Das Pfedelbacher Fürstenfass

Das Pfedelbacher Fürstenfass, 1939. Copyright: LMZ BW
Das Pfedelbacher Fürstenfass, 1939. Copyright: LMZ BW

64644 Liter Wein nimmt das große Fass von Pfedelbach auf und zählt damit nach dem Heidelberger (220 000 Liter), dem Ludwigsburger (90 000 Liter) und dem Tübinger Fass (84 000 Liter) zu den größten Weinfässern in Südwestdeutschland.

Bauen ließ es Fürst Joseph (1707–1764) von Hohenlohe-Bartenstein. Der 1744 gefürstete Kleriker war Domherr zu Köln, Salzburg und Straßburg sowie Stiftsherr zu Augsburg und Ellwangen und trat 1745 als Nachfolger seines verstorbenen Bruders Ferdinand die Herrschaft an.

Fürst Joseph war wegen seiner Bemühungen um die Rekatholisierung der Herrschaft und seiner Härte wenig beliebt bei seinen Untertanen. Seine Bediensteten hielt er dazu an, die Abgaben rigoros einzufordern. 1749 verklagten Untertanen des Amts Mainhardt ihren Landesherrn vor dem Wiener Reichshofrat. Umgekehrt prozessierte Fürst Joseph 1750 vor dem Reichskammergericht gegen die Eingesessenen des Amts Pfedelbach, weil diese sich geweigert hatten, eine zusätzliche Steuer von 30 Kreuzern pro 100 Gulden Vermögen zur Bestreitung der Kreis- bzw. Kriegslasten durch das Amt zu entrichten.

Das verstärkte Einfordern der Abgaben führte schließlich 1752 zum Fassbau. Fürst Joseph, der sich um den Weinbau in Pfedelbach bemühte, brauchte für seinen Zehntwein einen Behälter mit großem Fassungsvermögen, um den abgelieferten Rebensaft zu sammeln. Der eingelagerte Wein diente auch dazu, die fürstlichen Beamten zu entlohnen. Da die Abgabepflichtigen aber nicht ihren besten Tropfen nach Pfedelbach lieferten, war dieser wie alle Zehntweine minderer Qualität. Daher klagten die fürstlichen Bediensteten über die Güte ihrer Besoldung. Überdies erwies sich der Fassinhalt als schwer verkäuflich, was besonders im Herbst zum Problem reifen konnte, da der neue Jahrgang ins Fass drängte.

Das prachtvoll verzierte Fass, das neben dem mit einem Fürstenhut bekrönten Wappen die Aufschrift Joseph Fürst zu Hohenlohe und Waldenburg Pfedelbach 1752 trägt, zeigt eine holzgeschnitzte Bacchusfigur als Fassriegel. Erbauer war der fürstliche Hofküfer Michael Mayer aus Michelbach am Wald. Das Prunkstück barocker Küferkunst mit einem Durchmesser von 4,5 m und einem Umfang von 14,5 m wurde 1828 letztmals gefüllt. Um es zu leeren, müsste eine Person täglich drei Liter Wein konsumieren – und dies 59 Jahre und 25 Tage lang, wie der fürstliche Rentamtmann Max Neeber 1872 errechnete. Das Fass steht in einem 1604 gebauten Keller, einem 70 m langen, 12 m breiten und 7 m hohen Gewölbe, das 1999 zu einem Weinbaumuseum umgewidmet wurde.

Peter Exner

Veröffentlicht in: Der Hohenlohekreis. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Hohenlohekreis (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2006, Bd. 2, S. 263.

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