Karl Fürst von Urach 

Karl Fürst von Urach in der Kleidung eines Cashibo-Indianers am Rio Ucayali in Peru, 14. April 1886. Quelle LABW (HStAS GU 120 Bü. 72)
Karl Fürst von Urach in der Kleidung eines Cashibo-Indianers am Rio Ucayali in Peru, 14. April 1886. Quelle Landesarchiv BW, HStAS GU 120 Bü. 72

Seit Jahrhunderten übt der Orient eine besondere Faszination auf europäische Reisende aus. Einer der vielen Orientreisenden war Karl Fürst von Urach, Graf von Württemberg (1865–1925), dessen schriftlicher Nachlass im Archiv der Herzöge und Fürsten von Urach, Grafen von Württemberg im Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt wird (Bestand GU 120).

Als nachgeborener Prinz einer Seitenlinie des württembergischen Königshauses war Fürst Karl keinen dynastischen und repräsentativen Pflichten unterworfen. Eine militärische Karriere kam für ihn ebenfalls nicht infrage, da er bereits 1883 den aktiven Militärdienst quittierte. So war der Fürst, der ledig blieb, frei für das Reisen.

1884–1886 bereiste er Südamerika, wo er die Kordilleren besuchte und am Oberlauf des Amazonas Indianerstämme studierte, die bisher von der Zivilisation unberührt waren. Von dieser Reise brachte er ethnologische Sammlungen mit, die er dem Linden-Museum Stuttgart übergab. 1891 finden wir ihn als Teilnehmer einer Spitzbergen-Expedition.

Bevorzugtes Reiseziel Fürst Karls war allerdings der Orient. Er bereiste regelmäßig das Osmanische Reich und Ägypten. In Heliopolis bei Kairo besaß der Fürst sogar Immobilien. In Karls Nachlass finden sich Aufnahmen seiner Reiseziele Assuan, Giseh, Luxor, Karnak, Jerusalem, Bethlehem, Beirut, Damaskus, Istanbul, Ephesus und Izmir. Fürst Karls Orientreisen waren – abgesehen von seinen Reisen als Verbindungsoffizier – nicht mit politischen Ambitionen verbunden. Auch entsprangen sie keinem wissenschaftlichen Interesse. Der Fürst veröffentlichte auch keine Bücher oder Reportagen über seine Reisen, vielmehr reiste er zum persönlichen Vergnügen.

Fürst Karl zeigte großes Interesse an der islamischen Kunst, sammelte Erinnerungsstücke und Fotos von den Reisestationen. Letztere haben sich in seinem schriftlichen Nachlass erhalten. Die Bilder und Souvenirs aus dem Orient dienten ihm letztlich auch als Inspiration bei der Einrichtung der sogenannten Arabischen Räume im Palais Urach an der Neckarstraße in Stuttgart. Diese 1893–1925 angelegten Räume, die mit Gipsstuck, Möbeln, Kacheln, Teppichen und Antiquitäten aus dem Orient ausgestattet waren, sind Zeugnis der lebenslangen Liebe des Fürsten zum Orient und zur islamischen Kunst. Die Zimmer, die besichtigt werden konnten, wurden bei einem Bombenangriff 1944 zerstört.

Während des Ersten Weltkriegs diente Fürst Karl als Verbindungsoffizier im Osmanischen Reich. Für diesen Posten war er wegen seiner Türkisch- und Arabisch-Kenntnisse und seiner Orienterfahrung prädestiniert. Der Fürst bereiste in dieser Funktion unter anderem Haifa und das Karmelgebirge in Israel, Diyarbakır und Mardin in der Türkei sowie Mosul im Irak. Als Folge einer Erkrankung 1917 musste Fürst Karl jedoch in seine Heimat zurückkehren. Es sollte ein Abschied für immer werden, denn er starb bereits 1925, ohne seinen geliebten Orient wiederzusehen.

Eberhard Merk

Quelle: Archivnachrichten 40 (2010), S. 10-12.

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