Eckert, Georg Maria Anton 

Geburtsdatum/-ort: 17.09.1828;  Heidelberg
Sterbedatum/-ort: 22.01.1901;  Karlsruhe
Beruf/Funktion:
  • Maler, Fotograf und Sammler
Kurzbiografie:

1846 – 1848 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf

1848 – 1850 Studienreisen in Süddeutschland, Österreich, Schweiz, Italien

1850 – 1852 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, Landschafterklasse von Johann Wilhelm Schirmer

1854 – 1878 selbstständiger Maler und Fotograf in Heidelberg

ab 1879 wohnhaft in Karlsruhe, Tätigkeiten als Maler

1890 – 1900 Sammlungsreisen durch Baden im Auftrag der „Großherzoglichen Altertümer und mit ihnen vereinigten Sammlungen“

Weitere Angaben zur Person: Religion: römisch-katholisch
Auszeichnungen: Ehrungen: Große Verdienstmedaille der Weltausstellung Wien (1873); Große Goldene Medaille, Heidelberg (1876); Orden vom Zähringer Löwen.
Verheiratet:

1858 (Heidelberg) Susanna, geb. Forschner (1821 – 1906)


Eltern:

Vater: Johann Joseph (1799 – 1867), Schreinermeister

Mutter: Anna Maria, geb. Baumgärtner (1802 – 1856)


Kinder:

zwei

GND-ID: GND/132615789

Biografie: Tilmann Bruhn (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 8 (2022), 88-90

Als Sohn eines Schreinermeisters und Dieners der höheren Bürgerschule hatte Eckert vermutlich schon in den Jahren seiner frühen Sozialisation Zugang zu handwerklichen Techniken und einer bürgerlich geprägten Schulbildung. Es ist anzunehmen, dass diese Grundlagen es ihm ermöglichten, 1842 eine Ausbildung in der lithografischen Werkstatt von Johann Peter Wagner (1802 – 1847) in Karlsruhe anzutreten. Wagner, der auch Karlsruher Gemeinderat war, erkannte vermutlich Eckerts künstlerisches Talent. Die Unterstützung dieses politischen Würdenträgers kann es gewesen sein, die ihm ein Stipendium für ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf sicherte, das er 1846 antrat. Zwei Jahre später unternahm er Feldstudien in Bayern, Österreich, der Schweiz und Italien. Nach seiner Rückkehr an die Düsseldorfer Kunstakademie wurde Eckert 1850 in die Landschafterklasse von Johann Wilhelm Schirmer (1807 – 1863) aufgenommen. Zu dieser Zeit prägte sich der Fokus des künstlerischen Schaffens Eckerts aus, das sich in seinem späteren Werk widerspiegelt: In der „Düsseldorfer Schule“ erlernte er die Landschaftsmalerei, die sich bei ihm an die Vedutenkunst, der realistischen Darstellung von Landschaften und Stadtansichten, anlehnte. Ein weiterer Schwerpunkt seiner akademischen Ausbildung war die Genremalerei, die Personengruppen und alltägliche Szenen thematisiert.

Nach seinem Studium kehrte Eckert 1854 nach Heidelberg zurück, um als selbstständiger Landschaftsmaler tätig zu werden. Die Analyse seiner Wohnsituation lässt vermuten, dass er sich bei diesem Unterfangen erst vier Jahre später ein solides wirtschaftliches Fundament erarbeitet hatte. In den späten 1860er Jahren wandte sich Eckert einem zu dieser Zeit neuartigen Medium zu: der Fotografie. Zwischen 1870 und 1875 unternahm er fotografische Studienreisen in Baden, Württemberg, Hessen, Bayern, im Elsass und in Lothringen. In dieser Zeit entstanden fotografische Mappen, die Eckert auch durch Verleger vermarkten lassen konnte. Seine vorrangigen fotografischen Sujets waren Stadtansichten und Landschaftsszenen, denen er die klassischen Gestaltungsprinzipien der Malerei zugrunde legte. Seine architektonischen Aufnahmen fertigte Eckert gezielt im höfischen Kontext an, so z. B. Fotografien von den Schlössern in Bruchsal, Stuttgart und Baden-Baden.

Im Rahmen dieser fotografischen Unternehmungen kamen erste Kontakte zum großherzoglichen Haus Baden zustande. Diese Beziehungen konnte Eckert in der Folgezeit ausbauen, ab 1874 führte er die Selbstbezeichnung „Hofphotograph“. Die wirtschaftlichen Tätigkeiten Eckerts im Bereich der Fotografie gipfelten 1876 in der Einrichtung eines Verkaufslokals in der Heidelberger Leopoldstraße. Zu dieser Zeit stand die fotografische Karriere Eckerts allerdings kurz vor dem Ende: Der inzwischen stark umkämpfte und professionalisierte Markt veranlasste ihn 1877 seine Aktivitäten in diesem Sektor aufzugeben. Aus dieser beruflichen Krise zog Eckert die Konsequenzen und siedelte 1878 in die badische Hauptstadt Karlsruhe über. In den folgenden Jahren widmete er sich wieder der Malerei und fertigte neben großformatigen Landschaftsdarstellungen kleine Genrebilder in Serie an, denen er beispielsweise populäre Trachtenmotive zugrunde legte. In seiner Karlsruher Zeit konnte Eckert seine Kontakte zum badischen Verwaltungsapparat ausbauen, insbesondere zu Ernst Wagner, dem großherzoglichen Konservator der „Alterthümer und der mit ihnen vereinigten Sammlungen“, dem institutionellen Vorgänger des Badischen Landesmuseums. Wagner verhalf Eckert nicht nur zu einzelnen Aufträgen auf Honorarbasis, sondern machte ihn mit dem sich entwickelnden Museumssektor des späten 19. Jahrhunderts vertraut. Seine Fähigkeit, künstlerisches Schaffen mit handwerklichem Geschick zu verbinden, konnte Eckert unter Beweis stellen, als er für verschiedene volkskundliche Museen maßstabsgetreue Hausmodelle anfertigte. Diese Aufträge und seine durch die Herstellung von Trachtengenrebildern gewonnenen Fachkenntnisse qualifizierten Eckert für eine weitere Aufgabe, die ihn in seinen letzten zehn Lebensjahren beschäftigen sollte. Eckert sammelte von 1890 bis 1900 im Auftrag der großherzoglichen „Vereinigten Sammlungen“ volkskundliche Objekte aus allen Landesteilen Badens, über Tausend fanden Einzug in die Karlsruher Sammlungen. Zusammengefasst in der „Vaterländischen Sammlung von Trachten und Hausgeräthen“ stellen sie einen der Gründungsbestände der ethnografischen Sammlungen des späteren Badischen Landesmuseums dar.

Eckert war als Künstler im Geist seiner Zeit mit einem romantisierenden und ästhetisierenden Blick ausgestattet. Er war ein vielschichtiger Akteur in einem sich professionalisierenden künstlerischen und kulturellen Milieu der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der die Chancen seiner Zeit nutzte und dabei Erfolge und Niederlagen durchlebte. Eckert starb in Folge eines Schlaganfalls am 22. Januar 1901 in Karlsruhe.

Quellen:

GLAK 440 Zugang 1984/88 Nr. 120 f.; 390 Nr. 1778, S. 478 (online: Bild 73); 390 Nr. 1781, S. 71 (online: Bild 367); 390 Nr. 1782, S. 55 (online: Bild 156).

Werke: Gemälde, Zeichnungen, Drucke: Badisches Landesmuseum P 732, 91/354 f., 91/358; GLAK J-B Mosbach 4 und 5; Staatliche Kunsthalle Karlsruhe 1608; XI 1029 – 1041, VIII 1302 und 1302 a; VIII 1301-1 – 1301-21; Fotografische Arbeiten liegen vor in: Badisches Landesmuseum; Bibliotheque nationale et universitaire de Strasbourg; Ungarische Akademie der Bildenden Künste; Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Münchner Stadtmuseum.
Nachweis: Bildnachweise: Badisches Landesmuseum, unverzeichnet.

Literatur:

E. Wagner, Georg Maria Eckert. Nachruf aus der Karlsruher Zeitung, Nr. 35 vom 5. 2. 1901; BB, Bd. 5, Teil 1, 1906, 128 – 130; J. A. Beringer, Eckert, Georg Maria, in: ThB X, 1914, 323; L. Vögely, Aus dem Tagebuch des Landschaftsmalers und Trachtensammlers Georg Maria Eckert (1828 – 1901), in: Bad. Heimat 70 (1990), 493 – 509; S. Eberle, Georg Maria Eckert. Ein badischer Fotograf im Dienst der Kunst, in: Historische Ansichten – Glanzvolle Aussichten. Die Bruchsaler Prunkräume vor der Zerstörung, Ausstellung zum 300. Geburtstag des Fürstbischofs Franz Christoph von Hutten, hg. von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg, 2006, 53 – 59; M. Chlumsky, „Wertvolle Hilfmittel bei der Ausführung von Bildern“ – Georg Maria Eckerts Studien nach der Natur, in: und Pohlmann/D. Siegert (Hgg.), Zwischen Biedermeier und Gründerzeit. Deutschland in frühen Photographien 1840 – 1890, 2012, 280 – 297; T. Bruhn, Im Auftrag seiner Majestät. Der Maler, Fotograf, Sammler Georg Maria Eckert auf Reisen für den badischen Großherzog, in: Momente. Beiträge zur Landeskunde von Baden-Württemberg 1/2018, 2 – 4.

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