Zaschka, Engelbert Franz Josef 

Geburtsdatum/-ort: 01.09.1895;  Freiburg im Breisgau
Sterbedatum/-ort: 26.06.1955;  Freiburg im Breisgau
Beruf/Funktion:
  • Ingenieur und Erfinder
Kurzbiografie:

1906 – 1911 Oberrealschule Freiburg i. Br., mit Abschluss um Studium am Technikum Altenburg, Abschluss

1911 – 1914 als Maschinen- und Automobil-Ingenieur

wohl ab 1916 Aufenthalt und berufliche Tätigkeit in Berlin

1926 Patent über ein „Hubschraubenflugzeug“

1930 Patent über ein „Triebwerk für Maschinen mit hin und hergehenden Kolben, deren Pleuelstangen durch auf der Triebwelle sitzenden Exzenterscheiben betätigt werden“

um 1930 – 1934 Leitung eines eigenen Unternehmens im Motorenbau

1934 – 1945 Anstellung bei verschiedenen Firmen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

nach 1945 selbständige Tätigkeit in Altenburg

1949 Antrag auf Erteilung eines Patents auf ein klappbares und größenverstellbares Familienfahrrad mit Hilfsmotor

um 1950 Rückkehr nach Freiburg und Betrieb einer eigenen Fahrzeugfabrik

Weitere Angaben zur Person: Religion: römisch-katholisch
Verheiratet:

1917 (Berlin) Martha, geb. Quitschalle (1896 – 1965)


Eltern:

Vater: Wenzel (1866 – 1933), Kammermusiker und Musiklehrer

Mutter: Emilie, geb. Rombach (1869 – 1933), Sängerin


Geschwister:

ein Bruder, zwei Schwestern


Kinder:

ein Sohn, eine Tochter

GND-ID: GND/127277986

Biografie: Silke Zimmer-Merkle/Kurt Möser (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 8 (2022), 383-385

Zaschka wurde am 1. September 1895 in Freiburg i. Br. als Sohn einer Musikerfamilie geboren und verbrachte in der Stadt an der Dreisam seine Kindheit und Jugend. Bereits in jungen Jahren war er an technischen Zusammenhängen interessiert, besonders die Fliegerei begeisterte ihn. Früh hospitierte er in Firmen, die im Umfeld der Flugentwicklung tätig waren und entschloss sich nach dem Abschluss der Oberrealschule zu einem Ingenieursstudium; sein jüngerer Bruder tat es ihm später gleich. Zaschka absolvierte sein Studium am Technikum Altenburg in Thüringen und schloss es 1914 als Maschinen- und Automobilingenieur ab. Während es seinen Bruder als Theatertechniker wieder zurück in den Kunstbetrieb zog, hatte sich Zaschka ganz der Fliegerei und dem Fahrzeugbau verschrieben. Auf sein Studium folgten Anstellungen bei verschiedenen Firmen. Über einen möglichen Kriegseinsatz während des Ersten Weltkriegs ist nichts bekannt.

Zaschka heiratete mitten im Krieg, am 18. August 1917, in Berlin Martha Ida Quitschalle. Ende 1918 wurde der erste Sohn, geboren, der jedoch bereits im Januar 1919 im Alter von nur zwei Monaten verstarb. 1920 kam eine Tochter zur Welt, die im Gegensatz zu ihrem Bruder das Erwachsenenalter erreichte. Die Familie wohnte in dieser Zeit in Berlin, zog dort aber mehrmals um. Zu Beginn der 1920er Jahre war Zaschka bei der Firma Orion Aktiengesellschaft für Motorfahrzeuge als Oberingenieur und Chefkonstrukteur angestellt und federführend an der Entwicklung des Leichtmotorrads „Orionette“ beteiligt. Obgleich er sich für ein Ingenieurstudium entschieden hatte, meldete Zaschka jedoch nicht nur einige Patente an und zeigte sich als reger Erfinder; als Kind einer Musikerfamilie blieb er nicht nur der Musik sein Leben lang verbunden, er hatte auch ein gewisses musikalisches Talent mit in die Wiege gelegt bekommen. So trat er auch als Komponist zeitgenössischer populärer Musik in Erscheinung, wie zum Beispiel des Tanzmusikstücks „Slawoma“, das sogar als Schallplatte publiziert wurde (1925).

In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre machte Zaschka vor allem durch Entwicklungen im „Rotationsflugzeugbau“ von sich reden. Mit seinen senkrechtstartenden Luftfahrzeugen widmete er sich einem bedeutenden technischen Feld der Zwischenkriegszeit. Er entwickelte nichts grundsätzlich Neues, sondern patentierte Lösungen für ein spezifisches Problem der Hubschraubertechnik: Stabilisierung durch Schwungmassen und durch Kreiselverfahren. Auch seine Muskelkraftflugzeug- Konstruktionen waren eher konventionell, wobei er aber dem Leichtbau von Flugzeugzellen nicht unwichtige Impulse gab. Es gelang ihm immerhin, seine Konstruktionen sicher in die Lüfte zu erheben und landen zu lassen, jedoch war es ihm aufgrund der fehlenden Unterstützung großer Firmen oder Investoren nicht möglich, die Entwicklung seiner Prototypen fortzuführen. Darüber hinaus erregte er Ende der 1920er Jahre internationales Interesse durch die Erfindung eines Faltautos, das innerhalb weniger Minuten auf, bzw. abzubauen war. Dies stellte letztlich eine frühe Reaktion auf die Platzprobleme im Verkehrsraum dar, die bereits damals virulent zu werden begannen. Er machte sich (wahrscheinlich Anfang der 1930er Jahre) selbständig mit einer Unternehmung im Motorenbau, musste das Geschäft aber 1934 wieder aufgeben. Von 1935 bis 1941 war er angestellt bei der Argus Motoren GmbH, Berlin. Ein Patent aus dieser Zeit betraf eine neuartige Ventilsteuerung. Von 1941 bis 1944 war er im Apparatebau bei der „Technischen Fabrik“ Dr. Klaus Gettwart tätig. Danach folgte eine Anstellung bei der Firma Henschel Flugzeug-Werke in Schönefeld, die für den Kriegseinsatz Flugzeuge baute und Prototypen entwarf.

Seine Entnazifizierungsakte weist ihn als Mitglied der Deutschen Arbeiterfront (1934 – 1945), des Reichsluftschutzbundes (1935 – 1945), des Nationalsozialistischen Fliegerkorps (1939 – 1945) und der NSDAP (1942 – 1945) aus. In der Zeit seiner NSDAP-Mitgliedschaft führte er nach eigenen Angaben Blockhelfertätigkeit aus. In der letzten Kriegsphase setzte Zaschka, wie viele Techniker seiner Generation, auf „Wunderwaffen“: Er propagierte Senkrechtstarter sowohl zur Infanterieunterstützung als auch zur Unterstützung der Artillerie; ebenso pries er ihre Eigenschaften bei Start und Landung von, bzw. auf U-Booten und Schiffen. Ob damit das „kriegsbegeisterte“ Memorandum gemeint war, das er einer Zeugenaussage in seinem Entnazifizierungsverfahren zufolge 1943 verfasst haben soll, ist nicht klar. Negativ wurde ihm im Rahmen dieses Verfahrens letztlich ausgelegt, dass er „von dem SS-Hauptführungsamt einen Auftrag […] auf Entwicklung der Kreiselstabilisierung [vermutlich von Senkrechtstartern, Anm. d. Verf.] in einer Höhe von RM 20.000,–“ (LA Berlin C Rep. 031-02-06 – 19) erhalten habe. Die Entnazifizierungskommission in Berlin entschied schließlich, Zaschka gemäß der „Anordnung der Alliierten Kommandantur BK/O (46) 101 a Entnazifizierung“ nicht zu entlasten, da er „durch seine nazistische Überzeugung und durch die Niederlegung seiner Ausführungen in dem Memorandum, sowie durch seine Blockhelfertätigkeit ab 1942, als mehr als nominell anzusehen“ (ebd.) sei. Dieser Einschätzung steht ein Schriftstück aus dem Nachlass gegenüber, in dem Zaschka seine Ablehnung extremistischer Positionen jedweder Art zum Ausdruck bringt. Zaschka legte, obgleich er zu diesem Zeitpunkt Berlin bereits verlassen hatte, Berufung gegen die Entscheidung ein. Denn eine Entscheidung dieser Art hatte für den Betroffenen nicht unwesentliche Konsequenzen. Sie hätte zum einen die Entlassung aus einem bestehenden Anstellungsverhältnis bedeutet – für Zaschka insofern damals zweitrangig, als er sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bereits in seinem ehemaligen Studienort Altenburg selbständig gemacht hatte. Darüber hinaus durfte er keine leitenden Tätigkeiten mehr ausüben und hatte einen entsprechenden Vermerk im Personalausweis zu tragen. Wie über die Berufung entschieden wurde oder ob das Verfahren eingestellt wurde, ist nicht bekannt.

Spätestens 1950 zog Zaschka zurück in seine Heimatstadt Freiburg, wo er eine Fahrzeugfabrik eröffnete und betrieb. Hier griff er eine Idee auf, die er bereits in den 1930er Jahre gehabt hatte: das Klappfahrrad. Aber auch faltbare Ski fügte er seinem Erfinderportfolio bei. Wie schon bei seinem Faltauto hatte er den „kleinen Mann“ als Kunden im Blick. Das größenverstellbare Rad für Klein und Groß war speziell für Familien gedacht. Mit Leichtbau und platzsparenden Konstruktionen nahm Zaschka an typischen Konstruktionsideen der Nachkriegs-Mobilitätskultur teil. Überhaupt war er mit seinen Erfindungen häufig am Puls der Zeit und griff Entwicklungstrends auf. Die Vermarktung seiner Produkte plante er, ins Ausland zu erweitern, erlitt jedoch einen Schlaganfall und erkrankte bevor er seine Pläne umsetzen konnte. Zaschka verstarb am 26. Juni 1955 in Freiburg im Breisgau.

Quellen:

BA R 9361-V/12090; Landesarchiv Berlin B Rep. 214-prak – 708/2; C Rep. 031-02-06 – 19; StAF G 540/5 8046; GLAK 466 Zugang 1981-75 Nr. 3325.

Werke: Musik: Slawoma, (1925) als Schallplatte bei Beka, Carl Linkström AG (BEKA B.5402-I) erschienen; Schriften: Drehflügelflugzeuge. Trag- und Hubschrauber, 1936.
Nachweis: Bildnachweise: BA Bild 102-00528 (Z. auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof mit Rotationsflugzeug, Foto Georg Pahl, 1928); weitere Abbildungen: BA Bild 102-13806, 102-12440, 102-09261, 102-10105, 102-10106, 102-15774, 102-03467, 102-03454, 102-03453, 102-03468, 102-15773, 102-03463. Landesarchiv Berlin F Rep. 290 (02) – II9165/K00862, F Rep. 290 (02) – II9166/K00862, F Rep. 290 (02) – II9169/K00862, F Rep. 290 (04) – II9221/K01253.
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