Wasmer, Josef 

Geburtsdatum/-ort: 02.04.1902;  Säckingen
Sterbedatum/-ort: 30.05.1934; zwischen Unadingen und Löffingen (Autounfall)
Beruf/Funktion:
  • SA-Brigadeführer, Mitglied des Landtags und Mitglied des Reichstags – NSDAP
Kurzbiografie: 1908-1912 Volksschule Säckingen
1912-1916 Realschule Säckingen
1917-1919 Unteroffiziervorschule Sigmaringen/Unteroffizierschule Nordheim
1919-1920 3. Kurländisches Infanterie-Regiment; Teilnahme an Kämpfen der „Eisernen Division“ im Baltikum
1920 Teilnahme an Gefechten der II. Marine-Brigade
1921 Eintritt in die Reichswehr, 5. Kompanie des Schützen-Regiments 42
1924-1930 Besuch der Heeresfachschule für Verwaltung und Wirtschaft mit Abschluss für den mittleren gehobenen Dienst
1931 Nach Abschluss der Dienstverpflichtung Entlassung aus der Reichswehr
1931 Eintritt in die NSDAP
1933 Stadtrat in Freiburg im Br.; Mitglied des Landtags und Mitglied des Reichstags – NSDAP; Führer der SA-Brigade 54 (Baden-Süd)
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: (Augsburg) Babette Karolina, geb. Eckstein (geb. 1906)
Eltern: Vater: Emil (1875-1925), Forstwart
Mutter: Emma, geb. Birsner
Kinder: keine
GND-ID: GND/130532843

Biografie: Hans-Georg Merz (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 5, 289-290

Mit vielen Altersgenossen teilte Wasmer die Deutung der unerwarteten Niederlage Deutschlands im I. Weltkrieg als traumatisches Erlebnis sowie die tiefe Abneigung gegen die offensichtlich auf eine Revision des „Schanddiktats von Versailles“ verzichtende Weimarer Republik. Dieses politisch-ideologische Einstellungsmuster, bei ihm verstärkt durch die Erfahrung aus den Baltikum-Kämpfen, bestimmte bei Wasmer die Wahl der militärischen Berufslaufbahn. Die Heeresfachschule für Verwaltung und Wirtschaft, die Unteroffiziere und Mannschaften auf einen bürgerlichen Beruf vorbereiten sollte, schloss er nach sechs Jahren 1930 ab, ohne jedoch in ein Beamtenverhältnis übernommen zu werden. Ob die Reduzierung der Beamtenstellen infolge der Wirtschaftskrise hierfür ausschlaggebend war, ist genauso unklar wie Wasmers Entscheidungsgründe dafür, nach dem militärischen Dienst im paramilitärischen Verband der „Sturmabteilungen“ (SA) eine leitende Funktion auzustreben. Gut belegt ist dagegen der rasche Aufstieg in der SA-Hierarchie, der Wasmer über die Zwischenstufe des Führers der SA-Standarte 113 im Frühjahr 1933 den Posten eines Führers der SA-Brigade 54 (Baden-Süd) einbrachte. Als Angehöriger des Jahrganges 1902 gehörte Wasmer somit zu der von der Forschung als „Nachkriegsgeneration“ (M. Jamin) bezeichneten Gruppe der höheren SA-Führer, für die – als Reaktion auf ein durch die persönliche und gesellschaftliche Umwelt vermitteltes militaristisches Weltbild sowie auf die Schwierigkeiten der beruflichen Etablierung – ein besonders aggressiver Einsatz für die Ziele der NSDAP charakteristisch war. In Freiburg setzte Wasmer die SA, „die im Straßenterror erprobte Schlägertruppe der NSDAP“ (W.-Benz), zur Einleitung und Durchsetzung der lokalen „Machtergreifung“ ein. Zusammen mit dem badischen SA-Führer Hanns Ludin gab er am 6. März 1933 gegen den Widerstand von Oberbürgermeister Bender den Befehl, das Hakenkreuzbanner auf dem Rathaus zu hissen. Dem ohnmächtigen Stadtoberhaupt blieb als Antwort auf diesen Beginn der „nationalen Revolution“ allein übrig, die badische und die städtische Fahne daneben aufzuziehen. Weitere Übergriffe der SA, z. B. vor dem Freiburger Gewerkschaftshaus, folgten. Auch beim Vollzug der Politik der „Gleichschaltung“ spielte Wasmer eine maßgebliche Rolle. Die wichtigsten Aktivitäten im weiteren Verlauf des Jahres 1933 betrafen – erfolgreiche – Verhandlungen mit der von dem nunmehrigen NSDAP-Oberbürgermeister Kerber geleiteten Stadtverwaltung über die Übertragung der bisher den aufgelösten Vereinen und Verbänden verfügbaren Finanzmittel an die SA zur „Förderung ihrer wehrsportlichen Aufgaben“, ferner die Organisation mehrerer SA-Aufmärsche sowie eine Tagung süddeutscher SA-Führer mit angeblich 2 000 Teilnehmern in Teningen. Seine Auftritte stellte der Oberführer gewöhnlich unter das Motto: „Wir wollen geloben unser Leben und unsere Kraft unserem Führer und unserem Vaterland!“
Der Tatsache, dass im „Dritten Reich“ der Aufstieg in hohe Ämter der Politischen Organisation der NSDAP, der SA und SS zur Übernahme parlamentarischer Mandate qualifizierte, verdankte Wasmer im Jahre 1933 den Einzug in drei (freilich machtlose) Vertretungskörperschaften. Die Pflichten eines Freiburger Stadtrates nahm er augenscheinlich nicht allzu ernst und besuchte lediglich 15 der 31 Sitzungen, die zu seinen Lebzeiten stattfanden. Als Abgeordneter des Badischen Landtags (seit April 1933) wie des Reichstags (seit November) spielte er gleich seinen Kollegen die den Einparteienparlamenten gemäße Rolle eines politischen Statisten zur Akklamation der Hitlerreden bzw. zur formalen Legitimierung des Führerwillens. Von den 661 Abgeordneten des im November 1933 „gewählten“ Reichstages waren nur etwa 90 jünger als Wasmer, der selbst zur 117 Personen umfassenden Gruppe mandatsbelohnter höherer SA- Führer gehörte.
Jäh endete jedoch die gerade begonnene Karriere, als Wasmer im Mai 1934 zwischen Unadingen und Löffingen einen tödlichen Autounfall erlitt. Sogleich setzte die parteigelenkte Heroisierung ein. Nationalsozialisten hätten ihren „besten Mann in Oberbaden ... [verloren, der] im Dienste seines Führers und seiner SA, im Kampf für das Dritte Reich“ (F. Kerber) gefallen sei. Vergleiche mit Albert Leo Schlageter und Horst Wessel wurden angestrengt. Um dauerhafte Publizität zu erreichen, sollten eine Anzahl von „Denkmälern“ und Würdigungen eine geschichtliche Bedeutung Wasmers suggerieren: an der Unglücksstelle wurde ein „Wasmerstein“ gesetzt; eine Straße und das SA-Hilfswerklager in Freiburg wurden nach ihm benannt, Gedächtnisfeiern veranstaltet. Ein repräsentatives Ölgemälde wurde in Auftrag gegeben. Es kam allein deshalb nicht zustande, weil der von der Stadt Freiburg beauftragte Kunstmaler und NS-Stadtrat es nicht zu vollenden vermochte.
Eine andere Beurteilung vermittelte indessen ein katholischer Vikar in Staufen im Religionsunterricht seinen Schülern. Weil Wasmer Glaubensüberzeugungen zuwidergehandelt habe und auch an der Fronleichnamsprozession teilnehmende SA-Leute überwachen ließ, habe ihm an seinem Hochzeitstag „der Herrgott einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Diese Äußerungen wurden denunziert und der Geistliche büßte sie mit Schutzhaft und zeitweiligem Landesverweis.
Auf Wasmer, dessen früh erreichter, in der Reichswehr der Position eines Obersten bzw. Generalmajors entsprechender hoher SA-Rang in der Tat bemerkenswert war, hatte die oberste SA-Führung in München nach Aussage eines Obergruppenführers „die größten Hoffnungen“ gesetzt. Ob diese auch noch bestanden hätten, als Hitler, vier Wochen nach Wasmers Unfall, anlässlich der Röhm-Affäre zahlreiche maßgebliche Repräsentanten der SA ermorden ließ, bleibt offen.
Quellen: GLA Karlsruhe 231/10957 fol. 212; StAF Bad. Notariat Freiburg 1984/89-II, Freiburg Abt. IV/67/24, J. Wasmer; StadtA Freiburg C 4/VI/6/9, C 4/VI/9/25; C 4/XII/31/7; Bayer. HStA-KriegsA München/KrStR 22089/144; EAF Personalia Ludwig Ritzi (1908-1973).
Nachweis: Bildnachweise: Der Alemanne, Folge 149, vom 1.6.1934.

Literatur: Karl Groß (Bearb.), Handb. für den Bad. Landtag. V., Landtagsperiode 1933-1937, 1933, 147 f.; Reichstags-Handb., IX. Wahlperiode 1933, hg. vom Büro des Reichstags, 1934, 362; Hannes Ludin, SA. – marschierendes Volk, 1939, 39-44; Erich Stockhorst, Fünftausend Köpfe. Wer war was im Dritten Reich, 1967, 438; Joachim Lilla (Bearb.), Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933-1945. Ein biogr. Handbuch, 2004, 709.
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