von Württemberg, Albrecht Maria Alexander Philipp Joseph
| Geburtsdatum/-ort: | 23.12.1865; Wien |
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| Sterbedatum/-ort: | 29.10.1939; Altshausen |
| Beruf/Funktion: |
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| Kurzbiografie: | 1883 Leutnant a la suite 1884 Reifeprüfung in Wien 1884/1885 Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Tübingen (zwei Semester) 1885 Eintritt in den aktiven Militärdienst 1890 Kompagniechef in Stuttgart 1898 Brigadekommandeur in Potsdam 1906 Kommandierender General der preußischen Armee in Kassel 1908 Kommandierender General des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps 1913 Generalinspekteur der 6. Armee-Inspektion 1914 Oberbefehlshaber der 4. Armee 1916 Generalfeldmarschall 1917 Befehlshaber der „Heeresgruppe Herzog Albrecht“ 1921 Chef des Hauses Württemberg |
| Weitere Angaben zur Person: | Religion: römisch-katholisch Auszeichnungen: Ehrungen: Orden Pour le Mérite (1915); Eichenlaub zum Orden Pour le Mérite (1918); Benennung einer Bundeswehrkaserne in Münsingen in „Herzog-Albrecht-Kaserne“ (1965); Straßenbenennungen in Münsingen und Altshausen. Verheiratet: 1893 (Wien) Margarethe geb. Sophie Erzherzogin von Österreich (1870 – 1902) Eltern: Vater: Philipp, Herzog von Württemberg (1838 – 1917) Mutter: Marie Therese, geb. Erzherzogin von Österreich (1845 – 1927) Geschwister: zwei Brüder, zwei Schwestern Kinder: drei Söhne, vier Töchter |
| GND-ID: | GND/117245798 |
Biografie
| Biografie: | Harald Schukraft (Autor) Aus: Baden-Württembergische Biographien 8 (2022), 372-375 Die ersten fünfzehn Lebensjahre verbrachte Albrecht in Österreich, zumeist in Wien und auf dem elterlichen Besitz am Traunsee. Nach der Reifeprüfung siedelte er auf Wunsch von König Karl nach Württemberg über, wo er an der Universität Tübingen zwei Semester Rechts- und Staatswissenschaften belegte. Aus einer nachgeborenen, katholisch gewordenen Seitenlinie des Hauses Württemberg stammend, ist Albrecht im Thronfolgerang allmählich in die erste Reihe vorgerückt, da unerwartete Todesfälle und Kinderlosigkeit die Zahl protestantischer Thronanwärter immer weiter schrumpfen ließen. Hinter der Eheverbindung Albrechts mit der Tochter des österreichischen Thronfolgers Karl Ludwig vermutete man besonders auf preußischer Seite ein politisches Ränkespiel des Hauses Habsburg, um dem Katholizismus im überwiegend evangelischen Königreich Württemberg zukünftig zur Dominanz zu verhelfen. Auch in Teilen der Bevölkerung waren die Vorbehalte gegen einen künftigen König katholischer Konfession groß, sie gingen schließlich sogar so weit, dass in der Öffentlichkeit ernsthaft an Albrechts Legitimität gezweifelt und geäußert wurde, dass nach strenger Auslegung von Hausgesetz und Verfassung nur die Tochter König Wilhelms II., Prinzessin Pauline zu Wied, und deren Söhne thronfolgeberechtigt seien. Am legitimen Rang Albrechts als Thronfolger ließ Wilhelm II. jedoch nie Zweifel aufkommen. Konsequenterweise wies er Albrecht bereits 1892, also noch vor dessen Heirat, das Stuttgarter Kronprinzenpalais als Wohnsitz zu. Wenn Albrecht auch streng katholisch erzogen worden war, so konnte ihm religiöse Toleranz keineswegs abgesprochen werden. Er sagte einmal, in Religionssachen möge jeder auf seine Façon selig werden. König Wilhelm II. beschwor seinen potentiellen Nachfolger dennoch eindringlich, „immer gut für meine Glaubensgenossen“ zu sein (AHW, G 331 Bü 343, Brief vom 10. 11. 1918). Albrecht wusste natürlich von den Vorbehalten gegenüber seiner Person und drängte daher in keiner Weise ins Rampenlicht. Außer zum Militär und zu katholischen Institutionen unterhielt er kaum Kontakte und trat in der Öffentlichkeit über die höfischen Pflichttermine hinaus nicht in Erscheinung. Der König gewährte ihm schon bald Einblick in vertrauliche Akten und unterrichtete ihn über die wichtigsten Entscheidungen. So wurde Albrecht systematisch an seine künftige Rolle als Monarch herangeführt. Da Albrecht das Studium in Tübingen nicht zusagte, trat er mit knapp 20 Jahren in den aktiven Militärdienst in Württemberg ein und machte aufgrund hervorragender Leistungen als Offizier rasch Karriere. Besonders verbunden fühlte er sich zeitlebens dem Grenadierregiment 119, in dem er Kompagnieführer und später Regimentschef war. 1898 avancierte er zum Generalmajor der preußischen Armee in Potsdam. Heimisch fühlte er sich dort aber nie, schon nach zwei Jahren kehrte er wieder nach Stuttgart zurück. Als König Wilhelm II. von Württemberg Albrecht 1903 mit der höchsten Kommandostelle im württembergischen Militär betrauen wollte, wurde dieses Ansinnen von Kaiser Wilhelm II. jedoch brüsk abgelehnt, obwohl das Vorschlagsrecht nach der Militärkonvention vom 21. November 1870 dem württembergischen König zustand. Der Kaiser sprach pauschal von politischen Gründen und der Gefahr, der Albrecht als Thronfolger im Kriegsfall ausgesetzt wäre. Dies führte zu erheblichen Verstimmungen zwischen Württemberg und Preußen. Albrecht war durch die Haltung des Kaisers persönlich so tief verletzt, dass er gar mit dem Gedanken spielte, sich ins Privatleben nach Österreich zurück zu ziehen. Drei Jahre lang wurde hart um einen Kompromiss gerungen. Um etwaigen antipreußischen Meinungsäußerungen in der Öffentlichkeit vorzubeugen und auch eine Instrumentalisierung des Konflikts durch katholische Interessenvertreter zu vermeiden, fand dieses Ringen hinter verschlossenen Türen statt. Schließlich bot der Kaiser als Versöhnungsgeste Albrecht eine der höchsten Kommandostellen in der preußischen Armee in Kassel an, die dieser auch annahm. Anderthalb Jahre später, am 25. Februar 1908, wurde er endlich mit Zustimmung des Reichsoberhaupts zum Kommandierenden General des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps in Stuttgart berufen. Damit konnte nach fast fünf Jahren der diesbezügliche Streit zwischen Preußen und Württemberg doch noch zu einem guten Ende gebracht werden. Als am 28. Juni 1914 in Sarajewo der Bruder seiner bereits 1902 verstorbenen Gemahlin, der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand mit seiner Frau ermordet wurde, war Albrecht tief betroffen. Als direkter Familienangehöriger nahm er an der Beisetzungsfeier der Ermordeten teil. Kurz darauf, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, ernannte ihn Kaiser Wilhelm II. zum Oberbefehlshaber der 4. Armee, die sich aus mehreren Korps und Brigaden zusammensetzte. Albrecht hat es sehr bedauert, dass das XIII. (Königliche Württembergischen) Armeekorps der 5. Armee des deutschen Kronprinzen zugeteilt wurde und nicht ihm, seinem früheren Kommandierenden General. Militärisch ist Albrechts Name vor allem mit dem sogenannten Sieg von Neufchâteau verbunden, den seine 4. Armee am 22./23. August 1914 errang und den er in seinem Kriegstagebuch mit wenigen Worten schildert. Der Preis für diesen Sieg jedoch war hoch. Zwar machten Albrechts Truppen Tausende von Gefangenen, gleichzeitig hatte die erfolgreiche Armee hohe Verluste zu beklagen, die Albrecht in seinen Berichten an die Vorgesetzten nicht verschwieg. Er war sich zudem bewusst, dass den Sieg vor allem seine ihm unterstellten Truppen erfochten hatten und sein eigener Anteil am Geschehen verhältnismäßig gering war. Als wenige Wochen später die Oberste Heeresleitung den Befehl zum Rückzug hinter die Argonnen gab und damit mühsam erkämpftes Gebiet preisgegeben wurde, lief dies Albrechts Strategie zuwider, doch er musste sich fügen, wie er viele Jahre später äußerte. Um die hohen Verluste der ersten Kriegsmonate auszugleichen, wurden Albrecht vor allem aus Gymnasiasten und Studenten gebildete Reservekorps zugeteilt. Ihm war klar, dass mit den unerfahrenen Kriegsfreiwilligen sehr viel vorsichtiger umgegangen werden musste als mit geübten Truppenverbänden, doch der Chef des Generalstabs, General von Falkenhayn gab ihm den Befehl, eine Kriegsführung ohne Rücksicht auf Verluste zu verfolgen. Dennoch erstarrte der deutsche Vormarsch schließlich im Stellungskrieg. Um wieder Bewegung in die Frontlinien zu bringen, entschloss sich die deutsche Heeresleitung, Giftgas einzusetzen. Albrecht war insofern in diese Entwicklung involviert, als dieses Kampfgas am 22. April 1915 im Bereich der ihm unterstehenden 4. Armee in Flandern zum ersten Mal in der Militärgeschichte zum Einsatz kam. Inwieweit Albrecht an diesem Einsatzbefehl persönlich beteiligt war, ist bislang noch nicht hinreichend erforscht. Vom 20. Oktober 1914 bis zum 28. Februar 1917 lebte Albrecht in seinem Hauptquartier in Thielt in Belgien. Als zu Beginn des Jahres 1917 die deutsche Westfront militärisch neu aufgeteilt und die „Heeresgruppe Herzog Albrecht“ nun die Zuständigkeit für die Verteidigung des Abschnitts von der Schweizer Grenze bis Verdun erhielt, verlegte Albrecht sein Hauptquartier aus Belgien nach Straßburg. In größere Kampfhandlungen waren seine Truppen bis Kriegsende aber nicht mehr verwickelt. Dennoch machten die allgemeinen militärischen und politischen Entwicklungen auch vor Albrechts Einflussbereich nicht Halt. So bildeten sich im November 1918 auch hier Soldatenräte und infolge des Waffenstillstands vom 11. November wurde die Lage im Elsass immer unsicherer, so dass Albrecht sich veranlasst sah, sein Hauptquartier am 14. November 1918 nach Freudenstadt im Schwarzwald zu verlegen. Es war sein Ziel, das Elsass ohne Schädigung der ortsansässigen Bevölkerung an die Franzosen zu übergeben. Am 23. Dezember 1918 legte Albrecht sein Kommando formal nieder, woraufhin die „Heeresgruppe Herzog Albrecht“ in Stuttgart für aufgelöst erklärt wurde. Mit der deutschen Weltkriegsniederlage und der Abschaffung der Monarchie löste sich 1918 der bisherige Lebensplan des 53-jährigen innerhalb weniger Tage in nichts auf. Auf den Anspruch auf den württembergischen Thron hat Albrecht jedoch nie verzichtet, obwohl dies von der provisorischen württembergischen Regierung gefordert wurde. Da eine Rückkehr in seine bisherige Wohnung im Stuttgarter Kronprinzenpalais ausgeschlossen war, räumte ihm der abgedankte König Wilhelm II. als künftigen Wohnsitz das oberschwäbische Schloss Altshausen ein. Das Leben fernab der großen politischen und gesellschaftlichen Zentren kann letztlich als Ausdruck von Albrechts Rückzugs in die innere Emigration gewertet werden. Der republikanischen Staatsform stand er ablehnend gegenüber, sein bürgerliches Wahlrecht hat er zeitlebens nie ausgeübt. Als in Folge des Versailler Vertrages 1920 von den alliierten Siegern die Auslieferung von Verantwortungsträgern für die deutsche Kriegsführung gefordert wurde, betraf dies auch Albrecht Doch die deutsche Seite lehnte dieses Ansinnen kategorisch ab. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich Albrecht in der Weimarer Republik an Versuchen zur Wiederherstellung der Monarchie beteiligt hätte. Rätselhaft bleibt ein Attentat, bei dem Albrecht 1921 in der Nähe von Schloss Zeil erheblich verletzt wurde. Konservative politische Kreise in Württemberg, darunter der spätere Staatspräsident Wilhelm Bazille, wollten den Anschlag propagandistisch für ihre Zwecke ausnutzen, was der ehemalige württembergische König und Albrecht aber zu verhindern wussten. Nach dem Tod Wilhelms II. am 2. Oktober 1921 wurde Albrecht Oberhaupt des Hauses Württemberg und Erbe des Familienvermögens, darunter die Schlösser Friedrichshafen am Bodensee und Monrepos bei Ludwigsburg. Schloss Altshausen blieb jedoch aber auch künftig sein Lebensmittelpunkt und der seiner Familie. 1928 ließ er an die Schlosskirche eine Gruft anfügen und seine verstorbenen Familienmitglieder, darunter seine Eltern aus Ludwigsburg, dorthin überführen. Damit war die Abkehr vom politischen Zentrum des Landes auch symbolisch vollzogen. In der Öffentlichkeit trat Albrecht nach 1918 nur selten auf, zumeist bei Erinnerungsfeiern von Soldatenverbänden des Ersten Weltkriegs oder bei der Einweihung von Kriegerdenkmälern. In den ersten Monaten der nationalsozialistischen Herrschaft wurde Albrecht von den neuen Machthabern mehrfach als Ehrengast zu Manövern und militärischen Zusammenkünften eingeladen, aber schon bald strafte man ihn mit Nichtbeachtung und Ablehnung. Hintergrund dafür dürfte die deutliche Distanz Albrechts und seiner Söhne zum neuen Regime gewesen sein. Nachdem zwei seiner Söhne mehrfach von der Gestapo verhört und aus Stuttgart bzw. Württemberg ausgewiesen worden waren, vermied Albrecht jeglichen Kontakt zu Vertretern der NSDAP. Ein letztes Mal im Blickfeld der Öffentlichkeit stand er zu Lebzeiten aus Anlass seines 70. Geburtstags. Unter der großen Zahl von Glückwunschschreiben war auch ein Brief des Oberbürgermeisters von Stuttgart, Karl Strölin. Allerdings vermied auch dieser – wie fast alle Gratulanten – die Schlussformel „Heil Hitler“. Reichsweit erschienen in unzähligen Zeitungen Artikel, welche seine Leistungen im Ersten Weltkrieg in den Mittelpunkt stellten. An seiner Beisetzung Anfang November 1939 hat dann aber kein offizieller Vertreter der damaligen Staatsführung teilgenommen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ihm wieder offizielle Ehrungen zuteil. So erhielt das 1965 in Münsingen auf der Schwäbischen Alb bezogene neue Lager des Truppenstandorts der Bundeswehr, das auf dem militärischen Übungsgelände des Albrecht unterstellten XIII. (Königlichen Württembergischen) Armeekorps lag, die Bezeichnung „Herzog-Albrecht-Kaserne“. Mit der Aufgabe des Truppenübungsplatzes und der Schließung des Standortes wurde die Kaserne 2004 abgerissen und das Gelände als Wohngebiet ausgewiesen. Die zentrale Erschließungsstraße erhielt den Namen „Herzog-Albrecht-Allee“. Auch in Altshausen erinnert die zum Schloss führende Allee an Generalfeldmarschall Herzog Albrecht von Württemberg. Albrechts Leben ist trotz seiner herausgehobenen Stellung bislang nur ungenügend erforscht. Sein umfangreicher Nachlass befindet sich im Archiv des Hauses Württemberg in Altshausen. Dieser dürfte vielfältiges Material enthalten, um dem individuellen Anteil Albrechts gerade am Geschehen im Ersten Weltkrieg näher zu kommen. |
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| Quellen: | AHW Altshausen G 331 Nachlass Herzog Albrecht; HStAS M 30/1 und 30/2; M 660/261. |
| Nachweis: | Bildnachweise: AHW Altshausen, Bildnis- und Fotosammlung; weitere Abbildungen: zahlreiche Porträtdarstellungen auf Medaillen, siehe: U. Klein/A. Raff, Die württembergischen Medaillen von 1864 – 1933, 2010, 343 – 352. |
Literatur + Links
| Literatur: | Th. Pfizer, Albrecht Herzog von Württemberg, in: R. Uhland (Hg.), 900 Jahre Haus Württemberg, 1984, 363 – 378; Th. Pfizer, Albrecht Herzog von Württemberg, in: LB XVI (1986), 338 – 362; P. Sauer, Albrecht, in: S. Lorenz u. a. (Hgg.), Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, 1997, 417 f.; H. Schukraft, Generalfeldmarschall Herzog Albrecht von Württemberg, in: L. Grawe (Hg.), Die militärische Elite des Kaiserreichs, 2020, 294 – 309. |
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