Brenzinger, Heinrich 

Geburtsdatum/-ort: 20.06.1879;  Freiburg
Sterbedatum/-ort: 23.11.1960;  Freiburg
Beruf/Funktion:
  • Ingenieur und Bauunternehmer
Kurzbiografie: 1886-1890 Volksschule in Freiburg
1890-1896 Großherzogliche Realschule, später Oberrealschule (Rotteck), in Freiburg (1895 „Einjähriges“, 1896 „Primareife“)
1896-1897 Lehre in einem Architekturbüro
1897-1901 TH Karlsruhe, Architekturstudium
1901-1902 Volontariat bei der AG für Beton- und Monierbau Berlin
1902-1903 Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger im 5. Badischen Feldartillerie Regiment Nr. 76, Qualifikation zum Reserveoffizier
1903-1904 erneut bei Beton- und Monierbau in Berlin
1905 Eintritt in die väterliche Firma in Freiburg
1913-1942 Mitglied des Beirats der IHK Freiburg, 1930-1933 deren stellvertretender Präsident, 1942 politisch bedingter Austritt aus der Kammer
1914-1918 Kriegsteilnehmer als Oberleutnant, später Hauptmann der Reserve
1926 Ehrendoktor der TH Karlsruhe
1951 Kommerzienrat, ernannt durch die badische Staatsregierung
1952-1959 Ehrensenator der Universität Freiburg, Bundesverdienstkreuz und zahlreiche Ehrenmitgliedschaften in bautechnischen Organisationen und kulturellen Vereinigungen, Ehrenbürger der Stadt Freiburg
Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch
Verheiratet: 1905 Annemarie, geb. Ganz
Eltern: Vater: Julius Brenzinger, Zementwarenfabrikant und Bauunternehmer
Mutter: Anna, geb. Jantzen
Geschwister: 1 Schwester
1 Bruder
Kinder: 1 Sohn (gest. 1924)
1 Tochter
GND-ID: GND/123882427

Biografie: Renate Liessem-Breinlinger (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 1, 44-45

Über Brenzinger wurde schon zu Lebzeiten viel geschrieben, meist im Sinn einer Laudatio. Er war eine Gestalt, die über Jahrzehnte hinweg als Vorbild verstanden wurde in Familie, Beruf und im öffentlichen Leben: voller Ideen, tatkräftig und erfolgreich. Als besonderes Charakteristikum fällt außerdem sein geradezu überhöhtes Pflichtgefühl auf, das er aus seiner Familientradition herleitete. Diese zu erforschen und gedruckt festzuhalten, war ihm ein lebenslanges Anliegen, wobei sein besonderes Augenmerk den künstlerisch und schöpferisch Tätigen in der Ahnenreihe galt, so dem Barockmaler Johann Caspar Brenzinger, der mit den Äbten Vogler und Schächtelin von St. Blasien verschwägert war. Einen ganz direkten Einfluß übte natürlich der Vater aus, ein gelernter Steinmetz und Bildhauer, vor allem aber ein realistischer Geschäftsmann, der 1872 die Gunst der Gründerjahre verstand und eine Zementwarenfabrikation mit Bauunternehmung begann. Durch die Firma des Vaters war dem Sohn das Architekturstudium vorgezeichnet. Er konnte dieser Erwartung entsprechen, indem er seine künstlerischen Ambitionen teils zurückstellte, teils einzubringen versuchte. Er strebte im Bauen zeitlebens Harmonie an von Werkstoff, Zweck und Form, von Bauwerk und Landschaft, artikulierte dies auch glaubwürdig, setzte aber gleichzeitig auf den technischen Fortschritt. Er hatte in Berlin den Eisenbetonbau studiert und diese auf den Franzosen Monier zurückgehende Technik schon vor dem Ersten Weltkrieg in der Praxis angewandt, zum Beispiel bei der Freiburger Ochsenbrücke 1913.
Harmonie und glückliche Fügungen herrschen in dieser Biographie vor: problemlose Schul- und Studienzeit, glückliches Familienleben in großbürgerlichem Rahmen, zeitlebens von einem geistig bereichernden Freundeskreis umgeben, souveränes berufliches Wirken als Eigentümer und Chef einer der führenden Baufirmen Südbadens, geschätzt von den Mitarbeitern dank seines natürlichen sozialen Empfindens und des Respekts vor der Leistung anderer. An der Seite von Diplomingenieur Ludwig Friedlaender, dem technischen Leiter der Firma, konnte er auch in der Zwischenkriegszeit bemerkenswerte Bauten errichten, 1930 einen über 50 m hohen Wasserturm für das Freiburger Klinikum. Dennoch fehlen die Schicksalsschläge nicht: 1924 verlor Brenzinger den einzigen Sohn durch einen Motorradunfall. Im Dritten Reich wurde er als Ehemann einer Jüdin Opfer von Schikane und offener Benachteiligung. Der Schwiegervater war ein angesehener Mainzer Bankier und Geschäftsmann, der Freiburg als Ruhesitz gewählt hatte. Die Repressalien wurden erst in den Kriegsjahren spürbar und bestanden in der Entziehung aller Staatsaufträge, nachdem die Firma 1938 noch am Bau des Westwalls mitgewirkt hatte. Die Arbeit Brenzingers als Vizepräsident der IHK Freiburg wurde zunehmend erschwert, bis er 1942 alle Ämter niederlegte und seinen Austritt erklärte. Private Bauherren und treue persönliche Freunde, zu denen der Landeskommissär Schwoerer (-->) zählte, halfen über diese Enttäuschungen hinweg, die für Brenzinger umso unfaßlicher sein mußten, als zu seiner Umgebung ausgesprochene Regimebefürworter gehörten wie der Maler Bühler, dessen Burg Sponeck von der Firma Brenzinger ausgebaut wurde. Als nach 1945 die Entnazifizierung in Gang kam, mußte sich Brenzinger gegen diejenigen verteidigen, die ihn dem braunen Lager zuordneten, ohne die oben geschilderten Tatsachen zur Kenntnis genommen zu haben. Brenzinger hatte jedoch neben der moralischen Integrität noch die Kraft, sein persönliches Ansehen und das der Firma in der Öffentlichkeit wiederherzustellen. So konnte er am Wiederaufbau des zerstörten Freiburg entscheidend mitwirken an der Seite des ihm persönlich verbundenen Rotarierfreundes Joseph Schlippe. Die Ehrungen, die sich in seinem letzten Lebensjahrzehnt geradezu häuften, wirken wie eine elitäre Form der Abbitte.
Werke: Hermann Eris Busse und Heinrich Brenzinger: Sponeck. Privatdruck, 1938; Das Geschlecht der Brenzinger, 1. Bd. Privatdruck, 1949
Nachweis: Bildnachweise: siehe Literatur und Firmenarchiv. Im Rathaus der Stadt Freiburg (Ehrenbürgergalerie) und in den Büroräumen der Firma Brenzinger je ein Porträt von Fritz Kaiser

Literatur: Die Bautechnik. Juni 1949, Heft 6, 186. Artikel zum 70. Geburtstag, ebd. Nr. 25, Juni 1954, 694. Artikel zum 75. Geburtstag (mit Bild), ebd. Nr. 49, Dez. 1960, 1161. Artikel zum Sterbetag (mit Bild)
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