Rosenkranz, Gerhard 

Geburtsdatum/-ort: 29.04.1896; Braunschweig
Sterbedatum/-ort: 19.05.1983;  Calw
Beruf/Funktion:
  • Missions- und Religionswissenschaftler
Kurzbiografie: Schulzeit in Braunschweig
1914-1915 Kriegsdienst, verwundet
1915 Sommersemester Studium der Theologie in Marburg, ab Oktober erneut Kriegsdienst und erneute schwere Verwundung
1919-1920 Fortsetzung des Studiums und 1. theologisches Examen
1921 kurzes Vikariat bei dem späteren Propst Heinrich Grüber in Dortmund-Brackel, danach 2. theologisches Examen
1922-1931 Pfarrdienst im Ruhrgebiet und in Berlin
1931-1948 Inspektor, später Direktor der Deutschen Ostasien-Mission
1935 Dr. theol.
1941 Dr. habil. Heidelberg
1947 außerplanmäßiger Professor für Missions- und Religionswissenschaft in Heidelberg
1948 ordentlicher Professor Tübingen
1949 Ehrendoktor der Universität Heidelberg
1957-1958 Rektor der Universität Tübingen
1966 Emeritierung, Großes Bundesverdienstkreuz
Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch
Verheiratet: 1922 Braunschweig, Hildegard, geb. Schütte
Eltern: Vater: Richard Rosenkranz, Organist und Lehrer
Mutter: Elisabeth, geb. Claus
Geschwister: Margarethe, Hildegard, Walter
Kinder: Wiltraud, Dietmar, Dankward
GND-ID: GND/118749803

Biografie: Peter Beyerhaus (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 1, 304-305

Rosenkranz kehrte als Schwerverwundeter aus dem Ersten Weltkrieg heim und immatrikulierte sich nach seiner Genesung 1919 in Marburg für das Studium der Theologie. Die Begegnung mit dem Religionswissenschaftler Rudolf Otto gab hier seinem Leben eine entscheidende Weichenstellung. Nach 10-jährigem Pfarrdienst wurde er 1931 in die Leitung der deutschen Ostasien-Mission berufen. Deren spezifisches Anliegen, sich im geistigen Eingehen besonders um die gebildeten Anhänger der Hochreligionen zu bemühen, bestimmte seither sein Forschungsprogramm und schlug sich in zahlreichen Veröffentlichungen nieder, angefangen mit seiner Dissertation „Der Heilige in den chinesischen Klassikern“ 1935. Grundlegend für seine späteren Werke wurde eine ausgedehnte Studien- und Visitationsreise 1938 durch Japan, Korea, die Mandschurei und China, wo ihn Begegnungen mit Priestern, Mönchen und Gelehrten in Tempeln und Klöstern des Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus in die Praxis des interreligiösen Dialogs einführten. Trotz seiner Habilitation 1941 wurde ihm aus politischen Gründen – schon 1939 war ihm zeitweilig ein reichsweites Redeverbot auferlegt worden – die Dozentur verweigert und erst nach dem Kriege übertragen. Durch seine Berufung als Ordinarius an die Evangelisch-Theologische Fakultät Tübingen wurde dort 1948 der erste bundesdeutsche Lehrstuhl für Missionswissenschaft begründet, den er 18 Jahre lang innehatte. Hier trat zu seinen bisherigen religions- und missionswissenschaftlichen Themenkreisen noch das Gebiet der Ökumenik hinzu. Für die Erforschung aller dieser Bereiche baute er seit 1956 das Institut für Missionswissenschaft und Ökumenische Theologie an der Universität Tübingen auf. Als Nestor der evangelischen Missions- und Religionswissenschaft nahm er 1952-1966 den Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für Missionswissenschaft wahr, arbeitete im Deutschen Evangelischen Missionsrat und in anderen kirchlich-missionarischen Leitungsgremien mit. Neben seiner reichen literarischen Produktivität entfaltete er eine ausgedehnte Predigt- und Vortragstätigkeit.
Den geistigen Ertrag der theologischen Bemühungen Rosenkranz’ wird man in seiner Verwirklichung einer zuvor erst programmatisch geforderten Aufgabe der Missionswissenschaft suchen dürfen, nämlich in dem Entwurf und ständigen Verfolgen einer „Evangelischen Religionskunde“. Auf die in unserem Zeitalter immer dringlicher werdende Frage nach der inneren Beziehung zwischen den großen Religionen und dem Christentum hat Rosenkranz eine konsequente, biblisch-reformatorisch begründete Antwort gegeben, insbesondere in seiner 1951 erschienenen „Evangelischen Religionskunde“ sowie in seinem wohl wichtigsten Buch zum Thema: „Der christliche Glaube angesichts der Weltreligionen“ 1967. In Konfrontation mit zeitgenössischen synkretistischen Tendenzen nicht nur in der empirischen Begegnung der Religionen, sondern auch in ihrer theologischen Behandlung seit der 3. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Neu-Delhi 1961 hat er – in Weiterführung von Gedanken seines Lehrers R. Otto – herausgestellt, daß es sich nicht nur vom Wesen der christlichen Botschaft vom alleinigen Heil in Christus, sondern auch von einer ihre jeweilige Lebensmitte erfassenden Kenntnis der nicht-christlichen Religionen her verbietet, sie als Teilaspekte der einen Offenbarung zur Synthese einer universalen Menschheitsreligion zu verbinden. Wohl aber manifestiert sich im Erlösungsstreben der Religionen eine innere Elendssituation des Menschen, die im Evangelium ihre gültige Antwort findet.
Werke: Der Weg der Götter (Shintô) 1944; Evangelische Religionskunde 1951; Der Weg des Buddha 1960; Religionswissenschaft und Theologie. Aufsätze zur evangelischen Religionskunde 1964; Der christliche Glaube angesichts der Weltreligionen 1967; Die christliche Mission. Geschichte und Theologie 1977
Nachweis: Bildnachweise: Ölgemälde im Kleinen Senat der Universität Tübingen

Literatur: Festschrift Confrontationes, hg. von Th. Müller-Krüger (Sondernummer der Evangelischen Missions-Zeitschrift 2/1966 zum 70. Geburtstag). Darin „Bibliographie Gerhard Rosenkranz 1930-1965; P. Beyerhaus, Theologisches Verstehen nicht-christlicher Religionen: Gerhard Rosenkranz (1969-1983) zum Gedenken. Akademischer Vortrag anläßlich der Gedenkfeier am 25. Mai 1988 in der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, in: Kerygma und Dogma 35 (1989), 106-127
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