Der Tod im Winterberg-Tunnel. Eine Tragödie im Ersten Weltkrieg

von Rainer Brüning

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung [Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg]

Am 4. Mai 1917 wurden im Winterberg-Tunnel bei Craonne am Chemin des Dames im Nordfrankreich circa 100 bis 150 Soldaten vornehmlich des badischen Reserveinfanterieregiments 111 verschüttet. Ihre Leichen wurden nie geborgen. Der Ort des Geschehens selbst war nach Ende der Kampfhandlungen nicht mehr auffindbar.

Als jedoch mehr als ein Jahrhundert später der Eingang des Tunnels im Jahr 2020 wiederentdeckt wurde, entschloss sich das Landesarchiv Baden-Württemberg, die damaligen Geschehnisse anhand der im Generallandesarchiv Karlsruhe aufbewahrten Quellen zu rekonstruieren und das Schicksal der betroffenen Menschen der interessierten Öffentlichkeit in einer deutsch-französischen Wanderausstellung näher zu bringen[1]. Sie wird nach ihrem Start am 18. Mai 2022 in Karlsruhe durch Deutschland, Frankreich und Belgien reisen. Unterstützt wird das Projekt vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., der freundlicherweise auch erste Grabungsfunde zur Verfügung gestellt hat, und vom Office national des forêts (O.N.F.).

Noch ist die Situation offen. Können und sollen die Toten geborgen werden? Wie könnte eine angemessene Gedenkstätte für sie aussehen? Für diese wichtige Diskussion will der Beitrag des Landesarchivs Baden-Württemberg die notwendigen Grundlagen schaffen und solide Informationen auf LEO-BW bereitstellen. Der erste Abschnitt stellt in Form eines wissenschaftlichen Aufsatzes die historischen Ereignisse im Mai 1917 dar, wie sie sich aus den schriftlichen Quellen herausarbeiten lassen. Im zweiten Abschnitt werden die Texte und Exponate unserer Wanderausstellung in sechs Kapiteln präsentiert. Dazu gibt es im dritten Abschnitt pädagogisches Begleitmaterial für die Schulen. Der vierte Abschnitt ist schließlich eine Datenbank mit 320 Biogrammen von getöteten, vermissten, geretteten, verwundeten oder gefangenen Soldaten, die in den Militärunterlagen über die Tragödie im Winterberg-Tunnel identifiziert werden konnten.

Unser exemplarisches Projekt möchte den Menschen, die im Großen Krieg verloren gingen, ihre Namen und ihre Geschichte zurückzugegeben.

Anmerkung

[1] Für ihre Übersetzung ins Französische und ihre fundierte wissenschaftliche Beratung danke ich besonders unserer elsässischen Kollegin Frau Laëtitia Brasseur (Firma Hérade - Patrimoine Documentaire).

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