verlieh. Zuvor hatte die journalistische Agitation in Diensten des „Führers“ längere behördliche Verbote des Karlsruher Parteiorgans und mehrere Verurteilungen seines Hauptschriftleiters zur Folge. Im besonders spektakulären Fall der Beleidigung der Zentrumspolitiker Ernst Föhr, Edmund Kaufmann und Carl Diez endete das Verfahren vor dem Schöffengericht Karlsruhe mit einer Verurteilung Wackers zu einer fünfmonatigen (später auf drei Monate ermäßigten) Gefängnisstrafe. Wacker hatte augenscheinlich den Rat des Offenburger evangelischen Stadtpfarers nicht beherzigt, den dieser ihm nach Zeitungsberichten im Juli 1931 am Traualtar erteilte: „Ein nationalsozialistischer Hauptschriftleiter möge es unterlassen, gegen Andersgesinnte im politischen Kampfe die Waffen persönlicher Verunglimpfung anzuwenden.“
Im „Kabinett“ zuerst des Reichskommissars Robert Wagner, dann des Ministerpräsidenten Walter Köhler, das in den wichtigsten Ressorts von der Altersgruppe der Dreißigjährigen gebildet wurde, war Wacker das jüngste Regierungsmitglied. Weil er der Auffassung war, daß der deutschen Erziehung „der große zentrale Gedanke abhanden gekommen“ und sie „teils westlich-liberal, teils humanistisch-weltbürgerlich, teils paneuropäisch-international, teils konfessionell“ verkommen war, begann er als neuer Chef des Kultusressorts nach der „Machtergreifung“ sogleich ihre „Gesundung“ mit Maßnahmen in die Wege zu leiten, die damals in Deutschland üblich waren: Einführung neuer Lernziele in den Schulen; Veranstaltung nationaler Feiern und Aufmärsche; Abschaffung der Dienststellenausschüsse als dem Führerprinzip feindliche „Überbleibsel aus der Zeit der Soldatenräte“; Öffnung der Bildungsstätten für die Hitlerjugend. Im Hochschulbereich schritt der Minister den anderen Ländern voran, indem er, einer Anregung des Freiburger Rektors Martin Heidegger folgend, die Universitätsverfassung änderte und das Führerprinzip durchsetzte. Ebenso beschloß zuerst Baden die Aberkennung der akademischen Grade solcher Personen, die sich derselben „unwürdig“ erwiesen hätten. Wacker selbst hielt es im Jahre 1935 für ein angemessenes wissenschaftliches Niveau, den Heidelberger Nobelpreisträger Philipp Lenard mit der öffentlichen Aussage zu ehren, es seien „die Lebensbedingungen einer bestimmten Rasse, einer bestimmten Art, die dazu zwangen, über die Dinge dieser Welt etwas mit Sicherheit feststellen zu können.“ Dieser „Erkenntnis“ gemäß „säuberte“ Wacker die seinem Verantwortungsbereich zugehörigen Lehranstalten und Behörden von „artfremden“ Beamten, wobei mit einem Beurlaubungserlaß vom 5.4.1933 die kommissarische badische Regierung auch hier der Entwicklung im Reich vorauseilte. Daß Wacker zwei „deutschblütige“ Assistenzärzte, die um den Verbleib des jüdischen Direktors der Medizinischen Universitätsklinik Freiburg im Amt baten, einer bösartigen Kampagne der NS-Presse bewußt auslieferte, ist ein Beispiel für die Niedertracht des ministeriellen Vorgehens. Der „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ im nationalsozialistischen Sinne dienten ferner die Beurlaubung bzw. Entlassung zahlreicher anderer Staatsbediensteter aus politischen Gründen – hauptsächlich weil sie nach willkürlicher Interpretation der „nationalen“ Unzuverlässigkeit verdächtigt wurden. Allerdings sind Versuche des Ministers nicht zu übersehen, Stellenbesetzungen nicht allein nach dem Parteibuch, sondern auch entsprechend beruflicher Qualifikation vorzunehmen. Trotz massiver Proteste vor allem „Alter Kämpfer“ war diese Politik nicht ganz erfolglos, litt aber offensichtlich – selbst in der begrenzten Reichweite, in der Wacker sie betrieb – an einem Mangel an Personen, die eine bedingungslose Unterstützung des NS-Systems mit fachlicher Kompetenz gerade in leitenden Positionen zu verbinden wußten.
In der Kirchenpolitik verfolgte der badische Kultusminister zunächst – etwa im Vergleich zu Bayern und Württemberg – einen gemäßigten Kurs. Zwar gab es in den Fragen der Besetzung schulischer Ämter und der von der HJ bedrohten konfessionellen Jugendarbeit sowie im Hinblick auf das Gesetz über die Grund- und Hauptschule (1934) ernsthafte Meinungsverschiedenheiten vornehmlich mit dem Freiburger erzbischöflichen Ordinariat; verschiedene Entscheidungen Wackers – wie z. B. das gemeinsam mit Innenminister Pflaumer ausgesprochene Verbot von Zwangsmaßnahmen gegen katholische Geistliche „außerhalb des Rahmens der allgemeinen Gesetze“ oder die Erlaubnis der Teilnahme katholischer Arbeitsdienstler an der Fronleichnamsprozession (1933) – ließen jedoch zumindest einen modus vivendi von Kirchen und NS-Staat erhoffen. Diese Perspektive bestand seit dem Jahre 1935 nicht mehr; auch prägte von jetzt an im Hinblick auf die katholische Kirche eine scharfe persönliche Konfrontation zwischen Erzbischof Gröber, der in den ersten Jahren des „Dritten Reiches“ mit „einer Serie von überaus positiven Stellungnahmen ..., die sich bis zur Überschwenglichkeit gesteigert haben“ (Hugo Ott), Aufsehen erregte, und Wacker die Beziehungen. Beschwerden wegen der unflätigen Beschimpfung Gröbers durch den Freiburger NSDAP-Kreisleiter Fritsch, zahlreiche Bitten um Respektierung des badischen Konkordats, Proteste gegen Schulverbote von Priestern beantwortete der Ressortchef in einer ebenso stereotypen wie überheblichen Weise: einmal seien Parteiinstanzen für etwaige Vorgänge verantwortlich; das andere Mal besitze das Reich, nicht Baden, die Beschlußkompetenz; schließlich seien für ihn nicht kirchliche Feststellungen, sondern „die Erhebungen der Gestapo maßgebend“. Hinter dieser kompromißlosen Haltung verbarg sich, nach außen nicht leicht wahrnehmbar, die Absicht, die Kirchen nicht nur härtestem politischen Druck auszusetzen, sondern sie in ihrer Existenz zu erschüttern. Wackers im Jahre 1935 vergeblicher Versuch, mit steuerrechtlichen Neuregelungen den Kirchen die bisherigen gesetzlichen Staatszuschüsse zu verwehren und so auf diesem Wege – in Baden beispielgebend für das Reich – zu einer Trennung von Staat und Kirche zu gelangen, diente offensichtlich dem NS-Reichsleiter Martin Bormann, „Hitlers Sekretär“, im Jahre 1939 als Anregung für ein ähnliches, im nationalsozialistischen Verständnis unproblematisches Vorgehen im konkordatsfreien Österreich. Bormanns anschließende, von der Karlsruher Parteispitze unterstützte Initiative, die ursprüngliche badische kirchenpolitische Konzeption gleichsam über den österreichischen Umweg am Oberrhein zu verwirklichen, fiel indessen vorerst Hitlers Politik einer Konfliktentschärfung in Kriegszeiten zum Opfer; das gleiche gilt für Wackers Pläne, mit der Unterstützung Bormanns und Heydrichs, des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, die „Entklerikalisierung“ durch Zusammenlegung bzw. Schließung der theologischen Fakultäten voranzutreiben. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß Wacker eine „staatskirchenrechtliche Liquidierung“ der Kirchen erstrebte; sein Tod im Februar 1940 ersparte deshalb Baden das Schicksal, „von einer kirchenpolitischen Sonderstellung in den Jahren 1933 und 1934 zum exemplarischen Gau einer radikalen Kirchenpolitik während des Krieges zu werden“ (Klaus Scholder).
In den letzten Lebensjahren beschränkte sich Wackers politischer Wirkungskreis nicht auf sein Heimatland. Ohne die Leitung des Karlsruher Kultusministeriums aufzugeben, wurde er im Jahre 1937 zum Chef des Amtes Wissenschaft im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung berufen. Diesem „Sonderauftrag politischer Natur“ lag das Kalkül des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, zugrunde, in späterer Zeit den unfähigen Reichsminister Rust durch den badischen SS-Oberführer zu ersetzen. Mit missionarischem Eifer verfocht Wacker von der Reichshauptstadt aus die nationalsozialistische Konzeption einer rassenbestimmten „Forschung“, deren Ergebnisse zwar einer „internationalen“ Anwendung zugänglich seien, aber letztlich „germanisch-nordischer“ Erkenntnis entstammten und deshalb lediglich „eine geistige Frucht eines bestimmten Teiles der Menschheit“ sein könnten. Daß es nach einem halben Jahrzehnt NS-Herrschaft gelungen war, die frühere „verkalkte“ Wissenschaft zu überwinden und in den Hochschulen den neuen „weltanschaulichen Inhalten“ zur Geltung zu verhelfen, führte der neue Amtschef auf das stürmische Engagement einer von den „Ideen der Revolution“ erfüllten Jugend zurück, welche ihre in generationstypischer Zurückhaltung und Unbeweglichkeit verharrenden akademischen Lehrer gleichsam im Eilschritt angeblich überrundet hatte. Freilich wußte Wacker den Wandel an den Universitäten auch durchaus wirklichkeitsgerechter zu erklären: Da es an diesen vor 1933 eine „Unzahl fremdrassiger Elemente sowohl physisch wie geistig“ gegeben habe, sei rund ein Drittel der Beamtenstellen neu besetzt worden. Eine rigorose Personalpolitik war für Wacker stets ein selbstverständliches Instrument staatlicher Schul- und Hochschulpolitik.
Schon bald erschwerten jedoch zahlreiche Konflikte dem badischen Staatsminister die Amtsführung in Berlin: Mit dem Führerstellvertreter Rudolf Heß, dessen Versuche, auf die Hochschulpolitik Einfluß zu gewinnen, mit Wackers bürokratischen Kompetenzen kollidierten; mit dem Vorgesetzten Rust, dem Wacker den „Ausverkauf seines Ressorts bescheinigte; mit dem Staatssekretär im Reichserziehungsministerium, der den Aufstieg eines ehrgeizigen Rivalen zu verhindern wußte. So blieben Wacker nicht nur Amt, Titel und Gehalt eines Staatssekretärs der Reichsregierung verwehrt; es scheiterte auch der zur Abstützung seiner Macht entworfene Plan einer „organisatorischen Verbindung des Amtschefs Wissenschaft im Reichserziehungsministerium mit einer entsprechenden Dienststelle innerhalb der NSDAP“, d. h. mit dem Reichsführer SS, an dem Desinteresse Hitlers, der in dieser Frage Rust freie Hand ließ.
In einem peinlichen Fiasko endete ferner im Frühjahr 1939 eine von Wacker inszenierte Ehrung Hitlers durch die „deutsche Wissenschaft“. In einem auf seine Veranlassung als „Geburtstagsgeschenk für den Führer“ herausgegebenen Sammelband mißfiel ein von dem badischen NS-Pädagogen Ernst Krieck verfaßter Beitrag dem Parteiideologen Alfred Rosenberg so sehr, daß dieser beim Propagandaministerium einen Antrag auf Verbot des Buches stellte. Dazu kam es zwar nicht, da man ein Werk, „das der Führer anläßlich seines 50. Geburtstages entgegengenommen hat“, nicht verbieten konnte; weitere Auslieferungen der Festschrift an den Buchhandel wurden jedoch von Rust, der seinen ehemaligen engen Mitarbeiter Wacker für den Vorfall verantwortlich machte, unterbunden.
Seit Mai 1939 war Wacker wieder ausschließlich als badischer Kultusminister tätig. Seine Lobredner führten den Rückzug aus Berlin auf den Umstand zurück, daß „in ihm die Stimme der Heimat mehr und mehr die Oberhand“ gewonnen habe. In Wirklichkeit bedeutete dieser Schritt das Eingeständnis einer Niederlage, die zur Aufgabe weitreichender reichspolitischer Ambitionen zwang.
Wackers Aufstieg in höchste staatliche Positionen des „Dritten Reiches“ förderte weder seine politische Einsicht noch auch nur die Fähigkeit und Bereitschaft flexibler Reaktion auf neue Situationen. Als am 2. September 1939, einen Tag nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, Erzbischof Gröber ungeachtet aller Bedrängnis durch Staat und Partei Wacker in einem dramatischen Appell um eine Beilegung aller Konflikte „im Interesse der Einigkeit und der opferwilligen Geschlossenheit des ganzen deutschen Volkes“ ersuchte, vermochte der Minister die alten, ausgefahrenen Geleise der Vorwürfe, Beschimpfungen und Vorurteile nicht zu verlassen. In den Überlegungen des Oberhirten erkannte er „lediglich Spielereien einer wirklichkeitsfremden Fantasie“. Seine eigene, der Realität entrückte ideologische Verblendung erlaubte weder symbolische Handlungen, die möglicherweise den „inneren Feind“ aufwerteten, noch geringste taktische Kompromisse; sie verhinderte das Entstehen eines selbst begrenzten Bewußtseins der Verantwortlichkeit für eine Politik, die unausbleiblich in einer Katastrophe enden mußte.
Quellen: StadtA. Offenburg: Dr. O. Wacker, 5/1081; 5/1088; 13/ 402: Zehn Jahre NSDAP, Ortsgruppe Offenburg. Festbuch zur 10jährigen Gründungsfeier am 17. und 18. März 1934. – EAF/NL Föhr 11. – GLAK 235/ 37452: Personalakte Dr. O. Wacker, 235/35536; 235/35869; 235/37545; 235/37624; 231/3381. – BDC: NSDAP Zentralkartei, Parteikorrespondenz, SS-Führer, RuSHA u. Verschiedenes: Dr. phil. O. Wacker – Friedrich Zipfel, Kirchenkampf in Dt. 1933-1945. Religionsverfolgung u. Selbstbehauptung d. Kirchen in d. nationalsozialistischen Zeit, Berlin 1965, 485 ff.; Ludwig Volk (Bearb.), Akten dt. Bischöfe über die Lage der Kirche 1933-1945. IV. 1936-1939 (Veröffentl. d. Komm. f. Zeitgesch.: Reihe A, Quellen; Bd. 30), Mainz 1981, 710 ff.
Werke: Studien über die groteske Satire bei Johann Fischart, Phil. Diss. Freiburg i. Br. 1927; Dt. Kulturpolitik, in: Bad. Schulzeitung, Jg. 71, 1933, 189-194; Wacker (1-5), in: Dt. Geschlechterbuch, Band 81 (Bad. Geschlechterbuch, Band 1), Görlitz 1934, 431-596; Geisteshaltung und Stil, in: Das Bild, Monatsschrift f. d. Dt. Kulturschaffen in Vergangenheit u. Gegenwart, Jg. 1934, 9-21; Das Gesicht d. Ortenau, in: BH, Jg. 22, 1935, 5-40; Rede, in: August Becker (Hg.): Naturforschung im Aufbruch. Reden u. Vorträge zur Einweihungsfeier d. Philipp Lenard-Inst. d. Univ. Heidelberg am 13. u. 14. Dezember 1935, München 1936, 7-9; Ansprache (auf der Festsitzung d. Bad. Histor. Kommission am 14. Dezember 1935), in: ZGO, Band 49, 1936, 518-522; Geleitwort (zum Sonderheft anläßlich der 550-Jahrfeier d. Univ. Heidelberg), in: Volk im Werden, Jg. 4, 1936, 334 f.; Bewegung u. Wissenschaft, in: Volk im Werden, Jg. 6, 1938, 161-166; Wissenschaftspolitik u. Nachwuchs. Rede gehalten a. d. ersten großdeutschen Rektorenkonferenz am 7. März 1939. Hg. von d. Dt. Forschungsgemeinschaft. Als Ms. gedr. – Gräfenhainichen 1939.
Nachweis: Bildnachweise: Foto in: Die Ortenau, H. 28, 1941, III; Ölporträt von Oskar Hagemann (postum 1940) in: Staatl. Kunsthalle Karlsruhe.

Literatur: Das Dt. Führerlexikon 1934/35, Berlin 1934, 510; Hermann Degener (Hg.), Wer ist's?, Bd. 10, Berlin 1935, 1665. – Amtsblatt d. Bad. Ministeriums d. Kultus u. Unterrichts, 15. Febr. 1940, 31; Mitteilungsblatt d. NSLB, Gauverwaltung Baden, 3/1940,17 ff.; Hermann Eris Busse, Staatsminister Dr. phil. O. Wacker Zum Gedächtnis, in: Mein Heimatland, Jg. 27, H. 2, 1940, 9 ff; Otto Kähni, Dem Andenken des Herrn Staatsministers Dr. O. Wacker, in: Die Ortenau, H. 28, 1941, IVf; Karl Stenzel, Staatsminister Dr. O. Wacker †, in: ZGO, Band 54, 1941, 276 ff. – Klaus Scholder, Baden im Kirchenkampf d. Dritten Reiches, in: Alfons Schäfer (Hg.), Oberrhein. Studien, Band II: Neue Forschungen zu Grundproblemen d. bad. Geschichte im 19. u. 20. Jh., Karlsruhe 1973, 223 ff.; Alan D. Beyerchen, Wissenschaftler unter Hitler. Physiker im Dritten Reich, Köln 1980, Kap. 8; Reece C. Kelly, Die gescheiterte nationalsozialistische Personalpolitik u. d. mißlungene Entwicklung der nationalsozialistischen Hochschulen, in: Manfred Heinemann (Hg.), Erziehung u. Schulung im Dritten Reich. Teil 2: Hochschule, Erwachsenenbildung, Stuttgart 1980, 67 ff.; Johnpeter Horst Grill, The Nazi Movement in Baden 1920-1945 (The University of North Carolina Press), Chapel Hill 1983, Kap. 7; Joachim Maier, Schulkampf in Baden 1933-1945. Die Reaktion d. kath. Kirche auf die nationalsozialistische Schulpolitik, dargestellt am Beispiel d. Religionsunterrichts in d. bad. Volksschulen, Mainz 1983, 39 ff., 51 ff., 135 ff., 183 ff., 259 ff.; Leonore Siegele-Wenschkewitz, Die Theol. Fakultät im Dritten Reich. „Bollwerk gegen Basel“, in: Wilhelm Doerr u. a. (Hg.), Semper Apertus. Sechshundert Jahre Ruprecht-Karls-Univ. Heidelberg 1386-1986. FS. in sechs Bänden. Band III: Das zwanzigste Jh. 1918-1985, Berlin-Heidelberg 1985, 504 ff.; H.-G. Merz, Beamtentum u. Beamtenpolitik in Baden. Studien zu ihrer Gesch. vom Großherzogtum bis in die Anfangsjahre d. nationalsozialistischen Herrschaftssystems, Freiburg/München 1985, Kap. V; Bruno Schwalbach, Erzbischof Conrad Gröber u. d. nationalsozialistische Diktatur. E. Studie zum Episkopat d. Metropoliten d. Oberrhein. Kirchenprovinz während d. Dritten Reiches, Karlsruhe 1986, Kap. 5 und 16; Josef Werner, Hakenkreuz u. Judenstern. Das Schicksal d. Karlsruher Juden im Dritten Reich, Karlsruhe 1988, 64 ff.; Bernhard vom Brocke, Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Kaiserreich. Gründung u. Entwicklung bis zum Ausbruch d. Ersten Weltkriegs, in: Rudolf Vierhaus/Bernhard vom Brocke (Hg.), Forschung im Spannungsfeld von Politik u. Gesellschaft. Gesch. u. Struktur d. Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft. Stuttgart 1990, 54 ff.; Helmut Heiber, Univ. unterm Hakenkreuz. Teil II: Die Kapitulation d. Hohen Schulen. Das Jahr 1933 u. seine Themen, Band 1, München u. a. 1992, 149, 174 f., 271, 303 ff., 351 ff., 464 f., 473 f.; Eike Wolgast, NS Hochschulpolitik u. d. ev.-theol. Fakultäten, in: Leonore Siegele-Wenschkewitz/Carsten Nicolaisen (Hg.), Theol. Fakultäten im NS, Göttingen 1993, 45 ff.
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