Pfaffe Anton Eisenhut und der Maler Jörg Ratgeb

Barbara-Altar von Jörg Ratgeb in der Stadtkirche Schwaigern. Copyright: LABW
Barbara-Altar von Jörg Ratgeb in der Stadtkirche Schwaigern. Copyright: LABW

Ob Anton Eisenhut, der radikale Führer des Kraichgauer Bauernhaufens, aus dem Kraichgau oder aus dem Schwäbischen stammte, ist nicht mehr zu klären. Als Geistlicher wirkte er zunächst in Weiler a. Z., später in Eppingen. Seine Sympathie für das Gedankengut der frühen Reformation ist nur zu erschließen; desgleichen bleibt unklar, ob er, wie gelegentlich vermutet, als Sozialrevolutionär nach Art eines Thomas Müntzer gelten kann. Jedenfalls machte er sich die Sache der geplagten Bauern zu eigen und zog im April 1525 mit deren Zabergäuer Haufen ins Schwäbische. Anfang Mai kehrte er von dort zurück und organisierte den Aufstand im Kraichgau. In Gochsheim versammelte er ein Heer (Liechten Hauffen), mit dem er in Menzingen, Hilsbach, Münzesheim und Sinsheim sowie auf dem Steinsberg plünderte und Zerstörungen hinterließ. Nach Verhandlungen mit Vertretern des Pfälzer Kurfürsten in Hilsbach und der Niederlage der württembergischen Bauern bei Böblingen löste Eisenhut seinen Haufen auf. Gleichwohl wurde er in Eppingen gefangengenommen und am 25. Mai 1525 in Bruchsal hingerichtet.

Ein weiterer Wortführer der Bauern war der Maler Jörg Ratgeb. Um 1480/85 in Schwäbisch Gmünd geboren, war er 1509/12 in Heilbronn ansässig und schuf zu jener Zeit für die Schwaigerner Stadtkirche den dort noch heute zu bewundernden St. Barbara-Altar. 1512/13 arbeitete er für die Hirschhorner Karmeliter. Von einem großen Wandbilderzyklus, den er 1514/17 im Frankfurter Karmeliterkloster geschaffen hatte, sind nur geringe Reste erhalten; sein Herrenberger Altar (1519) ist heute in der Stuttgarter Staatsgalerie ausgestellt. Da der Heilbronner Rat ihm wegen seiner Ehe mit einer württembergischen Leibeigenen das Bürgerrecht verwehrte, siedelte er nach Stuttgart über und ließ sich dort 1525 in den revolutionären Stadtrat wählen. Deshalb und weil er dem Bauernführer Matern Feuerbacher als Ratgeber und Kanzler diente, wurde er des Hochverrats angeklagt und 1526 in Pforzheim gevierteilt.

Kurt Andermann

Veröffentlicht in: Der Landkreis Heilbronn. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Heilbronn (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2010, Bd. 1, S. 51. 

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