Linck, Otto 

Geburtsdatum/-ort: 15.05.1892;  Ulm
Sterbedatum/-ort: 24.08.1985;  Güglingen
Beruf/Funktion:
  • Oberforstrat, Naturschützer, Geologe, Paläontologe
Kurzbiografie: 1898-1910 Elementarschule, Gymnasium Ulm, Karlsgymnasium Stuttgart, Abitur
1911-1916 Studium der Forstwissenschaft und Geologie Tübingen, Forstliche Fachprüfung
1914-1918 Teilnahme am 1. Weltkrieg: Kriegsfreiwilliger, Leutnant der Reserve, 1917 Goldene Militärverdienstmedaille und Eisernes Kreuz II. Klasse
1918-1920 Forstreferendar bei den Forstämtern Adelberg und Gaildorf und der Forstdirektion Stuttgart, Forstliche Staatsprüfung Stuttgart
1920-1922 Forstassessor bei den Forstämtern Heilbronn, Güglingen, Schorndorf
1922 Forstamtmann beim Forstamt Schorndorf
1924 Forstmeister des Forstamts Güglingen, während des 2. Weltkrieges auch des Forstamts Sternenfels, Oberforstrat
1940-1985 Vorstand des Zabergäuvereins
1952 Dr. h. c. der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen, Ehrenbürger der Stadt Güglingen, Ehrenmitglied beim Schwäbischen Heimatbund
1957 Ruhestand, Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
1961 Ehrenmitglied der Gesellschaft für Naturkunde, Württemberg
1969 Ehrenmitglied des Oberrheinisch-geologischen Vereins
1972 Otto-Linck-Pfad im Stromberg
1977 Robert-Mayer-Medaille
1982 Otto-Linck-Straße in Güglingen
1983 Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch
Verheiratet: 1921 Heilbronn, Gertrud, geb. Löffelhardt (gest. 1974)
Eltern: Vater: Otto von Linck (1859-1937), Generalleutnant
Mutter: Emilie, geb. Leuthaus
Geschwister: 2
Kinder: 1
GND-ID: GND/117008028

Biografie: Gerhard Aßfahl (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 1, 213-215

Linck war eine ungemein vielseitige Persönlichkeit: Er war Beamter und Forstwissenschaftler, Geologe und Landschaftspfleger, Historiker und Kunstgelehrter, Lichtbildner und Dichter.
Am Anfang seines Schaffens standen seine Lyrik und seine Novellen. Aus seiner Dichtung, die eine glückliche Verbindung von Gelehrten- und Künstlertum darstellt und die aus Anschauung und Kontemplation lebt, spricht aufgeschlossene Anteilnahme am Leben und der Wille, Erkanntes und Erdachtes in eine lebendige Form zu bringen. Seine Verse zeichnen sich durch Wohlklang und Klarheit der Sprache aus. Seine Erzählungen und Novellen (z. B. „Sankt Martin“) sind aus dem Erleben des 1. Weltkrieges entstanden, an dem er selbst teilgenommen hatte.
Als Kunst- und Kulturhistoriker beschäftigte er sich mit der Darstellung von Alt Ludwigsburg (1920) und seiner Vaterstadt Alt Ulm (1928), dem mittelalterlichen Mönchtum und seinen Bauten in Württemberg und in einer Monographie besonders mit dem Kloster Maulbronn.
Als Forstmann untersuchte er Pflanzensoziologie und Standortfragen beim Waldbau, wozu ihm die Versuchsflächen der Württembergischen Forstversuchsanstalt auf dem Stromberg Material lieferten. In zahlreichen Vorträgen und Exkursionen führte er Forststudenten und andere interessierte Teilnehmer in die Probleme neuzeitlichen Waldbaus ein, so daß das Forstamt Güglingen geradezu eine Ausbildungsstätte des forstlichen Nachwuchses wurde.
Als Biologe beschäftigte er sich vor allem mit der Pflanzengesellschaft der Steppenheide, deren Ursprung in den südosteuropäischen Steppengebieten zu suchen ist. In seinem Buch „Der Weinberg als Lebensraum“ (1954) und anderen Schriften über die Weinberglandschaft spricht neben dem Biologen auch der Landschaftspfleger und -schützer. Seit 1935 war er Bezirksbeauftragter für Naturschutz, zuerst für das Oberamt Brackenheim und seit 1938 für den ganzen Kreis Heilbronn. Die Doppelaufgabe als Naturschützer und Landschaftspfleger gab ihm Gelegenheit, gegen die Zersiedelung der Landschaft einzuschreiten, die Wünsche Bauwilliger mit der Eigenart der Landschaft in Einklang zu bringen und vor allem die neu anzulegenden Weinberge soweit als möglich den naturgegebenen Verhältnissen anzupassen, z. B. in der Neuanlage am Michelsberg. In dem bekannt gewordenen Aufsatz „Muß am Ende unserer historischen Weinberglandschaft eine Rebensteppe stehen?“ (1965) hat er seine Gedanken darüber niedergelegt. Seine größte Bedeutung erlangte Linck als Geologe und Paläontologe. Seit 1936 hat er sich vor allem diesen Wissenschaften zugewandt und sich in 51 Veröffentlichungen vorwiegend mit der württembergischen Trias beschäftigt. Bekannt geworden sind seine Funde von Zähnen des Ceratodus (Lungenfisch) im Stubensandstein des Strombergs (1936), seine Forschungen zur marinen Muschelfauna der Anatinenbank des Keupers (1942) und, um nur einiges zu nennen, die Freilegung einer Platte von Muschelkalkseelilien, die als besonderer Schatz heute im Museum des Portlandzementwerks Lauffen/Neckar zu sehen ist.
Bis ins hohe Alter hat er über geologische Fragen (die Entstehung des Sandsteins) nachgedacht.
Was alle seine Schriften auszeichnet, ist die Folgerichtigkeit der Gedanken und die Klarheit der Sprache, in der er das Fachlich-Sachliche mit dem Künstlerischen in vorbildhafter Weise zu verbinden wußte.
Dem mehrfach und in besonderer Weise Geehrten – unter anderem wurden 1972 ein Pfad im Stromberg und 1982 ein Straße in Güglingen nach ihm benannt – fühlten sich viele freundschaftlich verbunden: Sie erinnern sich dankbar an die mit ihm geführten Gespräche am runden Tisch seines von Bücherschätzen dicht umstellten und von Pfeifenrauch durchwobenen Arbeitszimmers und an seine „... warmherzige Gastfreundschaft ausstrahlende Gattin, die schon Jahre vor ihm abberufen wurde ...“ (Herrmann Hölder-Wild).
Werke: Verzeichnis der wichtigsten, auch der schriftstellerischen Veröffentlichungen bis 1972, zusammengestellt von Hermann Krauß in: Zeitschrift des Zabergäuvereins 1972, 53-56. Ferner: Ende der ‚Historischen Weinberglandschaft‘ des Neckarlands und die Rebflurbereinigung auf dem Michelsberg, ebd. 1977, 17-48; 50 Jahre Triasforschung im Heilbronner Raum I, vom Buntsandstein bis zum Lettenkeuper, Heilbronn 1981; Otto Linck 1892-1985, Ausgewählte Schriften, Güglingen 1992
Nachweis: Bildnachweise: vgl. G. Wagner in Literatur

Literatur: Georg Wagner, Forstmeister Dr. h. c. Linck zum 60. Geburtstag, in: Blätter des Schwäbischen Albvereins 4, 1952, 65 mit Bild; Hans Franke, Dr. h. c. Otto Linck zum 65. Geburtstag, in: Zeitschrift des Zabergäuvereins 1957, 49-51; Hermann Krauß, Dr. Otto Linck zum 80. Geburtstag, ebd. 1972, 33; ebd. 1972, 33 ff.: Dr. h. c. Otto Linck zum 80. Geburtstag am 15.5.1972, Versuch eines Lebensbildes mit Aufsätzen von Hermann Krauß, Präsident Villinger (Oberforstrat Dr. Linck), Dr. E. Dieterich (Dr. Linck als Geologe), Dr. Rosemarie Beck (Dem Biologen Dr. Otto Linck), Dr. Oswald Rathfelder (Dr. Linck als Beauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege), Dr. Oskar Rühle (Otto Linck, der Künstler); Die forstlichen Versuchsanbauten im Staatswald Güglingen, Otto-Linck-Pfad, ebd. Sonderheft Mai 1972; Otto Linck, in: Wer ist Wer?, 17, 1973, 647; Karl Lang, Verleihung der Robert-Mayer-Medaille an Dr. Otto Linck, Laudatio, ebd. 1977, 1; Hermann Krauß, Dr. Otto Linck 90 Jahre alt, ebd. 1982, 1 f.; Otto Leygraf, Versuch, Otto Linck zu rühmen, Rede zum 90. Geburtstag, in: Schwäbische Heimat 1982; Helmut Holder, Nachruf, in: Jahreshefte für Naturkunde 140. Jg., 1985, 241-245; Hermann Krauß, Dr. Otto Linck, Nachruf, in: Zeitschrift des Zabergäuvereins 1986, 1; Rolf Herrmann, Helmut Holder, Helmut Wild, Otto Linck (1892-1985), 1. Der Geologe, Paläontologe und Sammler, 2. Der Forstmann und Biologe, 3. Der Naturschützer und Landschaftspfleger, 4. Der Dichter und Schriftsteller, in: Zeitschrift des Zabergäuvereins 1987, 21 (= Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinisch-geologischen Vereins N.F. 69, 17-26)
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