Altmann-Gottheiner, Elisabeth 

Geburtsdatum/-ort: 26.03.1874; Berlin
Sterbedatum/-ort: 21.10.1930;  Mannheim
Beruf/Funktion:
  • Nationalökonomin und Frauenrechtlerin
Kurzbiografie: Vor 1903 Studium in London, Berlin u. Zürich
1903 Promotion an d. Univ. Zürich: „Studien über die Wuppertaler Textilindustrie u. ihre Arbeiter in den letzten 20 Jahren“
1907 Umzug nach Mannheim
1908 nebenamtliche Hochschuldozentin d. Handelshochschule Mannheim, damit erste Hochschuldozentin in Deutschland
1910 Mitglied des „Bundes deutscher Frauenvereine“ (BDF)
1912–1920 Herausgeberin des Jahrbuchs des BDF mit zahlreichen eigenen Beiträgen
1919–1926 Schatzmeisterin des BDF
ab 1914 Engagement in d. Kriegsfürsorge d. Stadt Mannheim
1924 Redakteurin des Nachrichtenblattes des BDF
1925 Studienreise nach England u. Amerika
1925 Verleihung des Titels Professor
Weitere Angaben zur Person: Religion: isr. bis 1917, dann (???)
Mitgliedschaften: Mitglied des „Bundes deutscher Frauenvereine“ (BDF)
Verheiratet: Sally (Salomon Paul) Altmann (1878–1933), Prof. für polit. Ökonomie
Eltern: Vater: Eduard Albert Paul Gottheiner (1838–1919), Geheimer Baurat
Mutter: nicht ermittelt
Geschwister: Albert (1878–1940), Architekt
GND-ID: GND/116295279

Biografie: Rosmarie Günther (Autor)
Aus: Badische Biographien. Neue Folge 6, S. 3-8

Altmann-Gottheiner entstammte einer Familie des jüdisch- liberalen Bürgertums, das auch seine Töchter in dem Bedürfnis nach Bildung unterstützte. Welche Schule sie in Berlin besuchte, über welche Kontakte die Eltern verfügten, bleibt im Dunkeln. Sicher ist lediglich, dass sie mütterlicherseits sehr früh verwaiste und einen jüngeren Bruder hatte, der später nach Dänemark und Schweden emigrierte. Umso enger gestaltete sich das Zusammenleben mit dem Vater, durch den sie jede Förderung erfuhr. Ein England-Aufenthalt vermittelte der 16-jährigen die für ihr Leben entscheidenden Impulse: ihr Eintreten für die Frauenbewegung, ihr soziales Engagement und ihre internationale Offenheit durch gute englische Sprachkenntnisse.
Altmann-Gottheiners Jugendjahre fallen in eine Zeit, in der der Kampf um Ausbildung für Frauen voll entbrannt war. Hierher gehört z. B. der Erlass der preußischen Regierung von 1886, der Frauen sowohl als Studierende als auch als Hospitantinnen den Besuch an preußischen Universitäten untersagte. Der Allgemeine deutsche Frauenverein, gegründet 1865 und aufgelöst 1933, versuchte mit zahlreichen Petitionen zur Zulassung der Frauen zu Abitur und Studium die Situation zu bessern. 1902 standen in Deutschland 36082 Männern mit abgeschlossener Gymnasialbildung nur etwa 70 Frauen gegenüber.
In Berlin hatten erst 1896 die ersten sechs Abiturientinnen ihre Prüfung bestanden und 1908 wurden die ersten Frauen offiziell zum Studium zugelassen. Es bleibt also fraglich, ob und wo Altmann-Gottheiner ihr Abitur gemacht hat. Sicher ist lediglich, dass sie zunächst nach London ging, wo Frauen seit 1878 studieren konnten. Später wechselte sie an die Universität Berlin, wo sie allerdings nicht promovieren durfte. Möglicherweise fällt in diese Zeit ihre Begegnung mit Sally Altmann, Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Berlin. Er mag Altmann-Gottheiner auch in ihrem Wunsch, zu promovieren, unterstützt haben. Da die Universität Zürich schon 1865 für Frauen offenstand, nahm Altmann-Gottheiner dort wieder ihr Studium auf und promovierte 1903 über die Wuppertaler Textilindustrie und ihre Arbeiter. Da im Textilgewerbe vorrangig Frauen beschäftigt wurden, wird schon darin die Zielrichtung ihres Wirkens deutlich, Frauen zu unterstützen und durch wissenschaftlich untermauerte Analysen, Kritik und Anregungen an die Industrie in sachlicher Weise zu vermitteln. Am 22. Februar 1906 promovierte auch Sally Altmann und erhielt eine Anstellung bei der Handelskammer Frankfurt. Nun stand einer Heirat beider nichts mehr im Wege.
Auf Empfehlung von Eberhard Gothein (➝ II 102) wurde Sally Altmann als nebenamtlicher Dozent an die Mannheimer Handelshochschule berufen. Ob er in seinen Berufungsverhandlungen die Beschäftigung von Altmann-Gottheiner erwirken konnte, bleibt unklar. Aber die außergewöhnliche Anstellung als „Lehrkraft für einzelne Vorlesungen“ läßt diese Vermutung zu. Das Ehepaar siedelte nach Mannheim um. Der Ehemann habilitierte sich in Heidelberg und erhielt im Juli 1910 die Venia legendi für politische Ökonomie und wurde hauptamtlicher Dozent am Lehrstuhl „Volkswirtschaftslehre“. Anlässlich der Silbernen Hochzeit des großherzoglichen Paares im Juli 1910 wurde er zum Professor ernannt.
Altmann-Gottheiner nahm neben ihrer zweistündigen Veranstaltung in der Handelshochschule sofort auch andere öffentliche Tätigkeiten auf. Schon 1908 saß sie im Aufsichtsrat der Gartenstadt-Genossenschaft. Während des I. Weltkrieges engagierte sich das Ehepaar intensiv in der Kriegsfürsorge der Stadt. Einer Publikation ihres Mannes dazu von 1916 ist zu entnehmen, dass Altmann-Gottheiner u. a. im Kriegstagesheim für arbeitslose Mädchen unterrichtete.
Im WS 1915/16, im SS 1921 und im WS 1921/22 fielen die Lehrveranstaltungen des Ehemannes aus. Eine erhaltene Postkarte Altmann-Gottheiners vom August 1921 aus dem Kurhaus Schweigmatt im Schwarzwald legt den Schluss nahe, dass diese Ausfälle krankheitsbedingt waren. Das Leben des Ehepaares war ab 1920 immer wieder durch diese wohl psychisch bedingte Krankheit belastet. Eine offizielle Beurlaubung des Ministeriums liegt für den März 1921 vor. Das Ehepaar unternahm sowohl Kuraufenthalte als auch Auslandsreisen gemeinsam.
Dem 1924 beim Ministerium für Kultus und Unterricht eingereichten Antrag von Rektorat und Senat der Handelshochschule, Altmann-Gottheiner zur Professorin zu ernennen, wurde im März 1925 stattgegeben. Die Bestallungsurkunde datiert vom 30. April 1925 (GLA 235/1726). Diese Titularprofessur ohne Habilitation war ungewöhnlich. In einem Brief an Kultusminister Willy Hellpach (BWB II 209) drückt Altmann-Gottheiner ihren Dank aus für die Ehrung, „die mir als Frau doppelt wertvoll ist.“ (GLA 235/1726). In der Begründung des Rektors, die eine vollständige Publikationsliste und die Auflistung ihrer Lehrveranstaltungen erhält, heißt es: „Ihre Vorlesungen erfreuen sich bei Studenten und Hörern aller Art regen Zuspruches und dankbarer Anerkennung, wie Frau Dr. Altmann-Gottheiner auch persönlich bei jedermann, der mit ihr zusammensein durfte, größte Hochachtung genießt.“ (Antrag vom 16. 6. 1924 UA Mannheim A 1/1)
Die Krankheit ihres Mannes, wachsender Antisemitismus an der Hochschule und in der Stadt und der Beginn ihrer eigenen Krankheit verdunkelten Altmann-Gottheiners letzte Lebensjahre. Im Herbst 1930 wurde ihr Ehemann emeritiert; sie selbst hatte wegen schwerer Krankheit ihre Lehrtätigkeit eingestellt und verstarb kurz darauf.
Auch das Leben des Ehemanns stand bereits seinem Ende nahe. Er kam 1931 in die Pflegeanstalt Ilmenau, wo er im April 1933 verstarb. Kurz zuvor war er als „Nichtarier“ noch aus dem deutschen Beamtentum entfernt worden. Der Nachlass des Ehepaares wurde nicht sichergestellt.
Die Arbeit der akademischen Lehrerin ist nicht von der ihres Mannes zu trennen, denn er prägte die Zielrichtung und den Umgangsstil des Lehrstuhls. Im Hause Altmann-Gottheiner wurde großer Wert darauf gelegt, dass die Mitglieder des Seminars, Diplomanten und Doktoranden einander kennenlernten. Deshalb wurden sie privat eingeladen. Dazu und zur Herstellung von Praxisbezügen dienten die regelmäßig zusammen mit Gothein durchgeführten volkswirtschaftlichen Exkursionen: Besichtigungen von Fabriken, Gutshöfen und öffentlichen Unternehmen, an denen auch Altmann-Gottheiner teilnahm. Sie führten später sogar ins Ausland.
Altmann-Gottheiner war beteiligt an Lehrveranstaltungen wie „Besprechung volkswirtschaftlicher Tagesfragen an Hand englischer und amerikanischer Zeitungen und Zeitschriften“ im WS 1925/26. In diesem Zusammenhang stellte Sally Altmann fest: „Von den [volkswirtschaftlichen] Seminaren vieler Universitäten unterscheidet sich das Mannheimer […] dadurch, dass es ein großes Gewicht auf den Ausbau eines Zeitungsarchivs legt“(Handelshochschule Mannheim, Akadem. Nachrichten 3, 22); daraus ging das heutige Wirtschaftsarchiv hervor.
Altmann-Gottheiner trug Aktualitätsbezüge und Praxisorientierung mit. So bot sie im WS 1926 eine Übung zum Thema „Soziale Gegenwartsfragen Deutschlands, Englands und der Vereinigten Staaten“ an. Die Weltwirtschaftskrise machte solche Erörterungen zum Gebot der Stunde. Eine Altmann-Gottheiner ganz eigene Thematik war die Situation der Frauen im Wirtschaftsleben von Vergangenheit und Gegenwart. Engagiert in der Frauenbewegung nahm sie diesen Bereich auch in ihre Lehrtätigkeit auf. So bot sie gleich im WS 1908/9 das Thema „Arbeiterinnenfrage“, im WS 1909/10 gefolgt vom Thema „Die Frauenfrage, Lektüre und Besprechung sozialpolitischer Schriften“. Vielleicht erregte sie damit Anstoß? Vom WS 1910/11 an hießen ihre Winterveranstaltungen nämlich nur noch „Lektüre und Besprechung sozialpolitischer Schriften“, ohne weitere Spezifizierung. Die Sommersemester waren sozialen Themen gewidmet: dem Arbeiterschutz, der sozialen Fürsorge, Ursachen und Bekämpfung der Armut. Der Ausbruch des I. Weltkrieges und dann auch die Zeit danach bewirkten eine Aktualisierung der Themen Altmann-Gottheiners auf die sozialen Zustände in Deutschland und die Sozialpolitik.
Erstmals im SS 1919 als das Frauenwahlrecht eingeführt war griff Altmann-Gottheiner eines ihrer wichtigsten Anliegen wieder auf: „Frauenfrage, Frauenarbeit und Frauenrecht“. In die Themen der damaligen Lehrveranstaltungen, WS 1919/20 und SS 1920, flossen offensichtlich lokale Erfahrungen aus der Kriegsfürsorge ein. Dann alternierten „Sozialpolitische Tagesfragen“ mit der „Einführung in die Sozialpolitik“. Für das WS 1930/31 hatte Altmann-Gottheiner sogar eine Vorlesung in englischer Sprache geplant. Dazu kam es aber nicht mehr.
Sicher hängt die Zuspitzung auf das eine Globalthema Sozialpolitik mit ihrem 1923 erschienenen „Leitfaden durch die Sozialpolitik“ zusammen, dessen Ziel es war, den Gedächtnisstoff systematisch in leicht fasslicher Form festzuhalten und den Studierenden Raum zu geben für die Auseinandersetzung mit der Literatur. Der ausgeprägte Sinn für die Realitäten des Wirtschaftslebens ihrer Zeit durchzieht Altmann-Gottheiners Werk wie ein roter Faden, aber zugleich auch der Wille, herrschende soziale Missstände aufzudecken und Vorschläge zur Abhilfe zu machen. Im Vorlesungsverzeichnis zum WS 1919/20 fasst Altmann-Gottheiner den Zweck ihrer Lehrveranstaltungen zusammen: Verbesserung der allgemeinen Bildung, indem sie Gegenwartsprobleme wie Arbeiter- und Arbeiterinnenfrage, die Frauenfrage und sozialpolitische Probleme behandelte, die Besprechung sozialpolitischer Schriften, was die literarische Kenntnis vertiefen, das sozialpolitische Verständnis verbessern und die Redegewandtheit fördern sollte, schließlich die besondere Berücksichtigung der sozialpolitischen Gesetzgebung als wichtiger Bestandteil der fachspezifischen Ausbildung von Kaufleuten und Industriellen.
Aktivitäten in der Frauenbewegung und nicht davon zu trennen ein hohes Maß an sozialem Engagement bestimmten die andere Seite von Altmann-Gottheiners Wirken. 1865 war der „Allgemeine Deutsche Frauenverein“, ADF, gründet worden, der besonders für das Recht der Frauen auf Bildung und Erwerbsarbeit eintrat. Helene Lange (1848–1930) führte diese Arbeit durch Gründung verschiedener Ausbildungsinstitute und zahlreiche Petitionen fort. 1894 verband sich der ADF im „Bund Deutscher Frauenvereine“, BDF, mit anderen Frauenvereinen und schloss sich dem „International Council of Women“ an. Der BDF zählte 1920 ca. 900000 Mitglieder. 1910 wurde Altmann-Gottheiner Mitglied des BDF, war schon 1912 anläßlich des großen Frauenkongresses in Berlin Mitglied des Vorstands und vertrat den BDF mehrfach auf internationalen Tagungen, so in Rom, Genf und Washington als Vorsitzende der Kommission für Frauenarbeit. Von 1912 bis 1920 gab sie das Vereinsjahrbuch heraus, von 1919 bis 1926 war sie dessen Schatzmeisterin und seit 1924 redigierte sie das Nachrichtenblatt des BDF. Ihr Austritt aus der jüdischen Gemeinde 1917 mag mit dem während des Krieges wachsenden Chauvinismus im BDF zusammenhängen, der Jüdinnen grundsätzlich misstraute. 1918 stand sie außerdem der Vereinigung der Nationalökonominnen Deutschlands mit immerhin 152 Mitgliedern vor. Auch in Mannheim war sie in den Vorständen verschiedener Frauenvereine bzw. -verbände tätig.
Für Altmann-Gottheiner stand die Entstehung der Frauenfrage im Zusammenhang mit der industriellen Entwicklung, die „rücksichtslos so manche Schranke“ (Die historische Entwicklung der Frauenbewegung in Deutschland, in: Illustrierte Zeitung Nr. 3509 Bd.135, Leipzig 1910, S. 2) niederriss. Frauen und Mädchen der besitzlosen Klassen, „die man um ihrer Anspruchslosigkeit willen schätzte“, zogen in die Fabriken ein; Frauen der gehobenen Klassen entwickelten ein ungeheures Bildungsbedürfnis. Die „Illustrierte Zeitung“ beschrieb die Frauenfrage 1910 als janusköpfig: auf der einen Seite „die müden Züge der Frau des Arbeiterstandes, die unter der dreifachen Arbeitslast der Mutterschaft, Hausfrauenpflicht und Berufsarbeit fast zusammenbricht“ (s. o. Bd. 135, S. 2), auf der andern die sehnsüchtig nach neuen Tätigkeitsgebieten ausschauenden unbefriedigten Augen der ehelos bleibenden Frau aus dem Bürgerstand. Altmann-Gottheiner sah die Forderungen der proletarischen Frauenbewegung unter der Führung von Clara Zetkin (1857–1933) also durchaus als berechtigt an, dennoch gehörte sie eher zum gemäßigt-bürgerlichen Flügel. Sie sprach sich dezidiert dagegen aus, dass Frauen gleichberechtigt in Konkurrenz zu den Männern träten. Dank spezifischer Begabungen der Frau sei sie in ihrer Eigenart befähigt, Anderes und sogar Höheres zu leisten als der Mann.
In der Forderung nach politischer Gleichberechtigung äußerte sich Altmann-Gottheiner indifferent. Lediglich Art und Tempo des Vorgehens spalteten den radikaleren Flügel des BDF geführt von Minna Cauer (1841–1922) vom gemäßigten unter Helene Lange. Sie hielt es lediglich für eine Frage der Strategie, ob das Stimmrecht für Frauen „Fundament oder Krone der Frauenforderung“ sei.
Bei Ausbruch des I. Weltkrieges hörten diese Flügelkämpfe auf und alle bürgerlichen Frauenvereine folgten patriotisch der konservativen Linie unter Gertrud Bäumer (1873–1954), die einen nationalen Frauendienst ins Leben rief. In Mannheim schlossen sich 72 Frauenvereine unter dem Vorsitz von Julie Bassermann (➝ V 2) zusammen und organisierten sofort selbständig Hilfsmaßnahmen. Zu diesem Vorstand gehörte fast selbstverständlich Altmann-Gottheiner. Inzwischen hatte ihr Mann den Vorsitz in der Zentrale für Kriegsfürsorge übernommen. Bei so enger persönlicher Verzahnung nimmt es nicht Wunder, dass die Koordination der verschiedenen Tätigkeitsbereiche so ausgezeichnet funktionierte. Unter anderem wurde ein Kriegstagesheim für arbeitslose Mädchen eingerichtet, deren Leiterin Altmann-Gottheiner war. Die Idee kam bei einer Exkursion des volkswirtschaftlichen Seminars nach Frankfurt auf. Die so gewonnenen Erfahrungen wurden nutzbringend in die nach dem Krieg gegründete „Soziale Frauenschule“ übertragen. Ebenfalls unter der Obhut von Altmann-Gottheiner stand die Beratungsstelle für Kriegerwitwen und schließlich eine Berufsberatungsstelle für Frauen und Mädchen. Nach dem Vorbild der 1908 von Alice Salomon (1872–1948) gegründeten Sozialen Frauenschule initiierte Altmann-Gottheiner zusammen mit Marie Bernays (BWB II 38) im Herbst 1916 die Soziale Frauenschule, deren Ziel es war, Mädchen ab 18 Jahren zunächst in einem 2 ½, später einem vierjährigen Ausbildungsgang für Sozialberufe vorzubereiten. Die Schule wurde zunächst vom „Verein Frauenbildung – Frauenstudium“ getragen, erhielt 1921 die staatliche Anerkennung und wurde 1925 durch eine Frauenschule ergänzt. 1928 übernahm die Stadt deren Finanzierung, die inzwischen als die beste Einrichtung ihrer Art in Süddeutschland galt. Drei hauptamtliche und zwölf nebenamtliche Lehrkräfte unterrichteten 160 Schülerinnen. Altmann-Gottheiner übernahm Kurse zum Thema Allgemeine Staats- und Verwaltungslehre, Sozialpolitik und soziale Fürsorge. Das Zusammenwirken der Hochschuldozentin Altmann-Gottheiner, der Sozialpädagogin Marie Bernays und der Vorsitzenden des „Vereins Frauenbildung – Frauenstudium“ Alice Bensheimer (1864 –1935) und später Julie Bassermann hatten diese Pionierleistung zum Erfolg geführt.
Schon während des Krieges stand Altmann-Gottheiner in engstem Kontakt mit den führenden Damen der Mannheimer Gesellschaft. Ein intaktes Netzwerk von aktiven Frauen mit guten Verbindungen war entstanden, das zusammen mit dem BDF beispielgebende Arbeit in der Sozialfürsorge der Stadt leistete. Trotz allem sozialen Engagement kam dabei die musische Seite nicht zu kurz. Das zeigt die Tatsache, dass Altmann-Gottheiner neben der Gründerin Ida Dehmel (1870–1942), Alice Bensheimers Schwester, zweite Vorsitzende der Gedok war, der „Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgruppen“.
In jeder Hinsicht also stellt die erste weibliche Universitätsdozentin in Deutschland auch ein herausragendes Beispiel dar für eine beruflich und sozial engagierte Frau im späten Kaiserreich und in der Weimarer Zeit. Über den von ihr geforderten weiblichen Bildungsanspruch hat sie viel für die Emanzipation der Frauen getan.
Quellen: UA Mannheim A 1–7; StadtA Mannheim Alb. 901 Nr. 1, Alb. 766 Nr. 4 u. ZGS, S1/2484; GLA Karlsruhe 235/1726 u. 235/4585; Akad. Nachrichten d. Handelshochschule, 6. Jg. Nr. 5, 3. 11. 1930; Sally P. Altmann, Die Kriegsfürsorge in Mannheim, 1916.
Werke: Übersetzerin von: Marcella, Roman von Mary A. Ward, 1896; Studien über die Wuppertaler Textilindustrie u. ihre Arbeiter in den letzten 20 Jahren, Diss. phil. Leipzig, 1903; Die gewerbliche Arbeiterinnenfrage, 1905; Die historische Entwicklung d. Frauenbewegung in Deutschland, in: Illustrierte Zeitung Nr. 3509, Bd.135, 1910, 2 f.; Sozialpolitisches aus dem modernen Rom, 1911; Das Frauenwahlrecht in d. Praxis, 1912; Stellung u. Aufgabe d. Frau im Recht u. in d. Gesellschaft, 1914; Die Berufsaussichten d. dt. Akademike- rinnen, 1921; Leitfaden durch die Sozialpolitik, 1923. Zahlreiche Artikel in: Jb. des Bundes Dt. Frauenvereine von 1912–1924.
Nachweis: Bildnachweise: StadtA Mannheim Bildsammlung 01652 Bild 26: Erster Kurs d. Sozialen Frauenschule, Foto 1918, Nr. 15, Führende Vertreterinnen d. bürgerlichen Frauenbewegung, 1919, Altmann-Gottheiner erste von links, u. Ausschnitt: Neue Mannheimer Ztg. Nr. 492 vom 23. 10. 1930; GLA Karlsruhe 235,1726, Ausschnitt: Bad. Presse Nr. 492 vom 23. Oktober 1930.

Literatur: Illustrierte Ztg. Nr. 3509, Bd. 135, 1910; Neue<br /> Mannheimer Ztg. Nr. 487 vom 21. u. 22. 10. 1930; A. Salomon, Elisabeth Altmann- Gottheiner zum Gedächtnis, in: Die Österreicherin – Zs. für alle Interessen d. Frau, hgg. vom Bund österr. Frauenvereine, 3. Jg., 1930, H. 9; A. Gwinner, … Hunger ist die entscheidende Kraft, die sie vorwärts trieb. –<br /> Elisabeth Altmann-Gottheiner u. Käthe Bauer-Mengelberger, Professorinnen d. Mannheimer Handelshochschule, in: Stadt ohne Frauen? Hg. von d. Frauenbeauftragten d. Stadt Mannheim u. den Autorinnen, 1993, 299–311; Ch. Altmann, Eine außerordentliche Professorin, in: MM Nr. 278 vom 1. 12. 1995; S. Hosseinzadeh, Elisabeth Altmann-Gottheiner, in: Margarete von Wrangell u. andere Pionierinnen, hgg. von U. Fellmeth u. S. Hosseinzadeh, 1998, 233 f.; Christiane Pfanz-Sponagel, Vom Frauenverein zum Mandat, in: Geschichte d. Stadt Mannheim Bd. 3, hgg. von U. Nieß u. a., 2009, 142 f.
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