Dornier, Claude Honoré Désiré 

Geburtsdatum/-ort: 14.05.1884; Kempten/Allgäu
Sterbedatum/-ort: 05.12.1969; Zug/Schweiz
Beruf/Funktion:
  • Flugzeugkonstrukteur und Unternehmer
Kurzbiografie: 1904-1907 Studium Maschinenbau an der TH München mit abschließendem Diplomexamen als Maschinenbauer
1907-1909 Statiker bei süddeutschen Stahlbaufirmen
1910 Eintritt in die Luftschiffbau Zeppelin GmbH Friedrichshafen (bis 1932) als Versuchsingenieur
1913 Einrichtung der eigenen Abteilung „DO“ bei der Luftschiffbau Zeppelin GmbH
1915 Stapellauf des ersten Riesenflugbootes Rs I
1917 Gründung der Zeppelin-Werk Lindau GmbH mit Dornier als Geschäftsführer
1922 Einrichtung einer Flugwerft in Marina di Pisa/Italien; Baubeginn der Dornier-„Wale“
1924 Ehrendoktor der TH Stuttgart
1929 Aufstieg des Riesenflugbootes DO X
1931 Ehrensenator der TH München
1933 Inhaber Dornier Werke GmbH, Friedrichshafen
1934 Ehrenbürger von Friedrichshafen
1938 Lilienthal-Gedenkmünze
1942 Ernennung zum Professor durch A. Hitler
1956 Aufstieg Kurzstartflugzeug DO 27; Goldene Ehrennadel des VDI
1959 Großes Bundesverdienstkreuz
1961 Goldene Rudolf-Diesel Medaille
1964 Stern zum Großen Verdienstkreuz
1967 Aufstieg des ersten Senkrechtstarters der Welt DO 31
1969 Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
Weitere Angaben zur Person: Religion: römisch-katholisch
Verheiratet: 1. 1913 Olga, geb. Kramer (gest. 1918)
2. 1926 Anna, geb. Selinka (gest. 1984)
Eltern: Dauphin (Villard de Lans, Département Isère/Frankreich, geb. 1845), Weinhändler
Mathilde Buck (Kempten) (geb. 1854)
Kinder: aus 1. Ehe Claudius (geb. 1914), Peter (geb. 1917)
aus 2. Ehe Silvius (geb. 1927), Prosper (1928-1935), Justus (geb. 1936), Donatus (1936-1971), Christoph (geb. 1938), Dorothea (geb. 1933)
GND-ID: GND/118912550

Biografie: Joachim Schaier (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 3, 42-44

Dornier, der mehr als 50 Flugzeugmuster selbst konstruierte oder deren Konstruktion maßgeblich beeinflußte, zählt zu den bedeutendsten Flugzeugpionieren. Er gab der Ganzmetall-Bauweise entscheidende Impulse, die die übliche Verwendung von Holz schrittweise ablöste.
Sein technisches Interesse erwuchs bereits in Jugendjahren, als er mit Vorliebe Wasserräder baute. Mentor in dieser Zeit war ihm der Großvater mütterlicherseits, Josef Bück, der eine künstlerische Ader besaß, seinem Enkel das Zeichnen lehrte und ihn schließlich zum Ingenieur-Studium führte.
Eigentlich wollte Dornier Architekt werden, doch entschied er sich für den Maschinenbau, den er von 1904 bis 1907 an der Königlich-Bayerischen Technischen Hochschule München studierte. Im Jahr seiner Diplomierung lieferte Dornier seine erste Konstruktionsaufgabe ab, die allerdings den künftigen Flugzeugkonstrukteur noch nicht erahnen ließ. Er entwarf nämlich eine geräuscharme Transportvorrichtung für Särge im Krematorium. Im folgenden Jahr entstand dann sein erster Entwurf einer Flugmaschine mit beweglichen Tandemflächen und einem 4-PS-Motor. Doch führte ihn 1907 die Notwendigkeit des Geldverdienens zunächst in die Maschinenfabrik Nagel nach Karlsruhe. Anschließend wechselte er 1909 zur Firma Luig nach Illingen/Württemberg. Dort berechnete er als Statiker Brückenkonstruktionen. Die nächste Station war das Eisenwerk Kaiserslautern. Kaum aber hatte seine berufliche Laufbahn begonnen, mußte er sie unterbrechen, als die väterliche Weinhandlung bankrott ging und der Vater starb. Nun galt es, die Familienmitglieder mit den sechs Geschwistern zu versorgen.
Ein entscheidender Glücksfall ereignete sich, als Dornier 1910 in die Versuchsanstalt der Luftschiffbau Zeppelin GmbH in Friedrichshafen eintrat. Das war der Beginn seiner eigentlichen Bestimmung für die Luftfahrt. Er befaßte sich mit aerodynamischen Berechnungen für Ganzmetall-Luftschiffe. 1911 begann er seine grundlegenden Untersuchungen über die Festigkeit von Metallprofilen. 1912 war wieder ein wichtiges Jahr, als Dornier den Ersten Preis im Wettbewerb um die Konstruktion einer drehbaren Luftschiffhalle gewann. Das Preisgeld betrug stattliche 80.000 Goldmark. Ein Jahr darauf durfte Dornier seine eigene und später berühmte Versuchsabteilung einrichten. Die Beschäftigung mit Starrluftschiffen brachte Dornier grundlegende Erkenntnisse für den Flugzeugbau, die er auf der Pariser Luftfahrt-Ausstellung 1913 vertiefte. Das Flugwesen steckte ja noch in den Kinderschuhen. Als Metallbauer interessierte ihn dort besonders Gustav Eiffel. Den Einstieg in den Bau von Flugbooten in Ganzmetall-Bauweise, die Dornier berühmt machen sollte, vollführte er 1914. Das erste Dornier-Riesenflugboot Rs I war 1915 flugfähig. Neben der praktischen Konstruktionsarbeit erforschte Dornier die Grundlagen für seine Flugboote. Er führte dazu in Berlin-Charlottenburg hydrodynamische Versuche durch und stand mit dem Nestor der Strömungsforschung Professor Ludwig Prandtl im Austausch. Dornier beschränkte sich nicht auf Flugboote, sondern stellte 1918 einen Militär-Doppeldecker DI vor. Bei diesem Landflugzeug erstreckte sich die Metall-Schalenbauweise auch auf die Tragflügel. Dabei wählte Dornier im Unterschied zu Hugo Junkers Glattblech.
1917 hatte Dornier seine Karriere als Firmenleiter begonnen, als er die Zeppelinwerke Lindau GmbH gründete. Firmenstrategie wurde seit 1924 der Verkauf von Patentrechten und Lizenzen.
Der Versailler Vertrag verbot Deutschland für viele Jahre die Produktion von Flugzeugen, weshalb sich Dornier zunächst auf den Bau von Metallschwimmern beschränkte und schließlich ins Ausland auswich. So erwarb er 1922 im italienischen Marina di Pisa ein Werftgelände, auf dem er die weltberühmten Dornier-“Wale“ baute. Diese Flugboote mit den typischen Stabilisierungsflossen und der Tandem-Motorgondel schrieben Luftfahrtgeschichte. Mit ihnen unternahmen namhafte Piloten zahlreiche spektakuläre Rekordflüge. Die Epoche der Großraumflugzeuge im Atlantikdienst leitete das Riesenflugboot DO X ein, das 1929 abhob. In den 1930er Jahren entstanden weitere Typen, deren Krönung die DO 18 von 1934 für den Transportdienst darstellte. Neben Flugbooten baute Dornier in den 1920er Jahren weiter landgestützte Passagierflugzeuge. 1932 kaufte Dornier die Geschäftsanteile der Dornier-Metallbauten GmbH. Die Dornier-Werke entwickelten sich später zu einem Konzern, zu dem neun Fabriken zwischen Friedrichshafen und Wismar zählten. Dort fanden 20 000 Menschen Arbeit. Für seine Mitarbeiter in Manzell/Bodensee ließ er 1934 die „Dornier-Siedlung“ bauen.
Während der NS-Diktatur war Dornier mit seinen Werken im Rüstungsprogramm der Luftwaffe eingebunden. Er war Wehrwirtschaftsführer und seit 1940 Mitglied der NSDAP. Die DO 23 gehörte zu den ersten Standardflugzeugen der Luftwaffe. Es folgten Bomber, Aufklärer und Jäger wie die DO 17 „Fliegender Bleistift“, die in Großserien gebaut wurden. Höhepunkt war der Jäger DO 335 von 1943 mit Zug- und Druckschraube am Rumpfbug und -heck. Es handelte sich um das schnellste Kolbenmotorflugzeug der Welt, das eine Höchstgeschwindigkeit von 732 km/h erreichte.
Nach Kriegsende wurde Dornier zusammen mit seinem Sohn Peter und zwei Direktoren zeitweise in Frankreich interniert. Die Luftschiffbau Zeppelin GmbH und die Dornier Werke GmbH in Friedrichshafen wurden 1948 aufgelöst.
Ähnlich wie beim Ausgang des I. Weltkrieges durften in Deutschland erst wieder 1955 Flugzeuge gebaut werden, weshalb Dornier auf eine ganz andere Produktschiene auswich und 1950 in der neuen Lindauer Dornier Gesellschaft mbH Webautomaten herstellte. Die Firma unter Leitung von Sohn Peter stieg bald zum größten Hersteller in Deutschland auf. Die Entwicklung von Flugzeugen ging parallel allerdings im Ausland weiter. Dornier selber siedelte nach Zug/Schweiz über. Sein Sohn Claudius gründete 1951 in Madrid ein Unternehmen, das ein Kurzstartflugzeug entwickelte, das 1956 als DO 27 ausgeliefert wurde. Es handelt sich um die erste deutsche Eigenentwicklung ohne Inanspruchnahme von Lizenzen nach dem Krieg. Die Reihe von Kurzstartflugzeugen wurde in den 1960er Jahren fortgesetzt.
Technisches Neuland betraten die Dornier-Werke mit dem ersten senkrecht startendem Düsenflugzeug der Welt DO 31, das 1967 erstmals aufstieg. Ein Exemplar wird als technisches Denkmal im Deutschen Museum München aufbewahrt. Bereits 1962 stellten die Dornier-Werke eine Verbindung auch zur Weltraumfahrt her, indem die System GmbH für Raumfahrt, Elektronik und Neue Technologien gegründet wurde. Die Leitung hatte Sohn Donatus inne. Mit Dornier starb 1969 einer der bedeutendsten Flugzeugpioniere, der die Luftfahrt mit seiner Forschung und seinen zukunftsweisenden Konstruktionsideen wesentlich prägte. Merkmale seiner Flugzeuge waren: Schalenbauweise mit Blechen und Profilen aus Duraluminium, Flossenstummel und Tandemmotor.
Seinen Zeitgenossen erschien Dornier als „stiller, ernster Mann, unermüdlich in seiner Arbeit“. Er bestach durch sein bescheidenes und zurückhaltendes Auftreten. In seinen wenigen Mußestunden widmete er sich der Kunst und sammelte vorzugsweise chinesische Bronzen. Seine Grabstätte befindet sich in Friedrichshafen.
Quellen: Daimler-Aerospace Dornier GmbH, Friedrichshafen; Deutsches Museum München; Dornier-Museum im Schloß Meersburg; Privatarchiv der Familie Dornier
Werke: zusammen mit A. von Soden, Die Ermittlung der momentanen Eigengeschwindigkeiten von Luftfahrzeugen mit Hilfe der Pitotschen Röhre – Die Bestimmung des Schiffswiderstandes durch den Fahrtversuch, in: Zeitschrift für Flugtechnik und Motorluftschiffahrt, Jg. 1911, H. 19 und 20; Beitrag zur Berechnung der Luftschrauben unter Zugrundelegung der Rateauschen Theorie, 1912; Beitrag zur Kenntnis der Leistung, Bewertung und Entwicklungsmöglichkeit starrer Luftschiffe, insbesondere Zeppelinscher Bauart, in: Jahrbuch der Schiffbautechnischen Gesellschaft, Jg. 1915; Derzeitiger Stand der Entwicklung von Langstrecken-Seeflugzeugen, in: VDI-Zeitschrift Bd. 83, Jg. 1939, Nr. 1
Nachweis: Bildnachweise: wie Quellen

Literatur: Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft, Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild, Bd. 1, hg. von der Deutschen Wirtschaftsverlag AG, 1930, 341; Hundert Jahre Claude Dornier: Metallflugzeugbau 1914-1969, hg. vom Städtischen Bodenseemuseum Friedrichshafen, 1984; Dornier Post/Sonderausgabe, 1984; Festschrift zur akademischen Vortragsveranstaltung der Fakultät für Maschinenwesen, Institut für Luft- und Raumfahrt an der TU München am 24. Oktober 1984, hg. von V. R. J. Meyer-Jens, 1984; Christian Zentner/Friedemann Bedürftig (Hg.), Das Große Lexikon des Dritten Reiches, 1985, 132; Heinz Michaelis, Die Dorniers, in: ZEIT magazin Jg. 1985, Nrn. 21-23; Dornier, Die Chronik des ältesten deutschen Flugzeugwerks, 1985; Andreas Hacker, Claude Dornier, der Pionier des Großraumflugzeugbaus, in: Schwäbische Tüftler und Erfinder, 1986, 136-144; Joachim Wachtel, Claude Dornier. Ein Leben für die Luftfahrt, 1989
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