Lupold von Bebenburg (geb. vor 1300, gest. 1363)

Lupold von Bebenburg, Chorwand der Klosterkirche Anhausen bei Satteldorf-Gröningen, 14. Jh. Copyright: LABW
Lupold von Bebenburg, Chorwand der Klosterkirche Anhausen bei Satteldorf-Gröningen, 14. Jh. Copyright: LABW

Lupold von Bebenburg war wohl die berühmteste Persönlichkeit aus der jüngeren Linie der Bebenburger. Seit der Mitte des 13. Jh. nannte sich eine aus der Reichsministerialität in Rothenburg stammende Familie nach der Burg bei Rot am See. Johannes Trithemius feierte ihn in seinem Katalog berühmter Männer als durch aller Lob berühmten Rechtsgelehrten, ebenso in den göttlichen wie in den weltlichen Schriften vortrefflich gelehrt.

Seine juristische Ausbildung erhielt Lupold in Bologna, wo er 1316 sein Studium begann und von dem berühmten Juristen Johannes Andreae zum Doctor decretorum promoviert wurde. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1322/25 machte er von Würzburg aus kirchliche Karriere: Er erhielt zahlreiche Pfründen und Ämter unter anderem in Würzburg, Mainz, Bamberg und Erfurt und übernahm umfangreiche Aufgaben in der kirchlichen Administration und in der juridischen Praxis.

In dem seine Zeit bestimmenden Konflikt zwischen Ludwig dem Bayern und dem Papsttum wahrte er zunächst eine neutrale Position, bis er 1333 mit dem Trierer Erzbischof Balduin, einem Kontrahenten des Papsts, in Verbindung trat. Um die deutschen Fürsten in der Auseinandersetzung in den Streitfragen um Königswahl und päpstliche Approbation zu unterstützen, verfasste Lupold ein Kompendium der Reichsrechte: In seinem 1340 fertig gestellten Tractatus de juribus regni et imperii Romanorum argumentiert Lupold in der Kaiserfrage historisch. Aus der Geschichte ergebe sich, dass der von den Kurfürsten zum König Gewählte allein aufgrund der Wahl über alle Gewalt im Reich – bestehend aus Deutschland, Burgund und Italien – verfüge, unabhängig von der päpstlichen Bestätigung. Der Traktat fand in der aktuellen Diskussion große Beachtung: Seine Ausführungen über das Kurfürstenkollegium flossen in die Goldene Bulle ein und auch William von Ockham hat Lupolds Thesen diskutiert. Eine Renaissance erlebte sein Werk bei den Juristen und Humanisten des 15. und 16. Jahrhunderts. So leitete Sebastian Brant den ersten Druck des Traktats 1508 mit Lobversen auf Lupold ein.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit war Lupold auch auf politischem und kirchlichem Terrain aktiv. Als Bischof von Bamberg (seit 1353) trat er als erfolgreicher Territorialpolitiker und Berater Karls IV. auf. Lupold starb am 28. Oktober 1363 und wurde im Bamberger Dom unter dem von ihm gestifteten Laurentiusaltar beigesetzt.

Adela Schneider

Veröffentlicht in: Der Landkreis Schwäbisch Hall. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Schwäbisch Hall (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2005, Bd. 1, S. 49. 

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