Kraichgauer Adeliges Damenstift

Wappen des Kraichgauer Adeligen Damenstifts. Copyright: LABW
Wappen des Kraichgauer Adeligen Damenstifts. Copyright: LABW

Das Kraichgauer Adelige Damenstift ist eine weltliche Stiftung des öffentlichen Rechts und dient von alters her dem Zweck, evangelische Frauen, die auf Hilfe anderer angewiesen sind, mildtätig zu unterstützen. Gegründet wurde es 1718 von dem kinderlosen Ehepaar Amalie Elisabeth von Bettendorff und Gottfried von Mentzingen in der Absicht, bedürftigen unverheirateten Töchtern aus evangelischen Familien der Kraichgauer Ritterschaft ein standesgemäßes Leben zu ermöglichen. An der Spitze der zunächst vier, später zeitweise sechs bis sieben Stiftsdamen (Pfründnerinnen) stand und steht noch heute eine Äbtissin. Seinen Sitz hatte das der Protektion des Markgrafen von Baden anvertraute Stift rund 140 Jahre lang in einem Anwesen am Pforzheimer Schlossberg. In der Pforzheimer Stadtkirche nahmen die adligen Fräulein am Gottesdienst teil und fanden dort auch die letzte Ruhe. 1859 übersiedelte man in ein Palais an der Langen bzw. Kaiserstraße in Karlsruhe, verzichtete aber aus Kostengründen schon 1871 ganz auf den gemeinschaftlichen Haushalt. Die Aufsicht über das Stift und seinen Besitz führten bis zum Ende des Alten Reiches zwei Oberadministratoren aus dem Direktorium der Kraichgauer Ritterschaft. Seit 1866 erfüllt diese Funktion ein aus drei bis vier Vertretern der zugelassenen Geschlechter bestehender Familienrat. Den Kern des Stiftsbesitzes bildet seit nahezu dreihundert Jahren der Hof Bockschaft; dazu gehören außerdem der Gröbernhof bei Zell am Harmersbach (seit 1861) und der Eichhäuser Hof bei Bonfeld (seit 1989). Angesichts veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen fördert das Stift heute auch Einrichtungen der Jugend- und Altenhilfe, der Wohlfahrtspflege und der Heimatpflege, soweit diese als gemeinnützig anerkannt sind.

Kurt Andermann

Veröffentlicht in: Der Landkreis Heilbronn. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Heilbronn (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2010, Bd. 2, S. 59. 

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