Berg (ab 1894: von), Karl Christian Friedrich
| Geburtsdatum/-ort: | 20.08.1837; Kirchheim unter Teck |
|---|---|
| Sterbedatum/-ort: | 17.6.1921; Ellwangen |
| Beruf/Funktion: |
|
| Kurzbiografie: | 1851 – 1855 Seminarist in Maulbronn 1855 – 1859 Studium der evangelischen Theologie in Tübingen 1859 – 1864 Vikar in Ruit, Jesingen, Merklingen, Kirchheim unter Teck 1864 – 1869 Pfarrer der deutschen Gemeinde in La Villette in Paris 1869 – 1878 Diakon an der Dreifaltigkeitskirche in Ulm 1878 – 1880 Diakon am Münster in Ulm 1881 – 1887 Dekan in Calw 1887 – 1894 Dekan in Heilbronn 1894 – 1900 Prälat und Generalsuperintendent in Heilbronn 1894 Erhebung in den persönlichen Adelsstand 1894 – 1912 MwL/2K-Freie Vereinigung 1900 – 1912 Prälat und Generalsuperintendent in Ludwigsburg |
| Weitere Angaben zur Person: | Religion: evangelisch Auszeichnungen: Ehrungen: Regierungsjubiläumsmedaille in Silber (1889); Erhebung in den persönlichen Adelsstand (1894); Karl-Olga-Medaille für Verdienste (1897); Rotes Kreuz in Bronze (1897); Ehrenkreuz des Ordens der württembergischen Krone (1897); Ehrenmitglied des württembergischen. Ev. Kirchengesangsvereins (1903); Kommenturkreuz II. Klasse des Friedrichsordens (1903); Kommenturkreuz des Ordens der württembergischen Krone (1909); Kommenturkreuz I. Klasse des Friedrichsordens (1912); Wilhelmskreuz (1916). Verheiratet: 1870 (Cannstatt) Elise, geb. Mann (1840 – 1918), Tochter des Georg Rudolf Mann, Pfarrer Eltern: Vater: Karl Gottfried (1799 – 1847), Realschullehrer Mutter: Luise Ernestine Mathilde, geb. Beck (1802 – 1882) Geschwister: neun Kinder: ein Sohn, vier Töchter |
| GND-ID: | GND/116129646 |
Biografie
| Biografie: | Andreas Butz (Autor) Aus: Baden-Württembergische Biographien 8 (2022), 26-28 Berg durchlief die normale württembergische Ausbildung zum evangelischen Geistlichen. Er besuchte das Seminar in Maulbronn und studierte danach als Stiftsstudent Theologie in Tübingen. Im Herbst 1859 absolvierte er die erste theologische Dienstprüfung, zehn Jahre später folgte die zweite. Seine Ordination fand am 17. Oktober 1859 durch Dekan Karl Gerok in Stuttgart statt. Nach verschiedenen Stationen als Vikar im unständigen Dienst wurde er 1862 Vikar und Hauslehrer in La Villette. Diese evangelische Kirchengemeinde mit ihrer Hügelkirche in einem Arbeiterviertel in Paris war von Friedrich von Bodelschwingh, dem späteren Begründer der Betheler Anstalten, ins Leben gerufen worden, um den dortigen unterprivilegierten deutschen Immigranten einen Halt zu bieten. Die Gemeindeglieder waren in der Regel gering qualifizierte Arbeiter mit ihren Familien, die in der französischen Metropole für einige Jahre ein Einkommen als Gassenkehrer und Lumpensammler suchten. 1864 wurde Berg als Nachfolger von Bodelschwingh Pfarrer in La Villette. Doch fünf Jahre später zog es ihn zurück nach Württemberg, wo er 1870 Elise Mann, die Tochter des damaligen Pfarrers von Hedelfingen heiratete. Ab 1869 betreute er die zweite Pfarrstelle an der Ulmer Dreifaltigkeitskirche, später am Münster. Zugleich war er von 1870 bis 1880 Ortsschulinspektor. Danach wirkte er Bezirksschulinspektor und Konferenzdirektor im Landbezirk Ulm. Ein wichtiger Karrieresprung gelang ihm 1881, als er zum Dekan in Calw ernannt wurde. Dort übernahm er auch das Amt des Bezirksschulinspektors und wurde Ausschussmitglied im Calwer Verlagsverein. Ein enger Kontakt ergab sich hier mit der Familie des Verlagsleiters und Missionars Hermann Gundert, einem Großvater Hermann Hesses. 1887 wurde er auf die Stelle des Dekans in Heilbronn berufen. In den Beginn seiner dortigen Amtszeit fiel die Ausscheidung des Kirchenvermögens aus dem Vermögen der bürgerlichen Gemeinde, was keine leicht zu bewältigende Aufgabe darstellte. Denn mit dem streitbaren und 1892 von seinem Amt enthobenen Bürgermeister Paul Hegelmaier war es für Berg nicht immer einfach zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen. Dies zeigte sich auch bei der Auseinandersetzung um die Besetzung der Pflegestellen im Heilbronner Krankenhaus 1887. Statt der bislang dort tätigen, nunmehr aber abgezogenen Stuttgarter Diakonissen sollten Olgaschwestern den Dienst verrichten, was zu internen Auseinandersetzungen im Krankenhaus führte. Der Dekan stellte sich hier auf die Seite der neuen Olgaschwestern, der Oberbürgermeister auf die Seite des chirurgischen Chefarztes. Im darauffolgenden Jahr einigte man sich auf die Rückkehr der Stuttgarter Diakonissen. Nachdem der Heilbronner Prälat Karl von Raiffeisen 1888 gestorben war, wurde die Prälatenstelle zunächst mit Rudolf von Schmid, dann mit Viktor von Sandberger besetzt. Beide wurden aber bald für andere Aufgaben herangezogen. Schmid wurde 1890 zum Oberhofprediger und Oberkonsistorialrat ernannt, Sandberger 1894 als Generalsuperintendent von Reutlingen und als außerordentliches Mitglied des württembergischen Konsistoriums. Die Regierung drängte aus politischen Gründen darauf, die Prälatenstelle rasch wieder zu besetzen. Denn die sechs protestantischen Generalsuperintendenten (Schwäbisch Hall, Heilbronn, Ludwigsburg, Reutlingen, Tübingen, Ulm) waren qua Amt Abgeordnete der zweiten Kammer der württembergischen Ständesversammlung und in der Regel regierungstreu. Und um das wichtige, aber umkämpfte Gesetz über die Errichtung einer Pensionskasse für die württembergischen Gemeindebeamten durchzubringen, brauchte man von Regierungsseite jede bejahende Stimme. So wurde der Dekan Berg bereits am 5. März 1894 von König Wilhelm II. von Württemberg zum Prälaten von Heilbronn ernannt. Dem folgte am Tag darauf die Dienstverpflichtung durch den damaligen Kulturminister Dr. Otto von Sarwey. Wiederum einen Tag später hatte sich Berg in der Kanzlei des Ständehauses zur Erfüllung der Formalitäten als neuer Abgeordneter der zweiten Kammer einzufinden. Am 8. März 1894 empfing er schließlich vom König den persönlichen Adel. Im Parlament schloss sich Berg 1895 der Freien Vereinigung, einer regierungstreuen konservativen Sammlungspartei, an. Die Abgeordnetentätigkeit in der zweiten Kammer endete für Berg mit der Umsetzung der Verfassungsreform von 1906. Die zweite Kammer wurde in eine reine Volkskammer umgewandelt, wodurch die Generalsuperintendenten, wie auch die ritterschaftlichen Abgeordneten, ausschieden. Berg war einer der beiden nun in die erste Kammer berufenen Generalsuperintendenten, was seine Nähe zur Regierung unterstreicht. Lange Jahre gehörte er im Parlament der Volkswirtschaftlichen Kommission an. Anfang 1900 bewarb sich Berg als Prälat nach Ludwigsburg. Die Stelle war durch die Pensionierung von Prälat Ernst von Ege frei geworden. Als Grund für seine Bewerbung gab er die geringere Entfernung von Stuttgart an. So könne er nach den amtsbedingt zahlreichen Sitzungen in Stuttgart jeweils abends noch nach Hause kommen. Am 1. Juli 1912 trat Berg in den Ruhestand, den er in Stuttgart verbrachte. Nach dem Tod seiner Frau 1918 lebte er dort im gemeinsamen Haushalt mit seiner Tochter Mathilde. Er verstarb 1921 in Ellwangen, dem Wohnort seiner Tochter Elisabeth, die dort mit Karl Isenberg, einem Halbbruder Hermann Hesses verheiratet war. |
|---|---|
| Quellen: | LKA Stuttgart A 27, 194. |
| Nachweis: | Bildnachweise: UA Tübingen, Inv.-Nr. S161/172 (Lithographie 1856); weitere Abbildungen: Ehmer/Kammerer (vgl. Literatur); Raberg (vgl. Literatur); Steinhilber (vgl. Literatur, Bilder Stähle und Berg vertauscht). |
Literatur + Links
| Literatur: | W. Steinhilber, Aus dem Leben eines schwäbischen Prälaten in Heilbronn um die Jahrhundertwende, in: Schwaben und Franken. Heimatgeschichtliche Beilage der Heilbronner Stimme Jg. 10, Nr. 9 (1964), 1 f.; E. Brandes, Ein schwäbischer Prälat, in: Beiträge zur Heimatkunde des Bezirks Kirchheim unter Teck 13 (1971), 30 – 32; H. Ehmer/H. Kammerer, Biographisches Handbuch der Württembergischen Landessynode. 1869 bis zur Gegenwart, 54 f.; 92; F. Raberg, Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815 – 1933, 2001, 60 – 62. |
|---|
leobw