Moser, Otto von 

Geburtsdatum/-ort: 21.03.1860;  Stuttgart
Sterbedatum/-ort: 11.10.1931;  Isny
Beruf/Funktion:
  • königlich-württembergischer Generalleutnant und Militärschriftsteller
Kurzbiografie: 1874 Kadettenanstalt Bensberg und Berlin
1877 Eintritt als Fähnrich im 8. Württembergischen Infanterieregiment Nr. 126 (Straßburg)
1889-1892 Ausbildung an der Kriegsakademie Berlin
1892 Verwendung im großen Generalstab Berlin, 1893 Hauptmann
1894-1896 Kompaniechef im 1. Württembergischen Infanterieregiment Nr. 119
1896/97 Großer Generalstab Berlin
1897-1900 I a (erster Generalstabsoffizier) 27. (2. Württembergische) Infanteriedivision (Ulm), 1899 Major
1900-1904 Generalstab XVIII Armeekorps (Frankfurt a. M.) und XIII (Württembergisches) Armeekorps (Stuttgart)
1904 Kommandeur I. Bataillon 2. Württembergisches Infanterieregiment Nr. 120 (Ulm)
1906-1910 Oberstleutnant, Lehrer an der Kriegsakademie, anschließend Abteilungschef im Großen Generalstab (Berlin)
1910 Oberst und Kommandeur 3. Württembergisches Infanterieregiment Nr. 121 (Ludwigsburg)
1912 Generalmajor
1913 Kommandeur 53. (3. Württembergische) Infanteriebrigade (Ulm)
1914 als Brigadekommandeur schwere Verwundung im Westfeldzug, danach mehrmonatige Genesung
1915 Kommandeur 107. Infanteriedivision an der Ostfront, mit dieser Schlacht bei Lemberg im Jun. 1915 und anschließender Feldzug durch Galizien, ab Okt. 1915 im Feldzug gegen Serbien
1916 erneut Einsatz in Rußland, ab Jun. Kommandeur 27. Infanteriedivision an der Westfront (u. a. in der Sommeschlacht)
1917 weiter Einsatz im Westen: Kommandeur Übungs- und Lehrdivision zur Ausbildung höherer Truppenführer und Generalstabsoffiziere, anschließend Führer IV. Reservekorps (6. Armee, Oberbefehl General der Infanterie Otto von Below), u. a. Teilnahme an der Osterschlacht bei Arras, danach Unterstellung unter die 2. Armee (Oberbefehl General der Kavallerie Georg von der Marwitz)
1918 Feb. zur Disposition gestellt
1918-1931 schriftstellerische und Vortragstätigkeit, Wohnsitz in Isny
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Auszeichnungen: Orden der Württembergischen Krone (1908); Eisernes Kreuz I. Klasse (1914); Pour le Mérite (1917); Ehrenbürger der Stadt Isny (1917); Kommenturkreuz des Württembergischen Militärverdienstordens (1918); Dr. phil. h. c. Universität Tübingen (1927)
Verheiratet: 15. 10. 1883 (Stuttgart) Antonie, geb. Distel
Eltern: Vater: Alwin Moser (1823-1906), Interkalarfondsverwalter, Vorsitzender des Aufsichtrates der Deutschen Verlagsanstalt Stuttgart, württembergischer Kommerzienrat
Mutter: Auguste, geb. Kleinlogel (1827-1900)
Geschwister: August Ferdinand (geb. 20.7.1851), Justizassessor
Carl (geb. 12.11.1852), Handelsgärtner
Maximilian (geb. 3.8.1854)
Thekla (geb. 10.12.1856)
Julius (geb. 18.9.1858)
Hugo (geb. 18.8.1865)
Kinder: Helene Hildegard (geb. 1886)
Otto (geb. 1894)
Albert (geb. 1899)
GND-ID: GND/116939117

Biografie: Stephan Miller (Autor)
Aus: Württembergische Biographien 1, 183-184

Aus bürgerlichen Verhältnissen stammend schlug Moser als erster seiner Familie die Offizierslaufbahn ein. Herausragend an ihm ist ein Dreiklang von militärisch-praktischer mit erzieherischer und schriftstellerischer Begabung, gepaart mit umfassender Allgemeinbildung, einer guten Beobachtungsgabe und Interesse an großen Zusammenhängen. Alle diese Merkmale traten früh zu Tage und haben bereits seine überdurchschnittliche Friedenslaufbahn geprägt.
Moser, der in den erhaltenen militärischen Beurteilungen stets als frischer und tatkräftiger Führer geschildert wurde, hat alle wesentlichen Schauplätze des Ersten Weltkrieges in verantwortlicher Stellung aus eigenem Erleben kennengelernt und, als guter Beobachter, Stärken und Schwächen der deutschen Führung nicht nur erfahren, sondern auch treffend analysiert.
Seine aus eigener Anschauung und geistiger Unabhängigkeit gewonnenen Erkenntnisse hat Moser häufig in Denkschriften der höheren Führung vorgelegt oder als Fachautor verwertet, darüber hinaus aber auch in Frieden und Krieg, erforderlichenfalls auch in lebhaftem Widerspruch zur Meinung seiner Vorgesetzten, diesen gegenüber vertreten. Hier liegt die Ursache des Bruchs mit seinem damaligen Armeeführer, dem Oberbefehlshaber der 2. Armee General der Kavallerie Georg von der Marwitz, Ende 1917. Folge war Mosers Ablösung vor der Frühjahrsoffensive 1918, so dass er das Kriegsende als zur Disposition gestellter Generalleutnant erlebte.
Mosers Bedeutung liegt jedoch nicht so sehr in seiner Laufbahn und seinen Leistungen als militärischer Führer, die ihn im Wechsel zwischen württembergischem und preußischem Heer und zwischen Führungs-, Lehr- und Generalstabsverwendungen in hohe Positionen brachte, sondern vor allem seiner Analyse des Weltkriegs 1914/1918 in seinem Hauptwerk „Ernsthafte Plaudereien über den Weltkrieg“ das in erster Auflage 1921 erschien. Gleichwohl bleibt er als einer von 25 Württembergischen Trägern des Ordens Pour le Mérite und als Württembergischer Offizier in herausgehobener Verwendung im Ersten Weltkrieg neben u. a. besonders den Generalen von Gerok, von Watter, Groener und dem Obersten Walter Reinhard auch als Offizier erwähnenswert.
Was die „Ernsthaften Plaudereien“ aus der Fülle der nach Kriegsende deutscherseits erschienenen Weltkriegsliteratur heraushebt, ist die militärpolitische Rückschau auf den Krieg, in der, wie Moser selbst in der Einleitung angibt, ein Bild vor allem der deutschen höheren Führung, aber auch der verbündeten und gegnerischen gegeben werden sollte. Dabei betont Moser, im Gegensatz zu z. B. Ludendorff in dessen Kriegserinnerungen, die Notwendigkeit der Unterordnung der militärischen Strategie unter ein politisches Ziel und eine politische Führung und bemängelt das Fehlen dieser Unterordnung im Vorkriegsdeutschland und während des Krieges, wie er anderseits bei den Entente-Staaten die vor allem in Frankreich stark ausgeprägte Befassung der Politiker mit strategischen Fragen als vorbildlich darstellt. Mosers klare Benennung der Ursachen der Niederlage: „teils aus inner- und außerpolitischen, wirtschaftlichen und in den beiderseitigen Kraft- und Zahlenverhältnissen liegenden, teils aber auch aus rein strategischen Führungsgründen“ zeigt einen patriotisch-engagierten, aber nüchternen Blick auf Deutschlands Erfolge, Versäumnisse und Fehler während des Krieges. Er verweigerte sich jeder Legendenbildung. So auch sein Urteil über Unterlassungen des deutschen Generalsstabs, dem er doch selbst angehörte „Vom militärpolitischen Gesichtspunkte aus betrachtet, kann also die geistige Kriegsvorbereitung auch beim besten Willen nicht als einwandfrei bezeichnet werden; leider auch nicht vom rein strategischen aus ...“
Moser hat sich neben seinen eher politisch strategisch orientierten Werken (zuletzt „Die obersten Gewalten im Weltkrieg“) auch populäreren Darstellungen nicht versagt und übernahm auf Bitten des Württembergischen Landeskommandanten unentgeltlich die Bearbeitung des in Württemberg weit verbreiteten Buches „Die Württemberger im Weltkriege“, einer nahezu vollständigen Darstellung der Taten des Württembergischen Heeres im Kriege 1914/1918. Das Honorar aus diesem Buch floss in die 1918 gegründete Otto-von-Moser-Stiftung mit Sitz in Isny, die soziale Zwecke verfolgte.
Von Zeitzeugen im Umgang als liebenswürdig, fürsorglich, humorvoll, offen und freidenkend geschildert, hat Moser sich in Isny, wo er auf dem durch seine Frau ererbten Landgut Ludwigshöhe nach dem Kriege durchgehend lebte, nicht nur seinem schriftstellerischen Werk gewidmet, sondern sich in vielerlei Form, besonders aber für Jugendliche und Bedürftige, engagiert und um die Stadt verdient gemacht.
So verkörperte er nicht nur militärische und schriftstellerische, sondern auch Bürgertugenden in reichem Maße.
Quellen: PA M 430/2, Bü 1453 im HStAS; NL ebda. M 660/031.
Werke: (Auswahl, vollständige Bibliographie im NL): Kurzer strategischer Überblick über den Krieg 1870/71, 1896; Ausbildung und Führung des Bataillons und des Regimentes – Gedanken und Vorschläge, 1912; 1914 erweitert um einen Brigadeteil (Die Führung des Armeekorps im Kriege, 1912); Feldzugsaufzeichnungen als Brigade- und Divisionskommandeur und als Kommandierender General 1914-1918, 1921; Kurzer strategischer Überblick über den Weltkrieg, 1921; Ernsthafte Plaudereien über den Weltkrieg, 1921; Die Württemberger im Weltkrieg, 1927; Die obersten Gewalten im Weltkrieg, 1931; Zahlreiche Aufsätze: u. a. „Der Feldherr“, in: Schwäbischer Merkur vom 19. 10. 1927. „Feldmarschall von Bülow“, in: ebda. vom 2. 12. 1929. „Pazifismus und die Pflicht zur Vaterlandsverteidigung“, in: Akademische Monatshefte 46 (1930).
Nachweis: Bildnachweise: u. a. Foto in: Die Württemberger im Weltkrieg (vgl. Lit.).

Literatur: (Auswahl): General O. von Moser zum 70. Geburtstag, Süddeutsche Zeitung vom 19.3.1930; Stephan Miller, General O. von Moser, in: ZWLG 63 (2004), 369-380.
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