Die Badener und ihre Bäder

GLAK 424 K Baden-Baden 007/3.001 Josef Durm, Augustabad in Baden-Baden, 1900. Quelle LABW (GLAK 424 K Baden-Baden 007/3.001)
Josef Durm, Augustabad in Baden-Baden, 1900. Quelle LABW

Der Name verführt zum Bild: Wer Baden heißt, wird sich nicht wundern, wenn er als Badender gezeigt wird. In der abgebildeten Miniatur wird daraus eine ganze Badeszene, ebenso verspielt wie friedlich, ein leicht aufzulösendes Piktogramm. Aber die scheinbar harmlose Miniatur hat es in sich: Sie illustriert genau jene Seite im pfälzischen Lehenbuch von 1538, deren Text repräsentativ – also zum Herzeigen im Wortsinn! – die schlimmste Niederlage der Markgrafen von Baden im Mittelalter unerbittlich festhält. Die Markgrafen erlebten 1462 eine militärische Katastrophe, lagen lange in Heidelberg gefangen und mussten 1463, wirtschaftlich ruiniert und politisch gedemütigt, Pforzheim, ihre wichtigste Residenzstadt neben Baden-Baden, aus den Händen des Kurfürsten von der Pfalz als Lehen entgegennehmen. Wurde das Lehenbuch in Heidelberg gerne an dieser Stelle geöffnet und genüsslich vorgeführt, im Glanz seiner Illumination? Man kann es sich jedenfalls vorstellen.

Es gab für die Markgrafen auch angenehmere Bäder, zu Füßen ihrer Burg Hohenbaden. Die Heilquellen sprudelten zwar schon lange, mit den Schriftquellen sieht es spärlicher aus. Über Jahrzehnte scheinen die Markgrafen den gesamten Badebetrieb als Lehen aus der Hand gegeben zu haben. Ihre Ministerialen von Selbach, die seit dem 13. Jahrhundert als badische Klientel bezeugt sind, verdienten sich daran und mit den Mühlen an der Oos eine goldene Nase: Als sie die frien bade mit dem fluß des warmen wassers, das darzu gehort, und den nutze des geltes, der darvon vellet an die Markgrafen zurückgaben, legte dieses Geschäft den Grund zu einem beachtlichen Vermögen. Die Markgrafen ließen den Badebetrieb nun aber nicht mehr aus der Hand; die heutige BKV, die staatliche Bäder- und Kurverwaltung, geht in gerader Linie auf dieses einträgliche Recht der Herrschaft zurück. Schon im 14. Jahrhundert machten die Markgrafen in Straßburg Werbung für ihre Bäder (heute müsste das Geleitversprechen von 1367 wohl übertitelt sein mit: Wir bringen Sie sicher nach Baden). Seit dem 15. Jahrhundert erließen sie Badeordnungen, in denen alles geregelt wird: jede Wasserleitung, die Zweitverwendung des Wassers aus dem Badehaus im Schloss und das kostenlose nächtliche Baden für Arme.

Den Höhe- und Schlusspunkt dieser fürstlichen Bäderregie bildeten die Badepaläste des 19. Jahrhunderts. Das prächtigste, das Augusta-Bad von 1893 (nach der Kaiserin, der Schwiegermutter Großherzog Friedrichs I.), galt als besonders gelungene Symbiose von Architekturleistung, Badeluxus und Gesellschaftsereignis. Baudirektor Josef Durms Pläne dazu wurden auf der Weltausstellung in Chicago von 1893 und sein raffinierter isometrischer Gebäudequerschnitt 1900 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt.

Und die Demütigung von 1463? Um diese Zeit waren die Großherzöge längst Landesherren auch in Heidelberg, die Stadt verhinderte ein Historienbild des pfälzischen Siegs in der Stadthalle und das pfälzische Lehenbuch lag im Badischen General-Landesarchiv.

Konrad Krimm

Quelle: Archivnachrichten 43 (2011), S.10-11.

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