Theodor Heuss

Statue von Theodor Heuss zu seinem 125. Geburtstag am Tag ihrer Einweihung durch Bundespräsident Horst Köhler in Brackenheim, 2009. Copyright: LABW
Statue von Theodor Heuss zu seinem 125. Geburtstag am Tag ihrer Einweihung durch Bundespräsident Horst Köhler in Brackenheim, 2009. Copyright: LABW

Mit ihm ist die Humanität zu einer Kraft in Deutschland geworden, gedachte Theodor W. Adorno Theodor Heuss'. Heuss, am 31. Januar 1884 in Brackenheim geboren, gestorben am 12. Dezember 1963 in Stuttgart, war von seiner schwäbisch-fränkischen Heimat geprägt. Sein warmer Dialekt kam – im wohltuenden Kontrast zum martialischen Gedröhne der NS-Diktatur – bei den Deutschen der Nachkriegszeit als unmittelbarer Träger des Humanen an. Heuss war der erste und einzige Präsident der Bundesrepublik Deutschland (1949–1959), der seine Landsleute mit ihr ansprach, ohne dafür Widerspruch zu ernten. Die Leute mögen mich, charakterisierte er die Sympathie, die die Deutschen Papa Heuss entgegenbrachten, wenngleich er diesen Titel nicht schätzte.

Heuss war immer auch Landespolitiker. Auf einer Stuttgarter DDP-Wahlversammlung über Deutschlands Zukunft plädierte er bereits 1919 für eine Oberrheinische Republik, bestehend aus Württemberg, Baden und der Rheinpfalz. In dem 33 Jahre später gegründeten Südweststaat sah er das Modell deutscher Möglichkeiten. In der NS-Zeit, die ihm den Verlust seiner Ämter und Mandate brachte, veröffentlichte er, seit 1943 mit Schreibverbot belegt, unter dem Pseudonym Thomas Brackheim.

Seiner Heimat, aus der ein Geistesleben herausgewachsen (ist), das trotz räumlicher Enge nur große Maße, die größten Maße kennt, verdankte er sein geistiges Fundament. Am Heilbronner Karlsgymnasium erwarb er die christlich-humanistische Bildung, aus der er bis ins hohe Alter für sein Prinzip Demokratie als Lebensform schöpfte. Als er am 12. September 1949 in Bonn zum ersten Bundespräsidenten gewählt wurde, schloss er seine Antrittsrede mit dem 34. Vers aus dem 14. Kapitel der Sprüche Salomons Gerechtigkeit erhöhet ein Volk. Sahen jüngere Politiker wie Kurt Georg Kiesinger in ihm auch einen liebenswerten Überrest aus dem 19. Jh., war Heuss gleichwohl ein Glücksfall für die zweite deutsche Demokratie. Denn ihm kam es darauf an, die rechtliche Kontinuität des staatlichen Seins unabhängig von jeglichem persönlichen Aspekt zu sichern. Die Demokratie sah er als Herrschaftsauftrag auf Frist.

Peter Exner

Veröffentlicht in: Der Landkreis Heilbronn. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Heilbronn (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2010, Bd. 1, S. 390. 

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