Württemberg-Urach, Barbara, Gräfin/ Herzogin (seit 1495) 

Andere Namensformen:
  • geb. Gonzaga von Mantua
Geburtsdatum/-ort: 00.12.1455; Mantua (Italien)
Sterbedatum/-ort: 30.05.1503;  Böblingen; begr. in der Klosterkirche der Dominikanerinnen in Kirchheim unter Teck
Weitere Angaben zur Person: Verheiratet: April 1474 Graf/Herzog Eberhard V./I. im Bart von Württemberg
Eltern: Vater: Markgraf Ludovico II. Gonzaga von Mantua
Mutter: Barbara, geb. von Brandenburg
Kinder: 1; Barbara (2.8.1475-1475/76)
GND-ID: GND/124505775

Biografie: Dieter Mertens / Ebba Severidt (Autor)
Aus: Lexikon Haus Württemberg, S. 95-96

Barbaras Eltern suchten von vornherein im Reich nach einem Ehemann für ihre Tochter, nachdem schon 1463 der Erbe Federico Margarete von Bayern-München geheiratet hatte. Für die Gonzaga dürfte das Prestige dieser Heiraten ausschlaggebend gewesen sein. Möglicherweise suchten sie auch durch eine enge Anbindung an das Reich ihre Stellung in Norditalien zu stärken. Für Eberhard mag wichtig gewesen sein, daß seine Braut gute Beziehungen zu fast allen ihn umgebenden Parteien besaß: Sie war eine Großnichte Markgraf Albrecht Achilles’, ihre Schwägerin war eine Wittelsbacherin, und mit Sigismund von Tirol verband die Gonzaga eine lange, durch patenschaftliche Bande verfestigte Freundschaft. Gleichzeitig aber nahm sie als Italienerin eine neutrale Stellung ein. Zudem hatte sie einen Kardinal zum Bruder, der an der Kurie vermitteln konnte, so z.B. in den Auseinandersetzungen um das Konstanzer Bistum und wohl auch bei den Unternehmungen zur Gründung der Universität Tübingen. Krönung dieser guten Beziehung zur Kurie war die Überreichung der goldenen Rose durch Papst Sixtus IV. 1482.
Schon Ende der 1460er Jahre hatte es erste Kontakte bezüglich einer Heirat gegeben, doch erst Ende 1473 trat Eberhard ernsthaft an die Gonzaga heran. Im April 1474 fand in Mantua dann die kirchliche Eheschließung Eberhards und Barbaras statt, im Juli zu Urach das prunkvolle Fest. Anscheinend herrschte, zumindest anfänglich, ein gutes Einvernehmen zwischen den Ehegatten, doch hatte Barbara Schwierigkeiten, sich an die im Vergleich zum heimischen Hof bescheidenenn neuen Lebensverhältnisse anzupassen, und scheint viel Sehnsucht nach den Ihren gehabt zu haben. Politisch ist sie nicht hervorgetreten. Das für sie unüberwindbare Problem war letztlich ihre Kinderlosigkeit: Am 2. August 1475 brachte sie ihr einziges Kind Barbara zur Welt, die bereits im Frühjahr 1476 verstarb. Zehn Jahre nach ihrer Hochzeit sprach Barbara in einem Brief an ihre Familie von ihrem Elend und nannte sich unglücklich und verachtet. Nach dem Tode ihres Gatten plante sie ihre Rückkehr nach Mantua, die sie aber nicht verwirklicht hat. Sie blieb in Böblingen. Ihr Grab in Kirchheim erhielt anscheinend nie einen Stein. Seit dem Abbruch des Chores (wohl 1537) sind Barbaras Gebeine verschollen; von Herzog Christoph 1551 veranlaßte Nachforschungen blieben ohne Erfolg.
Nachweis: Das Haus Württemberg: ein biographisches Lexikon / hrsg. von Sönke Lorenz ... In Zusammenarbeit mit Christoph Eberlein ... und dem Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Stuttgart; Berlin; Köln 1997

Literatur: Fürstliche Witwen auf Schloß Böblingen, Katalog zur Ausstellung der Stadt Böblingen, Böblingen 1987, S. 79–86, 87–92.
Raff, Gerhard, Hie gut Wirtemberg allewege Bd. 1, Stuttgart 1988, S. 376–385, 449–453.
Württemberg im Spätmittelalter, Katalog zur Ausstellung des Hauptstaatsarchivs Stuttgart und der Württembergischen Landesbibliothek, Stuttgart 1985, S. 14–24, 70–74, 131f.
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