Die Rumfordsche Suppenanstalt in Karlsruhe

Grundriss und Ansicht der Rumfordschen Suppenanstalt, Karlsruhe 1805. Vorlage: Landesarchiv BW, GLAK G Karlsruhe 1077
Grundriss und Ansicht der Rumfordschen Suppenanstalt, Karlsruhe 1805. Vorlage: Landesarchiv BW, GLAK G Karlsruhe 1077

Heinrich Heine kannte sie und auch bei Karl Marx wird sie erwähnt, die nach Benjamin Thompson Graf Rumford (1753 –1814) benannte Rumfordsuppe. Dieser hatte sie um 1795 zur besseren und möglichst kostengünstigen Ernährung des Militärs und der armen Bevölkerung in München erfunden, als er in Diensten Karl Theodors von der Pfalz, ab 1777 Kurfürst von Bayern, stand. Zum Grundrezept gehören Erbsen, gerollte Gerste (Graupen), Salz, Butter, Grünzeug, Essig, Kartoffeln, Wasser und Brot. Mit Ausnahme des Brotes sollten die Zutaten insgesamt drei Stunden gekocht und dann über das zerstückelte Brot verteilt werden. Das Kauen des Brotes diente der besseren Verdauung und des längeren Genusses der zähflüssigen Suppe.

Kurfürst Karl Friedrich von Baden hatte schon als Markgraf im Jahr 1800 angeregt, eine Stätte zur Verköstigung der Armen zu schaffen. Daher holte die zuständige Polizeideputation in Karlsruhe aus München und Mannheim Erfahrungsberichte zu dort vorhandenen Rumfordschen Suppenanstalten ein. Auch Rezeptvarianten – das Mannheimer Rezept enthielt bereits etwas Fleisch – waren beigefügt, da man die Notwendigkeit einer gewissen Abwechslung bei der Darreichung der Suppe erkannt hatte. Am 2. Mai 1804 fand mit Soldaten der Grenadierkaserne ein Probeessen statt. Koch war auf Wunsch des Kurfürsten der ehemalige Schwanenwirt aus Rintheim, Eberhard Schimpf. Die Kosten des Essens rechnete der Handelsmann und Armenpfleger Sebald Forstmeyer ab. Mit einer Spende Karl Friedrichs von Baden über 1.000 Gulden entstand nach dem Vorschlag Friedrich Weinbrenners die Suppenanstalt als Anbau an das Gewerbehaus. Das Gebäude enthielt eine Küche, die mit dem ebenfalls von Graf Rumford erfundenen energiesparenden Herd ausgestattet wurde. Der Rumfordherd war so konstruiert, dass er erheblich weniger Holz als bisherige Kochstellen verbrauchte. Dazu kamen ein großer Speisesaal, eine Speisekammer für Vorräte, eine Remise für Holz und Kohlen und als Besonderheit ein kleines Speisekabinett, in dem Menschen, die sich ihrer Armut schämten, ungesehen essen konnten.

Durch die Polizeideputation wurde die Inbetriebnahme der Anstalt für den 3. Dezember 1804 öffentlich angekündigt und die Suppenhausordnung bekannt gegeben. Die Suppe wurde zu bestimmten Zeiten mittags und abends ausgeteilt. Sie war für die ärmere Bevölkerung, Soldaten oder durchreisende Handwerksburschen gedacht und kostete zwei Kreuzer. Wohlhabende Bürger konnten Billets kaufen, die an Arme weitergegeben wurden. Außerdem gab es Legitimationen, die registrierte Arme zum kostenlosen Essen berechtigten. Die entsprechende Liste umfasste 109 Namen. Der Arzt Dr. Christian Ludwig Schweickhard vermerkte darauf bei ihm bekannten Personen jedoch mehrfach, dass die Suppe nicht geeignet sei, weil bei Krankheiten wie Engbrüstigkeit die Kraft zur Verdauung fehle.

Innerhalb des ersten Jahres bereitete Schimpf 18.855 Portionen zu. Was übrig blieb, wurde kostenlos an Kinder im Gewerbehaus abgegeben. Da die Suppenanstalt Verluste machte und man den Koch mit Familie als größten vermeidbaren Kostenfaktor ansah, wurde sie 1807 an Armenpfleger Forstmeyer verpachtet. Er beschäftigte eine Köchin und erwirtschaftete fortan meistens Gewinn. Nach seinem Tod wurde Wurstmacher Michael Schurr 1815 Pächter. Obwohl dieser bald wieder Verluste machte, erachtete die Verwaltung das Vorhandensein der Rumfordschen Suppenanstalt zur Versorgung der armen Bevölkerung als wichtiger. In Zusammenhang mit dem Ausbruch des Vulkans Tambora 1815 und der damit verbundenen Nahrungsmittelknappheit und Teuerung stieg der Suppenpreis bis auf vier Kreuzer, wurde im September 1817 aber wieder gesenkt. Mit dem Umbau des Gebäudes zu Wohnungen für Arme 1824 und dessen Schließung 1831 fand die Rumfordsche Suppenanstalt ein vorläufiges Ende.

 Gabriele Wüst

Quelle: Archivnachrichten 53 (2016), S.18.

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