Genzmer, Walther Heinrich Julius Richard 

Geburtsdatum/-ort: 22.10.1890; Köln
Sterbedatum/-ort: 13.06.1983; Bad Godesberg
Beruf/Funktion:
  • Architekt, Denkmalpfleger
Kurzbiografie: Gymnasium in Halle/Saale und Danzig
1908-1913 Studium der Architektur an den TH in Danzig und München
1913 Diplom; Ausbildung für den Staatsdienst im höheren Baufach in Dresden und Merseburg
1918 Regierungsbaumeister
1919 Tätigkeit am Hochbauamt in Bad Homburg und beim Regierungspräsidenten in Wiesbaden
1923 Vorübergehende Ausweisung aus dem französisch besetzten Rheinland
1928 Regierungsbaurat, 2. Schriftleiter der amtlichen Periodika der Hochbauabteilung des preußischen Finanzministeriums in Berlin
1932 Tätigkeit an der Bau- und Finanzdirektion in Berlin
1934 Versetzung an die Regierung in Sigmaringen, ehrenamtlicher Landeskonservator der Kunstdenkmäler Hohenzollerns (bis 1967), Betreuung der Burg Hohenzollern im Auftrag der Generalverwaltung des ehemaligen regierenden preußischen Königshauses (bis 1967)
1946 Mitglied der Württembergischen Kommission für Landesgeschichte
1954 Oberregierungsbaurat, Leiter des Staatlichen Hochbauamtes Heilbronn
1955 Ruhestand in Sigmaringen
1960 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
1967 Umzug nach Berlin, später nach Bonn-Bad Godesberg
Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch
Verheiratet: 1926 Potsdam, Herta, geb. von Guretzky-Cornitz
Eltern: Ewald (1856-1932), Hochschulprofessor
Maria, geb. Paxmann (1860-1897)
Geschwister: Elsa, Werner, Hertha
Kinder: Mechthild, Dietlind
GND-ID: GND/116542993

Biografie: Hubert Krins (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 3, 100-101

Die Bedeutung Genzmers liegt in seiner Tätigkeit als Landeskonservator Hohenzollerns, einer ehrenamtlichen Aufgabe, die ihm 1934 vom Hohenzollerischen Landeskommunalverband mit Zustimmung des Preußischen Kulturministers übertragen wurde und die er bis 1967 wahrnahm. Er trat dieses Amt in der Nachfolge Friedrich Wilhelm Laurs an, und es war die Aussicht auf diese Tätigkeit, die Genzmer bewog, sich als preußischer Baubeamter nach Sigmaringen zu bewerben. Denkmalpflegerischen Aufgaben galt von jeher sein besonderes Interesse. So betraute ihn schon 1917, während seiner Ausbildung, der sächsische Konservator damit, die Bronzeglocken in der Provinz Sachsen zu erfassen und nach ihrem künstlerischen, geschichtlichen und wissenschaftlichen Wert zu begutachten, um wenigstens die wertvollsten vor der Einschmelzung für militärische Produktionszwecke zu retten. Nach dem I. Weltkrieg war Genzmer u. a. an der Herausgabe der staatlichen Bauzeitschrift „Die Denkmalpflege“ beteiligt. Auch an der Betreuung der Schlösser Bellevue in Berlin und Niederschönhausen wirkte er mit.
In Hohenzollern übernahm er die Herausgabe der amtlichen Inventarbände der Kunstdenkmäler, von denen der erste für den Kreis Hechingen bereits 1939, der zweite für den Kreis Sigmaringen, kriegsbedingt verzögert, erst 1948 erscheinen konnte. Damit war für Hohenzollern ein nach damals aktuellen Inventarisationsgrundsätzen erarbeitetes dauerhaftes Grundlagenwerk geschaffen worden. Am 2. Band wirkte er auch als Autor mit.
Über seine Wirksamkeit in der praktischen Denkmalpflege, die Beratung und Förderung vielfältiger Restaurierungsarbeiten, hat Genzmer selbst in Veröffentlichungen ausführlich Rechenschaft abgelegt. Im Mittelpunkt standen zahlreiche Kirchenrenovierungen. Dabei kam es ihm darauf an, „denkmalpflegerische Fehlinstandsetzungen des 19. Jahrhunderts wiedergutzumachen“. Neugotische Kirchen ließ er aus der gleichen Grundhaltung heraus „entdekorieren“, wobei sich für ihn meist herausstellte, daß die Architektur besser sei als die Ausmalung und Ausstattung (Beispiele: Pfarrkirchen zu Hausen a. A., Inneringen, Neufra und Veringenstadt). Dem gleichen zeittypischen Vorbehalt gegenüber Kunstformen des 19. Jahrhundert fiel auch die von der Beuroner Schule geschaffene Ausgestaltung der Klosterkirche in Beuron zugunsten einer Rebarockisierung zum Opfer (1947-1948), die handwerklich hervorragend ausgeführt wurde. So gehört Genzmer einer Denkmalpflegegeneration an, die ihren Schwerpunkt in der Pflege der älteren Kunst sah. Die Freilegungen der gotischen Wandmalereien in der Pfarrkirche zu Veringendorf und im Chor der Pfarrkirche zu Hettingen, ferner diejenige der Ausmalung der Muttergotteskapelle in Neufra sowie die Wiederherstellung einer aus der Zeit um 1700 stammenden Stuckdecke in der Schloßkapelle zu Glatt sind beispielhaft zu nennen. Genzmer oblag im Auftrag der Generalverwaltung des ehemals regierenden preußischen Königshauses auch die Betreuung der Burg Hohenzollern, auf der er nach dem Krieg die Ausstellung wertvoller Teile der Hohenzollernsammlung einrichtete.
Über Hohenzollern hinaus führten Genzmer seine Kenntnisse historischer Kirchenglocken, die nochmals im II. Weltkrieg einer Bewertung unterzogen wurden und zum großen Teil abgeliefert werden mußten. Genzmer war an der wissenschaftlichen Bestandsaufnahme der in Hamburg lagernden Glocken 1942 beteiligt. Genzmers zahlreiche Veröffentlichungen setzen 1934 mit einem Nachruf auf Wilhelm Friedrich Laur ein und umfassen vorwiegend Rechenschaftsberichte über die Arbeit des Landeskonservators und einzelne herausragende Renovierungen. Hervorzuheben ist ein zusammenfassender Bericht über die Geschichte der Denkmalpflege in Hohenzollern. Daneben hat sich Genzmer mit grundsätzlichen Fragen der Orgeldenkmalpflege, insbesondere der Gestaltung neuer Orgelprospekte befaßt. Einzelnen Künstlern galt Genzmers kunsthistorisches Interesse, vor allem dem Werk des Vorarlberger Baumeisters Michael Beer.
Werke: Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns, hg. von Walther Genzmer. 1. Bd.: Kreis Hechingen, 1939, 2. Bd.: Kreis Sigmaringen, 1948; Lebenswerk des Vorarlberger Baumeisters Michael Beer, in: Das Münster 5 (1952), 72-83; Richtlinien zum Schutze alter wertvoller Orgeln, in: Deutsche Kunst und Denkmalpflege 1964, 52-57; Die Denkmalpflege in Hohenzollern von ihren Anfängen bis auf die Gegenwart, in: Hohenzollerische Jahreshefte 19 (1898), 275-312; Fortsetzung bis 1965, in: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 1 (1965), 175-240; Der Einfluß der Bauweise Michael Beers auf die Bregenzerwälder Barockbauten, in: Montfort 18 (1966), 362-372; siehe ferner: Bibliographie der Hohenzollerischen Geschichte, bes. Nr. 3226, 3234, 3502, 3768
Nachweis: Bildnachweise: Foto in den Nachrufen

Literatur: Nachrufe in: Hohenzollerische Heimat 33, 1983, 56-57; G. S. Graf Adelmann, Walther Genzmer, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 12 (1983), 200-201; ders., in: Deutsche Kunst und Denkmalpflege 42 (1984), 94-95
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