Hoffmann, Felix Georg Otto 

Geburtsdatum/-ort: 21.01.1868;  Ludwigsburg
Sterbedatum/-ort: 08.02.1946; Lausanne
Beruf/Funktion:
  • Apotheker und Chemiker
Kurzbiografie: 1874-1877 Elementarschule in Ludwigsburg
1877-1882 Lateinschule (Lyceum) zu Ludwigsburg
1882-1885 Apothekerausbildung
1886-1889 Arbeit in verschiedenen Apotheken in Deutschland und der Schweiz
1889-1893 Studium der Pharmazie und Chemie in München
1890 Pharmazeutisches Staatsexamen
1892-1893 Militärpflicht als Militärapotheker (Unterapotheker der Reserve)
1893 Promotion im Fach Chemie „Über einige Derivate des Dihydroanthracens- und des Dekahydrochinolins“
1893-1894 Assistent am Münchner Staatslaboratorium
1894 1. Apr. Eintritt in die „Farbenfabriken vormals Friedrich Bayer & Co.“, Elberfeld
1897 10. Aug. Synthetisierung der Acetylsalicylsäure
1899 1. Apr. Leitung der kaufmännisch-pharmazeutischen Abteilung der „Farbenfabriken vormals Friedrich Bayer & Co.“
1901 1. Apr. Prokura
1929 1. Jan. Pensionierung
Weitere Angaben zur Person: Religion: ev.
Eltern: Vater: Jakob Reinhold Hoffmann (12.1.1839-21.7.1921), Kaufmann in Ludwigsburg, 22.7.1903 Ehrenbürgerschaft der Stadt Ludwigsburg
Mutter: Thekla Auguste Emilie, Tochter des Klavierbauers Käferle
Geschwister: Ottilie (geb. 23.11.1865)
Franz (geb. 5.12.1866)
Karl (geb. 12.5.1869)
Eugenie, genannt Schwester Thekla
GND-ID: GND/137596863

Biografie: Michael Pohlenz (Autor)
Aus: Württembergische Biographien 1, 114-116

Im Jahr 1868 wird Felix Hoffmann als drittes von wahrscheinlich vier Kindern der Eheleute Hoffmann in Ludwigsburg – vermutlich im Elternhaus in der Stuttgarter Straße 22 – geboren. Über seine Jugend und Schulzeit ist lediglich bekannt, dass er die Elementarschule und das Lyceum in seiner Geburtsstadt besucht hat. Nach seiner Schulzeit schlägt Hoffmann zunächst die Apothekerlaufbahn ein. Nach eigenen Angaben widmet er sich „nach Erhalten des Einjährig-Freiwilligen Berechtigungsscheins der Apothekerlaufbahn“. Er arbeitet drei Jahre lang in verschiedenen Apotheken, zunächst in Genf, später auch in Hamburg, Schandau und La Neuveville in der Schweiz. Die Tätigkeit fasziniert ihn offenbar so sehr, dass er sich zum Studium der Pharmazie und Chemie in München entschließt. 1890 besteht er sein pharmazeutisches Staatsexamen mit „magna cum laude“. Nach seinem Militärdienst, den er als Militärapotheker in Ingolstadt und München ableistet, promoviert er 1893 im Fach Chemie mit einer Arbeit „Über einige Derivate des Dihydroanthracens und des Dekahydrochinolins“. Auch sie erhält die Auszeichnung „magna cum laude“ der Ludwig-Maximilians-Universität zu München. Sein Doktorvater ist Prof. Eugen von Bamberger.
Im Anschluss an sein Studium arbeitet Hoffmann als Unterrichtsassistent bei Prof. Hans Freiherr von Pechmann im Münchener Universitätslaboratorium, bis er sich zum Wechsel in die Pharmazeutische/Chemische Industrie entschließt. Am 1. April 1894 tritt er auf Empfehlung von Pechmanns und des späteren Nobelpreisträgers Prof. Adolf von Baeyer, bei dem er in München studiert hatte, in die „Farbenfabriken vormals Friedrich Bayer & Co.“ , Elberfeld ein.
„Mit Vergnügen erfülle ich den Wunsch des Herrn Dr. Hoffmann ein Zeugnis auszustellen, da ich ihn als einen sehr tüchtigen jungen Chemiker kennengelernt habe. Derselbe verbindet mit einem durchaus zuverlässigen Charakter eifriges wissenschaftliches Streben und praktische Geschicklichkeit in einem solchen Grade, dass er ohne Zweifel allen Ansprüchen, die in der Farben- oder in der chemischen Präparateindustrie an ihn gestellt werden könnten, sich vollkommen gewachsen zeigen wird. Ich kann ihn daher für eine solche Stelle auf das Wärmste empfehlen.“ (Zeugnis von Adolf von Baeyer, Abschrift). „Herr Dr. Hoffmann hat mehrere Semester im Münchener Universitätslaboratorium unter meiner Leitung gearbeitet und sich dabei als sehr fleißiger, manuell äußerst geschickter, gut beobachtender und kenntnisreicher Chemiker bewährt. Ich kann ihn daher warm empfehlen.“ (Zeugnis von Prof. Bamberger, Abschrift)
Bei den Farbenfabriken Bayer arbeitet Felix Hoffmann als Chemiker zunächst im Chemisch-Wissenschaftlichen Laboratorium an der Entwicklung neuer Medikamente. Sein Anfangsgehalt beträgt 2100 Mark pro Jahr. Er beschäftigt sich mit Alkaloidderivaten, Formaldehydverbindungen mit organischen Alkoholen, Salicylsäurederivaten, Guajacolderivaten und Tanninderivaten. Unter anderem synthetisiert er Diacetylmorphin, das 1898 unter dem Handelsnamen „Heroin“ auf den Markt kommt. In Verkennung des Abhängigkeitspotentials wird das Mittel zunächst bei schwerem Reizhusten und zur Therapie der weit verbreiteten Tuberkulose in der Medizin verwendet. Später wird es jedoch verboten und die Produktion eingestellt.
Auf der Suche nach einem effektiven und besser verträglichen Schmerzmittel gegen Rheuma als dem bis dahin gebräuchlichen Natriumsalicylat, gelingt Hoffmann am 10. August 1897 eine historische Entdeckung: Durch Acetylierung der Salicylsäure mit Essigsäure gewinnt er Acetylsalicylsäure in chemisch reiner und stabiler Form. Acetylsalicylsäure wirkt schmerzstillend, fiebersenkend sowie entzündungshemmend und greift vor allem den Magen nicht an. Hoffmanns Forschungsergebnis wird in Zusammenarbeit mit anderen Bayer-Wissenschaftlern zu einem Meilenstein in der Entwicklung der modernen Medizin. Die Acetylsalicylsäure ist das erste im Labor hergestellte nicht-steroidale Antirheumatikum, das in chemisch reiner und stabiler Form für die industrielle Massenproduktion verfügbar wird. Die Farbenfabriken Bayer bringen den Wirkstoff 1899 unter dem geschützten Namen „Aspirin“ auf den Markt. Mit der Einführung des Aspirins endet die Labortätigkeit von Hoffmann. Nach Ablauf seines Fünf-Jahres-Vertrags als Laboratoriumschemiker wird ihm am 1. April 1899 die Leitung der kaufmännisch-pharmazeutischen Abteilung der Farbenfabriken Bayer übertragen, deren Aufbau eng mit seinem Namen verbunden ist. Zwei Jahre später wird ihm als Abteilungsvorstand Prokura erteilt.
Nach Aussage eines Arbeitskollegen war Hoffmann „... mittelgroß, schwarzhaarig, mit kleinen blitzenden Augen. Er hatte die Gewohnheit, schnell zu sprechen und war besorgt um guten Ausdruck, peinlich genau in seiner Arbeit und wenig beliebt im Schreibsaal, weil er Tippfehler oder gar falsche Buchstaben nicht durchgehen ließ. Stets sorgfältig gekleidet, trug er häufig einen Schwalbenschwanz, der wegen seines tänzelnden Ganges hin und her wedelte, was ihm den Spitznamen der „Schwenker“ eintrug ... Er war ein Original.“ Nach über 34 Dienstjahren lässt er sich ab Juli 1928 im Alter von 60 Jahren auf eigenen Wunsch aus gesundheitlichen Gründen beurlauben und geht zum Jahresende in den Ruhestand.
Hoffmann wohnt lange Jahre in Elberfeld, doch nach der Verlegung des Firmensitzes von Elberfeld nach Leverkusen im Jahr 1912, zieht er in den zwanziger Jahren in das nahe gelegene Köln-Mülheim. Nach seiner Pensionierung lebt er bis zu seinem Tod im „Hotel du Park“ in Lausanne-Ouchy am Genfer See. Er sammelt alte Taschenuhren und widmet sich ganz einer weiteren Leidenschaft: der Kunstgeschichte. Hier ist es das Zeitalter des Barock, das ihn besonders fasziniert.
Nach dreimonatigem Krankenhausaufenthalt stirbt Hoffmann im Alter von 78 Jahren am 8. Februar 1946 um 8:30 Uhr in der Schweiz. Entsprechend seinem letzten Willen wird er im „Crématoire de Montoie“ in Lausanne verbrannt und seine Asche verstreut.
Viele Jahre später werden Hoffmann posthum zwei ganz unterschiedliche Ehrungen zuteil. Aus Anlass des 100jährigen Pharma-Jubiläums der Bayer AG im Jahr 1988 wird in Wuppertal-Aprath eine Straße nach ihm benannt. 2002 wird er in den USA in die „National Inventors Hall of Fame“ aufgenommen. Das Museum in Akron in Ohio informiert in seiner Ausstellung über Männer und Frauen, die mit außerordentlichen Erfindungen zum medizinischen, sozialen oder wirtschaftlichen Fortschritt beigetragen haben. Hoffmann befindet sich dort in bester Gesellschaft, darunter weltbekannte Persönlichkeiten wie zum Beispiel Walt Disney, der eine spezielle Kamera zur Produktion von Zeichentrickfilmen erfand, oder Henry Ford, dem Pionier der Automobilindustrie und Mitbegründer der „Ford-Werke“.
Quellen: Bayer AG, Unternehmensgeschichte Leverkusen (BAL): Personalia F. Hoffmann, Sign. 271/2; PA F. Hoffmann Sign. 271/2.1; Pharma, Pharmazeutische Abt., Allgemeines, Sign. 166/14.1; StadtA Ludwigsburg: Familienregister Nr. 6371, Reinhold Hoffmann; Bürgerliste Reinhold Hoffmann Sign. L 34 Bd. 13; Taufregister 1868, F. Hoffmann; Adressbuch Ludwigsburg, 1869.
Werke: Über einige Derivate des Dihydroanthracens- und des Dekahydrochinolins, 1893; Hoffmann, Die pharmazeutische Verkaufsabt., in: Geschichte und Entwicklung der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. Elberfeld in den ersten 50 Jahren, 1918.
Nachweis: Bildnachweise: Diverse Fotos, BAL.

Literatur: F. Hoffmann, in: NDB 9, 176 f.; Michael de Ridder, Heroin. Vom Arzneimittel zur Droge, 2000; Thijs Jan Rinsemar, De Natur voorbij, 2000; The future has just begun, Bayer AG, Consumer Care, 2001.
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