Bittel, Karl 

Geburtsdatum/-ort: 22.06.1892; Darmstadt
Sterbedatum/-ort: 18.04.1969; Berlin
Beruf/Funktion:
  • Politologe, Verfolgter des NS-Regimes, KPD- bzw. SED-Funktionär
Kurzbiografie: 1898 Einschulung Darmstadt, 1908-1911 Oberrealschule Freiburg i.Br. mit Abitur; Volontär der „Freiburger Volkszeitung“
1911-1915 Studium der Staats- und Rechtswissenschaften in Freiburg (2), Heidelberg (1) und Tübingen (4)
1915 Promotion durch Prof. C. J. Fuchs zum Dr. rer. pol. in Tübingen (Note „gut“)
1916 Tätigkeit im Lebensmittelamt Mannheim und beim Landeswohnungsverein Karlsruhe
1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldaten-Rats; Herausgabe des „Politischen Rundbriefs“
1919 Mitglied der KPD
1920 Dozent der Zentralen Parteischule der KPD, Jena
1921 Mitarbeiter des ZK der KPD (Referat Genossenschaften)
1922 Redakteur beim „Kämpfer“, Chemnitz. Delegiert zum 1. Internationalen Genossenschaftskongreß in Moskau; internationaler Sekretär der Kooperativsektion der Komintern
1930 Leiter des Organisationsbüros der „Derop“
1933 Umzug nach Ludwigshafen/Bodensee. Schutzhaft in den Konzentrationslagern Heuberg und Ulm
1935 Umzug nach Hödingen bei Überlingen. Schriftsteller
1946 Chefredakteur kommunistischer Zeitungen. Vorsitz der VVN/Baden
1948 Übersiedlung in die SBZ. Gründung des „Instituts für Zeitgeschichte“
1951 Vorsitzender des Vereins der Deutschen Presse
1952 Professor für Zeitungswissenschaft
1954 Vaterländischer Verdienstorden in Silber
1957 außerordentlicher Professor mit Lehrauftrag für Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität Berlin
1958 Berater des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten
1962 Karl Marx-Orden; Übersiedlung nach Rostock
Weitere Angaben zur Person: Religion: Dissident
Verheiratet: 1914 Hermine („Mia“), geb. Weißenborn (* 1890 Magdeburg, + 1968 Rostock)
Eltern: Peter Bittel (1865-vor 1914), Ministerial-Kalkulator
Clara Anna, geb. Koch (1868-vor 1914)
Geschwister: 3
Kinder: Viktor, Karl, Hans-Peter
GND-ID: GND/116197935

Biografie: In: Baden-Württembergische Biographien 2, 46-48
Quellen: Auskünfte und Unterlagen des Sohnes Viktor Bittel, desgleichen vom ehemaligen Institut für Marxismus-Leninismus, jetzt: Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv, 10119 Berlin, Torstraße 1
Werke: E. Pfeiffer und die deutsche Konsumgenossenschaftsbewegung (Inauguraldissertation), 1915; Genossenschaften und andere Organisationen für Obst- und Gemüseverwertung, 1915; Genossenschaftliche Kultur. Eine Schriftensammlung der Gesellschaft für genossenschaftliche Kultur (Hg.), Eßlingen 1916ff.; Eine Bibliographie des Genossenschaftswesens, 1916; Politischer Rundbrief (verantwortlich Karl Bittel), Jg. 1 (1918) - 4 (1921); Die Übernahme der Lebensmitteverteilung durch die Konsumvereine, 1923; Genossenschafts-Thesen der Kommunistischen Internationale, 1923; Unsere Rußlandreise. Berichte der 1. Delegation deutscher Genossenschafter aus Sowjet-Rußland (Zusammen mit K. Ertinger und E. Oberdörster) 1923; DEROP-Blätter (Hg.), von der Deutschen Vertriebsgesellschaft für Russische Öl-Produkte Berlin (verantwortlich Karl Bittel), 1931/32; Sernatinger Chronik, 1939; Der berühmte Herr Doctor Mesmer 1734-1815, 1939 und 1940; Mesmer und sein Problem. Magnetismus, Suggestion, Hypnose (Zusammen mit R. Tischner), 1941; Paracelsus. Leben und Lebensweisheit in Selbstzeugnissen (Auswahl und Einleitung), 1944; Paracelsus-Dokumentation. Referatblätter zum Leben und Werk des Theophrast von Hohenheim, 1942ff.; Die Verfassung der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken (UdSSR), 1946; Demokratie und Sozialismus, 1946 (= Sozialistische Schulungshefte 1); Deutsches Institut für Zeitgeschichte Berlin, Dokumentation der Zeit (Chefredakteur Karl Bittel) 1940, 1 (Oktober)-1972, 6; Der aggressive Charakter der imperialistischen Paktsysteme, Berlin 1952; Die Feinde der deutschen Nation, 1952; Die nationale Katastrophe der deutschen Teilung, 1952; Eine historische Dokumentation über die Deutschlandpolitik der imperialistischen Westmächte, 1953; Vom Potsdamer Abkommen zur Viermächte-Konferenz, 1953; Paracelsus und seine Vaterstadt Villach, 1953; Die Politik der Sowjetunion zur Lösung der Deutschlandfrage, 1953; Karl Marx als Journalist, 1953; Atlantikpakt oder kollektive Sicherheit für Europa, 1954; Tagebuch der Berliner Konferenz, 1955; Zur Deutschlandpolitik der imperialistischen Westmächte, 1955; Der Kommunistenprozeß zu Köln 1852 im Spiegel der zeitgenössischen Presse, 1955; Zeitgeschichte als Wissenschaft, 1956; Das Berliner Abkommen und andere Dokumente, 1957; Kleine Dokumentensammlung (Hg.), 1957ff., Warum und wie wurde Deutschland abgespalten?, 1957
Nachweis: Bildnachweise: Urach; Burger (vgl. Literatur)

Literatur: Große Sowjet-Enzyklopädie, Moskau 1927, Bd. 6, 425f.; Seit 50 Jahren Journalist, in: ND Presse, April 1962, 44; Köpfe von heute. Prof. Karl Bittel, in: Sonntag, 24.06.1962; W. Kindt (Hg.), Die Wandervogelzeit. 1968, Bd. II, 1049; ders. (Hg.), Die deutsche Jugendbewegung 1920 bis 1933, 1974, passim; Genosse Prof. Dr. Karl Bittel – 70 Jahre, in: Forum, 14.06.1962; Staatsrat der DDR verlieh hohe Auszeichnungen, in: ND, 26.07.1962; Goldenes Doktorjubiläum, in: Die neue Universität (Rostock), 1965 H. 12; R. Kraft, Prof. Karl Bittel zum 75. Geburtstag, in: Sonntag, 1967, Nr. 25/26, 14; In Berlin verstarb Prof. Dr. Karl Bittel, in: Südkurier, 22.04.1969; I. Eberl – H. Macron, 150 Jahre Promotion an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen, 1984, Nr. 564; W. Hammer-Kreis (Hg.), Junge Menschen. 1981, 341; O. Burger, Karl Bittel. Zum 90. Geburtstag des südwestdeutschen Kommunisten, in: Schelle. Zeitung für Überlingen und Umgebung 1982, Nr. 26, 22 f.; Stadt Urach (Hg.), „Roter Verschwörerwinkel“ am Grünen Weg. Der Uracher Kreis K. Raichles, 1991, 196f. und passim; M. Bosch, Bohème am Bodensee, 1997, 127f. und passim
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