Rahner, Karl Josef Erich 

Geburtsdatum/-ort: 05.03.1904;  Freiburg i.Br.
Sterbedatum/-ort: 30.03.1984; Innsbruck
Beruf/Funktion:
  • Jesuit, Theologe, Dogmatiker, Religionsphilosoph
Kurzbiografie: 1910-1913 Knabenbürgerschule in Freiburg i.Br.
1913-1922 Realgymnasium (heute Kepler-Gymnasium) Freiburg i.Br.
1922 Abitur und Eintritt in das Noviziat der Jesuiten
1924-1927 Studium der Philosophie an der Ordenshochschulen Feldkirch und ab 1925 in Pullach
1927-1929 Magister (u.a. für Latein) am Jesuitengymnasium Feldkirch
1929-1933 Studium der Theologie an der Ordenshochschule Valkenburg
1932 Priesterweihe in München durch Kardinal M. Faulhaber
1934-1936 Studium der Philosophie an der Universität Freiburg i.Br.; 1936 Promotion an der Universität Innsbruck zum Dr. theol.
1937 Habilitation für das Fach Dogmatik in Innsbruck
1939-1944 Mitarbeiter am Seelsorgeinstitut in Wien, Dozent und Vortragsreisender
1944-1945 Pfarrseelsorger in Niederbayern
1945-1948 Dozent für Dogmatik in Pullach und München, ab 1948 an der wiedereröffneten Theologischen Fakultät Innsbruck
1949 ordentlicher Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte ebenda
1961 durch Johannes XXIII. zum Consultor der Konzilsvorbereitung ernannt; persönlicher Konzilsberater des Wiener Kardinals F. König
1962-1965 Konzilstheologe (Peritus)
1964 ordentlicher Professor für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie an der Universität München; Ehrenzeichen der Landesregierung von Tirol; Ehrendoktor der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster: erstes von 15 Ehrendoktoraten
1965 Reuchlin-Preis der Stadt Pforzheim
1967 ordentlicher Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster
1970 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland; Mitglied des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste der Bundesrepublik Deutschland
1971 Emeritierung; Honorarprofessor für Grenzfragen von Theologie und Philosophie an der Hochschule für Philosophie in München
1972 Honorarprofessor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Innsbruck
1973 Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt
1983 Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
Weitere Angaben zur Person: Religion: römisch-katholisch
Eltern: Vater: Karl Rahner (1868-1934), Lehrerseminar- und Gymnasialprofessor für Deutsch, Geschichte und Französisch
Mutter: Luise, geb. Trescher (1875-1976)
Geschwister: Anna, verh. Deppe (1897-1987), Lehrerin
Georg (1899-1952), Studienrat
Hugo (1900-1968), Jesuit und Theologe
Rudolf (* 1907), Arzt
Elisabeth, verh. Cremer (* 1909), Dozentin an sozialen Einrichtungen
Albrecht (* 1914), Arzt
GND-ID: GND/118597868

Biografie: Herbert Vorgrimler (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 1, 290-294

Die unmittelbaren Vorfahren Rahners stammten aus der Nähe Freiburgs; seine Mutter war aus Günterstal (Gasthaus „Kyburg“), sein Vater aus Horben gebürtig. In seinem tiefsinnigen Grübeln, seinem verschmitzten Humor und seiner leisen Melancholie war Rahner ein „typischer Schwarzwälder“; in einer Manuskriptwidmung von 1946 nannte er sich so: „Nigrosilvanus“, „Schwarzwälder“. Eindrucksvoll an seiner kleinen, eher zierlichen Gestalt waren seine großen, dunklen, ernsten Augen unter einer mächtigen Stirn in einem asketisch geprägten Antlitz. Zeitlebens verleugnete er die alemannische Muttersprache nicht. Mit großer Liebe hing er an seiner Vaterstadt Freiburg i.Br., deren Stadtratsbeschluß, ihn zum Ehrenbürger zu ernennen, ihn noch kurz vor seinem Tod erfreute.
Rahner zeichnete sich in dem ohnedies strengen Jesuitenstudium durch außergewöhnlich intensive Beschäftigung sowohl mit der kirchlichen Tradition, mit Bibelkommentaren sowie den großen Theologen des Altertums und des Hochmittelalters als auch mit der klassischen und modernen Philosophie aus. So erwarb er sich ein Wissen und eine Bildung, über die er bis zu seinem Tod souverän verfügte. Als Jesuit war er bereit, sich hinsichtlich seiner beruflichen Tätigkeit den Weisungen seiner Oberen zu fügen. Er war zutiefst in der Spiritualität des Jesuitengründers Ignatius von Loyola mit seinem Willen, Gott in allen Dingen zu finden, verwurzelt: Sein ganzes Leben hindurch hielt er zahlreiche Exerzitienkurse ab, so wie er selber auch regelmäßig an solchen teilnahm. Seelsorge oder besser Mystagogie im Sinn der Hinführung von Menschen zum Grund ihres eigenen Seins und Wesens und damit zu Gott war ihm stets oberste Maxime aller Tätigkeiten. Hätte er sich persönlich auch gewünscht, Akademikerseelsorger zu werden, so bestimmten ihn seine Oberen zum Weiterstudium in Philosophie mit dem Ziel einer Dozentur an einer Ordenshochschule. In seiner Vaterstadt meldete er sich bei dem katholischen Philosophen M. Honecker zur Promotion an, fand aber auch Aufnahme im exklusiven Seminar M. Heideggers. Rahner empfand sich nicht als eigentlicher Schüler Heideggers, bekannte aber zeitlebens dankbar, daß Heidegger für ihn sehr wichtig wurde, weil er seine Hörer gelehrt habe, in allem und jedem ein „unsagbares Geheimnis“ zu suchen, das über die Menschen verfügt, auch wenn Menschen es mit Worten nicht angemessen an- und aussprechen können. In seiner Arbeit „Geist in Welt“ (1939), einer Interpretation der Erkenntnislehre Thomas von Aquins, und in dem darauf aufbauenden Buch „Hörer des Wortes“ (1941) führte Rahner die Analyse des menschlichen Daseins und der menschlichen Erkenntnis bis vor jenes absolute Geheimnis, in dem der Mensch gründet und nach dessen tieferer Erschließung er Ausschau hält. Dabei vermochte er das Überzeitliche, Transzendente mit dem für den Menschen unentbehrlichen Geschichtlich-Konkreten und Sinnlichen zu vermitteln. Er stellte sich damit sowohl den Herausforderungen der Aufklärung als auch den Folgen der Entdeckung des geschichtlichen Denkens, die beide, richtig verstanden, nicht in Widerspruch mit dem christlichen Glauben geraten mußten.
Da M. Honecker die Arbeit „Geist in Welt“ als philosophische Dissertation ablehnte, weil Rahner Thomas zu eigenständig weitergedacht habe, bestimmten die Ordensoberen Rahner nun zu einer Dozentur in Dogmatik, dem Kernfach der katholischen Theologie. Der zunächst nach der üblichen Weise beschrittene berufliche Werdegang wurde bei Rahner unterbrochen, weil die NS-Behörden nach dem deutschen Einmarsch in Österreich die Theologische Fakultät in Innsbruck aufhoben und dann auch das Jesuitenkolleg schlossen. Rahner, der „Gauverbot“ erhielt, d.h. sich nicht mehr in Tirol aufhalten durfte, wurde vom Wiener Erzbischof Kardinal Th. Innitzer in sein Seelsorgeinstitut aufgenommen und mit Bildungsaufgaben betraut. So wurde der Vortragsreisende Rahner „geboren“, der bis gegen Kriegsende im ganzen Reichsgebiet dem NS-Menschenbild die Merkmale des christlichen Menschenverständnisses entgegensetzte. Die theologische Anthropologie, die Lehre vom Menschen als dem von Gott radikal ernst genommenen und geliebten Partner, ungeachtet der Rassen-, Klassen- und Religionszugehörigkeit, stand von da an immer im Zentrum der theologischen Bemühungen Rahners. Biblische Grundaussagen, vor allem die über den universalen, niemanden ausschließenden Heilswillen Gottes, verband Rahner mit seinen philosophischen Einsichten über den Menschen als das Wesen unbegrenzter Transzendenz. So kreiste sein theologisches Denken um die beiden fundamentalen Wege, auf denen das unendliche Geheimnis den Menschen erreicht, den transzendent-inneren als den Weg des Angebots gnadenhafter Selbstmitteilung Gottes, die sich ihre Annahme selber erwirkt, und den geschichtlich-konkreten Weg der Wortoffenbarung und Menschwerdung in Jesus von Nazaret. Die Einheit beider Wege führte in Rahners Sicht zur Einheit von Gottes- und Menschenliebe. Die beiden Möglichkeiten menschlicher Empfänglichkeit der göttlichen Selbstmitteilung, Geist und Geschichte, erkannte er als Entsprechungen der Dreieinigkeit Gottes, der ewigen Hervorgänge des Wortes und des Geistes aus dem göttlichen Urgrund.
Dieses katholische Denken entsprach in eigenständiger Weise dem, was auf evangelischer Seite die Anliegen K. Barths und R. Bultmanns waren, von denen der Erstere die absolute Souveränität Gottes und zugleich sein freies Nahekommen im Wort betonte, der Zweite die Transzendenz Gottes in besonderer Hinsicht wahrte, indem er den „eigentlich“ gemeinten Kern, den „Sachgehalt“ der Wortoffenbarung Gottes, von der notwendigen, aber zeitbedingten Sprachgestalt unterschied. Rahner gelang es, das „eigentlich“ Gemeinte auch bei kirchlichen Dogmen herauszuarbeiten. Er verband seine dogmatischen und dogmengeschichtlichen Bemühungen immer mit dem seelsorgerlichen Motiv, den Menschen das Nahesein Gottes und sein Kommen in der Geschichte zu erschließen. So vermittelte er positive Zugänge zur Kirche, da auf das Geschichtlich-Konkrete nicht einfach zugunsten des Transzendenten verzichtet werden darf, wenn Letzteres nur im Ersteren zu sich selber und zur nötigen Effizienz kommen kann. Andererseits bedeutete diese Sicht eine Relativierung der Kirche und der institutionellen Religion, da Rahner in der Bejahung der eigenen Wesensstruktur des Menschen, also in der vertrauensvollen Annahme des eigenen Lebens, den wesentlichen religiösen Akt des Menschen, den Kern seiner Gläubigkeit sah.
Diese theologische Grundkonzeption entfaltete sich bei Rahner in der konkreten Zuwendung zu einzelnen Lehrstücken und -fragen, mit denen er sich als Dozent befassen mußte, nachdem die Innsbrucker Theologische Fakultät wieder errichtet und er dorthin berufen war. Auch in Zeitschriftenartikeln und in überaus vielen Vorträgen, zu denen Rahner nach Beginn der Normalisierung in Europa unterwegs war, ließ sich Rahner die Vielfalt der Themen eher von den Wünschen der Menschen vorgeben. So kam es, daß Rahners Theologie nicht in einer systematischen „Summe“, sondern eben in gesammelten Aufsätzen greifbar ist, in den „Schriften zur Theologie“ (16 Bde. 1954-1984). Auf diesem Weg fand Rahner jedoch in der internationalen theologischen Fachwelt viel mehr Beachtung als sie den bahnbrechenden Erneuerern des katholischen Denkens in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen beschieden war. Rahner brachte für die katholische Theologie auf Weltebene die Überwindung eines erstarrten neuscholastischen Systems. In Rom wurden mehrere Eigentümlichkeiten seiner Arbeiten, so seine Aufdeckungen zeitbedingter Meinungen und Einkleidungen kirchlicher Lehre oder seine Warnungen vor einem kirchlichen „Triumphalismus“, mit Argwohn beobachtet und mit partiellen Redeverboten, einer zeitweiligen römischen Vorzensur usw. bedacht. Auf der anderen Seite wurde bald allseits anerkannt, daß in den Jahren zwischen 1954 und 1962 Rahner der deutschsprachigen Theologie Weltgeltung und dem religiös-theologischen Bereich internationale Aufmerksamkeit verschafft hatte.
Seine Lauterkeit, seine eindringliche Argumentationskraft, verbunden mit einer souveränen Beherrschung der lateinischen Sprache, und seine überragenden Traditionskenntnisse ließen ihn zum einflußreichen Theologen des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) werden. In der Fachliteratur wurde festgestellt, daß 13 der 16 Konzilsdokumente die Theologie Rahners erkennen lassen. Auf dem Konzil und in der unmittelbaren Nachkonzilszeit, noch bis zur Synode der Bistümer der Bundesrepublik (1971-1975) in Würzburg, war Rahner ein vielgesuchter Berater; die Kardinäle Döpfner, König und Volk, zeitweise auch Papst Paul VI., hörten auf ihn. In der gleichen Zeit kamen weitere Besonderheiten im Wirken Rahners zu öffentlicher Geltung. Seine Fähigkeit, Andersdenkende, ja sogar Nichtglaubende von innen her zu verstehen und sie positiv zu würdigen, ließen Rahner zu einem bedeutenden Mitträger, zum Teil Initiator, des Dialogs von Kirche und „Welt“ werden. Daß er eine gewichtige Stimme im ökumenischen Gespräch hatte – bis an sein Lebensende trat er mit kühnen praktischen Vorschlägen zur Kircheneinigung hervor, die von amtlichen Kreisen nicht aufgenommen wurden und bis heute wegweisend sind –, versteht sich fast von selbst. Er förderte aber auch das Verständnis der unterschiedlichen Methoden und Arbeitsbereiche von Theologie und Naturwissenschaften. Seine Beteiligung am christlich-marxistischen Dialog führte dazu, daß ihm und durch ihn in dem Bereich des Religiösen bis weit in den damaligen Ostblock hinein Aufmerksamkeit und Respekt gezollt wurden. Rahner war eine in der Kirche zutiefst verwurzelte, ihr loyal ergebene, aber selbständig kritische Persönlichkeit, und auch politisch meldete er sich gegen vorherrschende Meinungen zu Wort.
Rahner war ein unermüdlicher Wissenschaftsorganisator. Er gehörte zu den Gründern der internationalen theologischen Zeitschrift „Concilium“, er war Mitherausgeber und gewichtiger Autor bei dem hochangesehenen 14bändigen „Lexikon für Theologie und Kirche“, bei der Reihe „Quaestiones disputatae“, die bei seinem Tod 101 Bände zählte, des 5bändigen „Handbuchs der Pastoraltheologie“, des 4bändigen praktisch-theologischen Lexikons „Sacramentum Mundi“. Rückblickend wurde festgestellt, daß es kaum ein theologisches Fach gibt, in dem Rahner nicht anregend und bahnbrechend gewirkt hätte. Aus dem so gewachsenen Ansehen erklärt es sich, daß Rahner 1964 als einziger ernsthafter Kandidat für die Nachfolge R. Guardinis in München umworben und für die Professur für christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie gewonnen wurde. Rahners Eigenart unterschied ihn fundamental von Guardini, der als Ästhet und Interpret von Dichtungen unvergleichlich war. Rahners tiefgründige Reflexion, sein Beharren auf Einwänden und Schwierigkeiten, seine Konzentration auf Wesentliches sprachen nicht den Hörerkreis Guardinis an. In München entstand Rahners kondensierte Form seiner Zugänge zum Wesen des Christentums, die später als „Grundkurs des Glaubens“ (1976) erschien. 1967 zog er es vor, zu seinem Fach Dogmatik zurückzukehren und einen Ruf nach Münster anzunehmen.
Mit dem 60. Geburtstag hob eine Reihe großer öffentlicher Ehrungen Rahners an, die seine Wertschätzung im In- und Ausland, bei Theologen und Nichttheologen zeigten. Neben zahlreichen Ehrendoktoraten ist vor allem seine Aufnahme in den Kreis der wissenschaftlichen und künstlerischen Prominenz, die Ordensgemeinschaft „Pour le Mérite“, in der Bundesrepublik zu nennen. Auf zahlreichen Symposien und mit großen Festschriften wurde Rahner geehrt; sein Einfluß im Ausland zeigte sich, zum Teil bis in die Gegenwart anhaltend, in Lateinamerika und den USA, aber auch in so unterschiedlichen europäischen Ländern wie Spanien und Ungarn.
Die Sprache Rahners galt bei manchen als vertrackt, nicht ganz zu Unrecht. In früheren Jahren war der sprachliche Duktus Heideggers nicht zu überhören. Die Absicherung gegen kirchliche Verdächtigungen führte zu zahlreichen Einschüben und Nebensätzen. Beim späteren Rahner ist die Sprache erkennbar einfacher und griffiger, ohne daß sie ihr Eigenprofil verloren hätte. Das Einmalige und Unverwechselbare dieser Sprache wurde durch den „Sigmund-Freud-Preis“ für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung anerkannt, der vorher und nachher keinem anderen Theologen zuteil wurde.
Über dem wissenschaftlichen Autor Rahner darf jedoch der religiöse Schriftsteller nicht übersehen werden. Seine Theologie hatte nicht nur eine ständige seelsorgerliche Motivation, sondern auch einen grundsätzlich anti-elitären Zug. Er wollte dem einfachen Menschen „auf der Straße“, „im D-Zug“ Ermutigung zum Leben und Glauben, Halt und Trost vermitteln, wo immer er konnte. Darum verfaßte er auch Meditations- und Gebetbücher in jener eigentümlichen Sprache, die sich die Nöte und Fragen der Zuhörer zu eigen macht, die den Verstand nicht scheut, aber auch Herz und Gefühl sprechen läßt. Unter den mehr als 4000 Titeln seiner Bibliographie sind zahlreiche Taschenbücher, mit denen er eine Auflage von 1 Million überschritt. Das „Kleine theologische Wörterbuch“ (zusammen mit H. Vorgrimler) kam auf 18 Auflagen und wurde in 7 Sprachen auch im Ausland verbreitet. Rahner war überdies in seiner Zeit der am meisten gesuchte theologische Partner der Medien. Das Fernsehen und viele Zeitschriften- und Zeitungsinterviews förderten seine Popularität. Für intensivere Zugänge zu seiner Persönlichkeit, seinen Motivationen und seinem Werk sind die 3 Bände Interviews mit ihm (hg. von P. Imhof und H. Biallowons 1982-1986) unentbehrlich. Bei allem Ruhm blieb Rahner immer der bescheidene, gütige und natürliche Ordensmann, dem Frömmelei ebenso zuwider war wie eitles Getue.
Im letzten Jahrzehnt seines Lebens war Rahner vermehrter Kritik ausgesetzt. Auf der einen Seite „fortschrittlicher“ Theologen nannte man sein Denken „weit- und geschichtslos“, „idealistisch“, zu wenig konkret. In Traditionalistenkreisen wurde er wegen vermeintlicher einseitiger Verkürzungen des Glaubens als Irrlehrer diffamiert. Römische Theologen wie J. Ratzinger oder H. U. von Balthasar hielten seine Sicht der Welt und des Menschen für zu optimistisch; sie vermißten bei ihm eine breitere Thematisierung der Sünde, des Bösen und des Kreuzes. Viele Vorwürfe beruhen, wie die Fachdiskussion gezeigt hat, auf einer nur oberflächlichen Lektüre Rahners.
Die Wertschätzung Rahners in einer breiteren Öffentlichkeit zeigte sich nach seinem Tod. In Innsbruck, München, Freiburg und Köln wurden Straßen, Plätze und Akademien nach ihm benannt. In der theologischen Fachwelt hält das Interesse an ihm unvermindert an. Mehrere Dutzend Dissertationen sind ausschließlich dem Werk Rahners gewidmet; in unzähligen anderen gelten ihm wenigstens einzelne Kapitel; auch die Sekundärliteratur ist kaum mehr überschaubar. Dem Weiterwirken seiner Impulse dienen ein 1984 gestifteter Karl-Rahner-Preis zur Förderung des theologischen Nachwuchses sowie die Arbeit des von den Innsbrucker Jesuiten betreuten Karl-Rahner-Archivs.
Werke: Gesamtschriftenverzeichnis in den Festschriften Gott in Welt, 2 Bde., hg. von J. B. Metz, W. Kern, A. Darlapp, H. Vorgrimler 1964; Wagnis Theologie, hg. von H. Vorgrimler 1979; Glaube im Prozeß, hg. von E. Klinger und K. Wittstadt 1984 sowie für 1969-1974 separat hg. von R. Bleistein 1974. Eine neue Bibliographie ist im Karl-Rahner-Archiv in Arbeit.
Nachweis: Bildnachweise: Karl Rahner – Bilder eines Lebens, hg. von P. Imhof und H. Biallowons 1985; K. Rahner, Sehnsucht nach dem geheimnisvollen Gott (siehe oben) sowie im Karl-Rahner-Archiv. – Bronzebüste von Thomas Wimmer im Verlagshaus Herder in Freiburg i.Br.

Literatur: K. P. Fischer, Der Mensch als Geheimnis. Die Anthropologie Karl Rahners 1974; H. Vorgrimler, Karl Rahner verstehen, 2. Aufl. 1988; R. Miggelbrink, Ekstatische Gottesliebe im tätigen Weltbezug. Der Beitrag Karl Rahners zur zeitgenössischen Gotteslehre 1989; K. Rahner, Sehnsucht nach dem geheimnisvollen Gott, hg. von H. Vorgrimler (1990); „Gemeinsame Arbeit in brüderlicher Liebe“. Hugo und Karl Rahner. Dokumente und Würdigung ihrer Weggemeinschaft, hg. von A. P. Kustermann und K. H. Neufeld 1993. – Weitere Beiträge: LbBW 6 Nr. 16848-16873, 9 Nr. 7583-7587, 10 Nr. 6996-6999.
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