Zwischen Lazarett und Verhandlungstisch Ernst II. zu Hohenlohe-Langenburg im Ersten Weltkrieg

Ernst II. zu Hohenlohe-Langenburg (Mitte) bei der freiwilligen Krankenpflege. Vorlage: Landesarchiv HZAN La 142 Bü 913
Ernst II. zu Hohenlohe-Langenburg (Mitte) bei der freiwilligen Krankenpflege. Vorlage: Landesarchiv HZAN La 142 Bü 913

Der Militärdienst gehört seit dem Mittelalter zu den klassischen Betätigungsfeldern des Adels. Deshalb finden sich in adeligen Nachlässen recht häufig Dokumente über kriegerische Ereignisse in Europa und darüber hinaus. Im Hohenlohe-Zentralarchiv lohnt sich, wenn es um den Ersten Weltkrieg geht, insbesondere ein Blick in den Nachlass von Fürst Ernst II. zu Hohenlohe-Langenburg. Dieser spielte während der vier Kriegsjahre eine nicht unbedeutende Rolle in den diplomatischen und militärischen Angelegenheiten des Deutschen Reichs.

Fürst Ernst II. war am Tag nach der deutschen Mobilmachung am 1. August 1914 bei Kaiser Wilhelm II. persönlich zum Frühstück empfangen worden. Im Auftrag von Kaiser und Reich war er später an der Front im Westen wie auch in Russland hauptsächlich mit karitativen Aufgaben betraut. Als Generaldelegierter der freiwilligen Krankenpflege für den östlichen Kriegsschauplatz und kaiserlicher Kommissar und Militärinspekteur der freiwilligen Krankenpflege trug er die Verantwortung für die Versorgung der verwundeten kaiserlichen Soldaten in der Etappe. In diesem Zusammenhang saß er im Hauptquartier Ost mit dem Oberbefehlshaber der Ostfront, Prinz Leopold von Bayern, an einem Tisch und stand im Briefwechsel mit Hindenburg. Seine detaillierten Notizen über den Einsatz von Sanitätspersonal weisen Ernst zu Hohenlohe-Langenburg als akribischen Organisator aus. Von einigen seiner Stationen brachte er Postkarten und Fotografien mit, die dem heutigen Betrachter einen Eindruck der bald darauf vom Krieg versehrten Landschaft vermitteln.

Zwar kämpfte der Fürst, der zu Kriegsbeginn schon 50 Jahre alt war, nicht als kaiserlicher Offizier an vorderster Front – mit der Brutalität des Krieges wurde er aber bei zahlreichen Lazarettbesuchen umso häufiger konfrontiert. Seine persönliche Anteilnahme an den Verheerungen der Kämpfe zeigt sich in einem intensiven Briefwechsel mit der Witwe eines ehemaligen Adjutanten, der an der Westfront gefallen war, und im Einsatz für die Freilassung von Sanitätspersonal, das in Gefangenschaft geraten war. Als Ablenkung vom Grauen des Krieges fand Ernst auch Zeit zur herrschaftlichen Jagd hinter der Front sowie zu ausgiebigen Dinners – mitunter mit musikalischen Darbietungen – in den Offizierskasinos, wie eine Speisekarte mit den Unterschriften aller anwesenden Offiziere belegt. Von einer Weihnachtsfeier sind kurze Gedichte auf alle anwesenden Personen überliefert – Zerstreuung vom zermürbenden Kriegsalltag.

Daneben war Ernst II. auch als politischer Unterhändler nicht zuletzt gegen Kriegsende aktiv. So nahm er unter anderem 1917 an den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk teil. Die deutsche Seite, vertreten vornehmlich durch Angehörige des deutschen Hochadels, handelte hier mit den sowjetischen Revolutionären um Leo Trotzki den Waffenstillstand aus, der den Krieg im Osten beendete. In der neutralen Schweiz führte der Fürst dann 1918 eine Delegation an, die in Bern einen Gefangenenaustausch zwischen dem Deutschen Reich und den Vereinigten Staaten erörterte. Ebenso war er als kaiserlicher Sonderbotschafter in Konstantinopel tätig.

Simon Karzel

Quelle: Archivnachrichten 48 (2014), S. 22-23. 

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