Krebs, Manfred Georg Gustav Karl Ludwig 

Geburtsdatum/-ort: 28.05.1892; Frankfurt/M.
Sterbedatum/-ort: 18.08.1971;  Karlsruhe
Beruf/Funktion:
  • Archivdirektor, Historiker
Kurzbiografie: 1898-1901 Vorschule
1901-1910 Lessing-Gymnasium Frankfurt (Abitur 1910)
1910-1914 Studium der Geschichte und Germanistik in Heidelberg, München, Marburg, Berlin
1914-1920 Kriegsdienst (Juni 1918 bis Februar 1920 in französischer Gefangenschaft)
1920-1921 Fortsetzung des Studiums in Frankfurt/M.
Februar 1922 Staatsexamen (Geschichte, Deutsch, Latein)
1922 Studienreferendar am Kaiser-Friedrich-Gymnasium Frankfurt
Oktober-Dezember 1922 Archivvolontär am Preußischen Geheimen Staatsarchiv Berlin
1923-1924 als Kaufmann (Auslandskorrespondenz) tätig
1924-1925 Mitarbeiter des wissenschaftlichen Instituts der Elsaß-Lothringer zu Frankfurt/M.
1925-1926 Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Badischen Generallandesarchiv Karlsruhe
01.07.1926 Promotion Universität Frankfurt (Prof. Fedor Schneider): Konrad III. von Lichtenberg, Bischof von Straßburg 1273-1299
1926-1927 Bibliothekar am Wissenschaftlichen Institut der Elsaß-Lothringer zu Frankfurt
01.12.1927 Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Badischen Generallandesarchiv Karlsruhe
01.12.1929 planmäßiger Archivrat
01.04.1935 Übernahme der Schriftleitung der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (mit Unterbrechung bis 1956)
23.02.1954 Direktor des Generallandesarchivs Karlsruhe
31.05.1957 Ruhestand nach Erreichung der Altersgrenze, Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse
Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch
Verheiratet: Mai 1942 Karola, geb. Petzold (gest. 1990)
Eltern: Vater: Dr. Albert Krebs, Justizrat und Notar
Mutter: Maria, geb. Schultz
Geschwister: 1 Bruder
GND-ID: GND/116403993

Biografie: Hansmartin Schwarzmaier (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 1, 200-201

Ein geradliniger Bildungsgang führte den Sohn einer Frankfurter Bürgerfamilie zum Studium der Geschichte, das Krebs 1922 mit dem Staatsexamen, 1926 mit der von Fedor Schneider in Frankfurt betreuten Promotion abschloß. Er war unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, den Krebs, zuletzt als Leutnant der Reserve, meist in Frankreich, mitmachte. Krebs wurde zweimal verwundet und geriet bei Kriegsende in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1920 zurückkehrte. Doch auch danach führte sein Weg immer wieder nach Frankfurt zurück, in den Referendardienst und zeitweilig an das dortige Wissenschaftliche Institut der Elsaß-Lothringer. Der mit dem Staatsexamen anvisierte Schuldienst blieb ihm infolge der ungünstigen Nachkriegsbedingungen verschlossen; zum Glück, denn über verschiedene wissenschaftliche Hilfstätigkeiten fand Krebs 1925 zum Archivarsberuf und bald auch in das Badische Generallandesarchiv Karlsruhe, dem er seitdem und bis zu seiner Pensionierung angehörte. Damit hatte Krebs diejenige Laufbahn ergriffen, für die er wie kein anderer geschaffen war. Hohe Bildung und strenge wissenschaftliche Schulung brachte er ebenso als Voraussetzung mit wie Genauigkeit und höchste Disziplin des Denkens und Arbeitens, Durchhaltevermögen und Fleiß. Diese Tugenden waren gepaart mit Gerechtigkeitssinn und echter Vornehmheit, Qualitäten, die ihm in seiner leitenden Stellung zugute kamen. Sein musischer Sinn, sein weitgespannter geistiger Horizont, durch Studienaufenthalte in Rom erweitert, ließen ihn zum Gesprächs- und Briefpartner vieler Gelehrter werden, die mehr in ihm sahen als nur den „Handwerker“ seiner Wissenschaft und seines Berufes.
Indessen wird der Name von Krebs stets verbunden bleiben mit „dem Krebs“, der „Gesamtübersicht über die Bestände des Generallandesarchivs Karlsruhe“ von 1954/57. Mit diesem Inventar hat er seine unzähligen Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten an den Karlsruher Archivbeständen zusammengefaßt und damit eines der ersten Gesamtinventare eines deutschen Staatsarchivs erstellt. Seine wissenschaftliche Arbeit war diejenige des Editors, des Erschließens von Quellen zur mittelalterlichen Kirchengeschichte vor allem in den Diözesen Konstanz, Straßburg und Speyer, zur Täufergeschichte, zur Geistesgeschichte des Humanismus und auch zur Familiengeschichte, dies alles bezogen auf den südwestdeutschen Raum und das Karlsruher Archivmaterial. Die Editionen der Konstanzer und Speyerer Domkapitelprotokolle, der Konstanzer Annatenregister und Investiturprotokolle enthalten, über die Texte hinaus, in ihren kenntnisreichen Einleitungen viele Angaben zur kirchlichen Verwaltungs- und Rechtsgeschichte. Und ebenso bezeugen die Straßburger Bischofsregesten, die Pfalzgrafenregesten, die Regesten der Markgrafen von Baden und die Konstanzer Bischofsregesten, alte Unternehmungen der Badischen Historischen Kommission, in die er einbezogen wurde, seine saubere Arbeit an den mittelalterlichen Urkunden, vor allem auch seine Neigung, Begonnenes weiterzuführen und abzuschließen, auch wenn seine persönliche Leistung dabei ganz im Hintergrund blieb. Daß dies in einer Zeit geschah, in der ihm andere vorgezogen wurden, deren Laufbahn von politischen Bekenntnissen zum NS-Staat begleitet war, ist die andere Seite dieses der sachlichen Arbeit gewidmeten Lebens. Erst 1954 und nur für vier Jahre hat Krebs die Leitung des Generallandesarchivs übernommen, dessen Arbeit schon vorher von ihm bestimmt worden war.
Nach seiner Zurruhesetzung hat er sein gesamtes Material, Frucht pausenloser Tag- und Nachtarbeit, darunter auch die Sammlungen zu künftigen Editionen (Germania Sacra, Bistum Konstanz) in seinem Archiv niedergelegt, säuberlich geordnet und bis ins letzte Detail erschlossen um der Sache willen, der er sein Leben lang selbstlos gedient hat. Große Darstellungen hat er nicht angestrebt: auch in dieser Hinsicht hat er den Dienst des Archivars höher gestellt als die eigene Auswertung. Doch was er geleistet hat, wird in seinem Archiv noch nach Generationen erkennbar sein.
Werke: Ein vollständiges Verzeichnis der Schriften von Krebs in ZGO 121 (1973), 416-419. Wissenschaftlicher und persönlicher Nachlaß im GLAK: Die Bestände des Generallandesarchivs Karlsruhe Teil 1, bearb. von M. Salaba und H. Schwarzmaier (Stuttgart 1988), 99 f.; hektographiertes Repertorium des Nachlasses von R. Rupp (1974)
Nachweis: Bildnachweise: Verschiedene Bilder im Nachlaß sowie in der Bildersammlung des GLAK

Literatur: H.-G. Zier, Manfred Krebs 1892-1971, in ZGO 121 (1973), 399-416 aufgrund autobiographischer Aufzeichnungen; G. Haselier, Manfred Krebs, in: Der Archivar 25 (1972) Sp. 459-464
Suche