Württemberg, Konrad (I.) 

Geburtsdatum/-ort: ..
Sterbedatum/-ort: ..
Weitere Angaben zur Person: Verheiratet: Werndrut
Geschwister: Bruno (-23.3.1120)
Liutgard
GND-ID: GND/1019470038

Biografie: Dieter Mertens (Autor)
Aus: Lexikon Haus Württemberg, S. 8-9

Konrad ist für den Zeitraum von 1081 bis 1110 bezeugt. Er dürfte zu den Nachfahren Konrads – als Herzog von Kärnten Konrad I. (1004–1011) –, eines Bruders Papst Gregors V. und Vatersbruders Kaiser Konrads II., und der Mathilde von Schwaben zählen und damit zu den Verwandten der salischen Könige. Er ist der mutmaßliche Erbauer, gewiß aber der Vollender der Burg Württemberg, nach der er zubenannt wurde. Da die Burgkapelle 1083 geweiht wurde, scheint die Burg auch um diese Zeit der namengebende Sitz Konrads geworden zu sein. Sie trat neben oder ersetzte vielmehr die Zubenennung nach Beutelsbach, die in einem längeren Schenkungsbericht des Klosters Hirsau verwendet wird. Konrad begegnet als wichtiger Mann in der Adelswelt Schwabens. Er ist Zeuge bei zwei Güterschenkungen Diemars von Trifels an Kloster Hirsau (1081/1088); bei der ersten als Spitzenzeuge vor den Grafen Liutold von Achalm und Hugo von Tübingen. Den sogenannten Bempflinger Vertrag von 1089, in dem Werner von Grüningen, der Neffe der Gründer des Klosters Zwiefalten, gegen Entschädigung auf alle Erbansprüche am Klostergut verzichtete, bezeugt Konrad in zweiter Position – der Name der Frau Konrads, Werndrut, könnte auf Verwandtschaft mit Werner von Grüningen hindeuten. 1092 gehörte Konrad in Ulm zu den Adligen, die Berthold II. („von Zähringen“) gegen Herzog Friedrich I., den Staufer, zum Herzog erhoben.
Konrad erscheint hier stets in Opposition zu Heinrich IV. und seinen Anhängern. Aus dieser politischen Haltung sind wohl auch die gemeinsame Hinwendung Konrads und seiner Frau Werndrut, seines geistlichen Bruders Bruno und seiner Schwester Liutgard zum Kloster Hirsau zu erklären, als dem Zentrum der Gegner Heinrichs IV. Den Höhe- und Scheitelpunkt seines Einflusses bildete die Wahl Brunos zum Abt von Hirsau 1105, mit der das Kloster auch die Unterstützung Konrads gewinnen wollte. Die Wahl war gegen Gebhard, den bisherigen Abt, seit 1105 Bischof von Speyer und Abt von Lorsch, sowie gegen den Hirsauer Vogt Gottfried von Calw gerichtet. Konrad ist vor Bruno gestorben und hat anscheinend keine leiblichen Erben hinterlassen.
Quellen: Codex Hirsaugiensis, hrsg. von Eugen Schneider (Württembergische Geschichtsquellen 1), Stuttgart 1887, S. 29, 55f., 67f.
Die Zwiefalter Chroniken Ortliebs und Bertholds, neu hrsg., übersetzt und erläutert von Luitpold Wallach, Erich König und Karl-Otto Müller (Schwäbische Chroniken der Stauferzeit 2), Sigmaringen 1978, S. 38–41.
Die ältesten Urkunden von Allerheiligen in Schaffhausen, Rheinau und Muri, hrsg. von Franz Ludwig Baumann, Gerold Meyer von Knonau und P.M. Kiem (Quellen zur Schweizer Geschichte 3,1), Basel 1883, S. 31–35.
Nachweis: Das Haus Württemberg: ein biographisches Lexikon / hrsg. von Sönke Lorenz ... In Zusammenarbeit mit Christoph Eberlein ... und dem Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Stuttgart; Berlin; Köln 1997; Bildnachweise: Landesarchiv Baden-Württemberg

Literatur: Dieter Mertens, Beutelsbach und Wirtemberg im Codex Hirsaugiensis und in verwandten Quellen, in: Person und Gemeinschaft im Mittelalter. FS für Karl Schmid, hrsg. von Gerd Althoff u.a., Sigmaringen 1988, S. 460–475.
Ders., Zur frühen Geschichte der Herren von Württemberg. Traditionsbildung – Forschungsgeschichte – neue Ansätze, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 49 (1990), S. 64–71, 82–86.
Stefan Schipperges, Der Bempflinger Vertrag von 1089/90. Überlieferung und historische Bedeutung, Esslingen a.N. 1990, S. 98–104.
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