Das fürstliche Marstallgebäude in Sigmaringen

Das fürstliche Marstallgebäude um 1920 (Foto) – Quelle LABW (StAS Dep 1 T 40 Nr. 2-4047)
Das fürstliche Marstallgebäude um 1920 (Foto) – Quelle LABW (StAS Dep 1 T 40 Nr. 2-4047)

Auf dem Weg zum Schlosseingang wird der Besucher des Sigmaringer Schlosses von zwei Gebäuden empfangen: der Pfarrkirche St. Johann und dem fürstlichen Marstall. Innerhalb des vom Stil der Neogotik beherrschten Schlossensembles fällt der Marstall durch sein barockes Aussehen ins Auge. In der Tat hat das 1724 unter Fürst Joseph von Hohenzollern (1702–1769) errichtete, eingeschossige Gebäude seinen Ursprung im Zeitalter des Barock. Mehrere Umbauten im Verlauf der Jahrhunderte gaben dem Marstall zeitweise jedoch ein ganz anderes Erscheinungsbild. Unter Fürst Karl Anton (1811– 1885) wurde der fürstliche Marstall einer grundlegenden Neugestaltung unterzogen.

In seiner über 80 Seiten umfassenden Darstellung über die baulichen Veränderungen am Residenzschloss in Sigmaringen zwischen 1857 und 1895 berichtet der Geheime Hofkammerrat Heinrich Lasser (1824–1899) von den Renovierungsarbeiten am fürstlichen Marstall in den Jahren 1866/67. Im Zuge der Neuordnung des Bestandes FAS Sa aus dem Fürstlich Hohenzollernschen Haus- und Domänenarchiv wurde die aufschlussreiche Bauchronik zutage befördert.

Karl Anton, der nach der Abtretung des Fürstentums Hohenzollern an Preußen seit 1852 als preußischer General der Infanterie und (ab 1859) Militärgouverneur für das Rheinland und Westfalen auf Schloss Jägerhof in Düsseldorf residierte, hatte sehr konkrete Vorstellungen von dem künftigen Aussehen des fürstlichen Marstalls. Zusammen mit Lassers Bauchronik dokumentieren die im Fürstlichen Domänenarchiv verwahrten Schriftwechsel zwischen Sigmaringen und Düsseldorf die fürstlichen Bauanweisungen und geben Einblick in die zeitgenössischen Anforderungen, die der Marstall zu erfüllen hatte.

Bemerkenswert ist die moderne Ausgestaltung des Innenraumes. Der Stall wurde mit einer Wasserleitung versehen und erhielt Gasbeleuchtung. Nicht mehr hölzerne, sondern eiserne Säulen und Pferdestände, Futterkrippen aus Granit, eine marmorne Wandvertäfelung und ein neuer, grau-roter Sandsteinboden
verliehen dem Zweckbau ein edles Aussehen. Daneben wurde eine Sattelkammer eingerichtet und die Instandsetzung beheizbarer Ruheräume für die Kutscher veranlasst.

Das Äußere des Marstalls wurde dem Zeitgeschmack angepasst. An der Fassade wurden 2 Erkerthürmchen von Stein angebracht. Diese – auf der Zeichnung gut zu erkennen – hob Lasser neben dem Schieferdach, das nun das alte Ziegeldach ersetzte, in seiner Bauchronik gesondert hervor. Bei Karl Anton löste der Fassadenschmuck den Quellen zufolge jedoch nur mäßige Begeisterung aus. Wenn ich in Beziehung auf das Äußere jetzt schon eine Ansicht aussprechen darf, ließ er den Baurat Joseph Laur im Verlauf der Planungen durch seinen Kabinettsrat Friedrich von Werner wissen, so befürworte er zwar den Bauvorschlag, jedoch mit Hinweglassung der Eckthürmchen. Dass sich schließlich doch der Architekt durchsetzte, lässt sich Lassers Ausführungen entnehmen. Abbildungen aus späterer Zeit beweisen, dass die Türmchen bis weit ins 20. Jahrhundert die Fassade des Marstalls zierten.

 Julia A. Riedel

Quelle: Archivnachrichten 45 (2012), S.16-17.

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