Siffling, Otto 

Geburtsdatum/-ort: 03.08.1912;  Mannheim
Sterbedatum/-ort: 20.10.1939;  Mannheim
Beruf/Funktion:
  • Fußballnationalspieler
Kurzbiografie: 1919–1927 Waldhofschule (Volksschule)
1926 Eintritt im Sportverein Waldhof 07, SVW
1927–1930 Lehre als Modellschreiner
1930 Spieler in d. 1. Mannschaft des SVW
1934–1939 Mitglied d. dt. Fußballnationalmannschaft
1934–1937 Arbeiter bei d. Stadtverwaltung Mannheim
1937 Prüfung als Handelskaufmann, Inhaber eines Tabakwarengeschäfts
1977 Umbenennung d. Kornstraße in MA-Waldhof, Sifflings Wohnort, in „Otto-Siffling-Straße“
Weitere Angaben zur Person: Religion: ev.
Verheiratet: unverheiratet
Eltern: Vater: Jakob (1885–1957), Eisendreher
Mutter: Anna, geb. Engelhart (1890–1972)
Geschwister: 4; Heinrich (* 1914), Sofi Rosa (* 1916), Oskar (* 1919), Irma Anna (* 1929)
Kinder: keine
GND-ID: GND/122008480

Biografie: Karl-Heinz Schwarz-Pich (Autor)
Aus: Badische Biographien. Neue Folge 6, S. 376-377

Sifflings Karriere als Fußballspieler begann in der Schülermannschaft des 1907 gegründeten Mannheimer Traditionsvereins SV Waldhof. Bereits mit 18 Jahren spielte er in dessen 1. Mannschaft, die damals der höchsten deutschen Spielklasse angehörte. Siffling wurde mit der für alle Waldhofmannschaften seinerzeit typischen Spielweise, die aus einem perfekten Flachpassspiel auf hohem technischem Niveau bestand, zum Inbegriff der „Waldhofschule“; dieser Begriff war zu Anfang der 1920er Jahre von der Presse geprägt worden. Siffling spielte meist auf der Mittelstürmer- oder Halbstürmerposition, nach der Umstellung auf das sog. WM-System Mitte der 1930er Jahre auch als Mittelläufer bzw. Vorstopper. Er wirkte nicht nur als Inspirator und Lenker des Waldhofspiels, auch als Torschütze war er erfolgreich. Für den SVW erzielte er in Punkt- und Pokalspielen zwischen 1930 und 1939 132 Tore. Sein Spiel war „körperlos“, elegant, technisch perfekt und aufgrund seiner außergewöhnlichen Spielintelligenz für die Gegner unberechenbar.
1934, ein Jahr nach der NS-„Machtübernahme“ also, wurde Siffling von Reichstrainer Otto Nerz (➝ V 213) nach Seppl Herberger (BWB III 128), dem späteren Bundestrainer, als zweiter Waldhofspieler in die Nationalmannschaft berufen. Sein erstes Nationalspiel bestritt er bei der Weltmeisterschaft in Italien am 27. Mai 1934 in Florenz. In einem Gruppenspiel gegen Belgien, das anfangs mit 2:1 in Führung lag, erzielte Siffling das psychologisch entscheidende Ausgleichstor. Mit seinem ersten Treffer für die Nationalelf leitete er die Wende zum 5:2 Sieg Deutschlands ein.
Nach den Olympischen Spielen von 1936 wurde Siffling wie die anderen Teilnehmer aus Mannheim auch zum Parteimitglied der NSDAP erklärt, was als eine besondere Ehrung zu verstehen ist. Dennoch, Siffling ließ sich vom System nicht vereinnahmen, sondern entzog sich ihm zum Teil auf schon provokante Weise: So erschien er nach Beendigung der Olympischen Spiele von 1936 nachweislich nicht beim offiziellen Empfang der Stadt Mannheim für ihre Olympiateilnehmer, sondern reiste statt dessen nach Zell am Harmersbach in den Schwarzwald.
Insgesamt spielte Siffling bei 32 Länderspielen. Er schoss 17 Tore. Den Höhepunkt seiner Karriere hatte er bereits mit 25 Jahren erreicht. Am 17. Mai 1937 schlug die deutsche Nationalmannschaft in einem Länderspiel in Breslau Dänemark mit 8: 0 Toren; Siffling schoss fünf Tore hintereinander. Dieses Spiel ging als Inbegriff des modernen Fußballs in die deutsche Fußballgeschichte ein, auch wenn es von der NS-Propaganda instrumentalisiert sportlich überbewertet wurde. Im Spiel gegen Norwegen am 24. Oktober des gleichen Jahres in Berlin siegte Deutschland mit 3: 0, Siffling schoss alle drei Tore, und gegen Schweden am 21. November in Hamburg, ein 5:2 Sieg für Deutschland, war er zweimal als Torschütze erfolgreich.
Ende 1937 zeigten sich bei Siffling bereits erste Krankheitssymptome. Sein Spiel wurde immer schwächer, trotz seiner Jugend schritt der körperliche Verfall unübersehbar fort. Siffling litt an einer Lungenkrankheit, vermutlich Tuberkulose, die er jedoch zwei Jahre lang nicht behandeln ließ. Erst eine Woche vor seinem Tod begab er sich in ärztliche Behandlung und wurde sogleich ins Diakonissenkrankenhaus eingewiesen, wo er eine Woche später starb.
Viele deutsche Zeitungen veröffentlichten Nachrufe, darunter auch das damals führende Fußballmagazin „Der Kicker“ sowie die „Neue Mannheimer Zeitung“. Der SVW widmete ihm Ende Oktober eine Extraausgabe seiner Mitteilungsblätter. Bei allen Nachrufen spürt man die tiefe Betroffenheit über den Tod eines jungen Mannes im besten Sportleralter. Siffling wird als Persönlichkeit gewürdigt. Er sei trotz der großen Erfolge und der Bewunderung, die ihm zuteil wurde, bescheiden geblieben. Unter großer Anteilnahme der Mannheimer Bevölkerung wurde Siffling drei Tage nach seinem Tod auf dem Friedhof in Mannheim-Käfertal beigesetzt. Das Grab existiert nicht mehr.
Sein letztes Spiel in der Nationalelf hatte Siffling am 24. Mai 1938 bestritten. Deutschland spielte in Frankfurt am Main gegen Portugal 1:1 unentschieden. Dabei schoss Siffling sein letztes Tor für Deutschland.
Quellen: Nachlass Otto Siffling im Besitz d. Schwägerin Ilse Siffling, Mannheim; Nachlass Otto Nerz im Besitz des Sohnes Robert, Berlin; A des DFB, Frankfurt am M., Nachlass Seppl Herberger, Allgemeine Sportzeitung (ASZ), Jgge. 1926–1939: A des Südwestdeutschen Fußballverbandes, Edenkoben.
Nachweis: Bildnachweise: Karl-Heinz Schwarz-Pich (vgl. Literatur).

Literatur: Nachrufe u. a. in: Neue Mannheimer Zeitung vom 23.10.1939 u. Mitteilungsbll. des SVW Mannheim, Sondernummer vom 31.10.1939; Karl-Heinz Schwarz-Pich, Otto Siffling, d. SVW u. die dt. Fußballnationalmannschaft im Dritten Reich, 1999 (125 S.).
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