Färber, Karl 

Geburtsdatum/-ort: 18.04.1888;  Röhlingen bei Ellwangen
Sterbedatum/-ort: 05.04.1979;  Freiburg i. Br., beigesetzt 10. 4. 1979 Freiburg, Bergäcker-Friedhof
Beruf/Funktion:
  • Publizist
Kurzbiografie: 1894-1898 Volksschule Röhlingen
1898-1907 Gymnasium Ellwangen mit Abitur
1907-1911 Studium Theologie Tübingen
1911-1912 Priesterseminar Rottenburg
1912-1914 Studium Philosophie und Kunstgeschichte München
1914-1918 Kriegsdienst
1919-1922 Redakteur „Augsburger Postzeitung“
1923-1925 Chefredakteur „Augsburger Postzeitung“
1925-1936 Chefredakteur „Freiburger Tagespost“
1930-1933 Stadtrat (Zentrum) Freiburg
1936-1940 Redaktionelle Mitarbeit „St. Konradsblatt“ und „Oberrheinisches Pastoralblatt“
1940-1943 Südwest-Korrespondent „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
1943-1945 Korrespondent „Kölnische Zeitung“
1945-1961 Chefredakteur „Freiburger Katholisches Kirchenblatt“
1949-1974 Chefredakteur „Der Christliche Sonntag“ (seit 1967 „Christ in der Gegenwart“)
1974-1979 Herausgeber „Christ in der Gegenwart“
1953 Komturkreuz des Silvesterordens
1958 Dr. theol. h. c. Freiburg
1959 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik
1961 Ehrenbürger Röhlingen
1973 Verdienstmedaille des Bistums Straßburg („Médaille d'or“)
1975 Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
1978 Professorentitel des Landes Baden-Württemberg
1978 Gregorius-Orden mit Stern
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: Ellen-Ruth, geb. von Mitterwallner
Eltern: Vater: Johannes Färber, Schreiner
Mutter: Anna Färber, geb. Konle
Geschwister: 1 Schwester
Kinder: 2 Söhne
GND-ID: GND/116379162

Biografie: Clemens Siebler (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 3, 77-79

Färber, in Röhlingen geboren, wuchs im räumlichen und geistigen Umfeld der ehemaligen Fürstpropstei Ellwangen und der barocken Wallfahrtskirche „Zum Schönenberg“ auf. Schon in frühen Jahren fühlte er sich zum Priesterberuf hingezogen. Nach bestandenem Abitur ging er nach Tübingen, wo er katholische Theologie studierte. Er hatte bereits die Diakonatsweihe erhalten, sah sich danach jedoch außerstande, den von Papst Pius X. den Klerikern auferlegten Antimodernisteneid zu leisten. Schweren Herzens verließ er das Priesterseminar, aber umso fester entschlossen, auch weiterhin der Kirche zu dienen.
Ein in München aufgenommenes Studium der Philosophie und Kunstgeschichte mußte Färber wegen des Kriegsausbruches (1914) vorzeitig beenden. Trotz des gefahrvollen Frontdienstes und einer schweren Typhuskrankheit brachten diese Jahre für ihn eine beruhigende Phase der inneren Klärung.
Nach dem Krieg unterrichtete Färber eine kurze Zeit an einer kirchlichen Schule in Rottweil, wandte sich dann aber dem Journalistenberuf zu. Von Stuttgart aus schrieb er zunächst Lokalberichte für die „Augsburger Postzeitung“. Da seine Aufsätze schnell Anerkennung fanden, erhielt er 1920 bei der Zentralredaktion in Augsburg eine Anstellung, und schon nach drei Jahren wurde er Chefredakteur des angesehenen Blattes. Färber unternahm den kühnen Versuch, eine ganz auf Tradition ausgerichtete Leserschaft mit einer neuartigen Zeitung zu konfrontieren; in ihr sollte die geistige Unruhe der damaligen Zeit ihren Ausdruck finden. Nach zwei Jahren scheiterte dieses Experiment. Färber verließ Augsburg, und nach einigem Suchen wurde ihm der Posten des Chefredakteurs der „Freiburger Tagespost“ angeboten. Auch in Freiburg setzte er, wenn auch vorsichtiger, alles daran, dieses dem Zentrum nahestehende Organ nach seinen persönlichen Vorstellungen zu gestalten. Er suchte daher neue Wege, bot manches Ungewohnte und wollte seinen Lesern vor allem auf kulturellem Gebiet Neuland erschließen. Allein schon wegen seines unbestechlichen Urteils stand der Chefredakteur in hohem Ansehen; sein Wort hatte Gewicht, und seine Zeitung fand überregionale Anerkennung, was freilich nicht verhindern konnte, daß er des öfteren der Zentrumspartei oder der katholischen Kirchenbehörde als unbequem erschien.
Noch war Färber, selbst Mitglied des Zentrums, einige Jahre lang Stadtrat gewesen, als diese überaus fruchtbaren Schaffensjahre im Dienst der Publizistik durch die nationalsozialistische Machtübernahme ein jähes Ende fanden. Da er sich nicht anpaßte, bekam er ernste berufliche Schwierigkeiten. 1936 wurde er als Chefredakteur abgesetzt, denn seine Zeitung war zu wenig von „positiv nationalsozialistischem Gedankengut“ geprägt. Er hatte Glück, bei der Bistumspresse unterzukommen. Neben der Redaktion des „Oberrheinischen Pastoralblattes“, einer Monatszeitschrift für den katholischen Klerus, oblag ihm vor allem die Herausgabe des „St. Konradsblattes“. Aber sein Name durfte im Impressum nicht erscheinen, weil er nicht das „besondere Vertrauen“ der Partei- und Staatsführung genoß. Kurz bevor das Diözesanblatt sein Erscheinen einstellen mußte (1941), ergab sich für Färber abermals die Möglichkeit, zur Tagespresse überzuwechseln. Für die damals von den Nationalsozialisten noch leidlich geduldete „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb er als „Südwestkorrespondent“; nach deren Verbot (1943) wurde er Mitarbeiter der „Kölnischen Zeitung“. Schien so für das wirtschaftliche Auskommen seiner Familie halbwegs gesorgt, so waren doch alle diese Jahre von ständiger Unsicherheit und Existenzangst begleitet. 1944 wurde er im Zusammenhang mit den Ereignissen des 20. Juli vorübergehend inhaftiert.
Da Färber nach dem Krieg als „politisch unbelastet“ galt, lag der Gedanke nahe, daß er abermals zur Tagespresse zurückkehren würde. Doch er entschied sich für die kirchliche Publizistik. Der in Freiburg wohnende Verleger Dr. Josef Knecht bewog ihn, das neu gegründete „Freiburger Katholische Kirchenblatt“ zu redigieren. Es war für den Teil des Erzbistums gedacht, der in der französischen Zone lag. Obwohl ein bahnbrechendes kirchliches Organ, erfreute sich sein neuer Stil nicht der ungeteilten Zustimmung des Klerus und der Laienschaft. Man beanstandete immer wieder, daß es für die breite Leserschicht ein zu anspruchsvolles Niveau habe. Für Färber Grund genug, parallel dazu die Wochenzeitschrift „Der Christliche Sonntag“ herauszugeben. Sie war überregional und gegenüber der Kirchenbehörde unabhängiger. Dreißig Jahre lang, bis zu seinem Tod, hat er die Redaktion dieser Kirchenzeitung besorgt. Sie kann als sein eigentliches Lebenswerk bezeichnet werden. Es Ziel war es, das gesamte Zeitgeschehen aus der Sicht des christlichen Glaubens zu deuten. „Der Christliche Sonntag“, seit 1967 „Christ in der Gegenwart“ genannt, hat nicht nur seinen Gründer überdauert; in Anlage und Stil hat er darüber hinaus in der gesamten katholischen Publizistik Nachahmung gefunden.
Aus dieser Wochenzeitschrift sind eine Reihe von Sonderveröffentlichungen hervorgegangen. Eine Artikelserie über die Heiligen wurde zu einem erfolgreichen Buch: „Heilige sind anders“; von ihm ausgesuchte religiöse Texte erschienen in drei Bändchen als „Brevier zum inneren Leben“; Aufsätze verschiedener Autoren des Blattes wurden als Bücher herausgegeben.
Der Öffnung der katholischen Kirche, wie sie durch das Zweite Vatikanische Konzil vollzogen wurde, stand Färber positiv gegenüber. Er selbst galt als ein Mann der kirchlichen Erneuerung, für die er schon in den zwanziger Jahren publizistisch wirkte. Den nachkonziliaren theologischen Auseinandersetzungen hat er in „Christ in der Gegenwart“ einen breiten Platz eingeräumt, ebenso den damals aufbrechenden religiösen Kräften in der Kirche. So hat er den neuen Geist des Konzils kraftvoll mitgetragen; aber er konnte durchaus vor übereilten Schritten warnen und zur Mäßigung mahnen.
Gleicherweise von Staat und Kirche wurden Färber zahlreiche Ehrungen zuteil, unter ihnen die theologische Ehrendoktorwürde (1958) und die Verleihung des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland (1959). Als erstem Deutschen wurde ihm 1973 die Verdienstmedaille des Bistums Straßburg überreicht; anläßlich seines 90. Geburtstages verliehen ihm das Land Baden-Württemberg den Professorentitel und der Heilige Stuhl den Gregorius-Orden mit Stern. Alle diese Auszeichnungen übten jedoch auf Färbers persönlichen Lebensstil keinerlei Einfluß aus. Bis ins hohe Alter blieb er der bescheidene Mann, der er immer gewesen war. Seine kleine, enge Mietwohnung behielt er bis ans Lebensende, in Kleidung und Lebensführung war er geradezu spartanisch.
Obwohl Färber schon 1974 die Hauptschriftleitung von „Christ in der Gegenwart“ in jüngere Hände gelegt hatte, blieb der stets Rastlose auch weiterhin dessen offizieller Herausgeber. Kurz vor seinem 91. Geburtstag verstarb er in Freiburg, das ihm während mehr als eines halben Jahrhunderts zur zweiten Heimat geworden war. Unbestritten war er einer der bedeutendsten katholischen Publizisten unserer Zeit.
Werke: Heilige sind anders, Herder-Bücherei Nr. 14, Freiburg 1958; Brevier zum inneren Leben, Frankfurt 1960; Neues Brevier zum inneren Leben, Frankfurt 1963; Zum inneren Leben. Drittes Brevier, Frankfurt 1967; Kraft und Ohnmacht. Kirche und Glauben in der Erfahrung unserer Zeit, hg. von Mario von Galli und Manfred Plate, Frankfurt 1963; Krise der Kirche – Chance des Glaubens. Die „Kleine Herde“ heute und morgen, hg. von K. Färber, Frankfurt 1968; In Deiner Gegenwart. Impulse und Orientierung für Leben aus dem Glauben, hg. von K. Färber und Mario von Galli, Freiburg 1973. – Ferner zahlreiche Beiträge in den Zeitungen und Kirchenblättern, deren Mitarbeiter, Redakteur oder Herausgeber Färber war.
Nachweis: Bildnachweise: Foto StAF, Bildnissammlung; Konradsblatt 62. Jg. Nr. 16, 12, Karlsruhe 1978.

Literatur: Der Glaube in der Zeit. K. Färber zum 70. Geburtstag, Sonderdruck des Verlags Herder, hg. von Oskar Köhler, Freiburg 1958; Oskar Köhler, Ein Publizistenleben. Der Theologe und Politiker K. Färber, in: Rheinischer Merkur, 13. Jg. Nr. 16, 6, Koblenz 1958; Franz Schneller, Zu Dr. h.c. K. Färbers 75. Geburtstag, in: Ekkhart 1961, 91-93; K. Färber zum (80.) Geburtstag. Tabula Gratulatorum. Laudatio, Sonderdruck des Verlags Herder, hg. von Manfred Plate, Freiburg 1968; Arnold Amann, Die Kunst der angewandten Theologie, in: Konradsblatt, 52, 1968 Nr. 16, 10; Friedrich Weigend-Abendroth, K. Färbers. Zeitgang, in: Echo der Zeit. Wochenzeitung für politisches und kulturelles Leben, 17. Jg. Nr. 16, 3, Recklinghausen 1968; Bernhard Weite, Der Christ in der Gegenwart. K. Färber zum 80. Geburtstag; in: BZ 23, 1968 Nr. 90, 3; Manfred Plate, Ein großer Publizist. K. Färber zum 90. Geburtstag, in: Konradsblatt, 62, 1978, Nr. 16, 12; ders., Spuren eines Publizistenlebens. K. Färber feiert 90. Geburtstag, in: Christ in der Gegenwart, 30, 1978, Nr. 16, 131-132; Engagierte Gelassenheit. Impulse und Orientierungen für Zukunft aus dem Glauben. K. Färber zum 90. Geburtstag und anläßlich des 30jährigen Bestehens der von ihm gegründeten Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“ gewidmet, hg. von Manfred Plate in Zusammenarbeit mit Mario von Galli und Kurt Janssen, Freiburg 1978; N.N.: Ein Mann der Erneuerung, in Konradsblatt, 63, 1979 Nr. 15, 4; Manfred Plate, Zum Tode von K. Färber, in: Christ in der Gegenwart, 31, 1979 Nr. 15, 125-126; Hermann Leuthe, Christ in der Gegenwart. Zum Tode des Publizisten K. Färber, in: BZ, 34, 1979 Nr. 82, 25 (49); Manfred Plate, K. Färber Publizist in der Wahrhaftigkeit des Glaubens, in: Große Gestalten des Glaubens. Leben, Werk und Wirkung, hg. von Bruno Moser, München 1982,494-502.
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