Ein musikalisches Großprojekt – Joseph Gablers Orgelbau in der Basilika Kloster Weingartens (1737-1750)

Gabler-Orgel auf der Westempore der Basilika St. Marin, Weingarten. Vorlage: Landesmedienzentrum LMZ990065
Gabler-Orgel auf der Westempore der Basilika St. Marin, Weingarten. Vorlage: Landesmedienzentrum LMZ990065

Die Basilika St. Martin des Klosters Weingarten gilt als eine der prächtigsten deutschen Kirchen. Die Abtei hatte den Bau in kürzester Zeit (1715–24) beendet. Dem Stil des oberschwäbischen Barock entsprechend sollte die Kirche mit einer neuen Hauptorgel geschmückt werden. Den Auftrag erhielt der junge Joseph Gabler. 1700 in eine Orgelbauerfamilie hineingeboren, lernte er zunächst den Beruf des Schreiners und machte sich durch den Orgelbau in seiner heimatlichen Klosterkirche Ochsenhausen einen Namen.

In Weingarten kam Gabler den ausgefallenen Wünschen der Äbte für ihre große Orgel nach. Kunstvoll baute er die sechs Fenster der Westempore als Teil des Gehäuses mit ein, das mit Farben und Formen reich verziert wurde. Der freistehende Spieltisch mit 60 Registern bot dem Organisten einen Blick in den Kirchenraum. Die 6666 Orgelpfeifen mit Streicher-, Vogelstimmen und Glockenspiel machten den besonderen Ton der Orgel aus.

Bis dieses musikalische Großprojekt beendet war, mussten wesentlich mehr Zeit und Geld investiert werden, als die Auftraggeber ursprünglich geplant hatten. Die Orgelbauakte, die im Hauptstaatsarchiv Stuttgart im Bestand des Klosters Weingarten aufbewahrt wird, bietet einen Einblick in die Geschehnisse. Gabler wurde 1736 eine großzügige Bauzeit von fünf Jahren gegen 17.619 Gulden zugestanden. Bei Vertragsablauf war die Orgel bei Weitem nicht fertiggestellt. Gabler wurde verdächtigt, sich auf Kosten des Klosters anderen Projekten zu widmen. In einem Memorial von 1745 gab der Orgelbauer seine Sicht der Dinge wieder: Aufgrund eines Brandes im Kloster sei die mit dem Gehäuse der Orgel beauftragte Schreinerei lange Zeit anderweitig beschäftigt gewesen. Ein Jahr Zeit habe er verloren, als den Äbten die Tonhöhe der eingebauten Pfeifen zu tief war und er diese richtig einzustellen hatte. Bei vielen der damals angefallenen Orgelreparaturen habe er von den Äbten selbst den Auftrag erhalten und war stellenweise dafür nicht bezahlt worden. Das Kloster Weingarten war aber acht Jahre nach dem Beginn der Arbeiten an der Orgel nicht mehr bereit, Gabler entgegenzukommen. Der Orgelbauer hatte sein Werk zu einem Festpreis zu beenden und die künftig anfallenden Materialkosten selbst zu tragen. Hochverschuldet beendete Gabler sein Meisterwerk nach insgesamt dreizehn Jahren. Sofort nach der Einweihung der Orgel am 24. Juni 1750 verließ er Weingarten.

Sein Ruf als schlechter Geschäftsmann, der mit Geld nicht umgehen konnte und Termine nicht einhielt, eilte ihm voraus. Er bekam nur noch schlecht bezahlte Aufträge und verstarb 1771 bei Arbeiten in Bregenz. Die Gabler-Orgel in Weingarten ist bis heute originalgetreu erhalten.

 Alexandra Haas

Quelle: Archivnachrichten 51 (2015), S.20-21.

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