Burg Hohenneuffen

Die Festung Hohenneuffen. Copyright: LABW
Die Festung Hohenneuffen. Copyright: LABW

Der Hohenneuffen gehört heute zu den größten und bedeutsamsten Ruinen in Baden-Württemberg. Auf einem mächtigen weißen Kalkfelsen thronend und nur durch einen langen schmalen Grat mit dem Gebirge im Albvorland verbunden, besaß er die natürlichen Voraussetzungen, um jahrhundertelang als unbezwingbar zu gelten.

Erbaut wurde die Burg von Manegold von Sulmetingen († 1122), dessen Sohn Egino sich bereits um 1125 von Neuffen nannte. Die Herren von Neuffen gehörten im 13. Jh. zu den bedeutendsten Adelsgeschlechtern, die im Gefolge der Stauferkönige von Philipp von Schwaben bis Konrad IV. hohe Ämter in Deutschland und Italien bekleideten und herausragenden Einfluss auf die Reichspolitik gewannen. Heinrich von Neuffen überbrachte 1211 die Aufforderung der Fürsten an Friedrich II., nach Deutschland zu kommen. Der Herrscher ernannte ihn 1220, bevor er zur Kaiserkrönung nach Italien zog, zum Erzieher seines Sohnes Heinrich (VII.) und zum Regenten in Schwaben. Mit Heinrichs Sohn, dem Minnesänger Gottfried von Neuffen, erweisen sich die Herren von Neuffen als Angehörige der kulturtragenden Schicht ihrer Zeit.

Der Neuffen bildete das Zentrum ihrer Herrschaft. Ihr Stern sank mit dem Aufstand Heinrichs (VII.) gegen Friedrich II., bei dem sie auf der Seite des unterlegenen Sohnes gestanden hatten. Nach dem Ende der Staufer wurde ihre Herrschaft mehr und mehr zersplittert. Vom kinderlosen Berthold von Neuffen gelangten Burg und Stadt Ende des 13. Jh. an seinen Schwager Konrad von Weinsberg, der sie 1301 an Graf Eberhard von Württemberg verkaufte. Für 500 Jahre sollte der Neuffen eine der stärksten württembergischen Festen werden. Nach 1361 residierte hier Graf Ulrich IV. Bei der Landesteilung des 15. Jh. wurde die östliche Hälfte Württembergs, deren Residenz Stuttgart war, die Neuffener genannt. Im Reichskrieg 1312 und im Bauernkrieg 1525 blieb der Neuffen unbezwungen. Dem Schwäbischen Bund wurde die Festung 1519 übergeben und im 30-jährigen Krieg ergab sie sich 1635 unter Hauptmann Johann Philipp Schnurm erst nach 14-monatiger Belagerung.

Vom 15. bis zum 18. Jh. diente der Hohenneuffen als Staatsgefängnis, in dem so prominente Gefangene wie der Landtagsführer Konrad Breuning (1517), der Geheime Rat Matthäus Enzlin (1609) oder der jüdische Financier Josef Süß Oppenheimer (1737) festgehalten wurden.

Aus dem Mittelalter stehen noch die Ringmauer und die Schildmauer der auf dem Gipfel liegenden ältesten Burg. Drei mächtige Türme, die Ludwigsbastion und der Pulverturm stammen aus dem 16. Jh. und legen Zeugnis von der Festungsbaukunst der Renaissance ab. Seit 1735 wurde der Hohenneuffen zu einer Festung von europäischem Rang mit Bastionen und Kasematten erweitert. Infolge des Rastatter Friedenskongresses wurde er 1801/02 geschleift und diente den Nachbargemeinden als Steinbruch. In den 30er Jahren des 19. Jh. wurde auf Betreiben des Grafen Friedrich von Mandelslohe, Forstmeister von Urach, die weitere Zerstörung unterbunden und die Anlage als größte Ruine der Schwäbischen Alb wieder zugänglich gemacht. Im Zweiten Weltkrieg war der Hohenneuffen Fliegerwache. 1948 trafen sich hier die Ministerpräsidenten der drei südwestdeutschen Länder Südbaden, Württemberg-Hohenzollern und Württemberg-Baden um über einen Südweststaat zu beraten, der dann in Gestalt des Landes Baden-Württemberg Wirklichkeit werden sollte.

Maria Magdalena Rückert

Veröffentlicht in: Der Landkreis Esslingen. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Esslingen (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2009, Bd. 1, S.32. 
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