Saline Sulz am Neckar

Gradierwerk, Zeichnung von Heinrich Schickhardt, 1595. Copyright: LABW
Gradierwerk, Zeichnung von Heinrich Schickhardt, 1595. Copyright: LABW
Bereits 1064 gestattete Kaiser Heinrich das Salzsieden in Sulz am Neckar. Die Sulzer Saline wird erstmals 1252 urkundlich erwähnt. Neben dem Grundherrn waren auch Bürger und Ortsadelige, wie die Gut von Sulz, seit dem 14. Jh. im Besitz der Saline. Im 15. Jh. verarmten die Herren von Geroldseck, die damaligen Grundherren, und verkauften ihre Anteile an der Saline an Bürger, die Stadt Sulz, die Geistliche Verwaltung, sowie Auswärtige wie die Klöster Alpirsbach und Wittichen. Nachdem Sulz 1471 württembergisch geworden war, wurde die Saline landesherrliches Lehen. Sie blieb bis ins 18. Jh. hinein im Besitz von Sulzer Bürgern, der Stadt Sulz und einigen Auswärtigen. Seit dem Stadtbrand von 1581 erwarb Württemberg stetig Anteile am Salzwerk bis es 1707 über die Hälfte des Hallenkapitals verfügte. 1735 brachte sich die Herrschaft Württemberg vollends in den Besitz der ganzen Saline, indem sie den übrigen Besitzern von Hallenanteilen diese gegen Bezahlung des dreifachen Kapitals abkaufte. Nachdem Württemberg 1738 noch den Stadtschacht auf dem Marktplatz erworben hatte, besaßen die Herzöge in Württemberg das Salzmonopol. Der Versuch, den Ertrag der Saline durch technische Verbesserungen zu steigern, die mehr Platz benötigten, wurde durch eine genossenschaftliche Verwaltung möglich, deren Verfassung im New Saltz Büchlein 1572 niedergelegt war. Wurde auf dem Marktplatz das Salz in 14 Siedepfannen gesotten, baute man 1571 auf dem Wöhrd gemeinschaftliche Siedhäuser. Deren Siedepfannen wurden nach Vorschlägen von Heinrich Schickhardt 1595 mit zwei Vorwärmpfannen zur Ertragssteigerung und zur Verringerung des Holzverbrauchs ausgestattet. Ein weiterer Modernisierungsversuch wurde in der ersten Hälfte des 18. Jh. unternommen, nachdem die Saline in württembergischem Besitz war. Ab 1737 begann man mit dem Bau moderner Gradierhäuser und unter der Leitung des Salinensachverständigen Joachim Friedrich von Beust wurde 1749 mit dem Solebergbau begonnen. Seit dieser Zeit wurde neben Salz die so genannte Hallerde gewonnen und rentabel als Düngemittel für die Landwirtschaft verkauft.

Mit dem Beginn des Bergbaus zur Gewinnung der Sole erhöhte sich die Zahl der Arbeiter in der Saline um die Belegschaft des Bergwerkes. Im Jahr 1799 betrug die Anzahl der Arbeiter im Bergwerk 32, darunter waren vier Kunstwärter (Maschinisten), neun Bergleute, drei Lehrhauer, 15 Mann Fördervolk und ein Schießmeister. Wohl schon im 18. Jh. wurde für die Arbeiter der Saline eine Salinen-Invaliden-Hilfskasse eingerichtet.

Seit 1803 war Sulz nicht mehr die einzige Saline Württembergs. Im Vergleich mit den Salzwerken in den neuwürttembergischen Gebieten war die Sulzer Produktion am geringsten. Versuche der Produktionssteigerung wurden durch die Bohrung nach neuen Salzlagern unternommen, die 1840 in Bergfelden Erfolg hatten. Dort konnte eine hochwertige Sole gewonnen werden, die zur Steigerung des Ertrags führte. Das ständig herrschende Brennstoffproblem der Saline konnte seit dem Anschluss von Sulz an das Eisenbahnnetz 1867 durch Steinkohle gelöst werden. Dennoch blieb Sulz die kleinste Saline in Württemberg. Bereits zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde das Hallerde-Bergwerk unter dem Gähnenden Stein geschlossen und die Düngemittel-Herstellung eingestellt. Das Salinenwerk selbst stellte am 1. April 1924 auf Betreiben der Stadt Sulz endgültig seinen Betrieb ein. Die Stadt kaufte das Gelände der Saline, um dort eine neue Schule zu bauen und neue Industrie anzusiedeln. Allein die Soleförderung in Bergfelden wurde zu Kurzwecken weiter betrieben, bis 1943 die Soleleitung schadhaft geworden war und das Bohrloch einstürzte.

Corinna Schneider

Veröffentlicht in: Der Landkreis Rottweil. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Rottweil (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2004, Bd. 2, S. 264f. 
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