Fürstin Amalie Zephyrine (1760-1841) und die Anfänge des Sigmaringer Prinzenbaus

Das Schlößle der Fürstin Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen. Ansicht der Vorderseite – Quelle LABW (StAS FAS DS 92 T 9 NVA 16674)
Das Schlößle der Fürstin Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen - Quelle LABW 

Das Staatsarchiv Sigmaringen ist im ehemaligen Sigmaringer Prinzenbau untergebracht, der als Palais für Angehörige des Fürstenhauses Hohenzollern errichtet wurde. Seine heutige äußere Gestalt verdankt das Gebäude im Wesentlichen einer Erweiterung in den 1840er Jahren durch den damaligen Erbprinzen Karl Anton und Umbauten durch dessen Sohn Leopold in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Anfänge gehen jedoch auf ein Palais zurück, das die Fürstin Amalie Zephyrine in den Jahren 1822–1824 bauen ließ.

Amalie Zephyrine ist eine der bedeutendsten und zugleich eine der schillerndsten Sigmaringer Fürstinnen. 1762 als Tochter des Reichsfürsten Philipp Joseph von Salm-Kyrburg geboren, wuchs sie in Paris auf und heiratete 1782 den damaligen Erbprinzen Anton Aloys von Hohenzollern-Sigmaringen. Die Ehe war nicht glücklich. Zweieinhalb Monate nach der Geburt eines Sohnes flüchtete Amalie 1785 aus Sigmaringen zu ihrem Bruder, der in Paris auf großem Fuß lebte. Amalie machte dort Bekanntschaft mit Josephine Beauharnais, die 1796 Gattin Napoleons wurde, und mit dem nachmaligen französischen Außenminister Talleyrand. Aufgrund dieser Beziehungen gelang es ihr 1806, die hohenzollerischen Fürstentümer vor der Mediatisierung zu bewahren und ihren Sohn zwei Jahre später mit einer Nichte von Napoleons Marschall und Schwager Murat zu verheiraten. Zusammen mit ihrem Sohn und ihrer 15-jährigen Schwiegertochter kehrte sie 1808 nach Hohenzollern zurück, lebte aber weiterhin von ihrem Mann getrennt und wohnte in Orten in der Nähe von Sigmaringen.

Am 30. November 1822 schloss Amalie mit ihrem Mann einen Vertrag über den Bau eines standesgemäßen Wohnpalais für sie in Sigmaringen. Danach wurden die Baukosten je zu einem Drittel aufgeteilt zwischen dem Fürsten, der Fürstin und einem Fräulein Helene von Schatzberg. Helene war ein 1799 geborenes Findelkind, das Amalie aus Paris mitgebracht und das ihr Mann 1820 in den Adelsstand erhoben hatte. Nach dem Vertrag besaß Amalie die lebenslängliche Verfügungsgewalt über das Haus, Helene von Schatzberg erhielt ein unentgeltliches Nutznießungsrecht auf Lebenszeit, war aber verpflichtet, der Fürstin, aber auch einer Hofdame und einem Oberst Karl von Voumard Wohnrecht zu gewähren, wenn diese es verlangten. Die Hofdame scheint davon keinen Gebrauch gemacht zu haben. So zogen nach der Fertigstellung, 1824, Helene mit ihrem Ehemann Friedrich Freiherr von Laßberg, den sie eben in diesem Jahr heiratete, Amalie und Voumard in das zweigeschossige Gebäude mit Mezzaningeschoss ein. Voumard war 1797 in die Dienste Amalies getreten, um sich als Gouverneur um deren Mündel Friedrich von Salm- Kyrburg zu kümmern. Von da an blieb er Amalies „Begleiter", was immer man darunter verstehen mag, wie es Karl Werner Steim, der Biograph Helenes von Schatzberg, sybillinisch formuliert. Voumard, den 1818 Fürst Anton Aloys in den Adelsstand erhoben hatte, scheint von seinem Wohnrecht indes nicht lange Gebrauch gemacht zu haben, sondern hielt sich wohl überwiegend in seinem 1819 erworbenen Schloss Worblingen im Hegau auf. Seit 1831 wurde das Palais, das auch Schlößle genannt wurde, nur noch von Amalie bis zu ihrem Tod 1841 bewohnt.

Vom alten Palais der Amalie ist durch Umbauten in den letzten 150 Jahren so gut wie nichts mehr vorhanden. Nur in der Außenfassade lässt sich das Schlößle noch erahnen. Doch just an der Stelle, an der sich ihre Wohnräume befanden, werden jetzt ihre Briefe und Memoiren im Archivmagazin des Staatsarchivs
der Nachwelt überliefert.

                               Volker Trugenberger

Quelle: Archivnachrichten 45 (2012), S. 47.
 

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