Hauser, Richard Franz Josef 

Geburtsdatum/-ort: 06.02.1903;  Karlsruhe
Sterbedatum/-ort: 12.06.1980;  Bühl
Beruf/Funktion:
  • Studentenseelsorger, Hochschullehrer, Ehrendomkapitular
Kurzbiografie: 1908-1912 Volksschule Offenburg
1913-1921 Gymnasiast: Tauberbischofsheim, 1918-1919 Mannheim, 1920-1921 Karlsruhe. Abitur mit Auszeichnung
1921-1925 Theologie-Studium Universität Freiburg, dazwischen ein Semester in Münster in Westfalen
1925-1926 Priesterseminar St. Peter im Schwarzwald
1926 Priesterweihe in St. Peter, Vikar in Bruchsal, Pfarrei St. Peter und in Mannheim, Pfarrei Heiliggeist
1929 Studentenseelsorger (bis 1957), Caritasrector und Religionslehrer in Heidelberg
1942 Promotion zum Dr. theol. in Freiburg, Thema vgl. Werke. Doktorvater Prof. Dr. Theodor Münker
1943 16.04. Pfarrverweser von Heiliggeist-Pfarrei in Heidelberg
1946 15.12. Investitur
1949 Honorarprofessor für Katholische Weltanschauung an der Universität Heidelberg
1952 Geistlicher Rat
1956 Päpstlicher Geheimkämmerer
1969-1976 Stadtdekan
1972 Ehrendomkapitular
Weitere Angaben zur Person: Religion: römisch-katholisch
Eltern: Franz Joseph Hauser (1873-1956), Reichsbahndirektor
Sophie Magdalena, geb. Kieninger (1878-1957)
Geschwister: Hugo (1911-1980), Dr. jur., Oberamtsrichter, 1961-1977 MdB für den Wahlkreis Rastatt
Rupert (1922-1938), Gymnasiast
Sr. Gertrudis Hauser O.P. (Dominikanerin) (geb. 1904 Neggio bei Lugano, San Domenico)
GND-ID: GND/116539259

Biografie: Bruno Schwalbach (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 2, 197-198

Als Theologe gehörte Hauser seinem Fach nach zur systematischen Theologie, d. h. zur Dogmatik, Dogmengeschichte und Ethik. Er war aufgeschlossen für die Théologie nouvelle in Frankreich, für Theologen wie de Lubac, Ives Congar und Daniélou, die es unter Pius XII. nicht einfach hatten, aber unter Johannes XXIII. hoch angesehen waren – und das II. Vatikanische Konzil stark beeinflußten. Mit Hans Urs von Balthasar war er freundschaftlich verbunden. Als Hauser 1976 sein Goldenes Priesterjubiläum beging, sprach auf Einladung des Katholischen Akademikerverbandes in der Erzdiözese Freiburg, dessen Geistlicher Beirat er war, Hans Urs von Balthasar über das Thema „Ökumenischer Katholizismus“; er griff damit ein Anliegen auf, das Hausers Denken bestimmte. Als Theologe war er ein selbständiger Denker in dem Sinne, daß er bewußt von der Bibel ausging. Er kannte die moderne exegetische Forschung aus Erfahrung und lebte in der Theologie der Väter der alten Kirche. Von diesem Standpunkt aus analysierte und deutete er die Theologie der Gegenwart, indem er sie sich aneignete oder ablehnte. Charakteristisch für ihn war, daß er die Einheit von Priester, Seelsorger, Gelehrtem und Lehrer vorlebte.
Es kommt sicher nicht häufig vor, daß es einem Priester vergönnt ist, über ein halbes Jahrhundert in einer Stadt wie Heidelberg bis zuletzt aktiv auf dem Posten zu sein. Hauser hat in dieser Stadt den Katholizismus aus dem Ghetto herausgeführt, nicht in lauter Betriebsamkeit, sondern durch die ihm eigene hohe Geistigkeit, verbunden mit tiefer Frömmigkeit und einfühlender Menschlichkeit. Er war nicht nur für die Studenten und Akademiker da. Seit 1943 ist er zunächst Pfarrverweser und seit 1946 Pfarrer der Altstadt-Gemeinde Heiliggeist (Jesuitenkirche), der damals größten von Heidelberg. Er ist es mit ganzer Seele. Als 1956 die Theologische Fakultät in Freiburg ihn auf das Ordinariat für pastorale Theologie berufen will, entscheidet er sich für die Pfarrei. Gleichzeitig war er noch Vorsitzender der Vereinigung der deutschsprachigen Studentenpfarrer. Er galt in der katholischen Studenten- und Akademikerarbeit hierzulande als führend.
Seit 1949 war Hauser als Honorarprofessor an der Universität Heidelberg für katholische Weltanschauung berufen, eine Tätigkeit, die er 25 Jahre ausübte. Für seine Bekannten und Freunde war nicht zu fassen, welch Arbeitspensum er bewältigte: Pfarrer der Gemeinde, Studentenpfarrer, Universitätslehrer. Jede Funktion hätte für sich die Kraft eines Menschen ausgefüllt. Er versagte sich nie, wenn ein Ruf an ihn erging. So übernahm er die Aufgabe des Dekans für das Kapitel Heidelberg. Er wurde sein Vertreter im Priesterrat der Erzdiözese und dessen Moderator. Zahlreiche Ehrungen sind Hauser zuteil geworden. Sicher hat er sich darüber gefreut, doch sie bedeuteten ihm wenig. Die Stadt Heidelberg verlieh ihm die ganz seltene Auszeichnung der Bürgermedaille, der Staat das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Die Kirche zeichnete ihn mit dem Prälatentitel aus. Er war nichtresidierender Domkapitular. Nach seinem Tod gab der Gemeinderat der Stadt dem Platz vor der Jesuitenkirche den Namen „Richard-Hauser-Platz“. Die letzte Ruhe fand er in der Krypta der Jesuitenkirche.
Quellen: EAF Personalakte. – Umfangreiches Material über Richard Hauser im Besitz von Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Appel, Alois-Eckert-Straße 6, D-79111 Freiburg
Werke: Autorität und Macht. Die staatliche Autorität in der neueren protestantischen Ethik und in der katholischen Gesellschaftslehre, Heidelberg (Dissertation von 1942) 1949; Was des Kaisers ist. Zehn Kapitel christliche Ethik des Politischen, 1967. – Zahlreiche wissenschaftliche Beiträge in Zeitschriften und Lexika, u. a. in: Theologie und Kirche, Freiburg 1957-1967. – Artikel zu den christlichen Festen in: Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) und im Heidelberger Tageblatt – Zahlreiche Rundfunkansprachen im Süddeutschen Rundfunk, Sendestelle Heidelberg
Nachweis: Bildnachweise: Foto in: ... 12 Ansprachen ... vgl. Literatur; Ölbild (1989) von W. Bausch im Museum ... für Sakralkunst und Liturgie mit Schatzkammer. Zugang vom Innern der Jesuitenkirche. Der Maler ist Richard Hauser nie begegnet. Das Bild stiftete der „Thomaskreis“, eine Vereinigung ehemaliger Angehöriger der Studentengemeinde Heidelberg

Literatur: Richard Hauser, Zum 60. Geburtstag, in: Rheinischer Merkur vom 08.11.1963. Prof. Dr. Ferdinand Lehr, zum 70. Geburtstag, RNZ vom 06.11.1973. Alfons Beil, Richard Hauser, Nekrolog, in: FDA 102, 1982, 229 f. „In Memoriam Richard Hauser“, mit 12 Ansprachen beim Totenofficium am 17. Juni 1980 in der Jesuitenkirche, Heidelberg 1980 mit Bild. – Eine Dissertation über „Richard Hauser“ von Bernhard Appel, Theologische Fakultät Tübingen, ist angekündigt
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