Märklin, Eugen Karl
| Geburtsdatum/-ort: | 22.12.1861; Göppingen |
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| Sterbedatum/-ort: | 21.12.1847; Göppingen |
| Beruf/Funktion: |
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| Kurzbiografie: | 1888 Übernahme der 1859 von seinem Vater gegründeten Spielzeugfabrik, zusammen mit seinem Bruder Karl Gründung der „Gebrüder Märklin OHG“ 1891 Übernahme der Blechspielzeugfabrik Ludwig Lutz in Ellwangen. Entwicklung einer ausbaufähigen Uhrwerks-Eisenbahn mit normierten Schienen (Spur I) 1892 Aufnahme des Teilhabers Emil Fritz (1858 – 1922) in die Firma „Gebrüder Märklin & Co.“ ab 1895 Herstellung von elektrischen Spielzeug-Eisenbahnen 1898 Einführung der Spurweite 0 1907 Aufnahme des Teilhabers Richard Safft (1879 – 1945) 1911 Bezug eines neuen Firmengebäudes in Göppingen 1920 Gründung der „Gebrüder Märklin & Cie. GmbH“ |
| Weitere Angaben zur Person: | Religion: evangelisch Verheiratet: 1889 (Wien) Berta Anna Elisabeth, geb. Christianus (1862 – 1944) Eltern: Vater: Theodor Friedrich Wilhelm (1817 – 1866), Flaschnermeister und Spielzeugfabrikant in Göppingen Mutter: Caroline Friederike, geb. Hettich (1826 – 1893) Geschwister: zwei Brüder sowie zwei Halbschwestern aus der ersten Ehe des Vaters, darunter Karl Adolf (1866 – 1930), Teilhaber und Betriebsleiter der Firma Gebrüder Märklin Kinder: fünf Söhne, vier Töchter, darunter Fritz (1896 – 1961), Nachfolger in der Leitung der Firma |
| GND-ID: | GND/137907524 |
Biografie
| Biografie: | Ansbert Baumann (Autor) Aus: Baden-Württembergische Biographien 8 (2022), 245-248 Der Name Märklin weist darauf hin, dass die Familie, aus der einige bekannte württembergische Pfarrer hervorgingen, ursprünglich aus Merklingen stammt. Auch Märklins Großvater war ab 1815 als Gemeindepfarrer in Tieringen tätig, wo 1817 sein Vater geboren wurde, der 1840 als Flaschnergeselle nach Göppingen gekommen war. Dort hatte er 1844 geheiratet, sich 1856 selbständig gemacht und einen Laden für Blechwaren eröffnet. Nachdem seine erste Ehefrau 1857 verstorben war, heiratete er 1859 Caroline, die Tochter des Ludwigsburger Steingutfabrikanten Hettich und begann noch im gleichen Jahr mit der Herstellung von Kinderspielzeug aus lackiertem Weißblech, vor allem für Puppenküchen. Den Verkauf der Erzeugnisse aus der „Märklinschen Manufaktur“ besorgte seine Frau, die als umtriebige Handelsvertreterin in nahezu ganz Süddeutschland und in der Schweiz unterwegs war. Das Geschäftsmodell der Familie war zunächst so erfolgreich, dass sie schon 1863 ein größeres Wohn- und Geschäftshaus beziehen konnte. Allerdings starb der Vater im Dezember 1866 völlig überraschend an den Folgen eines Sturzes auf der Kellertreppe, sodass die Mutter alleine die Familie versorgen und den Betrieb weiterführen musste. Zwar heiratete sie 1868 den in der Manufaktur beschäftigten Flaschner Julius Eitel, aber die Ehe verlief offenbar schwierig, und Carolines Söhne wurden auswärts aufgezogen. Erst nachdem ihr zweiter Mann 1886 verstorben war, gab die Unternehmenschefin mit 62 Jahren die Verantwortung 1888 an ihre beiden nach Göppingen zurückgekehrten Söhne ab (der älteste Sohn war 1883 nach Amerika ausgewandert). Märklin hatte in der Zwischenzeit eine Berufsausbildung als Kaufmann abgeschlossen, sein jüngerer Bruder Karl hatte das Metalldruckerhandwerk erlernt. Am 8. März 1888 ließen sie eine offene Handelsgesellschaft unter dem Namen „Gebrüder Märklin. Spiel- und Metallwarengeschäft mit Fabrikation“ in das Göppinger Handelsregister eintragen und führten das Geschäft mit dem Verkauf von Puppenküchen, Karren, Schiffsmodellen und kleinen Haushaltsgegenständen fort. Allerdings musste das Unternehmen gleich im ersten Geschäftsjahr einen Verlust von 3.000 Mk. verkraften, sodass der Betrieb nur mit Hilfe einer Hypothek auf das Firmengebäude fortgesetzt werden konnte. Märklin meinte rückblickend, dass er dadurch viel gelernt habe und zeigte in der Folgezeit tatsächlich kaufmännischen Weitblick: Er modernisierte nicht nur das Unternehmen durch die Anschaffung neuer Drehbänke und Pressen, sondern baute auch dessen Vertriebsstrukturen aus und erweiterte die Angebotspalette mit Produkten der auf technisches Spielzeug spezialisierten Firma Lutz aus Ellwangen, deren Gründer Ludwig Lutz 1889 verstorben war. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1891 präsentierte Märklin eine von Lutz produzierte „Uhrwerkbahn mit Schienenanlagen in Form einer Acht“. Offensichtlich erkannte er schnell das Potential einer solchen Spielzeuglokomotive mit genormten Schienen und erwarb deswegen schon wenige Monate später, mit Hilfe eines Kredits über 5.000 Mark, die inzwischen von August Lutz, dem Sohn des Firmengründers, geleitete Firma. Da er nicht nur die Fabrikationsanlagen, sondern auch einen Großteil der Mitarbeiter übernahm und nach Göppingen bringen ließ, blieb das technische Know-how des Ellwanger Betriebs erhalten. Somit wurden fortan auch von Märklin Spielzeugeisenbahnen produziert, welche, Dank der genormten Schienen mit gleichbleibender Spurweite, im Gegensatz zu den Produkten anderer Spielzeughersteller, beliebig erweitert werden konnten. Das unternehmerische Risiko zahlte sich aus – schon 1892 wurde mit Emil Friz aus Plochingen ein weiterer Gesellschafter in die Firma aufgenommen, und in den folgenden Jahren erlebte das nun unter dem Namen „Gebrüder Märklin & Co“ firmierende Unternehmen einen anhaltenden Aufschwung. 1895 wurde die Produktpalette um Spielzeug-Dampfmaschinen erweitert und erstmals auch eine elektrische Spielzeugeisenbahn angeboten. Dieser Schritt war schon allein deswegen revolutionär, weil zu dieser Zeit in vielen Städten, so auch in Göppingen, noch gar keine Elektrizitätsversorgung bestand. Gegenüber den mit Spiritus betriebenen Dampflokomotiven hatten die elektrischen Spielzeugmodelle den Vorteil, dass sie keinen Brand verursachen konnten; allerdings lag an den Gleisen die volle Netzspannung (je nach Region 110 oder 220 Volt) an, was für ein Kinderspielzeug durchaus gefährlich war! 1898 wurde für die Schienen mit der Spur 0 eine Spurbreite von 32 mm eingeführt, welche die bis dahin übliche Spurweite von 45 mm (Spur I) nach und nach ersetzte. Binnen kürzester Zeit hatte Märklin die Firma somit zu einem modernen Unternehmen umgebaut, indem er nicht nur die Produktpalette kontinuierlich erweitert, sondern auch hinsichtlich der Produktionsmethoden eine erfolgreiche Verbindung von Massenproduktion mit handwerklicher Präzision gefunden hatte. Dementsprechend expandierte die Firma auch räumlich: Schon 1891 wurde das Nachbarhaus des Firmengebäudes in der Grabenstraße erworben, 1895 die Produktion in die Marktstraße verlegt, und im Jahr 1900 konnte die inzwischen auf 700 Mitarbeiter angewachsene Firma einen Neubau mit über 6.000 qm in der Stuttgarter Straße beziehen, vor den dann 1911 ein weiteres, 110 m langes, sechsstöckiges Werksgebäude gesetzt wurde, welches in Göppingen bis heute einen stadtbildprägenden Charakter hat. 1907 war mit dem Industriellen Richard Safft ein weiterer Teilhaber in die Firma eingetreten, der sich in den folgenden Jahren vor allem den Auslandsgeschäften widmete. Verkaufsstellen und Musterlager entstanden in London, Paris, Amsterdam, Mailand, Moskau und New York, wohin allein im Jahr 1910 Spielzeug im Wert von 90.000 Goldmark exportiert wurde. Hilfreich war dabei, dass die Produkte aus dem Hause Märklin in ihrer Gestaltung ohne größeren Aufwand an den jeweiligen Absatzmarkt angepasst werden konnten. Die Produktpalette des Unternehmens umfasste inzwischen 1.650 Spielzeuge, von dem nach wie vor hergestellten Puppenküchenzubehör über Kaufläden, Kreisel, Flugzeuge, Schiffe und Autos, bis hin zu 90 verschiedenen Dampfmaschinen und Eisenbahnen. 1912 begann die Zusammenarbeit mit dem britischen Spielzeughersteller Mecano, für welchen Märklin Federaufzug-Motoren lieferte und den Vertrieb der Metallbaukästen auf dem europäischen Kontinent übernahm. Bei Kriegsbeginn 1914 kaufte die Vereinigung Deutscher Spielwarenhändler (VEDES) die Lizenzrechte für die Herstellung der Metallbaukästen und übertrug sie 1915 an Märklin Zu dieser Zeit war die Firma bereits auf die Produktion von Kriegsspielzeug umgestiegen und führte nun auch Kanonen, Gewehre, Feldküchen, Sanitätswagen, Unterseeboote und Kriegsschiffe in ihrem Sortiment. Allerdings ging die Nachfrage nach derartigen Produkten im Verlauf des Krieges deutlich zurück, so dass bereits 1918 wieder vorrangig Eisenbahnen und Dampfmaschinen verkauft wurden. Nach Kriegsende konnte das Unternehmen, welches 1920 in eine GmbH umgewandelt wurde, rasch wieder an die erfolgreiche Vorkriegsentwicklung anknüpfen: Die seit 1919 eigenständig produzierten Metallbaukästen erwiesen sich als großer Verkaufserfolg. Vor allem konzentrierte Märklin sich aber darauf, die Produkte des Unternehmens möglichst stark an die modernen technischen Geräte anzugleichen. So entwickelte die Firma nicht nur ein detailgetreues Modell des Ford-T, sondern baute auch Dampfmaschinen und Eisenbahnen mit möglichst großer Originaltreue auf der Basis von realen Vorbildern. Speziell die elektrischen Spielzeugeisenbahnen, für welche 1926 das sichere 20 Volt-System eingeführt wurde, entwickelten sich somit immer mehr zu Modellbahnen. In diesem Segment war das Unternehmen mit seinen 900 Mitarbeitern Ende der 1920er Jahre unbestrittener Weltmarktführer. Märklin trat 1935 als Geschäftsführer des Unternehmens zurück, Nachfolger wurde sein Sohn Fritz, der noch im gleichen Jahr mit der Produktion von Tischeisenbahnen mit der Spurweite von 16 mm begann, welche im März erstmals von der Nürnberger Firma Trix auf der Leipziger Frühjahrsmesse präsentiert worden war. Diese sogenannte Spur 00 (seit 1950: H0) wurde zur mit Abstand verbreitetsten Baugröße von Modelleisenbahnen, für welche der Name Märklin zu einer Art Synonym wurde. Märklin gebührt zweifelsohne das Verdienst, die Firma mit großem unternehmerischem Geschick aufgebaut und gezielt im Marktsegment des technischen Spielzeugs etabliert zu haben. Die Tatsache, dass er dabei die familiäre und lokale Verwurzelung des Unternehmens stets im Auge behielt, trug wesentlich dazu bei, dass jenes Krisenzeiten wesentlich besser überstehen konnte als manche als Aktiengesellschaft organisierten Großbetriebe, da die Opferbereitschaft, aber auch das persönliche Engagement der Teilhaber und der Mitarbeiter in wirtschaftlich schwierigen Situationen einen wesentlichen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Betriebs leisteten. Dazu gehörte auch, dass Märklin stets auf gute Arbeitsbedingungen Wert legte. Politisch engagierte er sich während der Weimarer Republik für die linksliberale DDP im Göppinger Gemeinderat und ging gegenüber dem Nationalsozialismus auf Distanz. Im Januar 1944 verstarb nach fast 55-jähriger Ehe seine aus Wien stammende Frau Berta; der frühere Firmenchef erlebte noch das Ende des Zweiten Weltkriegs, den die Werksanlagen seines Unternehmens unbeschädigt überstanden, sodass die Produktion rasch wiederaufgenommen werden konnte. Im Dezember 1947 starb er an den Folgen eines Schlaganfalls. |
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| Quellen: | StadtA Göppingen C 10, Nr. 47.5 u. 48.1. |
Literatur + Links
| Literatur: | Firmenbiographie Gebr. Märklin & Co. GmbH, in: P. Goes, Der Kreis Göppingen, 1973, 374 – 376; G. Ams, Über die Anfänge der Industrie in Baden und Württemberg, 1986, 40 – 44; H. Jaeger, Märklin, Eugen, in: NDB 15 (1987), 640 f.; G. Adriani/R. Gaugele (Hgg.), Dem Spiel auf der Spur. Mythos Modelleisenbahn. Die Geschichte des Hauses Märklin von 1859 bis heute, 2003. |
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