Kutzer, Theodor 

Geburtsdatum/-ort: 30.01.1864; Amberg
Sterbedatum/-ort: 26.02.1948; Fürth
Beruf/Funktion:
  • Oberbürgermeister
Kurzbiografie: 1882 Abitur am Gymnasium Landshut „sehr gut“
1882-1886 Studium der Rechtswissenschaften in München, Eleve des Maximilianeums
1886-1889 Referendarzeit
1889 Zweites juristisches Staatsexamen „sehr gut“
1890-1892 Rechtsassessor bei der Stadt München
1892-1899 rechtskundiger Magistratsrat
1899-1901 Beigeordneter in Düsseldorf
1901-1913 Oberbürgermeister der Stadt Fürth
1914 Verleihung des Dr. med. h. c. der Universität Erlangen
1914-1928 Oberbürgermeister der Stadt Mannheim
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: 1889 München Leoni, geb. Homolatsch (1869-1962)
Eltern: Vater: Franz Josef Kutzer, Studienlehrer
Mutter: Ottilie, geb. Hinkert
Kinder: 1 Tochter
GND-ID: GND/116631651

Biografie: Karl Otto Watzinger (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 3, 166-167

Mit reicher kommunalpolitischer Erfahrung wurde Kutzer im Jahre 1901 zum Oberbürgermeister der Stadt Fürth gewählt, die unter seiner Leitung einen großen Aufschwung nahm. Er legte nicht nur wirtschaftliche Grundlagen durch Bau eines Gas- und Elektrizitätswerks, sondern konnte auch mit Hilfe von Spenden aus der Bürgerschaft ein Mütter- und Säuglingsheim und eine Volksbildungsstätte mit Bibliothek errichten. Außerdem förderte er den gemeinnützigen Wohnungsbau, indem die Stadt dafür Bürgschaften übernahm. Im 50. Lebensjahr bewarb sich Kutzer um die Stelle des Oberbürgermeisters der Stadt Mannheim, wo er vom Bürgerausschuß einstimmig gewählt wurde. Er war seinem Wesen nach kein Politiker, gehörte auch keiner Partei an, sondern ein bewährter Verwaltungsbeamter, der schon bei seiner Berufung darauf hinwies, daß er kein Mann großer Repräsentation sei, sondern sachliche und gründliche Arbeit leisten wolle. Wenn auch Kutzer als nüchterner Finanz- und Verwaltungsfachmann nicht so leicht den Zugang zum Herzen seiner pfälzischen Mitbürger fand, so ist doch seine große Leistung um den Wiederaufstieg der Stadt nach harten Kriegs- und Nachkriegsjahren unumstritten. Leider waren ihm nur sieben Monate zur Einarbeitung in seine neue Aufgabe vergönnt, als der Erste Weltkrieg ausbrach, in dessen Verlauf bisher unbekannte Probleme auf die Städte zukamen. Auf seine Initiative wurde schon im September 1914 die „Zentrale für Kriegsfürsorge“ gegründet, in der alle freiwilligen Kräfte der Wohlfahrtsverbände zusammenarbeiteten. Als Ende 1914 die Brotversorgung gefährdet war, reiste Kutzer – mit allen statistischen Unterlagen versehen – zu den Zentralstellen nach Berlin, welche die Rationierung von Mehl und Brot vorbereiteten. Unter Mannheims Führung schlossen sich im August 1915 zehn badische und pfälzische Städte zusammen, um eine „Einkauf südwestdeutscher Städte GmbH“ zu gründen, die nicht rationierte Lebensmittel einkaufen und verteilen sollte. Da Kutzer die Wohnungsnot nach dem Krieg auf die Städte zukommen sah, hielt er im Juli 1918 auf der Hauptversammlung des Badischen Wohnungsvereins in Karlsruhe ein grundsätzliches Referat zur Wohnungsfrage. In dieser Zeit unterbreitete er auch Vorschläge zur Reform der Städteordnung, durch die die Staatsaufsicht eingeschränkt und die Selbstverwaltung gestärkt werden sollte. Dabei befürwortete er auch die Abschaffung des schwerfälligen Bürgerausschusses bei gleichzeitiger Vergrößerung des Stadtrates auf 48 Sitze, was erst durch die baden-württembergische Gemeindeordnung vom Jahre 1956 verwirklicht wurde.
Die Nachkriegszeit brachte für Mannheim besondere Belastungen durch die Abtretung Elsaß-Lothringens und des Saarlandes und die Besetzung der Pfalz. So war es eine erstaunliche Leistung, daß schon im Jahre 1920 die neuen Städtischen Krankenanstalten und das Herschelbad vollendet wurden. Das Vertrauen, das sich Kutzer in neunjähriger Amtszeit erworben hatte, zeigte sich daran, daß er Ende 1922 fast einstimmig auf weitere sechs Jahre wiedergewählt wurde.
Erst in diesen Jahren des Wiederaufstiegs konnte Kutzer seine Vorstellungen zur Weiterentwicklung Mannheims verwirklichen. Für den durch Krieg und Inflation zurückgebliebenen Wohnungsbau stellte die Stadt im Jahre 1925 Darlehen in Höhe von 8,83 Millionen Reichsmark für 1 112 Wohnungen bereit. Im Luisenpark entstand der Kutzerweiher und in dessen Nähe das Stadion. Als Vorsitzender der Theaterkommission des Stadtrates setzte er sich für die Bewilligung der notwendigen Mittel für das Nationaltheater ein. Im Jahre 1925 eröffnete er das Schloßmuseum, für das er eine wertvolle Sammlung Frankenthaler Porzellans erwarb. Im Zeughaus wurde ein Natur- und Völkerkundemuseum eingerichtet, und im Luisenpark das Planetarium erbaut. In überörtlichen Gremien wie dem Badischen Städtebund und im Vorstand des Deutschen Städtetages wurde Kutzers Rat in Finanzangelegenheiten aufmerksam gehört. Aus gesundheitlichen Gründen mußte er schon zum 1. 4. 1928 in den Ruhestand eintreten, in dem er sich nach München und später nach Traunstein zurückzog.
Den hochbetagten kranken Oberbürgermeister nahm im Winter 1947/48 die Stadt Fürth auf, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand.
Werke: Das bayrische Heimatrecht, München 1904; Reichszuschuß und Mietzinsregelung, Karlsruhe 1918; Die Stadtpersönlichkeit Mannheims, in: BH 1927, 3-10; Das Dienstrecht der Bühnenmitglieder, Mannheim 1931.
Nachweis: Bildnachweise: StadtA Mannheim.

Literatur: Friedrich Walter, Schicksal einer deutschen Stadt 1907-1945, 2 Bde., Frankfurt a. M., 1948-1950, bes. 183 ff., 233 ff., 274 ff., 298 ff., 320 ff. und 12 ff., 48 f., 60 f.
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