Das Haller Spital

Anfänge

Kanzelwand der ehemaligen Hospitalkirche in Schwäbisch Hall, um 1730/40. Copyright: LABW
Kanzelwand der ehemaligen Hospitalkirche in Schwäbisch Hall, um 1730/40. Copyright: LABW

Das Haller Spital wird 1228 zum ersten Mal erwähnt, als Sivridus und Agatha ihr Vermögen einer bereits bestehenden, aber in Verfall geratenen Stiftung zukommen ließen und ihr weiteres Leben dem Dienst an den Kranken widmeten. Dieses Spital war St. Johannes geweiht, seine Lage ist unklar. 1249 wurde das Spital aber an die Johanniter übertragen, die seit dem Ende des 12. Jh. in Schwäbisch Hall ansässig waren. Die Ritter verpflichteten sich zur Aufnahme von maximal 20 Kranken, wobei aber dauerhaft Behinderte sowie chronisch Kranke ausgeschlossen waren. Die Johanniterkommende erhielt im Gegenzug das Vermögen des Spitals, worunter vor allem die Nutzungsrechte an zwei Sieden erwähnenswert waren. 1317 nahm die Stadt das Spital zurück unter ihre Fittiche. Als Begründung diente die angeblich schlechte Versorgung der Kranken durch die Johanniter, die nicht einmal die Gebäude richtig in Stand gehalten haben sollen. Wichtiger dürfte gewesen sein, dass die Stadt Schwäbisch Hall – wie viele Städte in dieser Zeit – danach strebte, die Aufsicht über solche Stiftungen zu bekommen, um Erwerbspolitik und Finanzen der Einrichtungen kontrollieren zu können. Kommunalisierung fasst diesen Prozess schlagwortartig zusammen. Seit 1317 zeichnete auf jeden Fall die Stadt für den weiteren Betrieb des Spitals verantwortlich. In einem Ablassbrief von 1319 (jetzt hieß es zum 1. Mal Spital zum Heiligen Geist) wurde der Kreis der zu Versorgenden neu definiert: Blinde, Lahme, Waisen, Unmündige, Kranke und Körperbehinderte sollten in den Genuss spitalischer Leistungen kommen. Zwei Vertreter des Rats führten als Hospitalpfleger die Aufsicht über das Vermögen, der Spitalmeister stand an der Spitze der Verwaltung. Sie erweiterten durch die Annahme von Stiftungen und die gewinnbringende Anlage der Überschüsse den Besitz des Spitals zielstrebig. Die Erträge des Spitals müssen beträchtlich gewesen sein: 1348/49 zum Beispiel konnte es vier Höfe in der Umgebung der Stadt erwerben. Im Jahr 1400 besaß das Spital acht große Höfe, 18 kleinere Güter, 14 Feldlehen und 230 M Wald, was gemessen an den späteren Verhältnissen noch relativ bescheiden war, aber doch schon zeigt, dass die Expansion des Spitals geplant verlief. Seit den 1390er Jahren wurden Pfründner aufgenommen, die ihr Vermögen dem Spital überschrieben, dafür aber für den Rest ihres Lebens im Spital Wohnung, Nahrung und Pflege erhielten. Vorher waren Spitalinsassen aus Barmherzigkeit aufgenommen worden, nun konnten Leistungen gegen Geld erworben und rechtsverbindlich eingefordert werden. Das Spital ergänzte seine Aufgaben als Armen- und Siechenhaus um die eines Altersheims.

Ausdehnung der Grundherrschaft

Im 15. Jh. erweiterte das Spital seine Grundherrschaft gewaltig. Grundlage waren zum Teil Stiftungen, zum größeren Teil aber Ankäufe. Die bedeutendste einzelne Erwerbung war das Amt Honhardt, das 1446 von der Stadt an das Spital gegeben wurde. Ein weiterer wichtiger Zukauf war der des Teurershofs 1479. Intern differenzierte sich die Verwaltung des Spitals aus. Die Pfründner teilten sich nun in die drei Klassen der Herrenpfründner, der Armenpfründner und der Armen, die ohne Zahlung eine Pfründe zugewiesen erhalten hatten. Auch ihre Verpflegung unterschied sich. Herrenpfründner bewohnten ihre eigene Stube, Armenpfründner zu mehreren eine.

Nach der Reformation

Mit der Reformation fiel die geistige Grundlage eines Großteils der Stiftungen weg: Gute Werke führten nicht mehr zum Nachlass der Sünden. Für das Spital waren derartige Stiftungen allerdings schon im Spätmittelalter eher unbedeutend gewesen, vom 16. Jh. an aber war es völlig auf seinen eigenen wirtschaftlichen Erfolg verwiesen. Dieser stellte sich im 16. Jh. ein, während das 17. Jh. – vor allem der 30-jährige Krieg – eher Schwierigkeiten mit sich brachte. 1728 beim großen Stadtbrand sanken auch die Spitalgebäude in Trümmer. Mit dem Wiederaufbau an gleicher Stelle wurde 1730 begonnen, die Weihe der Spitalkirche schloss ihn 1738 vorläufig ab. Nach dem Brand wurde die Zahl der vom Spital verpflegten Personen für 1728 mit 370 angegeben. 157 davon befanden sich im eigentlichen Spital. Unter ihnen waren nur noch drei Herrenpfründner: Der Pfründkauf war mittlerweile für wohlhabende Bürgerinnen und Bürger keine Option mehr. 70 Personen lebten im Armenhaus, 55 im benachbarten Bleichhaus. 34 Spitalinsassen arbeiteten auf dem Teurershof, zwölf auf dem Morsteiner Hof in Bibersfeld. 42 Personen schließlich wohnten außerhalb spitalischer Gebäude, erhielten aber ihre Nahrung wenigstens zum Teil aus dem Spital. Die Zerstörung der Spitalgebäude zwang zur Verteilung der Insassen auf verschiedene andere Baulichkeiten in der Stadt und den Vorstädten. So wurde das Engelhardtsche Haus in der Gelbinger Gasse 25 angemietet, die Waisenkinder kamen in die Kaserne nach Unterlimpurg.

Gegen Ende des 18. Jh. war das Haller Spital eine multifunktionelle Anstalt, in der Arme, Behinderte und Waisenkinder ebenso Aufnahme fanden wie Alte und Kranke. Selbst Versorgungsempfänger, die der Kaiser in Wien dem Haller Spital zuwies, erhielten ihre Pension. Zahlreiche Menschen fanden Beschäftigung als Knecht oder Magd, Schulmeister oder Hausmeisterin. Über ihre Aktivitäten hatten sie umfassend Rechenschaft abzulegen.

Nach dem Ende der Reichsstadt

Nach dem Ende der Reichsstadt wurde auch die Spitalverwaltung neu organisiert. Die Spitalstiftung wurde mit anderen Stiftungen aus der Reichsstadtzeit (u.a. dem Reichalmosen, dem Glöcklinsgeld, der Almosenpflege und der Nicolaipflege sowie kleineren bürgerlichen Stiftungen) zusammengelegt. Dies brachte der Spitalstiftung einen Zuwachs an Bargeld, der sich noch verstärkte, als die Feudallasten im 19. Jh. abgelöst und die Eigenwirtschaft des Spitals aufgegeben wurde (Verkauf des Teurershofs 1836). Der Waldbesitz blieb dem Spital nicht nur erhalten, er wurde mit den Ablösungsgeldern wesentlich ausgebaut. Die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist in Schwäbisch Hall besteht noch heute. Sie nimmt breit gefächerte Aufgaben im sozialen und kulturellen Bereich wahr.

Andreas Maisch

Veröffentlicht in: Der Landkreis Schwäbisch Hall. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Schwäbisch Hall (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2005, Bd. 2, S. 355f. 

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