Ramm, Eberhard 

Geburtsdatum/-ort: 14.04.1861;  Nippenburg (heute Teil der Gemeinde Schwieberdingen)
Sterbedatum/-ort: 10.07.1935; Berlin
Beruf/Funktion:
  • Agrarwissenschaftler, Staatssekretär
Kurzbiografie:

1879 – 1881 Studium der Land- und Forstwirtschaft in Halle an der Saale

1881 – 1883 Studium der Kameralistik in Tübingen

1885 Promotion zum Dr. rer. pol.

1884 – 1889 Gutverwalter in Westpreußen und Württemberg

1890 – 1900 Professor an der Landwirtschaftlichen Akademie Poppelsdorf bei Bonn

ab 1901 angestellt im preußischen Landwirtschaftsministerium

1901 – 1919 nebenamtlicher Administrator und Gutsverwalter der Domäne Dahlem (Berlin)

1905 Geheimer Regierungsrat

1908 Geheimer Oberregierungsrat

1919 – 1927 (Unter)Staatssekretär im preußischen Landwirtschaftsministerium

1927 Ruhestand

Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch
Auszeichnungen: Ehrungen: Dr.-agr. h. c. der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin (1927); Dr.-Ing. h. c. der TH Berlin (1927); Benennung eines Ortsteils der Gemeinde Wiesmoor in Niedersachsen nach Ramm (Rammsfehn) (1929).
Verheiratet:

1894 (Bonn) Mathilde, geb. Dieckerhoff (1868 – 1927)


Eltern:

Vater: Johann Friedrich (1822 – 1888), Volksschullehrer, Gutsverwalter, MwL/2K, Mitglied des Zollparlaments

Mutter: Pauline Wilhelmine, geb. Schäfer (1833 – 1913)


Geschwister:

zwei


Kinder:

keine

GND-ID: GND/125988745

Biografie: Steffen Kaiser (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 8 (2022), 306-308

Rammsfehn, ein Ortsteil der Gemeinde Wiesmoor in Niedersachsen, trägt noch heute seinen Namen. Ansonsten erinnert wenig an den ehemaligen Professor und Staatssekretär im preußischen Landwirtschaftsministerium.

Geboren und aufgewachsen war Ramm nahe Ludwigsburg auf den Gütern Nippenburg und Mauern, die sein Vater Johann verwaltete. Ramm studierte zunächst Land- und Forstwirtschaft in Halle, wechselte zum Wintersemester 1881/82 nach Tübingen und schloss dort ein Studium der Kameralistik an, das er im Sommersemester 1883 zum Abschluss brachte. Mit einer Arbeit über die Hagelversicherungsfrage in Württemberg wurde er schließlich bei Professor Gustav von Schönberg 1885 promoviert.

Ab dem Jahr 1884 war Ramm auch als Gutsverwalter tätig, zunächst in Westpreußen, später in Württemberg. 1890 folgte der Wechsel an die Landwirtschaftliche Akademie Poppelsdorf bei Bonn, die während seiner Lehrtätigkeit dort von den bedeutenden Agrarwissenschaftlern Friedrich Wilhelm Dünkelberg und ab 1895 von Theodor von der Goltz geleitet wurde, die Ramm in seinem Arbeiten wohl stark inspirierten. Im Jahr 1892 zum Professor ernannt nutzte Ramm seinen Aufenthalt in Poppelsdorf auch, um als Ehren-AH des späteren Corps Agraria Bonn ein Netzwerk aufzubauen, das ihm in späteren Jahren von Nutzen sein sollte.

Mit seinem Übertritt ins preußische Landwirtschaftsministerium verabschiedete sich Ramm 1901 von einer akademischen Laufbahn. Doch profitierte er auch bei seiner neuen Tätigkeit vom früheren Austausch mit Dünkelberg. Denn dieser hatte sich intensiv mit Meliorationen beschäftigt, die nun in Ramms Zuständigkeitsbereich fielen. Und Ramm wirkte hier sehr innovativ: War dieses Feld bislang von Handarbeit geprägt gewesen, betrieb Ramm in Ostfriesland bereits bei einem seiner ersten Projekte eine industrielle Abtorfung von Hochmooren. Diese industriell betriebene Melioration verband er zudem noch mit dem Ziel, den Ausbau der Elektrifizierung des Landes voranzutreiben. So konnte er seinen Freund Karl Friedrich von Siemens (Siemens Elektrische Betriebe AG) davon überzeugen, mitten im Hochmoor 1907 mit dem Bau eines Kraftwerks zu beginnen, welches Strom aus der Torfverbrennung erzeugte. Denn nur mit einer Verbrennung direkt vor Ort war es möglich, eine solche Anlage wirtschaftlich zu betreiben. Siemens freilich ließ sich sein unternehmerisches Risiko bei diesem Projekt durch großzügige Kostenübernahmen von Seiten des Staates absichern. Letztlich erwies sich das gesamte Vorhaben als großer Erfolg und brachte der Region eine Vielzahl an Arbeitsplätzen. Erst 1964 wurde die Stromproduktion aus Torf aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.

Der Eintritt in das preußische Landwirtschaftsministerium beinhaltete für Ramm auch die Übernahme der Stellung eines nebenamtlichen Gutsvorstehers der Domäne Dahlem. Qua Amt wurde er dadurch auch Mitglied der Kommission zur Aufteilung dieses Domänenbesitzes unter dem Vorsitz von Hugo Thiel. Ziel war es, einen Großteil des nahe Berlin gelegenen Geländes als Baugrund zu verkaufen. Letztlich entstand auf einem Teil des Domänenlandes die Villenkolonie Grunewald. Die übrige Fläche sollte der landwirtschaftlichen Forschung dienen. Allerdings verhinderte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Umsetzung dieses Planes. Erst nach dem Krieg wurden auf Betreiben von Ramm große Teile der landwirtschaftlichen Hochschule Berlin auf das Gelände von Dahlem verlegt und bis 1922 umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt. Daran war Ramm jedoch nicht mehr beteiligt. Er legte seine nebenamtliche Tätigkeit 1919 nieder.

Im preußischen Landwirtschaftsministerium machte Ramm eine steile Karriere. Vom technischen Mitarbeiter stieg er bis zum (Unter-)Staatssekretär zu Beginn der Weimarer Republik auf. Dies war verbunden mit einer Nähe zur politischen Ebene. Während des Kapp-Lüttwitz-Putsches im März 1920 musste Ramm die möglichen negativen Begleitumstände einer solch hohen Position am eigenen Leib erfahren. So wurde er von Kapp aufgefordert, von seinem Posten als Unterstaatssekretär zurückzutreten und dem von den Putschisten bestellten Vertreter das Feld zu überlassen. Ramm weigerte sich jedoch vehement und erfolgreich. Ob Ramm deshalb als Sympathisant der Republik zu betrachten ist, bleibt fraglich. Er war vor allem ein korrekter, zudem gut vernetzter preußischer Beamter und zählte zu jenem Teil der alten Eliten, auf den die neue republikanische Führung angewiesen war. So sah ihn die Reichsregierung während des Rechts-Putsches im März 1920 aufgrund seiner Freundschaft zu Ludendorff als Vermittler an, um über Ludendorff Lüttwitz zu bewegen, seine Truppen zurückziehen und den Putsch zu beenden.

In den krisenbehafteten Anfangsjahren der Weimarer Republik beschäftigte sich Ramm dienstlich hauptsächlich mit zwei Problemfeldern: Dies betraf einmal die Frage von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Als Verantwortlicher für das Moorwesen sah er z. B. im Januar 1921 in diesem Sektor durchaus Potential für die Durchführung derartiger Beschäftigungsprojekte. Vor allem aber war er mit der Frage der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung befasst, die sich erst nach Ende des Krisenjahres 1923 entspannte. Noch während der Ruhrkrise wurde Ramm von den Kabinetten Cuno und Stresemann zur problematischen Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln gehört, als mitten in der Inflationszeit bei hoher Arbeitslosigkeit die Rationierung von Brot mittels Marken aufgehoben wurde. In dieser Situation setzte sich Ramm für einen kreditgestützten Ankauf von Kartoffeln aus dem Ausland zur Entlastung der ärmeren Bevölkerung ein, aber auch für vermehrte finanzielle Unterstützung notleidender Schichten. Inwieweit Ramm hier von den sozialen Vorstellungen seines Doktorvaters Schönberg geprägt war oder ob es ihm vornehmlich darum ging, politisch stabilisierend zu wirken, ist nicht zu klären.

Mit der problematischen Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln beschäftigte sich Ramm auch publizistisch. In einer populär abgefassten, kurzen Abhandlung brachte er 1920 eine Arbeit zur Erklärung der Gewinnung von Stickstoff heraus. Seit der Entdeckung des Haber- Bosch-Verfahrens konnte Luftstickstoff mit Hilfe von Wasserstoff gebunden und so auch der Landwirtschaft als künstlicher Stickstofflieferant zur Verfügung gestellt werden. Die Vorteile der Stickstoffdüngung waren in den Agrarwissenschaften spätestens seit den Arbeiten Liebigs bekannt und auch allgemein akzeptiert. Zusätzlicher Stickstoff garantierte eine höhere Nahrungsmittelproduktion, die Engpässe mildern konnte. Jedoch verzichteten viele Landwirte auf den Einsatz der oftmals teuren künstlichen Düngemittel. Die Agrarwissenschaftler versuchten, neue Erkenntnisse den Landwirten über belehrende Literatur nahezubringen. Ramm veröffentlichte während und nach seiner Zeit in Poppelsdorf Arbeiten mit Blick auf positive Produktionsmethoden im Ausland unter Berücksichtigung der Vorteile für die heimische Landwirtschaft. Zu Beginn der 1920er Jahre brachte er zudem zusammen mit Otto Butz und Wilhelm Gatermann ein vierbändiges Werk über deutsche Hochzuchten bei Pferden, Schweinen, Rindern und Schafen heraus.

Im Jahr 1927 trat Ramm in den Ruhestand. Aus diesem Anlass wurde ihm von der TH Berlin sowie von der landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin jeweils die Ehrendoktorwürde für seine Verdienste verliehen. Im selben Jahr musste er durch den Tod seiner Frau aber auch einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Seinen Ruhestand als Witwer verlebte er in Berlin-Dahlem, wo er 1935 verstarb.

Quellen:

BA R 43 I/ 1192, 1351, 1386, 1484, 2026, 2721; Vorlesungsverzeichnis der TU Berlin; Verzeichnungen der Vorlesungen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Amtliches Verzeichnis der Behörden, Lehrer, Beamten und Anstalten und der zu haltenden Vorlesungen 1880/81, 1881

Werke: Die Hagelversicherungsfrage in Württemberg, Diss., 1885; Die Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika, 1895; (mit H. Buer), Nachrichten aus den hervorragendsten Pferdezuchtgebieten des In- u. Auslandes, 1901; Aus Luft und Kohle zum Stickstoffdünger. Vom Stickstoffdünger zu Brot und reichlicher Nahrung, 1920; Deutsche Hochzuchten, 4 Bde., 1922 – 1924.

Literatur:

H. Sanders, Wiesmoor 1906 – 1996. Von der Überlandzentrale zum zentralen Ort, 1997; K.-H. Frees, Wiesmoor – der lange Weg vom Moor zur Blumenstadt, 2006; Ramm, Eberhard, in: DBE 8, 2. Auflage 2007, 169.

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