Uhland, Robert Hans Wilhelm 

Geburtsdatum/-ort: 08.08.1916;  Stuttgart
Sterbedatum/-ort: 16.08.1987;  Stuttgart
Beruf/Funktion:
  • Archivar und Landeshistoriker
Kurzbiografie: 1923 Frühjahr-1926 Mär. Grundschule in Stuttgart-Berg
1926 Apr.-1935 Feb. Reformrealgymnasium (heute Zeppelin-Gymnasium) Stuttgart
1935 1. Apr.-Sep. Lehrling bei der Robert Bosch AG
1935 Okt.-1936 Mär. Reichsarbeitsdienst
1936-1939 Studium an den Universitäten Tübingen und München: Geschichte, Germanistik und Anglistik
1940 Jan. Einberufung zum Kriegsdienst, Ausbildung zum Dolmetscher
1940 Mär. Erste Dienstprüfung für das wissenschaftliche Lehramt an Höheren Schulen
1941-1944 Aug. Kriegsdienst bei einer Nachrichteneinheit in Paris
1943 23. Apr. Studienassessor
1944 Aug.-1946 Sep. Kriegsgefangenschaft (zunächst französisch, dann amerikanisch)
1947 Jun. Wissenschaftliche Hilfskraft beim Hauptstaatsarchiv Stuttgart
1947 1. Nov. Angestellter beim Hauptstaatsarchiv Stuttgart
1948 22. Sep. Promotion zum Dr. phil. bei Rudolf Stadelmann, Tübingen: „Geschichte der Hohen Carlsschule zu Stuttgart“
1949-1977 Archivassessor (28. Apr.), Archivrat (1951 29. Sep.), Erster Staatsarchivrat (1959 4. Feb.), Oberstaatsarchivrat (1963 30. Okt.), Staatsarchivdirektor und Leiter des Staatsarchivs Ludwigsburg (1967 1. Nov.) Leiter der Abteilung I und Stellvertreter des Präsidenten der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (1975 1. Jan.), Leitender Staatsarchivdirektor (1977 23. Dez.)
1954-1987 Ordentliches Mitglied der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, seit 1974 Mär. Vorstandsmitglied, 1979 Jul.-1985 Jun.-31. Aug. Schriftführer
1979 23. Nov. Versetzung in den Ruhestand
Weitere Angaben zur Person: Religion: ev.
Auszeichnungen: Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse (1943), Bundesverdienstkreuz am Bande (1976), Schillerpreis der Stadt Marbach (1979), Professor des Landes Baden-Württemberg (1985)
Verheiratet: 1. 1951 Waltraud, geb. Clauß, Photographin (geb. 1926)
2. 1962 Helene Bolsinger, geb. Hagenmeyer (1926-1999), Apothekerin
Eltern: Vater: Robert (1864-1926), Oberingenieur
Mutter: Margarete (Meta, Mea), geb. Spiegel (1889-1960)
Kinder: keine
GND-ID: GND/129437123

Biografie: Bernhard Theil (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 4, 377-379

Im Jahr 1972 trug Uhland beim Meeting des Rotary-Clubs Ludwigsburg-Backnang, in den er 1968 auf Empfehlung von Bernhard Zeller, Direktor des Schiller-Nationalmuseums und Deutschen Literaturarchivs in Marbach, aufgenommen worden war, ein mehrseitiges in Hexametern verfasstes autobiographisches Gedicht vor, das in zweifacher Hinsicht als Schlüssel zu seiner Persönlichkeit geeignet ist. Es zeigt zum einen seine literarische Begabung, die ihm gleichsam in die Wiege gelegt wurde – was er auch deutlich hervorhob. Wenn auch mit dem schwäbischen Dichter Ludwig Uhland (1787-1862) nur sehr entfernt verwandt – sein 7. direkter Vorfahre Johann Michael (I.) Uhland (1658-1705) und Ludwig Uhlands 4. direkter Vorfahre waren ein und dieselbe Person –, so waren doch sein Großvater, Fabrikant und Verleger in Leipzig, als auch sein Vater, Oberingenieur bei den Daimler-Motoren-Werken, zuletzt Vorstand der dortigen „literarischen Abteilung“, also für die Zeitschriften und Veröffentlichungen des Unternehmens zuständig, literarisch und schriftstellerisch ambitioniert und begabt, seine Tante Ida (gest. 1922) war gar als Schriftstellerin im Hauptberuf tätig. Auch seine Mutter stammte aus einer künstlerisch tätigen Familie, die im fränkischen Münnerstadt bei Bad Kissingen ansässig war. Uhland hat sich denn immer wieder als Gelegenheitsdichter betätigt, ja, er hat sogar als Student ein Drama verfasst mit dem Titel „Faust IV. Teil oder der Geist des 21. Jahrhunderts“. Seine literarische Begabung hat auch seine wissenschaftliche Publikationstätigkeit stark geprägt. So hat er als langjähriger Herausgeber der „Lebensbilder aus Schwaben und Franken“, 1969 bis 1987, immer wieder die eingereichten Manuskripte mehr oder weniger stark redigiert und dafür gesorgt, dass die Reihe ein einheitliches sprachliches Niveau hielt. Auch in seinen eigenen biographischen Arbeiten, die einen erheblichen Teil seines Œuvres ausmachen – er hat selbst mehr als 20 Beiträge über württembergische Regenten, Politiker und Beamte für die „Neue Deutsche Biographie“ verfasst –, zeigt Uhland einen eleganten, flüssigen und trotz wissenschaftlicher Genauigkeit für gebildete Laien gut lesbaren Stil.
Im Übrigen bildete die württembergische Geschichte des 18. Jahrhunderts ausgehend von seiner Dissertation einen Schwerpunkt seines Werks, dem sich später das 19. Jahrhundert anschloss, wobei Uhlands Interesse auch stark wirtschaftsgeschichtlich ausgerichtet war. Letzteres führte nicht zuletzt zu guten Beziehungen zur Wirtschaft des mittleren Neckarraums, etwa zur Industrie- und Handelskammer und in den wissenschaftlichen Beirat zur Gründung eines baden-württembergischen Wirtschaftsarchivs. Einen Höhepunkt seines wissenschaftlichen Werks stellt der große Jubiläumsband „900 Jahre Haus Württemberg“ dar, den Uhland 1984 – also nach seiner Pensionierung – nicht nur herausgab, sondern worin er auch tatkräftig mitarbeitete. Hier konnte er noch einmal seine biographischen Fähigkeiten glänzend demonstrieren, in dem er die Beiträge über die Herzöge Friedrich I., Johann Friedrich und Friedrich Eugen selbst verfasste. Von ihm stammen auch die Genealogien des Hauses Württemberg, was seinem lebenslangen Interesse an Familiengeschichte entsprach. Das Buch ist im Übrigen auch ein Ergebnis seiner Tätigkeit im Archiv des Hauses Württemberg, das er nach seiner Pensionierung betreute.
Der im Rotary-Club vorgetragene Text bekennt zum anderen aber auch freimütig wesentliche Merkmale seiner Persönlichkeit. Uhland, der mit 10 Jahren den Vater verlor, wuchs bei seiner 25 Jahre jüngeren Mutter auf, zu der er zeit seines Lebens ein enges Verhältnis hatte – „Muttersöhnchen“ nennt er sich selbst in besagtem Gedicht. Seine enge Beziehung zu ihr wird bestätigt durch die an sie gerichteten Briefe, die während der Zeit seines Kriegsdienstes in Paris in außergewöhnlich dichter Folge erhalten sind und auch aus der Zeit seiner Kriegsgefangenschaft in großer Zahl vorliegen. Die Mutter ihrerseits zeigt sich als energische Dame, die, durch den frühen Tod ihres Mannes und die wirtschaftliche Entwicklung der Weimarer Jahre bedingt, ihren früheren gutbürgerlichen Wohlstand in den 1930er Jahren weitgehend eingebüßt hat und die sich trotzdem, vielleicht gerade deshalb, tatkräftig für ihren einzigen Sohn einsetzte, so dass dieser studieren konnte. Sie war es wohl auch, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit dafür sorgte, dass Uhland Verbindungen zur Antifaschistenszene in Stuttgart bescheinigt wurden, die ihm zusammen mit der Weihnachtsamnestie des Jahres 1946 relativ leicht den Zugang zum Staatsdienst im Jahre 1947 ermöglichten. War Uhland andererseits doch schon als Schüler Mitglied des NS-Schülerbunds, seit 1933 in der SA, seit 1936 im NS-Studentenbund und Mitglied der Langemarck-Kameradschaft, seit 1937 Anwärter für die Mitgliedschaft in der NSDAP. 1938 war er Leiter der Fachgruppe Kulturwissenschaft der NS-Studentenführung, zeigte also durchaus überdurchschnittliches Engagement. Sein Verhältnis zum Nationalsozialismus war insgesamt aber eher ambivalent. Einerseits trifft es wohl zu, dass manche Aktivitäten, wie Uhland später einmal bemerkte, durch die Zwänge des Studiums erklärt werden müssen, andererseits war er als junger Mann durchaus bestrebt, sich keine Karrierechancen zu verbauen. Uhland hat jedoch auch während seiner Zeit im besetzten Paris immer wieder deutlich gemacht – dies geht aus seinen Feldpostbriefen eindeutig hervor –, dass er seine Gegenwart realistisch sah und Hurrapatriotismus ihm fremd war. Bezeichnenderweise ist er auch immer Unteroffizier geblieben, obwohl er dank seiner Bildung und seiner Sprachkenntnisse in einer privilegierten Position war, die ihn zu Höherem befähigte. Seine Stellung in Paris räumte ihm im Übrigen verhältnismäßig viel Freizeit ein, in der er sich im Rahmen seiner dortigen Möglichkeiten wissenschaftlich betätigte und – auch dies gehört zu seiner Persönlichkeit – mehr für die „schönen Dinge“ des Lebens interessierte, nicht zuletzt für Frauen, die er immer seiner Mutter in seinen Briefen „vorstellte“. Später ist er dann viel gereist, vor allem in Mittelmeerländer, und hat viel übrig gehabt für gesellige Runden, so dass es sich auch von daher ergab, ihn zum Rotarier zu machen. Seine Freude und sein Interesse an gesellschaftlichen Verbindungen – sie gehen zurück bis in seine Studentenzeit, wo er bald nach Studienbeginn der Akademischen Verbindung Igel beitrat, zu der bis ins Alter die Verbindung aufrecht hielt – zeigen sich auch in einem ausgedehnten Briefwechsel mit zahlreichen verschiedenen Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Verwaltung und Kultur.
Im beruflichen Bereich prädestinierte ihn seine Kontaktfreudigkeit für einen Aufgabenbereich, der in den 1960er und 1970er Jahren noch keine zentrale Rolle im Archivarsberuf spielte – nämlich die Öffentlichkeitsarbeit und speziell die Ausstellungstätigkeit, womit er erstmals 1955 anlässlich der Landesausstellung hervortrat. Genannt seien außerdem „1 000 Jahre schwäbisch-österreichische Beziehungen“ (1957), „Helfen und Heilen“ (1973), „USA und Baden-Württemberg“ (1977) und „Dokumente zu Europa“ (1978). Noch nach seiner Pensionierung (1984) arbeitete er tatkräftig an der Stuttgarter wirtschaftsgeschichtlichen Ausstellung „Wurzeln des Wohlstands“ mit. In seiner Kultiviertheit und Weltoffenheit war Uhland für seine Zeit wohl eher ein untypischer Archivar. Eine gewisse Tragik liegt auch darin, dass er seine berufliche Karriere nicht mit einem Spitzenamt beendete, sondern – eher unwillig – als zweiter Mann in der 1975 begründeten Landesarchivdirektion. Vielleicht fehlte ihm einfach das nötige Durchsetzungsvermögen?
Quellen: HStAS J 40/9 Nachlass R. Uhland; StAL EL 17 I, Zugang 1993/49, Büschel 68, Personalakte; StAL EL 902/20 Büschel 97895, Spruchkammerakte.
Werke: Veröffentlichungen von R. Uhland (Auswahl), zusammengest. von Walter Grube, in: ZWLG 47, 1988, 500-503. – Auswahl: Geschichte d. Hohen Karlsschule in Stuttgart. 1953; Regesten zur Geschichte der Herren von Urbach. 1960; Das Haalarchiv in Schwäbisch Hall. Inventare der nichtstaatl. Archive in B-W, 1965; Georg Wilhelm Kleinsträttl. Hauptmann auf Hohenasperg, Zeichner u. Kartograph, in: FS für R. Oehme. 1966, 166-193. Johann Christoph Schwab, Professor an der Hohen Carlsschule, in: Lebensbilder aus Schwaben und Franken 10, 1966, 126-156; Christian Habbäus u. Württemberg, in: ZWLG 26, 1967, 316-353; Herzog Carl Eugen von Württemberg. Tagebücher seiner Rayßen ... 1783-1791, 1968; Die Reisetagebücher Herzog Carl Eugens, in: ZWLG 28, 1969, 196-212; Die Esslinger Kaufmannsfamilie Bayrut. Ein Beitrag zur Wirtschafts- u. Rechtsgeschichte des 15. Jh.s, in: ZWLG 36, 1977, 49-95; Gewerbeförderung in Baden u. Württemberg im 19. Jh. u. die Entstehung staatl. Zentralstellen, in: Bausteine zur geschichtl. Landeskunde von B-W, 1979; 900 Jahre Haus Württemberg. Leben u. Leistung für Land u. Volk, 1984; Das Tagebuch d. Baronin Eveline von Massenbach, Hofdame d. Königin Olga von Württemberg, 1987.
Nachweis: Bildnachweise: HStAS J 40/9.

Literatur: G. Richter, R. Uhland, in: Der Archivar 40, 1987, Sp. 639-642; W. Grube, R. Uhland, in: ZWLG 47, 1988, 494-497; E. Gönner, R. Uhland, in: Suevica 6, 1991, 107-112.
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