Einstein, Albert 

Geburtsdatum/-ort: 14.03.1879;  Ulm
Sterbedatum/-ort: 18.04.1955; Princeton/USA
Beruf/Funktion:
  • Physiker, Nobelpreisträger
Kurzbiografie: 1885-1889 katholische Grundschule in München
1889-1894 Luitpoldgymnasium in München
1896 Sep. Abitur an der Kantonschule Aarau/Schweiz
1896 Okt.-1900 Jul. Studium an der Eidgenössischen Polytechnischen Schule, Zürich; Diplom eines Fachlehrers in mathematischer Richtung
1902 Jun.- 1909 Sep. Technischer Experte am Patentamt in Bern
1905 Jul. Promotion zum Dr. phil. an der Universität Zürich: „Eine neue Bestimmung der Molekulardimensionen“
1908 Jul. Habilitation an der Universität Bern: „Folgerungen aus dem Energieverteilungsgesetz der Strahlung schwarzer Körper, die Konstitution der Strahlung betreffend“; Probevorlesung: „Über die Gültigkeitsgrenzen der klassischen Thermodynamik“
1909 Okt.-1911 Mär. außerordentlicher Professor für theoretische Physik der Universität Zürich
1911 Apr.-1912 Jul. ordentlicher Professor für theoretische Physik an der Deutschen Universität Prag
1912 Sep.-1914 Mär. ordentlicher Professor für theoretische Physik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich
1913 Nov.-1933 Mär. hauptamtliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften
1921 Dez. Orden „Pour le mérite für Wissenschaften und Künste“
1922 Nov. Nobelpreis für Physik für das Jahr 1921
1933 Mär.-Jun. Niederlegung der deutschen Staatsangehörigkeit, der Mitgliedschaften der Berliner Akademie der Wissenschaften, der Gesellschaft des Ordens „Pour le mérite“ und aller anderen deutschen Organisationen
1933 Okt.-1955 Apr. Professor (ab 1944 Emeritus) am Institute for Advanced Study in Princeton, USA
Weitere Angaben zur Person: Religion: isr., später konfessionslos
Verheiratet: 1. 1903 (Bern) Mileva, geb. Maric (1875-1948), geschieden 1919
2. 1919 (Berlin) Elsa Löwenthal, geb. Einstein (1876-1936)
Eltern: Vater: Hermann (1847-1902), Kaufmann
Mutter: Pauline, geb. Koch (1858-1920)
Geschwister: Maja (1881-1951)
Kinder: aus 1. Ehe 2:
Hans Albert (1904-1973), ab 1947 Professor an der University of California
Eduard (1910-1965)
GND-ID: GND/118529579

Biografie: Alexander Kipnis (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 4, 61-66

Einstein, einer der berühmtesten Naturwissenschaftler aller Zeiten, wurde in Ulm als Sohn eines Kaufmanns geboren. Als er erst ein Jahr alt war, siedelte die Familie nach München um. Einstein besuchte seine Vaterstadt nie, schrieb aber 1929: „Die Stadt der Geburt hängt dem Leben als etwas Einzigartiges an wie die Herkunft von der leiblichen Mutter. Auch der Geburtsstadt verdanken wir einen Teil unseres Wesens.“
In München besuchte Einstein zuerst eine katholische Grundschule, weil es keine jüdische in der Nähe gab, dann das Luitpoldgymnasium. Dass Einstein angeblich ein ganz mittelmäßiger, gar schwacher Schüler war, ist falsch: in der Grundschule war er der erste, auch im Gymnasium erwies sich Einstein als erfolgreicher Schüler mit guten Noten. Die Legende geht auf Einsteins Aussage zurück, dass er die Schule, das „autoritär geführte Gymnasium“ nicht mochte. Jeder Zwang war ihm zuwider.
Als Junge las er viele populärwissenschaftliche Bücher. Auch das Geschäft seines Vaters, damals eine Fabrik für elektrische Geräte, erregte sein Interesse an der Naturwissenschaft. 1894 zogen die Eltern wegen finanzieller Schwierigkeiten nach Mailand um, der 15-jährige musste aber in München bleiben. Da er sich sehr allein gelassen fühlte, verließ er nach einem halben Jahr aus eigenem Antrieb die Schule und folgte seiner Familie nach Italien. Nach einem Jahr des Selbststudiums versuchte Einstein an der Universität in Zürich zu studieren, fiel aber bei der Aufnahmeprüfung durch, wegen mangelhaften Leistungen in den sprachlich-historischen Fächern, in der „Naturgeschichte der drei Reiche“ und in Zoologie. Nun holte er – wieder mit sehr guten Noten, im Gegensatz zur Legende – sein Abitur an der Kantonalschule Aarau nach. Im französischen Matura-Aufsatz über seine Lebenspläne schrieb der Siebzehnjährige, er wolle sich mit dem theoretischen Teil der Physik beschäftigen und schloss mit den Worten: „Darüber hinaus hat die wissenschaftliche Tätigkeit eine gewisse Unabhängigkeit, die mir sehr gefällt.“ Jetzt konnte Einstein sich am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich (später Eidgenössische Technische Hochschule) immatrikulieren. Nach dem Diplomabschluss fand er zunächst keine reguläre Arbeitsstelle und war als Privatlehrer tätig.
Erst nach zwei Jahren erhielt Einstein eine ständige Stelle am Eidgenössischen Patentamt in Bern. Parallel dazu leistete er intensive intellektuelle Arbeit in der theoretischen Physik. Eben in diese Zeit in Bern fällt sein „annus mirabilis“ 1905, als Einstein in drei verschiedenen Gebieten der Physik fundamentale Durchbrüche erzielte. Das waren die Arbeiten über die Quantentheorie (die Erklärung des Photoeffektes), über die molekular-kinetische Theorie der Materie (sogenannte Brownsche Bewegung) und über die spezielle Relativitätstheorie. Hier nahm seine wissenschaftliche Anerkennung ihren Anfang, zuerst im engeren Kreis der führenden Physiker. Damals begann auch Einsteins Weg einer akademischen Laufbahn: Promotion in Zürich (1905) und Habilitation (1908) an der Universität Bern. Seinen Lebensunterhalt verdiente er nach wie vor als Patentbeamter. Erst 1909, als man ihn als außerordentlichen Professor an die Universität Zürich berufen hatte, verließ Einstein sein Patentamt. Nach eineinhalb Jahren wurde Einstein zum ordentlichen Professor, zuerst in Prag, dann an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.
In Bern las er (für wenige Zuhörer) über „Molekulare Theorie der Wärme“ und über „Theorie der Strahlung“. In Zürich, wie auch später in Prag, bot er eine Vorlesung zur „Einführung in die Mechanik“ und ein Kolleg über „Thermodynamik“ an. Auch an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich las Einstein über „Analytische Mechanik“ und über „Thermodynamik“. Ein leidenschaftlicher Dozent war Einstein aber nie: Lehr- und Prüfungsverpflichtungen waren ihm lästig; er hatte nie Schüler, obwohl viele Mitarbeiter ihn mathematisch unterstützten. Darin dürfte auch der Grund dafür zu suchen sein, dass Einstein keine Schule begründete.
1913 nahm Einstein das verlockende Angebot wahr, sich ausschließlich wissenschaftlicher Arbeit zu widmen und als hauptamtliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften frei von Lehrverpflichtungen seinen Forschungen nachzugehen. Er sollte auch als Professor der Berliner Universität gewählt werden mit dem Recht (nicht der Pflicht!), dort Vorlesungen zu halten. Einstein akzeptierte und war erfolgreich.
Im November 1915 vollendete er seine „allgemeine Relativitätstheorie“, die ein gekrümmtes Raum-Zeit-Kontinuum darstellt. Aufgrund dieser Theorie erklärte Einstein quantitativ ein astronomisches Rätsel, das bisher unlösbar erschienen war: das langsame Vorrücken des sonnennächsten Punktes der Bahn des Merkur (sogenannte Periheldrehung). Noch erstaunlicher war die Voraussage seiner Theorie, dass sich das Licht im Schwerefeld auf einer gekrümmten Laufbahn fortpflanze. Einstein nahm auch am „üblichen“ wissenschaftlichen Leben teil. Im Mai 1916 folgte er Max Planck als Vorsitzender der Deutschen Physikalischen Gesellschaft; während zweier Jahre präsidierte er die Sitzungen der Gesellschaft und trug auch selbst vor. 1917 bis 1922 war er dann der erste Direktor des neu gegründeten Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik und bemühte sich, die beschränkten Mittel auf verschiedene Projekte zu verteilen. Im September 1916 wurde Einstein durch ein kaiserliches Dekret in das Kuratorium der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt berufen und nahm an den Beratungen über die experimentellen Programme teil. Diese Position hatte er inne, bis er Deutschland verließ. Einstein kam seinen Pflichten gewissenhaft, mit Witz und Geduld, aber auch mit innerer Distanz nach. Auch dabei aber blieb er im Grunde immer Außenseiter.
Sein politisches Verhalten während des I. Weltkriegs und danach war im Vergleich zu dem seiner Kollegen sehr auffallend. Einstein lehnte es ab, den berühmten – und später berüchtigten – „Aufruf an die Kulturwelt“ („Aufruf der 93“) zu unterzeichnen, unterschrieb dagegen den pazifistischen „Aufruf an die Europäer“. Im November 1914 gehörte er zu den Mitbegründern des pazifistischen „Bundes Neues Vaterland“. Dieser wurde im Februar 1916 verboten, im Oktober 1918 aber reaktiviert und 1923 in die „Liga für Menschenrechte“ umgewandelt. Einstein blieb Mitglied, setzte sich für die Weimarer Republik ein und war mit W. Rathenau befreundet.
Dank zweier britischer Sonnenfinsternis-Expeditionen im Mai 1919 wurde die theoretisch vorhergesagte Lichtablenkung im Schwerefeld der Sonne nachgewiesen: die genauen Vermessungen ergaben exakt den Einsteinschen Wert. Damals schrieb er an Max Planck: „Es ist doch eine Gnade des Schicksals, dass ich dies habe erleben dürfen“. Durch dieses wissenschaftliche Ereignis wurde Einstein plötzlich weltberühmt; die Presse verwandelte ihn – bis heute – in einen „Medienstar“, so dass, wie er im Alter sagte, er sich „seit langer Zeit mehr beschämt als gehoben gefühlt habe“. Eher gegen seinen Willen wurde Einstein mehr und mehr in das öffentliche Leben einbezogen. In den 1920er Jahren erschien nur eine erstklassige Arbeit, die sogenannte Bose-Einstein-Statistik, 1925, gleichzeitig aber entwickelten sich viele öffentliche Aktivitäten. So arbeitete Einstein lange Zeit mit im Komitee für intellektuelle Zusammenarbeit des Völkerbunds (ab 1922 bis 1930 mit Unterbrechungen 1923, 1928 und 1929), schied aber letztendlich aus wegen der Unfähigkeit des Unternehmens, etwas Reales zu erreichen. 1923 bis 1932 gehörte er zur kulturellen „Gesellschaft der Freunde des Neuen Russland“, lehnte allerdings Einladungen ab, die UdSSR zu besuchen, weil er mit dem dortigen totalitären Regime nicht einverstanden war. Zu seiner öffentlichen Tätigkeit gehörten auch zahlreiche Reisen von 1920 bis 1925, insbesondere in die USA (März bis Juni 1921), vier Vorträge in Paris (März/April 1922), eine große Asienreise (vom Anfang Oktober 1922 bis Februar 1923), wobei er fünf Wochen in Japan, zwei Wochen in Palästina, anschließend, auf dem Rückweg, noch drei Wochen in Spanien blieb, und endlich eine Reise nach Südamerika (März bis Juni 1925). Während dieser Reisen hat Einstein einen entscheidenden Beitrag zur Überwindung des Boykotts der deutschen Wissenschaft nach dem I. Weltkrieg geleistet.
Andererseits waren diese Auslandsreisen dazu angetan, der Lebensbedrohung jener Zeit zu entgehen, den Morden an Linken und Juden; denn seit 1920 war Einstein Zielscheibe gehässiger politischer, auch pseudowissenschaftlicher Angriffe, wobei die antisemitische Welle im Deutschland nach dem I. Weltkrieg Einsteins Identität als Jude neu bewusst werden ließ, obwohl er mit der jüdischen Religion schon seit seinem 12. Lebensjahr nichts mehr zu tun haben wollte. Judentum war für ihn nicht zuerst Konfession sondern eine „Schicksalsgemeinschaft“. So bezeichnete er sich im August 1920 als „Jude von freiheitlicher internationaler Gesinnung“, weswegen er auch während seiner ersten Amerikareise für das jüdische Hilfswerk wirkte und eine bedeutende Summe für die geplante Hebräische Universität Jerusalem sammeln konnte. 1922 besuchte er Palästina und unterstützte die zionistische Bewegung, wie später den Staat Israel. Übrigens wurde ihm 1952 die Präsidentschaft des Staates Israel angeboten, die er jedoch ablehnte.
Einen wichtigen Platz bei Einsteins Aktivitäten nahm seine pazifistische Propaganda ein. Vom Jahre 1928 an engagierte sich er für die Kriegsdienstverweigerung: „Mein Pazifismus entspringt einem unwillkürlichen Gefühl. Meine Haltung ist nicht das Resultat einer Theorie, sondern ist in einer tiefen Antipathie gegen jede Art von Grausamkeit und Hass begründet“. Er blieb aktives Mitglied einiger linken Organisationen und saß bis er Deutschland verließ im Kuratorium der „Internationalen Arbeiterhilfe“.
Vergeblich wandte sich Einstein im Juni 1932 zusammen mit ein paar anderen Intellektuellen an die Führungen von SPD und KPD und forderte sie auf, sich bei den Reichstagswahlen zu vereinigen, um die nationalsozialistische Gefahr zu bannen. Ende 1932 verließ Einstein Deutschland für eine weitere Reise in die USA; er folgte einem Ruf ans neu gegründete „Institute for Advanced Study“ in Princeton. Ursprünglich war es seine Absicht, je ein halbes Jahr in Berlin und in Princeton zu arbeiten, als Anfang 1933 aber die NS-„Machtergreifung“ stattfand, gab Einstein dieses Vorhaben samt der deutschen Staatsangehörigkeit und allen ehrenden Mitgliedschaften auf.
Jetzt rückte er sogar von seinem Pazifismus ab und erklärte: „Ich hasse Militär und Gewalt jeder Art. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass heute dieses verhasste Mittel den einzigen wirksamen Schutz bildet“ [gegen den Nationalsozialismus]. Nach einigen Monaten in Europa – um seine endgültige Ausreise nach den USA vorzubereiten und seine Verpflichtungen zu erledigen – kam Einstein nach Princeton. Sein beachtliches Vermögen, einschließlich eines Grundstücks mit Sommerhaus und Segelboot, insgesamt ein Wert von 80 000 Reichsmark, wurde durch den NS-Staat konfisziert. Dass ein Preis auf Einsteins Kopf ausgesetzt wurde, ist nicht belegt. Sein Name steht aber in der Liste von 553 führenden Gegnern des „neuen Deutschlands“, die 1939 beim Reichsführer SS erfasst wurden.
In Princeton nahm Einstein seine wissenschaftliche Arbeit wieder auf, immer bereit, mit einer hartnäckigen Energie, „nochmals von vorne [zu] beginnen“. Er erzielte zwar keine herausragenden Ergebnisse, fand aber Zeit, die Hilfe für viele Flüchtlinge aus Europa zu organisieren. Unterdessen wuchsen seine politischen Sorgen. Ein Höhepunkt war sein berühmter Brief an Präsident Roosevelt über die Möglichkeit, eine Atomwaffe zu entwickeln, womit Deutschland wahrscheinlich bereits angefangen habe. Von 1933 an bis in die Nachkriegszeit verzichtete Einstein darauf, sich für weltweite Abrüstung und Kriegsdienstverweigerung einzusetzen. An dem bekannten Manhattan Projekt nahm Einstein aber keinen Anteil und bereute später, dass er „den Knopf gedrückt“ habe. Nach den amerikanischen Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki setzte er sich für das Verbot der Kernwaffen ein: „Übernationale Macht, gegründet auf übernationales Gesetz, ist das einzige Mittel, Kriege zu verhindern.“
In den USA blieb Einstein bis zum Lebensende, ohne das Land ein einziges Mal zu verlassen. Als er nach dem Kriege eine Einladung nach Deutschland bekam, sagte er ab, „einfach aus Reinlichkeitsbedürfnis“. Einstein starb an einem Aneurysma der Aorta. Nach seinem letzten Willen wurde seine Leiche eingeäschert und die Asche in alle Winde verstreut. Sein Nachlass wurde später der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem übergeben. Die Universität Jerusalem gibt seit 1980 zusammen mit der Princeton University Press Einsteins „Gesammelte Schriften“ heraus.
Seine allgemeine Philosophie fasste Einstein einmal so zusammen: „Ich glaube an Spinozas Gott, der sich in der Harmonie des Seienden offenbart, nicht an einen Gott, der sich mit Schicksalen und Handlungen der Menschen abgibt“. Diese Harmonie wollte er erfassen. Als Wissenschaftler beschäftigte er sich mit der gesamten Physik, die er sich als Einheit vorstellte. Dabei verfügte er über eine geniale Intuition, um – wie er sagte – „das Fundamental-Wichtige, Grundlegende sicher von dem Rest der mehr oder weniger entbehrlichen Gelehrsamkeit zu unterscheiden“. Eine Grundlinie seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war die spezielle und dann die allgemeine Relativitätstheorie. Dabei bedeutete die spezielle Relativitätstheorie die Beseitigung der Lichtäthertheorie, die Relativierung des Zeitbegriffes, die Vereinigung der Zeit und des Raums im Zeit-Raum-Kontinuum und die Festlegung des Prinzips der Äquivalenz von Masse und Energie (E = mc2). Die allgemeine Relativitätstheorie vereinigte Raum, Zeit und Gravitation und führte zu einer neuen Kosmogonie. Bis heute, so sein Biograph A. Pais, sind die physikalischen Konsequenzen der allgemeinen Relativität nicht „vollständig ausgelotet“.
Die zweite Grundlinie der Physik Einsteins beginnt mit der Atomistik. Durch seine Theorie der Brownschen Bewegung brachte Einstein den endgültigen Sieg der Atomistik in die damalige Naturwissenschaft, so dass die antiatomistische, sogenannte „energetische“ Lehre bald verschwunden war. Einstein erweiterte die bisherige Atomistik um den Energieaspekt, indem er die „sehr revolutionäre“ Lichtquantenhypothese aussprach, dass nämlich der Strahlung selbst eine korpuskulare Struktur zugeschrieben werden muss. Daraus entwickelte er die Grundtheorien des Photoeffekts (1905) und der Photochemie (1917) und schuf die erste Quantentheorie des Festkörpers (1907). 1909 prophezeite Einstein „eine Art Verschmelzung“ von Undulations- und Korpuskulartheorie des Lichtes, was bekanntlich eintraf. Einstein hatte, wie er einmal sagte, „hundertmal mehr über Quantenprobleme nachgedacht, als über die allgemeine Relativitätstheorie“. Während fast vier Jahrzehnten versuchte er, diese beiden Linien in einer „einheitlichen Feldtheorie“ zu vereinigen, von der die Relativitätstheorie und die Quantentheorie als deren Grenzfälle ableitbar sein könnten. Das grandiose Problem ist bis heute nicht gelöst.
Eine ganz andere Seite seiner Persönlichkeit offenbart sein Privatleben. Seine erste Ehe, eines vorehelichen Kindes wegen „mit innerem Widerstreben“, „aus Pflichtgefühl“ eingegangen, scheiterte im Juli 1914, als seine Frau mit den Söhnen auf Einsteins Drängen hin aus Berlin nach Zürich zurückkehren sollte; die Hauptschuld am Scheitern der Ehe nahm er aber auf sich. Später übersandte er Mileva die Nobelpreisgelder, wie es im Scheidungsvertrag festgesetzt war. In Berlin begann Einsteins Beziehung zu seiner Cousine Else; zur Ehe wurde diese ebenfalls vor allem aus Pflichtgefühl, nachdem Else sein Leben durch aufopfernde Pflege während einer schweren Magenkrankheit wahrscheinlich gerettet hatte. Auch in dieser Ehe fühlte sich Einstein einsam. Dabei lässt seine leidenschaftliche Natur eine ausgesprochene Schwäche für hübsche Frauen erkennen; Einstein hatte auch ein paar Affären, war aber zu eigensinnig, zu sehr in seinen Gedanken befangen, um für die Anstrengungen eines Familienlebens bereit zu sein: „Schließlich ist jede Ehe gefährlich“, bemerkte er einmal.
Die Öffentlichkeit nahm einen ganz Anderen wahr. Berühmte Hobbys waren Geigenspielen und Segeln; besonders beim Segeln hatte er Ruhe für seine Gedanken. Weniger bekannt dagegen sind andere Züge: seine Liebe zur deutschen Sprache – schon in den USA sagte er einmal über sein Englisch, es würde „immer besser, nie gut“. Er verfasste eine Vielzahl von Versen, meistens witzige, als Widmungen und Anschriften. Ausgezeichnet mag der Stil seiner Publikationen gewesen sein, besonders seine interessanten Gedenkaufsätze und Nachrufe; auch seine zahlreichen Briefe – er war ein ausgesprochen fleißiger Briefeschreiber – sind zu erwähnen. Eine seiner Lieblingsbeschäftigungen waren „Geistspiele“, aber ohne jedes kämpferische Element, das Schachspiel lehnte er daher ab, liebte es aber, kleine mathematische, physikalische und technische Probleme zu lösen, etwa warum Teeblätter sich beim Rühren in der Mitte der Tasse sammeln. Ihn interessierten auch erfinderische Tätigkeiten, woraus Dutzende von Patenten resultierten, insbesondere für Kühlmaschinen.
Hauptinhalt seines Lebens aber blieb immer seine Wissenschaft, „ihr widmete er sich mit Hingabe, sie bot ihm Zuflucht und sie war die Quelle seiner inneren Freiheit“ (A. Pais), und die Größe seiner Leistungen bleibt beispiellos. „Der Gefühlzustand, der zu solchen Leistungen befähigt“, so Einstein selbst, „ist dem des Religiösen oder Verliebten ähnlich; das tägliche Streben entspringt keinem Vorsatz oder Programm, sondern einem unmittelbaren Bedürfnis“.
Werke: Auswahl: Über einen die Erzeugung u. Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt, in: Ann. d. Physik 17, 1905, 132-148; Über die von d. molekularkinetischen Theorie d. Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen, ebd. 549-560; Zur Elektrodynamik bewegter Körper, ebd. 891-921; (mit W. J. de Haas), Experimenteller Nachweis d. Ampèrschen Molekularströme, in: Die Naturwissenschaften 3, 1915, 237 f.; Die Grundlage d. allgem. Relativitätstheorie, in: Ann. d. Physik 49, 1916, 769-822; Zur Quantentheorie d. Strahlung, in: Physik. Zs. 18, 1917, 121-128; Zur Quantentheorie des einatomigen Gases. Sitzungsberr. d. Preuss. Akad. d. Wiss., Math.-Physik. Klasse, 1924, 261-267 sowie 1925, 3-14 u.18-25; Mein Weltbild, 1934 (erweit. Aufl. 1986); (mit L. Infeld), Die Evolution d. Physik (1938), 1950; Aus meinen späteren Jahren, 1950, erweit. Ausg. 1979; Autobiographisches, in: P. A. Schilpp (Hg.). A. Einstein als Philosoph u. Naturforscher, 1955, 1-35, 1979 u. 1983; The Collected Papers of A. Einstein, Princeton University Press Vol. I-X, 1987-2005 (wird fortgesetzt).
Nachweis: Bildnachweise: Kenij Sugimoto (Hg.), A. Einstein. Die kommentierte Bilddokumentation, 1987.

Literatur: Poggendorffs Biogr.-literar. Handwörterb. V, 1926, 328 f.; ebd. VI, 1936, 647 f.; ebd. VIIa, Teil 1, 1956, 488 f. (mit Bibliographie); M. J. Klein/N. L. Balasz, Einstein, A., in: Dictionary of Scientific Biography Vol. IV, 1971, 313-333; Carl Seelig, A. Einstein. Leben u. Werk eines Genies unserer Zeit, 1960; Hans Eugen Specker (Hg.), Einstein u. Ulm, 1979; A. Einstein Über den Frieden. Weltordnung oder Weltuntergang?, hgg. von O. Nathan u. H. Norden, 1975; Einstein Symposion Berlin aus Anlass der 100. Wiederkehr seines Geburtstages, 1979; Abraham Pais, Raffiniert ist d. Herrgott ... A. Einstein, eine wissenschaftl. Biographie, 1986; Armin Hermann, Einstein u. die Frauen, in: A. Einstein, Mileva Maric. Am Sonntag küss' ich dich mündlich. Die Liebesbriefe 1897-1903, 1994, 2005 2. Aufl., 41-78; Roger Highfield u. Paul Carter, Die geheimen Leben des A. Einstein, eine Biographie, 1994; Armin Hermann, Einstein: Der Weltweise u. sein Jahrhundert, 1994; ders., A. Einstein, in: Die Großen Physiker 2, 1997, 227-248, 439-442, 477-478; Albrecht Fölsing, A. Einstein. Eine Biographie, 1993 3. Aufl. (mit Bibliographie); Abraham Pais, Ich vertraue auf Intuition: Der andere A. Einstein, 1995; Ernst Peter Fischer, Einstein: Ein Genie u. sein überfordertes Publikum, 1996; Siegfried Grundmann, Einsteins Akte. Einsteins Jahre in Deutschland aus Sicht d. dt. Politik, 1998; Jürgen Neffe, Einstein – eine Biographie, 2005 4. Aufl.
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