Bernhard Pankok und die Württembergische
Kunstgewerbeschule Stuttgart

Die Kunstgewerbeschule auf dem Killesberg in Stuttgart um 1930, im Vordergrund die Weißenhofsiedlung. Quelle LMZ BW
Die Kunstgewerbeschule auf dem Killesberg in Stuttgart um 1930, im Vordergrund die Weißenhofsiedlung. Quelle LMZ BW

Anlässlich des 250-jährigen Jubiläums der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart erinnert das Hauptstaatsarchiv an die Württembergische Kunstgewerbeschule und ihren langjährigen Leiter Bernhard Pankok, der die Schule zu einem vorbildlichen Institut ausbaute, dessen Ruf in den 1920er und 1930er Jahren weit über Deutschland hinausreichte.

Die Württembergische Kunstgewerbeschule, die am 1. November 1869 ihren Betrieb aufnahm, war mit dem Ziel eingerichtet worden, künstlerisch gebildete Kräfte für die Bedürfnisse der Kunstindustrie heranzubilden, um damit auf die Hebung und Förderung des Kunstgewerbes im allgemeinen anregend und unterstützend einzuwirken. Damit folgte Württemberg der allgemeinen Entwicklung, durch entsprechende Ausbildungsstätten dazu beizutragen, die Produkte der heimischen Industrie auch in ästhetischer Hinsicht konkurrenzfähig zu halten. Die dreijährige Ausbildung war für verschiedene Zweige der Kunstindustrie gedacht, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Zeichenunterricht lag.

Eine vollständige Erneuerung des württembergischen Kunstlebens verfolgte König Wilhelm II., der sich aus der besonderen Verbindung von Kunst und Handwerk eine wirtschaftliche Belebung für das Land versprach. So wurde Bernhard Pankok (1871–1943) als Lehrer nach Stuttgart berufen. Pankok hatte nach einer Bildhauerei- und Malerlehre in Düsseldorf und Berlin in München als freier Künstler und Grafiker gearbeitet und sich dort als Mitbegründer der Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk als führende Kraft im Kunsthandwerk etabliert. Er entwarf Möbel und war auch als Architekt tätig. Pankoks Bestrebungen, Werkstätten nach dem Münchner Vorbild zu begründen, scheiterten am Widerstand der Stuttgarter Industriellen. Stattdessen entschloss man sich, die deutlich mit dem Charakter einer Schule versehene Königliche Lehr- und Versuchswerkstätte als in sich selbstständige Institution der Kunstgewerbeschule anzugliedern. Die Leitung der Werkstätte wurde Bernhard Pankok übertragen. 1913 erhielt er zusätzlich die Leitung der Kunstgewerbeschule und führte beide Einrichtungen zusammen. Im weiteren Verlauf des Jahres 1913 bezogen beide Institutionen unter dem gemeinsamen Namen Königlich Württembergische Kunstgewerbeschule ein neues Gebäude am Weißenhof. Die Stuttgarter Kunstgewerbeschule mit ihren neun Fachabteilungen entwickelte sich zu einer der größten und führenden Anstalten ihrer Art in Deutschland. Pankok stand der Schule bis 1937 vor; sein Nachfolger sollte die Schule im Geist des Nationalsozialismus führen. Im Dezember 1941 wurde die Kunstgewerbeschule mit der Akademie der Bildenden Künste vereinigt.

Nicole Bickhoff

Quelle: Archivnachrichten 43 (2011), S.47.

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