Handkolorierte Gipsabgüsse einheimischer Fische von Max Auerbach und Martin Schelenz

Von Martin Schelenz 1926 angefertigter und handkolorierter Abguss eines Flussbarsches (Perca fluviatilis) (SMNK-PISC 368), Foto: R. Trusch
Von Martin Schelenz 1926 angefertigter und handkolorierter Abguss eines Flussbarsches (Perca fluviatilis) (SMNK-PISC 368), Foto: R. Trusch

Noch bevor Max Auerbach 1932 zum Direktor der Landessammlungen für Naturkunde ernannt wurde, hat er sich als Leiter der Zoologischen Abteilung über Jahre maßgeblich um die Modernisierung der Schausammlung bemüht. Der öffentlichkeitswirksamen Präsentation der „Tierwelt Badens“ in Form biologischer Gruppen räumte er eine besondere Bedeutung ein (Frentzen 1951). Ziel war es, den Besuchern einen lebensechten Eindruck der einheimischen Tiere und ihrer Lebensräume zu vermitteln, und Auerbach scheute keine Mühen, dafür neue Wege zu finden. Die damals üblichen Präsentationsformen von Fischen als Alkohol- oder Formolpräparat oder als kolorierte Stopfpräparate und Gipsmodelle genügten den hohen Ansprüchen von Auerbach nicht. Daher setzte er sich daran, gemeinsam mit dem damaligen Präparator Martin Schelenz die Technik des Abformens und Kolorierens zu verbessern. Der abzuformende Fisch wurde mit einer Seite in Ton eingebettet, von der anderen Seite mit geschmolzenem Paraffin übergossen, um so eine Hohlform zu gewinnen, die auch kleinste Details der Beschuppung wiedergeben konnte. Mit der Hohlform wurde ein Positivabdruck aus feinstem Alabastergips gewonnen. Um bei der Kolorierung den metallischen Glanz lebender Fische zu erreichen, wurde als Grundierung Blattgold oder Blattsilber aufgetragen und oft Schuppe für Schuppe poliert. Anschließend wurden diese „Goldfische“ naturgetreu im Lasurverfahren bemalt. Um zum Schluss den optischen Effekt der natürlichen Schleimschicht auf der Fischhaut nachzuahmen, wurde der Gipsabguss mit „einer Schicht besten Kutschenlacks“ überzogen (Auerbach 1927).

Zwischen 1926 und 1932 entstanden so knapp 40 handkolorierte Gipsabgüsse von 34 einheimischen Arten, wobei es sich mit Ausnahme von Dorsch und Meeresneunauge um Süßwasserfische handelte, die meist aus dem Rhein bei Karlsruhe oder dem Bodensee gefischt worden waren. Von diesen Abgüssen haben sich alle bis auf fünf bis heute erhalten. In der Größe reichen sie vom kleinen Dreistachligen Stichling (Gasterosteus aculeatus) bis hin zu einem kapitalen Wels (Silurus glanis) von 180 cm Länge. Zuletzt wurde eine Auswahl der Präparate 2015/2016 in einer Sonderausstellung anlässlich des 175-jährigen Bestehens des Naturwissenschaftlichen Vereins Karlsruhe im Naturkundemuseum gezeigt (Trusch 2016).

 

  Albrecht Manegold, SMNK

 

Literatur: Auerbach, M. (1927). Fischmodelle für die Schausammlung naturwissenschaftlicher Museen. Zoologischer Anzeiger 71: 281–287; Frentzen, K. (1951). Max Auerbach – Ein Lebensbild. Beiträge zur naturkundlichen Forschung in Südwestdeutschland 10: 75–87; Trusch, R. (2016). 175 Jahre Naturwissenschaftlicher Verein Karlsruhe – Bericht über die Ausstellung und Angaben zur Geschichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Karlsruhe e.V. Carolinea 74: 103–122.

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