Hochstift Straßburg

Der Baiersbronner Forst auf einer Karte von Georg Gadner, um 1600 (HStAS N 3 Nr. 1)


Der Baiersbronner Forst auf einer Karte von Georg Gadner, um 1600 (Landesarchiv HStAS N 3 Nr. 1)

Grundlegend für die Straßburger Territorialherrschaft wurde bereits die Ausstattung des Bistums in der Merowingerzeit, die u. a. Besitz in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadt, im Breuschtal, bei Rufach sowie die Ettenheimer Mark und Streubesitz im Breisgau umfasste. Um die Jahrtausendwende kamen verschiedene Klöster links des Rheines sowie das auf einer Rheininsel gelegene Hönau hinzu. Die 1070 von einem Adligen geschenkte Ullenburg in der nördlichen Ortenau wurde bald wieder an die Zähringer verlehnt. Der Breisgauer Besitz, gegen 1200 noch einmal durch die Kreuzzugsstiftung des Grafen Bertold von Nimburg vermehrt, konnte nicht zum Territorium ausgebildet werden. Wie alle Bistümer am Oberrhein musste auch Straßburg der staufischen Hausmachtbildung seinen Tribut zollen; mehrere elsässische Reichsstädte sind auf bischöflichem Boden erwachsen. Dagegen hat der König die Ansprüche des Bistums auf das Dagsburger Erbe 1225/36 anerkannt. Bischof Heinrich von Stahleck schlug sich 1246 auf die Seite der Staufergegner und konnte einen großen Teil der Königsstädte, auch die in der Ortenau, erobern. Sein Nachfolger Walter von Geroldseck verlor 1262 endgültig die Herrschaft über die Stadt. Die Bischofsresidenz wurde nach dem im 11. Jahrhundert vom Kloster Maursmünster erworbenen Zabern verlegt. Rudolf von Habsburg, schon Gegner des Bistums in der Zeit des Kampfes mit der Stadt, zwang als König den Bischof zur Herausgabe und zum Verzicht auf die Masse des Reichsgutes gegen kleinere Zugeständnisse.

Damals tauchen die Herren von Lichtenberg erstmals als Inhaber von großen Straßburger Lehen auf dem rechtsrheinischen Gegenufer der Bischofsstadt auf. Die Lehen müssen aus einer Entfremdung durch die noch ungeklärte Hochstiftsvogtei stammen. Das Hochstift konnte aber seine Ansprüche in der Ortenau durch Ankauf eines Teiles der Bamberger Rechte um Mahlberg vermehren und die Ullenburg in eigene Verwaltung nehmen. Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts gelangen größere territoriale Erfolge durch den Ankauf von Fürsteneck mit dem Renchtal von den Grafen von Fürstenberg und die Ausweitung dieses Komplexes durch alte Königsrechte und die Stadtgründung Oberkirch. Die Übernahme der Reichspfandschaft in der Ortenau sollte 1351 eine weitere Abrundung bringen. Da etwa gleichzeitig (1359/84) auch noch die Landgrafschaft im Unterelsass erworben wurde und die Bischöfe in zahlreiche Fehden verwickelt waren, geriet das Hochstift in eine schwere Finanzkrise, während der es um 1400 fast seinen gesamten Besitz verpfänden musste. Die Hälfte der Landvogtei Ortenau wurde durch Kurpfalz ausgelöst, und es drohte schon damals der erst 1551 eingetretene Verlust des Restes. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war durch energische Bischöfe und die finanzielle Mithilfe des Domkapitels das Territorium weitgehend wiederhergestellt.

Kloster Ettenheimmünster, um 1683 (GLAK G Ettenheimmünster 15)

Kloster Ettenheimmünster, um 1683 (Landesarchiv GLAK G Ettenheimmünster 15)

Nochmals wurden seine Kräfte überbeansprucht, als, bereits nach dem Ansatz kirchlicher Reformen, 1592 eine zwiespältige Bischofswahl für einen katholischen und einen evangelischen Kandidaten neue Verwirrung stiftete. Zwar siegte im Kapitelsstreit schließlich der katholische Bewerber 1604, aber für die aufgelaufenen Kosten musste das Renchtal an Württemberg verpfändet werden. Von 1607 bis 1663 hatten habsburgische Prinzen den Straßburger Bischofsstuhl inne, soweit sie nicht durch Schweden und Franzosen während des Dreißigjährigen Krieges aus ihrer Herrschaft vertrieben waren. Nach der Nördlinger Schlacht machten sie den Versuch, die Pfandschaft Oberkirch ohne Entschädigung wieder an sich zu ziehen, und 1640 wurde Oberkirch vorübergehend zum zentralen Verwaltungssitz des Bistums. Es musste nach dem Westfälischen Frieden 1665 doch noch förmlich von Württemberg ausgelöst werden. Unter Bischof Franz Egon von Fürstenberg (1663-1682) trieb das Bistum erstmals eine franzosenfreundliche Politik. 1680 wurden seine linksrheinischen Teile durch Reunion französischer Souveränität unterworfen. Die Belohnung war die Rückgabe des Münsters und der Bischofsresidenz nach dem Fall von Straßburg 1681. Von dort aus regierten ab 1704 Fürstbischöfe aus dem französischen Adelsgeschlecht der Herzöge von Rohan. Die rechtsrheinischen Teile des Bistums, im wesentlichen aus dem Renchtal und dem alten Bezirk von Ettenheim bestehend, erlebten 1634 eine kleine Erweiterung, als die an die Geroldsecker ausgegebene Vogtei über Ettenheimmünster heimfiel, aber erst 1740 hat dieses Kloster die straßburgische Landeshoheit anerkannt. Noch später (1757) folgte die Unterwerfung des Klosters Allerheiligen im Schwarzwald unter die Landeshoheit, doch handelte es sich hier nur um einen kleinen Immunitätsbereich. Als die französische Revolution den Bischof aus Straßburg vertrieb, nahm dieser von 1791 bis 1803 Residenz in Ettenheim. Dorthin folgten ihm eine ganze Reihe von Emigranten aus dem französischen Adel, was nach dem Übergang an Baden noch zu einer politischen Verwicklung führen sollte.

(Quelle: Bearbeitete Fassung aus dem Abschnitt Landesgeschichte, in: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, hg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Band I, Stuttgart, 2. Aufl. 1977)